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Mittwoch, 14. August 2019

Test: Garmin Vivoactive 3 Music

Ich schreibe ja selten Testberichte (unter anderem, weil ich die Relevanz oft vermisse) - aber wenn ich nach fünf Jahren des Laufens zum ersten Mal eine GPS-Uhr besitze, so ist das doch ein mittelgroßes Event im Hause ichhasselaufen. Seit einigen Wochen laufe ich mit der Garmin Vivoactive 3 Music*, die jetzt nicht die typische Sport-Uhr ist - warum es genau diese geworden ist und welche Stolpersteine bei der Nutzung der Uhr zu beachten sind, fasse ich hier zusammen. Stichwort: Mit der Garmin Vivoactive 3 Music kompatible Bluetooth Kopfhörer finden... Eine Wissenschaft für sich!

Garmin Vivoactive 3 Music Testbericht

Disclaimer: Der Test ist in keinster Weise von einem der genannten Unternehmen beeinflusst oder beauftragt. Ich habe alle erwähnten Produkte auf herkömmlichem Weg erstanden und schreibe den Test vor allem aus dem Grund, da ich kaum Informationen zu kompatiblen Ohrhörern gefunden habe. Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sowie die Werbebanner unten sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.

Warum die Garmin Vivoactive 3 Music?

Wie gesagt: Ich habe es fünf Jahre lang geschafft, ohne Uhr zu laufen - #nogarminnorules. Ich war rein nach Gefühl unterwegs, habe die Läufe mit der Strava-App getrackt und später einen kurzen Blick auf Distanz und Geschwindigkeit geworfen. Da ich noch nie nach Trainingsplan trainiert habe, bin ich bisher nicht in die Verlegenheit gekommen, Intervalltrainings oder ähnliches durchführen zu müssen. Bei Wettkämpfen habe ich manchmal eine alte Polar Pulsuhr benutzt, bei der mich hauptsächlich die sekundengenaue Zeitanzeige interessiert hat. Bei jeder Kilometer-Markierung ging dann das Rechnen los. So habe ich diverse Triathlons und sämtliche Läufe bestritten, darunter auch zwei Marathons.


Auf 42 Kilometern einen groben Überblick zu haben, schadet garantiert nicht. Bei einigen Halbmarathons hingegen habe ich sogar auf die Uhr mit ihren rudimentären Funktionen verzichtet und war im völligen Blindflug unterwegs. Ich meine immer noch: Eine gute Übung fürs Körpergefühl.

Warum werfe ich diese Taktik jetzt über Bord und meine auf einmal, eine GPS-Uhr zu brauchen? Tatsächlich ist der Grund so simpel wie dämlich: Mein neues Handy ist zu groß, um es beim Laufen mitzunehmen. Das war der ausschlaggebende Punkt, so dass ich mich langsam mit dem Gedanken angefreundet habe, auch unterwegs meine Geschwindigkeit zu kennen. Und den Puls. Und was man halt sonst noch so wissen will.

Warum jetzt ausgerechnet diese Uhr? Ich bin bisher davon ausgegangen, die Vivoactive Reihe hätte mit Laufen nicht viel zu tun und würde sich eher an Menschen richten, die gelegentlich ein bisschen Fitness betreiben und generell aktiver sein möchten. Ich habe sie eher für einen Fitness-Tracker als für eine Laufuhr gehalten - und die meisten Lauf-Nerds sehen das wahrscheinlich genauso. Nach genauerem Hinsehen und Budget-Check habe ich festgestellt, dass es für meine Bedürfnisse allerdings keine Forerunner und keine Fenix sein muss. Da ich meine Radfahrten schon mit einem Garmin Edge 1000 aufzeichne und daher sowieso Garmin Connet nutze, wollte ich am liebsten eine Garmin Uhr, um mich nicht bei noch einer weiteren Plattform anmelden zu müssen.

