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Montag, 8. November 2021

Querfeldrhein - Cyclocross in Düsseldorf

Endlich hat Düsseldorf (wieder) ein Crossrennen - und was für eines! Die Schicke Mütze und der Cyclingclub Düsseldorf haben Querfeldrhein oder die Düsseldorfer Ausgabe des Wahoo Rival Cross veranstaltet. Samstag Lizenzrennen inklusive Bundesliga, Sonntag die Hobbyklassen, alles auf der Galopprennbahn in Grafenberg - herrlich!


Obwohl mein Fitnesszustand gerade jenseits von gut und böse ist, konnte ich mir das Heimspiel nicht entgehen lassen und habe mich an die Startlinie gestellt - und direkt in der ersten Kurve auf dem Schotter den Boden geküsst. Wie das Rennen ansonsten verlaufen ist, habe ich hier bei Coffee & Chainrings aufgeschrieben: Querfeldrhein - Cyclcocross-Premiere auf der Düsseldorfer Galopprennbahn.


Allerbesten Dank an Rennradnews für die Fotos.

Dienstag, 16. April 2019

Radeln im Dunkeln? - Testbericht: Busch & Müller Ixon Space

Hast du schon einmal im Dunkeln auf dem Rad gesessen? Ich meine nicht den Arbeitsweg durch die Stadt im Winter, sondern ein Rennradtraining auf einsamen Wirtschaftwegen oder eine Nachtfahrt mit dem Mountainbike durch den Wald. Rennrad im Dunkeln finde ich faszinierend. Ich habe das Gefühl, alle Sinne schärfen sich und ich bin unglaublich wachsam, wenn ich in der Dunkelheit über den Asphalt flitze. Aber ich muss zugeben: So richtig in den Wald habe ich mich ohne Tageslicht noch nicht getraut, obwohl im Winter abends in Düsseldorf sogar MTB-Gruppenausfahrten angeboten werden. Da bin ich etwas schissig, fühle mich selbst tagsüber nicht immer sicher genug und hatte bisher auch vor allem ein Problem: keine gescheite Lampe. Diese Ausrede fällt jetzt weg, denn Busch & Müller hat mir das Flaggschiff unter den Akku-Scheinwerfern zur Verfügung gestellt: Ich habe den IXON SPACE* bereits seit Ende letzten Jahres im Einsatz. Das Test-Angebot kam genau zur richtigen Zeit, weil meine alte Lampe ihren Geist aufgegeben hatte und selbst mal eben abends durch die Stadt flitzen nicht mehr drin war.

Nun bin ich also besser ausgestattet, als es mein studentisches Budget jemals zugelassen hätte. Weil ich reine Testberichte so schnarchig finde und zudem überhaupt kein Technik-Experte bin, schreibe ich stattdessen über meine Faszination am Radeln im Dunkeln. Die Infos zur Busch & Müller IXON SPACE findest du weiter unten.


Vor ein paar Wochen habe ich in der Insta Story gefragt, wer schon mal im Dunkeln Rennrad gefahren ist - mehr als die Hälfte hat geantwortet: ich nicht. Warum eigentlich nicht? Natürlich würde ich auch nicht ohne Beleuchtung nachts auf einer Landstraße fahren - aber mit einem guten Licht vorne und hinten, auf Strecken mit wenigen bis gar keinen Autos, am besten in einer Gruppe Radfahrer ist das absolut möglich. Tatsächlich hat das Fahren in der Gruppe im Dunkeln auch etwas für sich: Du musst dich unglaublich konzentrieren und sehr gut aufpassen. Das ist anstrengend, hilft aber auch unheimlich für Tageslicht-Gruppenfahrten, bilde ich mir jedenfalls ein.

Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie wir mitten in der Nacht in Essen aufgebrochen sind, um 333 Kilometer ans Meer zu fahren. Da war es stockdunkel, die Gruppe fremd und ich müde - erst einmal unbehaglich, aber die frische, kalte Luft hat mich so schlagartig aufgeweckt, dass ich mich schnell daran gewöhnt hatte. Dass wir so früh gestartet sind, hat der ganzen Mission gefühlt noch einmal einen Hauch mehr Wichtigkeit verpasst. Als hätten wir uns auf einem Eroberungszug von Essen bis zur Nordsee befunden. Ganz anders ging es mir bei der ersten Nachtfahrt beim 24h-Rennen bei Rad am Ring. Der Wecker ging um 4:15 Uhr, um 5 Uhr saß ich auf dem Rennrad. Warum zur Hölle? Dabei ging mir anfangs vor allem "wie bescheuert bist du eigentlich?" durch den Kopf, bis mir eingefallen ist, dass ich das mache, weil ich es möchte. Weil es Spaß macht. Weil es etwas anderes ist als das, was du jeden Tag erleben kannst.


