Freitag, 22. Dezember 2017

2017 - Schneller, weiter, dreckiger

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Ich habe mir angewöhnt, am Ende des Jahres einmal zurück zu blicken - nicht, um damit zu prahlen, was ich alles Supertolles erreicht habe, sondern um mir vor Augen zu führen, wo die Entwicklung in den letzten zwölf Monaten hin gegangen ist. Was war Anfang des Jahres anders als jetzt? Was habe ich zum ersten Mal gemacht? Was lief gut, wo ist Luft nach oben? Was hat am meisten Spaß gemacht und was möchte ich fürs nächste Jahr mitnehmen? Zuerst ein paar Zahlen zu meiner Saison 2017:


Zahlen, Daten, Fakten 2017

Anzahl der Startlinien, an denen ich in diesem Jahr gestanden habe: 25
Davon im Wasser: 4
Davon auf dem Rad: 13
Bleiben für Laufschuhe übrig: 8

Distanzen:
Kürzestes Rennen (Strecke): Rad Race Battle in Hamburg, 190 Meter
Längstes Rennen (Strecke): am gleichen Wochenende wie das Rad Race: Cyclassics Hamburg, 120 km

Zeiten:
Kürzestes Rennen (Zeit): keine Zeitmessung beim Rad Race Battle, daher Neusser Erftlauf über 5 km in 24:33 Minuten
Längstes Rennen (Zeit): Mitteldistanz beim Wasserstadt Triathlon Hannover, 06:28:03 Stunden

Härtestes Rennen: Es steht 1:1 zwischen der Mitteldistanz in Hannover und dem MTB-Halbmarathon in Daun. Das Lachen täuscht.


Größte Schnapsidee: Erst bei der Duisburger Winterlaufserie Halbmarathon laufen und nur eine Stunde später zum ersten Mal Cyclocross-Rennen in Düsseldorf fahren. Nicht klug, aber geil.

Magischster Rennmoment: Mit Kettcars "48 Stunden" im Ohr und Tränen in den Augen bei den Cyclassics realisieren, was Erfolg für mich bedeutet.

Schönster Lauf: Halbmarathon beim Rhein City Run. Sich nach einer Nacht ohne Schlaf mit Null Erwartungen selbst überraschen: unbezahlbar.

Schönstes Finish: Hannover. Weil so eine Mitteldistanz eine verdammt verrückte Geschichte für mich ist und einfach alles stimmte. Triathlon-Familie vor Ort, perfekte Mischung aus vollkommen erschöpft und vollkommen glücklich und dazu unglaubliche Dankbarkeit für großartige, während des Rennens kennengelernte Menschen, die mich nicht mehr allein gelassen und kurz vor der Wunsch-Zeit über die Ziellinie geschoben haben.


Trainingskilometer 2017:
Laufen: 882 km - minimalistisch, aber ausreichend!
Rad: 4707 km; 21.391 hm - das ist für einen Radfahrer nicht viel, für mich aber einfach mal 2.000 km mehr als 2016.
Schwimmen: Geschwommen bin ich auch schon mal.

Trainingsstunden 2017:
Laufen: 90 Stunden 19 Minuten
Rad: 194 Stunden, 48 Minuten
Schwimmen: Ob sich der Aufwand fürs Schwimmen in Stunden messen lässt, ist fraglich.

Erste Male 2017

Klar, hier stehen dieses Jahr einige größere Sachen in der Liste. Aber es sind auch die kleineren, die das Herz hüpfen lassen.

Erster Marathon: 
Ich bin im April meinen ersten Marathon gelaufen. Zuhause in Düsseldorf, halbwegs heimlich und mit allerbester Unterstützung von Freunden und Familie. Ich kann mir kein schöneres Debüt vorstellen! Auch wenn einige Kilometer sehr hart waren, habe ich beim Finish gewusst, dass das nicht alles sein kann. Ich werde das nochmal machen!