Garmin Vivoactive 3 Music Testbericht

Was unterscheidet die Garmin Vivoactive 3 Music von den typischen Garmin Laufuhren? Der deutlich günstigere Preis schlägt sich natürlich in der Leistung nieder, zum Beispiel bei der Akkulaufzeit. Für die Garmin Vivoactive 3 Music sind hier 13 Stunden im GPS-Modus und 5 Stunden im Musikmodus angegeben. Für meine Anforderungen reicht das - für Ultraläufer oder Langdistanz-Triathleten wohl eher weniger. Das ist aber auch gar nicht die Zielgruppe dieser Uhr. Im Vergleich zu den Laufuhren, zum Beispiel aus der Forerunner-Serie, spuckt die Vivoactive 3 Music weniger Daten zur Analyse aus. Erholungszeit, Laufzeit-Prognose, Bodenkontaktzeit sind einige Beispiele, die hier theoretisch fehlen - die ich aber nicht vermisse.

Funktionen der Garmin Vivoactive 3 Music

Ich würde sagen: Die Garmin Vivoactive 3 Music ist ein guter Fitness-Tracker mit ein bisschen Smart Watch, der sich auch zum Laufen eignet. Neben Laufen können auch andere Aktivitäten aufgezeichnet werden - von Radfahren oder Inlineskaten über Skifahren bis zu Rudern usw. Einen Multisport-Modus für Triathlon bietet die Uhr von selbst nicht - eine passende App lässt sich aber kostenlos über Garmin Connect IQ herunterladen. Gleiches gilt für Freiwasser-Schwimmen. Die Datenfelder lassen sich in den Aktivitäts-Apps wie bei anderen Uhren oder dem Edge auch individuell anordnen.

Die Garmin Vivoactive 3 Music kann für meine Begriffe ansonsten recht gut mit den umfangreichen Funktionen der teuren Konkurrenten mithalten, wenn man eben nicht zu sehr ins Detail gehen möchte. Sie zählt beim Schwimmen die Bahnen und erkennt den Schwimmstil, sie bietet diverse Golf-Funktionen (die ich vermutlich niemals nutzen werde), sie dient mir beim Radfahren als Herzfrequenzsensor am Handgelenk und überträgt die Daten auf mein Edge 1000. In Garmin Connect lassen sich Trainings - beispielsweise Lauftrainings - erstellen und auf die Uhr übertragen.

Garmin Vivoactive 3 Music Testbericht

Die Uhr misst Herzfrequenz und Stress, zählt Schritte, Stockwerke, Kalorien und wöchentliche Aktivitätsminuten. Ziele können natürlich angepasst werden. Für viele praktisch ist sicher die Verknüpfung zu My Fitness Pal, so dass verbrauchte und zugeführte Kalorien sich in beiden Apps automatisch synchronisieren. Andere nützliche Spielereien wie Timer, Stoppuhr und Taschenlampe sind auch enthalten.

Wetter, Benachrichtigungen und Termine kann man sich übrigens auch anzeigen lassen - natürlich nur, wenn das Handy über Bluetooth verbunden und in der Nähe ist. Die Garmin Pay Funktion finde ich interessant, vor allem wenn man beim Laufen keine Lust hat, Geld mitzunehmen. Momentan ist Garmin Pay nur in wenigen Uhren integriert, nämlich in der fenix 5 Plus Serie, der MARQ Serie, der Forerunner 645 und eben der Garmin Vivoactive 3 Music. Aktuell habe ich die Funktion noch nicht eingerichtet - das Feature bei einer eher niedrigpreisigen Uhr neben den Top-Modellen einzusetzen, ist aber schon ziemlich nice.

Die Bedienung der Garmin Vivoactive 3 Music funktioniert über den Touchscreen und eine Taste an der Seite. Ich finde sie nicht komplett intuitiv, so dass ich hier tatsächlich ins Handbuch schauen musste - wenn man einmal das Prinzip verstanden hat, ist die Handhabung allerdings einfach. Viele Testberichte kritisieren das Touchdisplay als zu träge. Für mich ist es genau richtig, denn ich hatte vorher Bedenken, beim Sport aus Versehen daran zu kommen und irgendetwas umzustellen - diese Sorge halte ich inzwischen für absolut unbegründet. Keine Probleme mit dem Touchscreen beim Laufen!