Eine Trainings-Nachtfahrt kann man auch zuhause relativ einfach einbauen. Was bei mir immer noch auf der To-Do-Liste steht, ist der Wald bei Nacht. Mit dem Crosser war ich bisher zwar im Dunkeln auf ein paar holprigen Feldwegen unterwegs, aber nicht auf schwierigen, technischen Passagen. Ich werde noch etwas Üben und es dann Ausprobieren! Hilfreich dabei ist natürlich eine vernünftige Beleuchtung und daher jetzt mal zu den Details:

Was kann der Busch & Müller IXON SPACE*?
Erst einmal bietet er 150 Lux - und dass das verdammt viel ist, weiß sogar ich. Der integrierte Lithium-Akku lässt sich über USB aufladen. Andersrum bietet die Lampe sogar eine Powerbank-Funktion und kann das Smartphone oder Garmin laden. Die Lichtstärke lässt sich per Touch-Slider wählen - ohne Probleme mit einem Finger während der Fahrt. Praktischerweise zeigt das leuchtende Display die Restleuchtzeit in der jeweiligen Stufe an (je nach Stufe 2-30 Stunden). Der IXON SPACE kombiniert die Nahfeld-Ausleuchtung mit einem Großflächen-Lichtfeld - das bedeutet, im Gegensatz zu meinem alten Scheinwerfer sehe ich nicht nur den kleinen Bereich direkt vor dem Rad, sondern habe die Fahrbahn breit und weit ausgeleuchtet. Der Akku-Scheinwerfer ist StVZO-zugelassen sowie spritz- und regenwasserdicht. Natürlich gibt es einen Haken, denn wer so viel kann, hat seinen Preis und braucht Platz. Der IXON SPACE ist ganz schön gewaltig: Er ist 12 Zentimeter lang und bringt gut 250 Gramm auf die Küchenwaage. Der UVP ist 199€; der günstigste Online-Preis, den ich gefunden habe, liegt bei ca. 140€. Wie das beeindruckende Lichtfeld in den jeweiligen Stufen genau aussieht, ist am besten auf den Beispielbildern bei Busch & Müller zu sehen.


Meine Meinung:
Erst einmal: Natürlich bin ich völlig befangen. Meine alte Lampe ist kaputt, da hat's ein neuer Scheinwerfer, und dann auch gleich in der Größenordnung wie der IXON SPACE, natürlich erst mal ziemlich leicht. Tatsächlich war mein allererster Eindruck: Heilige Scheiße, was für ein riesiges Gerät! Gerade am Rennrad hat man ja ungern irgendwas Großes zusätzlich am Lenker. Aber ganz ehrlich: Wenn es dunkel ist, ist es auch total egal, wie groß die Lampe ist. Zur Sicherheit gehört selbst etwas sehen und gesehen werden - um beides mache ich mir hiermit definitiv keine Sorgen. Richtig praktisch finde ich die Befestigung, mit der sich der Scheinwerfer superschnell an- und abmontieren lässt, ohne dass eine extra Halterung am Lenker nötig ist. Die Bedienung mit dem Touch-Slider und die Infos im Display sind fette Pluspunkte. Ob die wirklich nötig sind, muss jeder selbst entscheiden - für mich persönlich eher die Kategorie "nice to have". Natürlich darf und sollte das Top-Modell mit komfortabler Bedienung und ein paar Extras aufwarten.

Ich nehme den IXON SPACE auch zum Bikepacking mit - nicht nur wegen des Lichtes, sondern auch wegen der praktischen Funktion, den Scheinwerfer im Notfall als Powerbank nutzen zu können.


Auf der letzten Rennradtour zu zweit im Dunkeln haben wir auf einem ruhigen Weg ausprobiert, was passiert, wenn die Lampe am zweiten Rad ausgeschaltet ist. Beim nebeneinander Fahren ändert sich gar nichts, der IXON SPACE erleuchtet den kompletten Weg und reicht locker für zwei - bevor sich jemand Sorgen macht: Natürlich würde ich das im Straßenverkehr nicht empfehlen und natürlich haben wir den zweiten Scheinwerfer schnell wieder eingeschaltet.

Die anspruchsvollste Strecke, auf der ich jemals im Dunkeln geradelt bin, ist der Nürburgring. Deshalb frage ich mich bei sämtlichen Lampen, ob ich sie auf die Nordschleife nehmen würde - für mich der ultimative Härtetest. Beim IXON SPACE muss ich nicht lange überlegen: Die hellste Stufe habe ich noch nie gebraucht - der ist definitiv Rad-am-Ring-tauglich!

Busch & Müller IXON Space bei Amazon*

Werbehinweis: Der IXON SPACE wurde mir von Busch & Müller kostenfrei überlassen. Danke dafür! Auf die Art oder die Inhalte des Testberichts wurde keinerlei Einfluss genommen. 

Mit * markierte Links sind Werbelinks. Wenn du über diese Links einkaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

Montag, 20. November 2017

Raceday No. 51 - Raiba Radcross Kendenich

Alles, was zählt, ist, heile um die nächste Kurve zu kommen. Nicht in der Matsche ausrutschen, nicht von der Strecke abkommen, mich möglichst nicht um einen Baum wickeln. Nicht zu viel bremsen, nicht zu wenig, bloß nicht in der schlammigen Kurve! Danach wieder antreten, irgendwie raus aus diesem Sumpf und weiter, immer weiter, bis das nächste Hindernis kommt. Die nächste enge Kurve, ein steiler Anstieg, Strohballen, die matschige Wiese, die nicht mehr als Wiese zu erkennen ist, oder die Treppe. Heilige Scheiße, die Treppe. Sie ist mordsmäßig steil, die erdigen Stufen sind ungleichmäßig und verdammt weit auseinander. Zu weit für Menschen mit kurzen Beinen wie mich, und erst recht zu weit, wenn man nicht nur alleine da rauf klettern muss, sondern noch ein Rad über der Schulter hängen hat.