Hier geht's zu den Artikeln:
Heimliche Marathon-Vorbereitung Teil 1
Heimliche Marathon-Vorbereitung Teil 2
Mein erster Marathon: Metro Marathon Düsseldorf 2017


Erste Triathlon Mitteldistanz: 
Im Juni stand die erste Triathlon Mitteldistanz im Kalender. Mein Respekt vor einem Wettkampf, der voraussichtlich nochmal zwei Stunden länger als der Marathon dauert, war auf jeden Fall gigantisch - und ist es auch immer noch. Das ist das Faszinierende an der Mitteldistanz: Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Ich bin unheimlich froh und stolz, dass ich es geschafft habe, aber die ganze Sache flößt mir immer noch einen Heidenrespekt ein. Dieser Zustand fern ab von Zeit und Raum, während der Kopf sich ausschaltet (meistens!) und den Körper funktionieren lässt, ist absurd und zugleich spannend. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich drei Stunden komplett alleine auf dem Rad rumgekriegt habe. Ich weiß auch nicht, wieso ich überhaupt noch auf die Laufstrecke gegangen bin, wieso ich eine zweite Runde gelaufen bin. Nichts davon habe ich in diesen Momenten bewusst entschieden, sondern einfach gemacht. Ich bin sehr dankbar für drei wunderbare Begegnungen auf der Laufstrecke, dir mir den Arsch und vielleicht sogar das Finish gerettet haben. Aber: Ich weiß nicht, ob ich mir das nochmal antun muss.

Wasserstadt Triathlon Hannover - Mitteldistanz 2017



Erstes Cyclocross-Rennen: 
Schnapsidee galore: Erst seit ein paar Tagen einen Crosser besitzen, Null Erfahrungen im Gelände haben, einfach mal ein Rennen fahren und unmittelbar vorher noch Halbmarathon laufen. Hört sich maximal bescheuert an, hat aber funktioniert. Ich habe mein Herz auf Anhieb ans Crossen verloren. Und wie.

Erstes Crossrennen: Cyclingworld Cyclocross Challenge
NRW Cross Cup 2017 inklusive hochgradig philosophischer Erklärung, was an Crossrennen so wunderbar ist


Erstes Rennrad Kriterium: 
Meine bisherigen Rennrad-Rennen waren groß und mit vielen gesperrten Straßen: Berlin, Hamburg, Münster. Kriterien sind ein kleines bisschen spezieller, werden von Vereinen organisiert und finden auf kleinen Rundkursen statt, auf denen mehrere Runden gefahren werden. Das Teilnehmerfeld ist deutlich überschaubarer. Der Anspruch ist ein bisschen höher als bei den großen Rennen, weil man sehr viele Kurven fahren und somit sehr oft antreten muss - trotzdem ist es nicht so, als seien nur Profis am Start. Es gibt auch Hobby-Kriterien und es tut gar nicht weh, da mitzumachen. Direkt beim ersten Start durfte ich allerdings erfahren, wie das so läuft mit den Frauen im Radsport - extra Wertung? Siegerehrung? Fehlanzeige.

Erstes Kriterium: Rund um Bockum
Preis von Bochum Wiemelhausen - hoppla, irgendwie bin ich Bochumer Stadtmeisterin geworden.


Erstes Mountainbike Rennen: 
Irgendwie bin ich da in etwas hinein geraten. Mountainbike fand ich nie spannend. Wenn man mit den Coffee & Chainrings Boys rumhängt, lässt es sich allerdings nicht vermeiden, dass die Begeisterung für die breiten Reifen über schwappt. Da ich mit dem Crosser ja schon erste Erfahrungen im Gelände sammeln konnte, wollte ich dann auch wissen, wie sich eigentlich so ein MTB unterm Hintern anfühlt. Die Antwort ist: zuerst ungewohnt, mittlerweile aber ziemlich gut. Inzwischen weiß ich sowohl die Federung als auch die Übersetzung zu schätzen. Während meines ersten Rennens habe ich das etwas anders gesehen: 65 km, 1300 hm bei Regen quer durch die Eifel. Ich bin vorher noch nie im Regen durch den Wald gefahren und hatte nicht die leiseste Ahnung, wie sich 1300 Höhenmeter anfühlen würden. Sie fühlen sich scheiße an. Überlebt habe ich trotzdem irgendwie - Ansgar sei Dank.

Vulkanbike MTB Halbmarathon


Und sonst so?