Musik von Spotify auf die Vivoactive 3 Music übertragen 

Die Garmin Vivoactive 3 Music lässt sich über Bluetooth einfach mit dem Handy verbinden. WLAN ist ebenfalls fix eingerichtet und beschleunigt die Synchronisation. Über Connect IQ muss zunächst die passende Musik-App heruntergeladen werden. Zur Auswahl stehen aktuell Spotify, Deezer und Runcasts und damit ist für mich das wichtigste abgedeckt. Um Playlisten, Alben oder Podcasts aus Spotify auf die Uhr zu laden, muss man in der Spotify-App auf der Uhr auf das Bibliothek-Symbol tippen und anschließend "Musik und Podcasts hinzufügen" wählen. Das geht auch über Garmin Connect und ist mit ein wenig Scrollen verbunden, klappt aber problemlos. Soll die Musik dann schließlich von der Garmin Vivoactive 3 Music abgespielt werden, müssen nur noch noch passende Bluetooth-Ohrhörer verbunden werden und das Handy kann zuhause bleiben. Ziemlich lässige Lösung, finde ich!

Garmin Vivoactive 3 Music Testbericht

Welche Bluetooth Kopfhörer sind mit der Garmin Vivoactive 3 Music kompatibel?

Ganz ehrlich: Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Uhr bestellen, Bluetooth Ohrhörer bestellen, miteinander verbinden und loslaufen. Pustekuchen. Bei dieser Variante wäre ich beinahe taub geworden, weil ich keine Funktion gefunden habe, die Lautstärke von der Vivoactive 3 Music aus zu regeln. Google hat geholfen und immerhin verraten, wo ich suchen muss. Die Lautstärke ließ sich jedoch trotzdem nicht einstellen. Mit anderen Kopfhörern das gleiche Problem. Selbst meine kleine Philips Bluetooth Box habe ich testweise mit der Uhr verbunden - nur um festzustellen, dass es auch hier keine Chance gibt, die Lautstärke zu verändern.

Etwas intensiveres Googlen hat die von Garmin empfohlene Liste mit kompatiblen Kopfhörern für diverse Uhren mit Music-Funktion ausgespuckt. Super, Garmin empfiehlt Bluetooth Ohrhörer, die auf jeden Fall mit meiner Vivoactive 3 Music funktionieren. Endlich die Lösung des Problems! Dachte ich, bis ich die Liste studiert hatte. Darin lauter Modelle von Premium Herstellern wie Bose - die sind sicher super gut und lassen sich wahrscheinlich prima mit der Uhr verbinden - ich wollte sie aber nicht ausprobieren, wenn sie mehr kosten als die Uhr selbst. Um auf langen Läufen hin und wieder ein bisschen Musik oder Podcasts zu hören, muss ich keinen dreistelligen Betrag für Kopfhörer ausgeben.


Also weitere Recherche. Gelandet bin ich schließlich bei den Soundcore Spirit Bluetooth Kopfhörern von Anker*. Sehr fairer Preis, wasserdicht und dank diverser austauschbarer Silikon-Nupsis sollten sie in ziemlich viele verschiedene Ohren passen. Ich habe absolut keine Probleme mit der Passform, auch beim Laufen saugen sie sich fest und halten im Ohr. Und: Die Kopfhörer lassen sich nicht nur mit der Uhr verbinden, sondern auch easy lauter oder leiser regeln - und zwar entweder ganz einfach über die Spotify-App auf der Uhr oder etwas umständlicher über den Regler am Kabel, der irgendwo zwischen Ohr und Nacken baumelt. Endlich!

Für wen ist die Garmin Vivoactive 3 Music geeignet?