Die Treppe hat eine 400 Meter lange Anfahrt, die eine einzige matschige Rutschpartie ist. Geradeaus fahren ist so gut wie unmöglich und langsam fahren würde stecken bleiben bedeuten - also sieht die Taktik folgendermaßen aus: so schnell es geht dadurch und hoffen, dass niemand zufällig genau auf der Seite überholen will, zu der ich gerade den nächsten unfreiwilligen Haken schlage. Schlamm spritzt mir in die Augen, ich kneife erst das eine zu, probiere vorsichtig, ob ich wieder etwas sehe, dann das andere. Soll eben ein Auge dreckig werden, dann hebe ich mir das andere für später auf - unglaublich ausgeklügelte Rennlogik. Eine Brille würde nur mäßig helfen - weniger Brennen im Auge, aber dafür genauso wenig Sicht. Am Ende der matschigen Gerade warten Strohballen, die mich zum Absteigen zwingen. Direkt dahinter die Treppe aus der Hölle. Während des Schreibens überlege ich, wie mir irgendjemand glauben soll, dass das Spaß macht. Nasse, kalte Füße, überall Matsche am Rad und am Körper, der Puls in astronomischen Höhen, mehr Schnappatmung als alles andere. Schnodder in der Nase und brennende Beine bergauf, absteigen, aufsteigen, weiter fahren, dazu der ständige Nervenkitzel, ob man bei der nächsten schlammigen Wiesen-Durchfahrt auf dem Rad bleibt oder nicht.

NRW Cross-Cup

Ja, es ist schwer zu erklären, wo hier der Spaß zu finden ist, und es sieht auch währenddessen nicht danach aus. Deshalb fange ich mal vorne an: In NRW gibt es diesen Winter eine hübsche Erfindung: Den Genesis NRW Cross-Cup. Auch wenn man als Hobbyfahrer rein gar nichts vom Cup hat, weil nämlich nur Lizenzfahrer in der Gesamtwertung gezählt werden, hat die ganze Geschichte für mich immerhin den Vorteil, dass ich auf die Renntermine aufmerksam geworden bin. In der Hobbyklasse starten kann man nämlich trotzdem - auch wenn man auf die Wertung im Cup verzichten muss.

Los ging's Anfang Oktober in Dorsten auf einer einfachen Strecke bei Dauerregen. In Führung liegend musste ich aussteigen, weil eine Scherbe in der Sandgrube meinem Hinterrad die Luft abgelassen hat. Bis dahin hat's Spaß gemacht - aber einen Kilometer für nichts mit Radschuhen inklusive Rad querfeldein rennen kann ich nur bedingt empfehlen.

Zwei Wochen später ging's in Radevormwald das zweite Mal in den Matsch: Das Wetter ebenfalls crosstauglich feucht, dazu eine anspruchsvolle Strecke mit engen Kurven durch den Wald, Wurzeln, kleinen Anstiegen, einer langen Treppe und einigen anderen Späßen. Wenige Chancen zum Überholen, aber für mich anscheinend leider genau die richtige Strecke, um mich dezent aus dem Leben zu fahren: Nach vier von fünf Runden waren sowohl die Kraft als auch die Konzentration komplett dahin und der Ofen aus. Die Rechnung kommt bei so einer Strecke sofort: zwei kleine Stürze, überholt worden, am Ende Platz 6 von 9.

Das MTB Race

Auf der schwierigen Strecke in Radevormwald kam mir der Gedanke, dass sie mir mit dem
Mountainbike möglicherweise leichter gefallen wäre als mit dem Crosser. In der Hobbyklasse sind oft beide Arten von Rädern erlaubt und so reifte langsam aber sicher die Idee, beim nächsten Mal einfach vor Ort je nach Bedingungen zu entscheiden, mit welchem Rad ich an den Start gehe. Kendenich nimmt mir die Entscheidung ab, weil im Cyclocross-Rennen nur Crosser erlaubt sind - ergibt ja irgendwie auch Sinn. Weil aber auch ein eigenes MTB-Rennen auf dem gleichen Kurs nach dem gleichen Format ausgeschrieben ist, muss ich nicht lange überlegen und melde beides: Erster Start mit dem MTB um 11 Uhr, zweiter Start mit dem Crosser um 15:40 Uhr - beide Rennen 30 Minuten lang, sollte genug Zeit zum Erholen dazwischen sein. Dazu das vermeintlich einfachere zuerst, danach mit dem Vorteil der Streckenkenntnis ins CX-Race. So weit die Theorie.


