Sonntag, 23. August 2015

Rollerderby: zu Besuch bei den Deadly Darlings Düsseldorf

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Ich hab da mal was ausprobiert: Rollerderby. Das Ganze sieht für mich erst mal aus wie eine Mischung aus Shorttrack (nur ohne Eis) und Rugby (nur ohne Ball) - also ziemlich vielversprechend! Die Regeln lassen sich am besten im Video erklären. Mit Menschen sieht das dann so aus. Ich hatte Lust, das mal zu testen und habe die Deadly Darlings Düsseldorf deshalb beim Training besucht. In der Rollsporthalle beim TuS Nord wird sonst Rollhockey und Rollkunstlauf trainiert - und eben Rollerderby, was den Rest im Coolnessfaktor ja mal mühelos schlägt. Die Mädels sind genau so drauf, wie ich es erwartet hatte: auf Anhieb sympathisch, ein bisschen alternativ und definitiv keine Tussis. Zwei Jungs sind zu meiner Überraschung auch dabei - ich dachte, das sei ein Frauensport. Vielleicht reichen ja lange Haare, um mit trainieren zu dürfen?


Zuerst bekomme ich die Ausrüstung ausgehändigt: außer meinem Fahrradhelm habe ich nämlich selbst nichts dabei, was ich gebrauchen könnte. Knieschoner, Ellenbogenschoner, Handgelenkschoner und natürlich: Rollschuhe. Ich kann Inlineskaten, aber das letzte Mal auf solchen Rollschuhen stand ich mit 5 oder 6 Jahren. Danach fand ich sie vermutlich uncool und wollte Skates. Größte Befürchtung also: Ich werde damit nicht fahren können. Ich werde mich sofort auf die Nase legen. Realität: Ich bin etwas wacklig auf den Beinen, aber soo anders fühlt es sich gar nicht an.

Zebra-Klebeband hält die zu großen Schoner dort, wo sie hingehören. Schick!
Bevor ich überhaupt vernünftig fahren kann, lerne ich fallen. Freiwillig. Erst auf ein Knie. Wieder aufstehen. Dann auf das andere. Wieder aufstehen. Dann auf beide hintereinander. Wieder aufstehen. Dann auf beide hintereinander, Kopf zwischen die Arme und den Körper ganz klein machen. Die letzte Art zu fallen ist die wichtigste, bekomme ich sofort eingeschärft - nur so bekommt man im Spiel keine Strafpunkte.


Nachdem ich fallen kann, fällt mir auf, dass wir über das Bremsen noch gar nicht gesprochen haben. Möglichkeit 1: fallen. Möglichkeit 2: Bande. Möglichkeit 3 und etwas eleganter: T-Stop. Kenne ich vom Inlineskaten, ist mit Rollschuhen aber ziemlich ungewohnt. Ich soll beim hinteren Fuß, also dem, den ich quer zur Fahrtrichtung stelle, entweder die beiden äußeren Rollen oder die beiden vorderen belasten. Das ist etwas komplizierter, als wenn alle vier Rollen direkt hintereinander sind. Ich bin dabei ziemlich wacklig, aber mit den beiden vorderen Rollen klappt es einigermaßen. Möglichkeit 4 hat ein bisschen was von Skifahren: ich fahre einen Kreis (naja, ein O) und belaste dabei die inneren Rollen mehr, so dass ich zum Stehen komme.


Nachdem ich fallen und einigermaßen bremsen kann und mich nicht mehr ganz so sehr wie der erste Mensch auf Rollschuhen fühle, darf ich Slalom fahren. Die Gruppe ist mittlerweile geteilt: Die Profis üben taktische Spielzüge und wir Rookies sammeln Fahrpraxis. Einer der beiden Jungs bekommt den Auftrag, sich Übungen für uns auszudenken und ist dabei leider etwas einfallslos - deshalb fahren wir ziemlich viel Slalom und ziemlich wenig anderes. Irgendwann versuche ich mich am Rückwärts-Fahren, weil mir nichts mehr anderes einfällt, und ernte damit gleich mal einen Rüffel: "Fahr erst mal vernünftig vorwärts, bevor du rückwärts übst!" Nachdem in unserer kleinen Rookie-Gruppe bisher leider kaum korrigiert wurde, kommt gegen Ende nochmal eine der Expertinnen vorbei und erklärt uns "vernünftig vorwärts fahren". Neben auf den Beinen bleiben ist die größte Herausforderung für mich nämlich die Fahrposition, der Derbystance.

Das Ganze fühlt sich ungefähr so an, als würde man über einem öffentlichen Klo hängen. Die Beine sind also gebeugt, der Oberkörper bleibt aber gerade. Wenn ich mich nach vorne lehne, klappt das ganz gut, mit geradem Oberkörper fühlt sich das ziemlich seltsam an und geht mordsmäßig in die Oberschenkel. Ich dachte, die seien vom Radfahren einigermaßen trainiert... Pustekuchen! Der untere Rücken meldet sich auch ziemlich schnell, sobald ich die richtige Position übe. Ganz schön anstrengend!


Zum Ende des Trainings (nach 2 Stunden! puh!) dürfen wir Rookies wieder zum Rest dazu stoßen und auch auf der Ovalbahn fahren. Jetzt geht es im Slalom durch die anderen Fahrer hindurch, alleine oder zu zweit, vorwärts und rückwärts (aha!). Zuletzt bilden wir einen Zug von je 5 oder 6 Leuten, bei dem der letzte alle schieben und der vordere lenken muss. Ganz zum Schluss wird gedehnt.

Ich bin froh und ein kleines bisschen stolz, mich nicht ganz so dämlich angestellt zu haben, wie ich befürchtet hatte. Immerhin habe ich mich nicht freiwillig lang gemacht! Für Beine und Rücken wäre das auf jeden Fall ein super Ausgleich und da ich so nett aufgenommen wurde, möchte ich auch gern nochmal wieder kommen. Leider überschneidet sich das Training samstags exakt mit dem Wasserballtraining. Da das aber auch oft genug ausfällt, werde ich mal versuchen, beides hinzubekommen. Mir hats Spaß gemacht, mal eine ganz andere Art von Sport auszutesten: eine, bei der es vorrangig erst mal nicht um Bestzeiten, Pace und Equipment geht (wobei, anscheinend kann man über Rollschuhrollen auch sehr intensiv fachsimpeln). Trotzdem erfrischend, dass hier erst mal der Spaß im Vordergrund steht. Vielleicht der Unterschied vom Individual- zum Mannschaftssport? Liebe Deadly Darlings, ich komme wieder!

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