Die Uhr ist definitiv mehr als ein simpler Fitness-Tracker. Für mich ist sie eine gelungene Kombination aus eben diesem, Smart Watch und Laufuhr. Ich bin nicht bereit, den Preis für die Top-Modelle unter den Laufuhren zu bezahlen und bin von der Vielfalt ihrer Funktionen sowieso völlig erschlagen. Ich wollte mein Handy beim Laufen zuhause lassen und eine Uhr, die Läufe aufzeichnet und Musik abspielt. Darüber hinaus bekomme ich bei der Garmin Vivoactive 3 Music noch einige Zusatz-Funktionen wie Garmin Pay und eben die Fitness Tracking Features. Als erste Laufuhr ist sie für meine Bedürfnisse auf jeden Fall gut geeignet. Wer es simpel mag und nicht nach jedem Lauf einen Haufen Daten auswerten möchte, ist mit der Garmin Vivoactive 3 Music ebenfalls gut beraten - vorausgesetzt, die Akkulaufzeit ist ausreichend.

Wenn der seltene Fall eintritt und ich mir ein neues technisches Gerät zulege, dann muss nicht nur das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, sondern ich möchte das neue Gadget auch einfach schön finden. Das ist hier absolut der Fall - das graublaue Armband (das übrigens wechselbar ist) und die roségoldenen Details passen perfekt zusammen. Und wie die Verkäuferin bei der letzten Armbanduhr im gleichen Format schon sagte: "Sie können es ja tragen mit Ihren Handgelenken!"

Garmin Vivoactive 3 Music Testbericht

Dienstag, 18. Juni 2019

Triathlon is for everyone

Hätte mich in den letzten Monaten jemand gefragt, was ich sportlich so mache, wäre Triathlon in meiner Antwort ehrlich gesagt nicht vorgekommen. Bisschen Rad fahren, bisschen Laufen. So wie es mir gerade passt, ohne großartiges Ziel. Falls ich Lust kriege, starte ich im Herbst vielleicht mal wieder bei einer Sprintdistanz. Obwohl meine Triathlon-Ambitionen aktuell ziemlich im Keller sind, bin ich in ein Triathlon-Camp hineingeraten. Organisiert von Ann-Kathrin von triathlove zusammen mit dem Tourismusverband zillertal.at - somit ist dieser Teil des Artikels Werbung, denn wir sechs Mädels waren für ein langes Wochenende ins Hotel Theresa im Zillertal eingeladen. Der Rest des Textes wird auch Werbung enthalten, und zwar für Sport und tolle Frauen.


Mir steht also ein Wochenende in den Bergen gemeinsam mit fünf anderen Frauen bevor, von denen die erste schon bei Triathlons rund um die Welt gestartet ist, die zweite sich gerade auf eine Langdistanz vorbereitet, die dritte im letzten Jahr bei der 70.3 WM dabei war, die vierte erst kürzlich bei einem Bergrennen auf dem Podium gelandet ist und die fünfte seit Jahren so richtig diszipliniert im Verein trainiert. Und halt ich. Noch nie nen Trainingsplan gesehen, seit bestimmt einem halben Jahr nicht mehr geschwommen, zurzeit kaum Radkilometer in den Beinen und vom Laufen wollen wir gar nicht erst anfangen. Andere Sachen sind momentan wichtiger, mir fehlen daher die Ziele und der Ehrgeiz. Das kann ja was geben.


Es hat was gegeben, und zwar ein wunderbares Wochenende. Eines, bei dem wir alle festgestellt haben, dass der Sport uns verbindet, so unterschiedlich wir auch sind. Wir sind groß, klein, dick, dünn, laut, leise, ehrgeizig, faul, schnell, langsam. Wir haben neueste Rennräder, 13 Jahre alte Schätzchen und alles dazwischen. Wir haben High-Tech-GPS-Uhren oder schleppen unser Handy beim Laufen in der Oberarmtasche mit herum. Wir können Butterfly schwimmen oder noch nicht richtig kraulen. Wir sind Studenten oder berufstätig oder beides. Wir haben große Ziele oder wissen gar nicht, wo wir hin wollen. Wir haben einen strukturierten Trainingsplan oder bewegen uns, wenn wir Zeit und Lust haben. 