In der Praxis stellt sich heraus, dass die Geschichte mit dem MTB weniger einfach ist als gedacht. Meine Fahrtechnik-Skills sind so gut wie nicht vorhanden, schon gar nicht bei solchen matschigen Bedingungen. Der einzige Gedanke, der mir hilft: Das hast du in Daun auch geschafft. Die gleichen Umstände, aber eine viel schwierigere und längere Strecke. Mit richtigen Bergen, richtigen Downhills und nicht so einer Kindergeburtstags-Rutschpartie und einer lächerlichen Treppe, die sowieso alle zu Fuß gehen müssen. Achja, die Treppe. Während ich mich Stufe um Stufe hoch kämpfe, danke ich Markus, dem großzügigen MTB-Ausleiher dafür, dass sein Rad so verdammt leicht ist. Es könnte auch alles noch schlimmer sein!


Das Rennen selbst hält eine neue Situation für mich bereit: Auf dem MTB starten nur vier Frauen, zwei davon habe ich seit Beginn nicht mehr gesehen und die dritte fährt vor mir. Ich überhole sie ausgerechnet an den blöden Strohballen vor der furchtbaren Treppe und muss mir zum ersten Mal Gedanken darüber machen, wie es ist, so ein Rennen von vorne zu fahren. In Dorsten hat der Plattfuß alle taktischen Überlegungen im Keim erstickt, daher ist die Führungsposition für mich neu. All in und den Vorsprung möglichst weit ausbauen? Auf die Gefahr hin, dann gegen Ende einzugehen? Oder lieber konstant weiter machen und gucken, was passiert? Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es geil oder scheiße finde, vorne zu sein, weil diese Position mich unter Druck setzt. Viel entspannter ist ja die zweite Stelle, so lange du den ersten noch im Blick hast - du bleibst dran, machst dir keinen Stress, sparst Kräfte und überholst im richtigen Moment. Oder?


Ich will eine Runde später am einzigen steilen Anstieg ein bisschen zu viel und brauche danach ein paar Meter mehr zum Klarkommen - zack, ist die Zweite wieder an mir vorbei und ich kann in diesem Moment nichts entgegensetzen. So viel zur komfortablen zweiten Position - jetzt habe ich sie und mache rein gar nichts draus. Nochmal rankommen ist utopisch, also konzentriere ich mich wieder auf die Kurven, die Bäume, den Matsch, die Treppen, die Strohballen ... und bringe den zweiten Platz ins Ziel.


Das CX Race 

Vier Stunden später. Nachdem ich eine halbe Stunde lang nass und kalt auf der Suche nach dem Autoschlüssel umher geirrt bin, habe ich mittlerweile geduscht, zum ersten Mal heute etwas gegessen und fühle mich so langsam wieder wie ein Mensch. Ich bin trocken und wenn ich unter dem Heizpilz stehe und die Hände nach oben strecke auch halbwegs warm. Zum Elite-Rennen kommt die Sonne raus, obwohl für den ganzen Tag Regen angesagt war. Ich schaue mir das Duell zwischen MTB- und Rennradprofi auf dem Crosser an - Ben Zwiehoff fährt das Ding vor Nils Politt nach Hause, ziemlich lässig zum Zuschauen. Gerade in dem Moment, als ich so langsam wieder ans Warmfahren denken müsste, schüttet es wie aus Eimern. Ich hab keinen Bock mehr. Nicht nochmal in die Kälte, nicht nochmal nass und dreckig werden, möchte am liebsten einfach nicht starten.


Kneifen ist natürlich keine Option, also drehe ich eine Aufwärmrunde mit dem Crosser. Ich will wissen, wie die Strecke sich auf dem anderen Rad anfühlt, mache mir Sorgen um den steilen Anstieg und vor allem um die Matsche. Bergauf reicht die Kombination von Übersetzung und Beinen nicht - im Gegensatz zum MTB muss ich hoch laufen. Die Matsche ist weniger schlimm als befürchtet - Karlson pflügt sich tapfer durch das, was von der Wiese übrig ist, wenn ich nur nicht zu viel denke, geradeaus schaue und so schnell wie irgendwie möglich durch fahre. So richtig ist die Lust aber immer noch nicht wieder zurück. Als ich mich in die Startaufstellung einreihe, fängt es an zu schneien. Ja verdammt, mir ist kalt, aber doch nicht so! Der Schnee kommt plötzlich und in dicken Flocken. Natürlich bleibt rein gar nichts liegen, aber das ist egal. Ich bin froh, dass der Regen aufgehört hat und von diesen magischen weißen Dingern abgelöst wird. Der erste Schnee! Zum Start des Crossrennens! Kannste dir nicht ausdenken. Wie im Bilderbuch.