2017 war das Jahr der Tour de France in Düsseldorf. Was für ein Spektakel! Was für Emotionen. Ich war gleich dreifach involviert:
Im April bin ich unter anderem mit André Greipel, John Degenkolb und einigen anderen Radprofis ein Stück der Tour-Etappe testweise gefahren. Ja, mit dem Rad! Kreisch!
Schließlich dann im Juli: Grand Départ in Düsseldorf. Ein Erlebnis der Kategorie once in a lifetime.
Tissot hatte zu Inside Tour de France eingeladen: Ich war zwei Tage in Frankreich und durfte hinter die Kulissen der Tour schauen, auf der gesperrten Strecke radeln, mit dem Helikopter über das Rennen fliegen und lauter verrückte Sachen machen. Danke dafür!


Seit 2017 bin ich außerdem ein Teil von Coffee & Chainrings. Hinter dieser wunderbaren Truppe steckt ein kleiner, aber feiner Haufen Fahrrad-Enthusiasten, von denen einige online sehr aktiv sind und andere kaum. Alle vereint, dass sie das Herz am rechten Fleck haben und verdammt gute Typen sind. Auch wenn wir uns nicht immer einig sind, schätze ich den Austausch, das Anfixen mit bekloppten Ideen und den Teamgeist. An der Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Ansgar, ohne den ich meine MTB-Erfahrung in der Eifel wahrscheinlich ein Stück weit traumatischer in Erinnerung hätte, und an Markus für einfach alles.


Triathlon: Nach der Mitteldistanz reizt mich zurzeit kein neues Ziel. Ich habe meine Triathlon-Saison schon im Juli beendet - nach den Sprints in Düsseldorf und Hamburg. Besonders an Hamburg denke ich gerne zurück, weil einfach alles gepasst hat. Ein schöner Abschluss - und bisher stehen keine neuen Pläne im Kalender.

Scheiß Wetter: Kann mir gar nix mehr. Ich erinnere mich noch sehr oft an Braver Than The Elements im März - 90 km radeln bei 8° und Dauerregen. Wenn man das einmal hinter sich hat, ist irgendwie auch alles egal. Zum Beispiel der erste Triathlon der Saison in Gladbeck, Olympische Distanz bei Gewitter. Aber nicht nur auf dem Rennrad war es 2017 nass, sondern auch im Gelände: Dass mein erstes MTB-Rennen so ins Wasser fallen könnte, hatte ich vorher nicht in Betracht gezogen - schön blöd. Beim Cyclocross rechnet man ja schon eher mit Dreck und Matsch - und irgendwie ist von Mal zu Mal weniger von meinem Gesicht zu erkennen.


Mach immer, was dein Herz dir sagt: Es ist das pure Glück, etwas zu unternehmen und im selben Moment zu wissen, dass man gerade nichts auf der Welt lieber tun würde. Um minus 1000 Uhr den ersten Sonnenstrahlen entgegen fahren, raus aus Hamburg, die Köhlbrandbrücke rauf. Die Cyclassics waren für mich sehr emotional und erkenntnisreich - manche studieren Philosophie, ich fahre halt Rad ... Aber auch beim Laufen habe ich eine sinnvolle Erkenntnis gewonnen: Du bist immer dann am besten, wenn's dir eigentlich egal ist. So wie beim Rhein City Run von Düsseldorf nach Duisburg.  


Ich bin 2017 das eine oder andere Mal mehr ins kalte Wasser gesprungen, habe Dinge geübt, die ich nicht gut kann, die mir trotzdem Spaß machen und andere Dinge zu den Akten gelegt, die mir weniger viel Spaß machen - schwimmen zum Beispiel. Ich habe viele großartige Menschen kennengelernt. Ich habe Grenzen verschoben, viel Neues ausprobiert und versucht, mich weiterhin in Gelassenheit zu üben. Das klappt nicht immer - fragt mal alle, die in der Woche vor dem Marathon mit mir zu tun hatten! Ich bin dankbar für ein Jahr, in dem ich ohne nennenswerte Verletzungspausen ausprobieren konnte, was möglich ist, was ich kann, was ich möchte und was ich noch viel besser können möchte.

2018 gehört übrigens nicht nur sämtlichen Arten von Fahrrädern, sondern auch weiterhin den Laufschuhen. Und zwar nicht nur kurz und schnell, sondern auch nochmal lange und langsam. Beim Radfahren warten auch unterschiedliche Herausforderungen: Von sehr weit bis rund um die Uhr bis kurz und intensiv wird alles dabei sein. Ich freu mich drauf und danke euch, dass ihr dabei seid! Kommt gut ins neue Jahr!

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