Auch wenn ich mich zurzeit mit Triathlon nicht wirklich identifiziere und das Gefühl habe, dieses Kapitel habe ich vor zwei Jahren mit der Mitteldistanz abgeschlossen - ich gehöre irgendwie trotzdem zu dieser Gruppe. Uns vereint die Einstellung, dass alle okay sind. Dass jede dabei sein darf. Egal, was sie antreibt, wie die Voraussetzungen und Möglichkeiten sind. Für mich ist es spannend zu sehen, dass große Ziele und intensive, disziplinierte Vorbereitung nicht zwangsläufig mit Verbissenheit oder gar Besessenheit einhergehen müssen. Es ist trotzdem noch Platz für Spaß, auch wenige Wochen vor dem großen Tag. Andere wiederum zeigen, dass Spaß für sie ein größerer Antrieb sein kann als schnelle Zeiten. Und trotzdem muss sich keiner verstecken.


Warum schreibe ich das hier alles auf? Weil ich glaube, dass es sich immer lohnt, über den Tellerrand zu schauen. Herauszufinden, wie andere ticken. Was sie antreibt. Was man davon für sich selbst mitnehmen kann. Und was man anderen von sich selbst mitgeben kann. Denn eines haben wir auf jeden Fall alle mit nach Hause genommen: Eine gehörige Portion Motivation und die Erkenntnis, dass Triathlon wirklich für jeden ist.


Fotos: Liz Ke

Schaut vorbei:
Ann-Kathrin @triathlove
Nine @tri2gether
Eva @evaslaufliebe
Nadin @eiswuerfelimschuh
Liz @lizkefotografie

Dienstag, 16. April 2019

Radeln im Dunkeln? - Testbericht: Busch & Müller Ixon Space

Hast du schon einmal im Dunkeln auf dem Rad gesessen? Ich meine nicht den Arbeitsweg durch die Stadt im Winter, sondern ein Rennradtraining auf einsamen Wirtschaftwegen oder eine Nachtfahrt mit dem Mountainbike durch den Wald. Rennrad im Dunkeln finde ich faszinierend. Ich habe das Gefühl, alle Sinne schärfen sich und ich bin unglaublich wachsam, wenn ich in der Dunkelheit über den Asphalt flitze. Aber ich muss zugeben: So richtig in den Wald habe ich mich ohne Tageslicht noch nicht getraut, obwohl im Winter abends in Düsseldorf sogar MTB-Gruppenausfahrten angeboten werden. Da bin ich etwas schissig, fühle mich selbst tagsüber nicht immer sicher genug und hatte bisher auch vor allem ein Problem: keine gescheite Lampe. Diese Ausrede fällt jetzt weg, denn Busch & Müller hat mir das Flaggschiff unter den Akku-Scheinwerfern zur Verfügung gestellt: Ich habe den IXON SPACE bereits seit Ende letzten Jahres im Einsatz. Das Test-Angebot kam genau zur richtigen Zeit, weil meine alte Lampe ihren Geist aufgegeben hatte und selbst mal eben abends durch die Stadt flitzen nicht mehr drin war.

Nun bin ich also besser ausgestattet, als es mein studentisches Budget jemals zugelassen hätte. Weil ich reine Testberichte so schnarchig finde und zudem überhaupt kein Technik-Experte bin, schreibe ich stattdessen über meine Faszination am Radeln im Dunkeln. Die Infos zur Busch & Müller IXON SPACE findest du weiter unten.


Vor ein paar Wochen habe ich in der Insta Story gefragt, wer schon mal im Dunkeln Rennrad gefahren ist - mehr als die Hälfte hat geantwortet: ich nicht. Warum eigentlich nicht? Natürlich würde ich auch nicht ohne Beleuchtung nachts auf einer Landstraße fahren - aber mit einem guten Licht vorne und hinten, auf Strecken mit wenigen bis gar keinen Autos, am besten in einer Gruppe Radfahrer ist das absolut möglich. Tatsächlich hat das Fahren in der Gruppe im Dunkeln auch etwas für sich: Du musst dich unglaublich konzentrieren und sehr gut aufpassen. Das ist anstrengend, hilft aber auch unheimlich für Tageslicht-Gruppenfahrten, bilde ich mir jedenfalls ein.