Mit dem Schnee kommt schlagartig meine Lust aufs Rennen zurück. Ich will da raus, gucken, was geht und vor allem herausfinden, wie ich mit dem Crosser über den Kurs komme. Ich habe lange nachgedacht, was mich am Rennen Fahren so reizt. Warum brauche ich den Wettstreit? Für die Anerkennung hinterher? Von Freunden und Familie, von mir selbst, online? Alles für die Likes? Wem will ich was beweisen? Es gibt auf Instagram den schönen Hashtag #findsomewheretoloseyourself. Ich verliere mich auf dem Rad. Gleichzeitig finde ich mich. Ich bin so sehr im Moment, im Hier und Jetzt, fokussiere mich auf die Kurven, die Bodenbeschaffenheit, die Schaltung, die Fahrer um mich herum, die Hindernisse, meine Atmung, meine Beine. Nichts anderes ist wichtig. Waren da vorhin noch Magenkrämpfe, Herzschmerz, Weltschmerz, irgendein anderes verdammtes Geschissel? Es ist alles egal. Zählt nicht. Denn ich muss über diese Strohballen.


Wenn acht Frauen und etwa 50 Männer im Rennen sind, ist es ziemlich unmöglich, den Überblick über die eigene Platzierung zu behalten. Ich weiß, dass einige Frauen hinter und andere vor mir sind, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, wie viele. Eine Zuschauerin ruft mir "Platz XY!!" zu, ich verstehe nichts, brülle zurück, höre die Antwort nicht. An der Sandgrube kennen Zuschauer meinen Namen, feuern großartig an, aber ich kann nicht aufsehen, bin damit beschäftigt, wieder auf das verdammte Rad zu klettern und einzuklicken. Der Sand und die Matsche in den Cleats machen das unmöglich. Ich donnere die Schuhe wie blöd gegen die Pedale, damit der ganze Scheiß raus fällt, eiere dabei durch die nächste Kurve. Mädchen, irgendwann musst du mal wieder treten!



Ich überhole eine Frau und weiß immer noch nicht, an welcher Position ich jetzt liege. Wenn du keine Ahnung hast, fährst du halt so, als ginge es ums Podium. Geht es auch tatsächlich - allerdings anders als gedacht. Ich werde noch auf der Zielgeraden wieder überholt und dann trotzdem zur Siegerehrung aufgerufen. Zum zweiten Mal heute. Hä? Freude, Verwirrung, zurück in der Realität. Schließlich stellt sich heraus, dass die theoretisch Drittplatzierte gar nicht in der Hobbyklasse hätte starten dürfen - meine Freude ist trotzdem ein kleines bisschen getrübt, weil ich ja eigentlich nur Vierte bin.



Wie auch immer - zwei Rennen, zwei Mal komplett nass und dreckig werden, zwei Räder einsauen bis zum Geht nicht mehr, kein Mal stürzen, zwei Mal aufs Podium klettern dürfen. Das macht Spaß! Weiter geht's am 16. Dezember in Pulheim. Ich freu mich drauf!


Danke an Christian Siedler für Begleitung und fantastische Bilder. Noch mehr Bilder gibt's hier.

Dienstag, 4. April 2017

Raceday No. 32 - Cyclingworld Cyclocross Challenge

Es gibt so Dinge, da hat das Herz schon längst entschieden, während der Kopf noch drüber nachdenkt. Das Cyclocross-Rennen auf der Düsseldorfer Cyclingworld ist genau so eine Sache. Die Veranstalter schreiben, sie wären ja schön blöd, wenn sie auf der eigens errichteten Offroad-Teststrecke kein Rennen abfeuern würden. Und ich wäre ja schön blöd, wenn ich nicht mitmachen würde. Als ich davon höre, haben sich 28 Männer und genau eine einzige Frau angemeldet. Das kann ja nicht angehen, also da müsste man ja ... Handfeste Gründe, die absolut dagegen sprechen, fallen mir allerdings auch ein: Ich habe den Crosser (er heißt übrigens Karlson, weil er fliegen kann) seit gerade mal zwei Wochen, habe seitdem genau zwei Mal darauf gesessen und bin zwar durch ein bisschen Matsch gefahren, aber nicht ernsthaft durch schwieriges Gelände. Ich weiß überhaupt nicht, wie das geht, was das Rad alles kann, was ich damit kann. Oder eben nicht. Der andere Haken heißt Halbmarathon bei der Duisburger Winterlaufserie. Beides ist am gleichen Tag, der Lauf startet um 15 Uhr in Duisburg und das CX Rennen um 18:15 Uhr in Düsseldorf. Zwei Stunden Laufzeit (wenn alles glatt geht), eine halbe Stunde Fahrtzeit - bleibt nicht mehr viel übrig für Wege, Umziehen, Klarkommen.


Obwohl eigentlich kein Weg an der Anmeldung vorbei führt, braucht der Kopf noch ein bisschen, um hinterher zu kommen. Es beruhigt mich ungemein, dass Markus, der Crosser-Vorbesitzer, nicht sofort die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, sondern im Gegenteil eher orakelt, wie anspruchsvoll so eine Messe-Teststrecke denn schon sein könnte. Er hat meine erste Bekanntschaft mit dem Querfeldeinrad beobachtet und traut mir anscheinend zu, mich bei der Aktion weder ernsthaft in Gefahr zu bringen noch komplett zu blamieren. Als ich Naomi mit leuchtenden Augen von der Idee erzähle, zuckt sie naomimäßig lässig mit den Schultern und fragt nur: "Wieso eigentlich nicht? Könnte zeitlich doch passen!"


