Donnerstag, 17. August 2017

Buchtipp: Rad und Raus - Alles für Microadventure und Bikepacking

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Ein Buch, das mir erklärt, wie ich Abenteuer mit dem Fahrrad erlebe - nimmt das der ganzen Sache nicht per se schon sämtliche Aufregung? Wie abenteuerlich kann eine Radreise denn sein, wenn man sich vorher gemütlich auf der Couch informiert hat, was eine gute Idee ist, was eine eher schlechte, wie das so funktioniert mit dem Bikepacking und dem Microadventure? Dieses Wort begegnet dem Leser in Gunnar Fehlaus Rad und Raus übrigens ziemlich häufig: Microadventure. Und so unsexy es erscheint, zuerst eine Anleitung zu lesen, um sich dann vorbereitet ins Abenteuer zu stürzen - das Buch schafft es, dass ich am liebsten sofort losradeln möchte. Schon nach der Hälfte bin ich kurz davor, eine superleichte Isomatte und ein winziges Zelt zu erstehen. Zum Glück lese ich erst mal weiter, denn ein Zelt ist für Draußenschläfer gar nicht so die ultimative Empfehlung. Der Grund: Wer sein Zelt einfach irgendwo im Wald aufschlägt, betreibt Wildcamping und das ist verboten. Achja, da war was. Mit einem Tarp, das auch irgendwie so eine Art Dach über dem Kopf ist, aber eben kein Zelt, sieht das ein bisschen anders aus - kein direkter Freifahrtschein, aber immerhin eine rechtliche Grauzone. Davon schon mal etwas gehört zu haben, bevor man munter losradelt, schadet definitiv nicht.


Je länger ich lese, desto stärker manifestiert sich der Gedanke: "Du brauchst gar nichts kaufen, setz dich einfach aufs Rad und fahr los." Denn für die Mini-Radreise mit nur einer Übernachtung (ein weiteres fancy Wort: "Overnighter") braucht es laut Rad und Raus gar nicht viel. Gunnar Fehlau behauptet sogar, dass man das meiste dafür sowieso zuhause hat: Im Keller, auf dem Dachboden, vom letzten Camping oder aus längst vergangenen Pfadfinderzeiten. Bei mir wäre es dann eher die Festivalvergangenheit, die wohl noch noch den einen oder anderen Campingkocher und Schlafsack zurück gelassen hat. Wer sich doch mit dem neuesten heißen Ultralight-Bikepacking-Scheiß ausstatten will, der bekommt im Buch auf jeden Fall die passenden Tipps. Und wer Ausrüstung unbedingt vorher testen möchte, kann das ja mal bei einer Übernachtung auf dem Balkon machen. Weil meine Wohnung damit nicht dienen kann, spiele ich seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, eine Nacht im Grafenberger Wald zu verbringen. Zehn Minuten von zuhause entfernt, falls es doch zu abenteuerlich werden sollte.


Bisher bin ich nicht zu meinem ersten Overnighter aufgebrochen. Das liegt aber definitiv nicht an Rad und Raus von Gunnar Fehlau: Das kurzweilige Buch im handlichen Format macht mit teilweise sehr traumhaften Fotos und unzähligen, wahrscheinlich hilfreichen Tipps absolut Lust aufs Fahrrad-Abenteuer. Was mich abhält, ist der zurzeit mit Arbeit, Studium und Training gut durchgetaktete Alltag. Und ein klitzekleines bisschen vielleicht auch die Tatsache, dass ich alleine unter freiem Himmel schlafen nicht nur abenteuerlich, sondern ehrlich gesagt auch ein bisschen gruselig finde. Vielleicht werde ich daher beim ersten Mal doch nicht den nächstbesten Wald, sondern einen sicheren Campingplatz ansteuern. Denn auch das lehrt mich Rad und Raus: Dein Bikepacking-Abenteuer ist genau das, was du daraus machst.

Rad und Raus - Alles für Microadventure und Bikepacking“ (Werbelink) von Gunnar Fehlau ist im Delius Klasing Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro. Das Buch hat 160 Seiten mit 160 Farbfotos und passt mit 12,4 x 18,4 Zentimeter in jede Tasche. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.



Kommentare :

  1. Ich denke, dass es einen Grund hat, dass Tarp Grauzone ist, denn wer will schon, wie du ja auch nicht, nur mit dem Ding über Kopf und Körper im Wald schlafen und weil es wohl nicht so viele tun werden, gibt es ja auch keine Notwendigkeit, dieses zu ahnden. Aber es gäbe ja noch Hängematten, die man hoch oben aufspannen könnte :-)

    Ich habe mal von einem gelesen, der den Rhein stromabwärts von Holland bis an die Quelle geradelt ist und nur in Parks und auf Rheinwiesen gezeltet hat. Das fand ich schon krass mutig. Aber ein Tarp ... neeee, nichts für Mutti :-)

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  2. Kenne ich aus alten Motorradzeiten: einfach in der nächsten Feldweg abbiegen, Isomatte und Schlafsack ausrollen, Pennen. Aus dem Microadventure wurde ein Maxiadventure, als ich am Morgen einem ausgewachsenen Stier in die Augen blickte. Der war wohl ausgebüchst, aber zum Glück friedlich.

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