Ich kann mich noch ziemlich genau erinnern, wie wir mitten in der Nacht in Essen aufgebrochen sind, um 333 Kilometer ans Meer zu fahren. Da war es stockdunkel, die Gruppe fremd und ich müde - erst einmal unbehaglich, aber die frische, kalte Luft hat mich so schlagartig aufgeweckt, dass ich mich schnell daran gewöhnt hatte. Dass wir so früh gestartet sind, hat der ganzen Mission gefühlt noch einmal einen Hauch mehr Wichtigkeit verpasst. Als hätten wir uns auf einem Eroberungszug von Essen bis zur Nordsee befunden. Ganz anders ging es mir bei der ersten Nachtfahrt beim 24h-Rennen bei Rad am Ring. Der Wecker ging um 4:15 Uhr, um 5 Uhr saß ich auf dem Rennrad. Warum zur Hölle? Dabei ging mir anfangs vor allem "wie bescheuert bist du eigentlich?" durch den Kopf, bis mir eingefallen ist, dass ich das mache, weil ich es möchte. Weil es Spaß macht. Weil es etwas anderes ist als das, was du jeden Tag erleben kannst.


Eine Trainings-Nachtfahrt kann man auch zuhause relativ einfach einbauen. Was bei mir immer noch auf der To-Do-Liste steht, ist der Wald bei Nacht. Mit dem Crosser war ich bisher zwar im Dunkeln auf ein paar holprigen Feldwegen unterwegs, aber nicht auf schwierigen, technischen Passagen. Ich werde noch etwas Üben und es dann Ausprobieren! Hilfreich dabei ist natürlich eine vernünftige Beleuchtung und daher jetzt mal zu den Details:

Was kann der Busch & Müller IXON SPACE?
Erst einmal bietet er 150 Lux - und dass das verdammt viel ist, weiß sogar ich. Der integrierte Lithium-Akku lässt sich über USB aufladen. Andersrum bietet die Lampe sogar eine Powerbank-Funktion und kann das Smartphone oder Garmin laden. Die Lichtstärke lässt sich per Touch-Slider wählen - ohne Probleme mit einem Finger während der Fahrt. Praktischerweise zeigt das leuchtende Display die Restleuchtzeit in der jeweiligen Stufe an (je nach Stufe 2-30 Stunden). Der IXON SPACE kombiniert die Nahfeld-Ausleuchtung mit einem Großflächen-Lichtfeld - das bedeutet, im Gegensatz zu meinem alten Scheinwerfer sehe ich nicht nur den kleinen Bereich direkt vor dem Rad, sondern habe die Fahrbahn breit und weit ausgeleuchtet. Der Akku-Scheinwerfer ist StVZO-zugelassen sowie spritz- und regenwasserdicht. Natürlich gibt es einen Haken, denn wer so viel kann, hat seinen Preis und braucht Platz. Der IXON SPACE ist ganz schön gewaltig: Er ist 12 Zentimeter lang und bringt gut 250 Gramm auf die Küchenwaage. Der UVP ist 199€; der günstigste Online-Preis, den ich gefunden habe, liegt bei ca. 140€. Wie das beeindruckende Lichtfeld in den jeweiligen Stufen genau aussieht, ist am besten auf den Beispielbildern bei Busch & Müller zu sehen.

Der Werbebanner enthält sogenannte Affiliate-Links. Wenn du über diesen Link einkaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.