Es passt. Beim Halbmarathon benehme ich mich wie beim Triathlon: Bloß nicht an die nächste Disziplin denken. Meine Wunsch-Zeit verpasse ich zwar um 38 Sekunden, aber bin danach nicht ausgelaugt und leer, sondern nutze die knappe Zeit für das Wichtigste: Toilette besuchen, Mitfahrer einsammeln, sämtliche Tendenzen zum Trödeln unterbinden und Diskussionen auf die Fahrt vertagen. Alle zum Auto schieben und los. Während ich fahre, schütte ich abwechselnd Iso in mich hinein und kaue auf einem Riegel herum. Naomi bastelt auf der Rückbank meine Startnummer ans Radtrikot, während sich Christian auf dem Beifahrersitz vermutlich leise fragt, was zur Hölle wir hier eigentlich machen und sich dann laut über die Gelegenheit zum Fotografieren freut.


Ich hatte am Vortag wegen des Zeitdrucks die Chance, die Startunterlagen schon abzuholen (weil ich die erste war, gab es gleich mal die Nummer 1 - na prima, baut ja kaum Druck auf!) und bei der Gelegenheit schon einen Blick auf die Strecke zu werfen. Die coolen Kids tummeln sich mit Dirtbikes auf dem Pumptrack, außen rum führt die Cyclocross-Strecke. Es geht bergab, bergauf, über sandige Wege, Wiesen, Baumstämme, hohes Gras, ziemlich tiefen Sand und durch enge Kurven. Weil mir vor Ort niemand sagen kann, ob die Strecke mit oder gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird, drehe ich eine Runde rechts und eine Runde links herum. Beide Richtungen haben Vor- und Nachteile, aber eines gemeinsam: Ich bin schon nach nur einer 1,1 km langen Runde ganz gut im Arsch. Glücklicherweise schaffe ich es, diese Tatsache erfolgreich zu verdrängen.


Wir stehen nicht im Stau und sind rechtzeitig in Düsseldorf. So rechtzeitig, dass ich es gerade noch schaffe, das frische Trikot anzuziehen, drölf mal zurück zum Auto zu rennen, um das Handy zu suchen und um dann in Richtung Start zu marschieren, wo Ansgar schon mit dem Rad wartet. Ich hatte ihm Karlson mittags schon vorbei gebracht, weil mir keine bessere Lösung für das logistische Problem kleines Auto + Rad + mehrere Menschen eingefallen ist und bin extrem dankbar dafür, dass ich es jetzt nur noch in Empfang nehmen muss.


Ich habe keine Zeit mehr drüber nachzudenken, denn als ich gerade halbwegs startklar bin, geht die Einführungsrunde los. Wir sind drei Mädels und um die 20 Jungs, die fast alle unheimlich professionell und schnell aussehen. Okay, einer trägt Turnschuhe. Das Ganze hier ist als Fun-Race ausgeschrieben und ich hoffe, dass die anderen das auch so sehen. Zu meiner Überraschung führt die Strecke ernsthaft über den welligen Pumptrack inklusive ziemlich steiler Kurve. Was zur Hölle! Das hab ich gestern nicht getestet! Es ist ja nur die Einführungsrunde, wir fahren langsam und alle rollen dort runter, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre. Kneifen ist nicht. Mir bleibt nichts anderes übrig, als hinterher zu fahren. Die Wellen sehen schlimmer aus, als sie sind, aber bei der Kurve bin ich froh, dass ich schon mal auf der Bahn gefahren bin. Puh. Danach gehts kurz und knackig bergauf, an den Zuschauern vorbei, direkt wieder runter und auf die "richtige" Strecke. Der Rest der Runde geht einigermaßen klar. Ich bringe es fertig, mich im Tiefsand nicht gleich auf die Nase zu legen, trage Karlson erfolgreich über die Baumstämme und den letzten richtig gemeinen Anstieg und komme wieder am Start/Ziel an. Dafür, dass das eine gemütliche neutralisierte Runde war, bin ich ganz schön im Eimer. Oh je.


Startaufstellung. Ich entdecke mit Alex und Felix zwei bekannte Gesichter unter den Fahrern. Sehr gut - es ist doch irgendwie immer schön, wenn man nicht alleine im Rennen ist. Am Streckenrand habe ich ja mit Naomi, Ansgar und Christian ebenfalls gute Untersützung. Meinetwegen kanns dann jetzt also losgehen. Weil ich Nummer 1 habe, dürfte ich mich in die erste Reihe stellen, verzichte aber lieber. Ist ja Blödsinn, wenn mich dann direkt alle auf einmal überholen müssen, sollen sie mich lieber der Reihe nach überrunden. Eine der anderen beiden Mädels stellt sich erst mal selbstbewusst in Reihe 1. Kann man machen. Da wir ja nur zu dritt sind, habe ich mich mit Platz drei schon längst angefreundet - ich bin froh, wenn ich gut durchkomme, die 35 Minuten überstehe und habe ansonsten keine Ambitionen. Außerdem bin ich noch vor einer Stunde einen verdammten Halbmarathon gelaufen.


Los gehts. Die ersten sind auf und davon, als ich noch nicht mal so richtig auf der Strecke bin. Eine der Frauen fährt ebenfalls irgendwo vorne mit, an die zweite hänge ich mich erst mal dran. Ich habe nicht wirklich einen Überblick, aber glaube, dass uns noch mindestens der Turnschuhfahrer folgt. Adrenalin sei Dank, aber: Ich bin überrascht, dass ich mithalten kann. Überrascht, dass die Beine sich nichts vom Laufen anmerken lassen. Und überrascht, wie anstrengend ein bisschen im Kreis radeln eigentlich sein kann. Während die Beine sich noch gut anfühlen, komme ich ganz schön ins Schwitzen. Krass, wie hart das ist und wie viel Spaß es gleichzeitig macht! Ich frage mich, wie lange das gut gehen kann, ob ich das Tempo halten kann. Ich habe nichts am Rad, was mir die Geschwindigkeit oder Uhrzeit oder irgendetwas anzeigen würde, also bin ich auf Zurufe von außen angewiesen. Netterweise wurde das Rennen von 45 Minuten auf 35 plus eine Runde gekürzt - das kommt mir schon mal sehr entgegen.



Ich komme mit der Strecke zurecht, überlebe die Tiefsandpassagen, die komischen Wellen und komme über die Baumstämme (zwar alles andere als schnell und elegant, aber hey!). Wenn es brenzlig wird, schaffe ich es immer irgendwie, rechtzeitig auszuklicken. Die einzige Stelle, die mir jede Runde wirklich den Rest gibt, ist der letzte Anstieg. Direkt nach einem Stück Tiefsand geht es steil nach oben. Es ist mir ein Rätsel, wo einige den Schwung und die Beine her nehmen, um dort hoch zu fahren - ich muss laufen. In den ersten Runden schultere ich das Rad noch, später ist mir auch das zu anstrengend und es bleibt nur noch schieben. Die Beine wollen diesen Hügel weder hoch radeln noch hoch laufen und protestieren mit Krämpfen in der Wade. Zum Glück habe ich auf dem winzigen Stück Asphalt oben die Gelegenheit, die Wade zu dehnen, bevor es wieder runter in die nächste Runde geht. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund kommen meine krampfigen Beine und ich diesen dreckigen Kackmistanstieg einmal schneller hoch als die zweite Frau. Ich überhole sie zu Fuß, sitze oben schneller wieder auf dem Rad und rechne damit, dass sie mich gleich wieder auf der Strecke irgendwo einkassiert - aber bis es so weit ist, werde ich versuchen, den Vorsprung auszubauen.

Es gibt Menschen, die hier hoch fahren. Keine Ahnung, wie das geht. Magie vermutlich.



Zwischendurch schaue ich mich an blöden Kurven um, ob zufällig jemand von hinten vorbei will - mittlerweile werde ich überrundet, aber habe schon längst keinen Überblick mehr, wie oft. Die einzige, die ich sehr genau im Blick habe, ist die jetzt dritte Frau - und irgendwie liegt sie eine halbe Runde zurück. Ich kann nicht fassen, dass die Halbmarathon-Beine es tatsächlich zustande bringen, hier im neuen Terrain schneller als irgendjemand anderes zu sein - dass es so gut läuft, spornt mich zusätzlich an. Bei Runde 5 oder 6 weiß ich nicht mehr, wie viele Runden ich schon gefahren bin, ich weiß nur, dass sie mich nicht nerven, obwohl ich Runden normalerweise absolut nicht ausstehen kann. Ich hasse einzig und allein den Anstieg am Ende, den ich hoch klettern muss, und frage mich jedes Mal, ob ich den anderen Hügel direkt vor den Zuschauern wohl noch einmal fahrend hoch komme oder ob ich vorher einfach samt Rad umfalle. Ich schaffe es. Jede Runde aufs Neue, jedes Mal knapper, und jedes Mal freuen sich die Zuschauer. Danke!



Ich höre, wie der Moderator meinen Namen nennt, wie er irgendetwas über mein Rad erzählt, dass Fabian Cancellara auch ein Trek fahren würde - ich finde den Zusammenhang absurd, aber freue mich über die Erwähnung von Karlson und sause runter in die nächste Runde. Fast jedes Mal stehen "meine" Zuschauer woanders und werden nicht müde, mich anzufeuern. Ansgar ruft mir zu, den zweiten Platz hätte ich sicher, aber das will ich gar nicht hören, so lange noch Runden zu fahren sind und noch die Möglichkeit besteht, irgendwo im Sand für immer stecken zu bleiben. Ich habe beobachtet, dass die meisten anderen ihre Räder bei den Baumstämmen gar nicht schultern, sondern nur am Oberrohr anheben und tragen. Als ich testen will, ob das praktischer ist, donnere ich mir die Pedale gegens Knie und möchte spontan weder weiter laufen noch radfahren. Autsch. Irgendwo hinsetzen und Eis aufs Knie wäre fein. Vielleicht bin ich zu klein für diese Technik oder zu doof, keine Ahnung.


Anstrengend ist der Spaß hier ja von Anfang an, aber so langsam wird es richtig hart. Ich kämpfe mich gerade durch die viel zu hohe Wiese einen Hügel hoch, als mich Alex überholt und "Super, Maren!" oder irgendetwas in der Richtung ruft - mit leicht bräsigem Kopf nehme ich nur wahr, dass mich anscheinend gerade jemand überrundet, den ich kenne und der versucht, mich während seines eigenen Rennens anzufeuern. Stark! Naomi ruft auch was: "Noch [hier unverständliches Wort einfügen] Minuten!" Ich verstehe nichts und nehme an, dass es nicht allzu viel sein kann. Sie würde mir ja wohl kaum mitteilen, dass es noch 25 Minuten zu fahren sind. Vielleicht sind es 5. Oder 10. Die Kräfte und die Konzentration lassen nach, das merke ich an jedem Hügel und jedem bisschen Tiefsand, aber ich fahre das jetzt zu Ende. Schließlich heißt es am Start/Ziel: "Noch eine Runde!" Yeah. Ich freue mich, dass es gleich geschafft ist und dass ich immer noch an zweiter Position liege - gleichzeitig bin ich traurig, weil es einfach unheimlich viel Spaß macht. Ich liebe die Mischung aus Kraft, Ausdauer und Technik, die die Strecke fordert - das querfeldein Radeln ist so anders als über den Asphalt zu fliegen, aber ich habe diese schroffe, ehrliche Art auf Anhieb ins Herz geschlossen.



Das allerletzte Mal also hier entlang fahren, dort entlang, absteigen, über die Bäume hüpfen, aufsteigen, kurbeln, kurbeln, kurbeln, Kurve, Hügel rauf, Hügel runter, quer übers Feld, Kurve, Kurve, Konzentration jetzt, seltsame Wellen im Boden! Tiefsandkurve, Gerade, nochmal alles geben, Kurve, Gerade, nochmal Tiefsand, der fucking beschissenste Berg, Asphalt, geschafft. Denkste. "Letzte Runde!" Wollt ihr mich verarschen? Das habt ihr gerade schon mal gesagt! Ich halte an. Protestiere. Noch eine Runde? Im Ernst jetzt? Bevor ich noch länger rumstehe und diskutiere, fahre ich eben noch eine Runde. Eine Ehrenrunde, ganz alleine, denn alle anderen nach mir bleiben im Ziel. Schön peinlich, als ob ich die allerletzte wäre. Die Luft ist raus, also fahre ich die zweite letzte Runde nur für mich. Ein letztes Mal. Als ich endlich im Ziel ankomme, habe ich das Gefühl, ich habe alles verpasst. Sind überhaupt noch Zuschauer da? Wer hat eigentlich gewonnen? Gibts eine Siegerehrung?


Das war nur ein Spaß-Rennen, es hat keine Startgebühr gekostet und ich weiß nicht mal so wirklich, ob es einen Preis für den Ersten gibt - ich meine, zwischendurch über die Lautsprecher irgendwas in der Richtung gehört zu haben. Trotzdem schade, dass sich alles schon zerstreut, als ich im Ziel bin. Und was mir ehrlich ziemlich blöd aufstößt, Fun-Race hin oder her, ist die Kommunikation nach dem Rennen: Wer diesen Post sieht, könnte meinen, es seien nur Männer gestartet. Lediglich auf einem Bild ist eine Frau zu sehen, der Text nennt fünf Fahrer namentlich, aber nicht mal die erste Frau? Klar wäre es bekloppt, bei drei Starterinnen alle Plätze zu nennen, aber zumindest die erste muss doch drin sein. Wer Frauen auf Räder bekommen will, als Zielgruppe ansprechen will, für einen gleichberechtigten Sport stehen will - der sollte Sieger und Siegerin gleichermaßen ehren und vor allem zeigen, dass es Frauen gibt, die genau das machen: Radfahren.

Abgesehen von dem Kritikpunkt bin ich hin und weg - wie sollte es auch anders sein. Danke an die Organisatoren der Cyclingworld für die Idee, die Durchführung und die Flexibilität am Vortag. Danke Ansgar für die Unterstützung vor, während und nach dem Rennen. Seinen Bericht zur Messe findet ihr übrigens hier. Danke Naomi fürs Dasein und fürs Nicht-Ausreden von wahnwitzigen Ideen. Und danke Christian, ebenfalls fürs Mitkommen und für die wahnsinnig schönen Fotos. Noch mehr Bilder gibt es hier, unbedingt anschauen!


Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach nur zwei Wochen Karlson-Besitz gleich ein Rennen mit ihm bestreiten würde und dass ich mein Herz dabei so sehr verliere. Das hat sehr, sehr viel Spaß gemacht, ich glaube, da ist noch viel Luft nach oben und ich freue mich drauf, in diesem komplett neuen Gebiet noch viel zu lernen. Sollte sich jemand berufen fühlen, mit Karlson und mir die Wälder unsicher zu machen und mir ein paar Strecken oder technische Kniffe zu zeigen - ich bin dabei!
Was ich auf jeden Fall aus diesem bescheuerten Halbmarathon-Cyclocross-Samstag mitnehme: Öfter mal weniger nachdenken und mehr machen!