Meine Meinung:
Erst einmal: Natürlich bin ich völlig befangen. Meine alte Lampe ist kaputt, da hat's ein neuer Scheinwerfer, und dann auch gleich in der Größenordnung wie der IXON SPACE, natürlich erst mal ziemlich leicht. Tatsächlich war mein allererster Eindruck: Heilige Scheiße, was für ein riesiges Gerät! Gerade am Rennrad hat man ja ungern irgendwas Großes zusätzlich am Lenker. Aber ganz ehrlich: Wenn es dunkel ist, ist es auch total egal, wie groß die Lampe ist. Zur Sicherheit gehört selbst etwas sehen und gesehen werden - um beides mache ich mir hiermit definitiv keine Sorgen. Richtig praktisch finde ich die Befestigung, mit der sich der Scheinwerfer superschnell an- und abmontieren lässt, ohne dass eine extra Halterung am Lenker nötig ist. Die Bedienung mit dem Touch-Slider und die Infos im Display sind fette Pluspunkte. Ob die wirklich nötig sind, muss jeder selbst entscheiden - für mich persönlich eher die Kategorie "nice to have". Natürlich darf und sollte das Top-Modell mit komfortabler Bedienung und ein paar Extras aufwarten.


Auf der letzten Rennradtour zu zweit im Dunkeln haben wir auf einem ruhigen Weg ausprobiert, was passiert, wenn die Lampe am zweiten Rad ausgeschaltet ist. Beim nebeneinander Fahren ändert sich gar nichts, der IXON SPACE erleuchtet den kompletten Weg und reicht locker für zwei - bevor sich jemand Sorgen macht: Natürlich würde ich das im Straßenverkehr nicht empfehlen und natürlich haben wir den zweiten Scheinwerfer schnell wieder eingeschaltet.

Die anspruchsvollste Strecke, auf der ich jemals im Dunkeln geradelt bin, ist der Nürburgring. Deshalb frage ich mich bei sämtlichen Lampen, ob ich sie auf die Nordschleife nehmen würde - für mich der ultimative Härtetest. Beim IXON SPACE muss ich nicht lange überlegen: Die hellste Stufe habe ich noch nie gebraucht - der ist definitiv Rad-am-Ring-tauglich!

Werbehinweis: Der IXON SPACE wurde mir von Busch & Müller kostenfrei überlassen. Danke dafür! Auf die Art oder die Inhalte des Testberichts wurde keinerlei Einfluss genommen. 

Donnerstag, 4. April 2019

Rennradfrauen: Wir sind viele!

Vor ein paar Wochen habe ich auf Instagram die Frage gestellt, wieso die Frauenquote bei Jedermann-Radrennen so niedrig ist - bei Rund um Köln beispielsweise knapp um die 10 Prozent insgesamt. Ich dachte, vielleicht würde eine Handvoll Leute reagieren, wenn überhaupt. Tatsächlich hat mich die Flut der Reaktionen ziemlich umgehauen, denn mir haben unheimlich viele Frauen und auch einige Männer geschrieben. Auf Insta als direkte Antwort auf die Frage, als private Nachricht oder extra per E-Mail. Das Thema scheint auf jeden Fall zu bewegen und daher möchte ich die häufigsten Antworten noch einmal mit euch teilen und weiterhin Ideen sammeln, wie wir das ändern könnten. Dieser Artikel ist eingebettet in die Aktion "Frauen im Sport", die Hannah von den Ausdauercoaches ins Leben gerufen hat. Meinen Steckbrief für das Projekt findet ihr hier. Ich freue mich, einen kleinen Teil beitragen zu können!


Nicht alles, was folgt, ist meine Meinung. All das haben mir Frauen als Gründe geschrieben, weshalb sie selbst nicht an Radrennen teilnehmen oder was sie glauben, weshalb die Frauenquote bei Rennen so gering ist:

  • Mit Abstand häufigste Antwort: "ich bin zu untrainiert", "ich bin nicht fit genug"
  • Zweithäufigste Antwort: "ich habe Angst, zu langsam zu sein"
  • "ich glaube, viele trauen sich nicht"
  • Mehr Männer als Frauen fahren Rennrad
  • Angst vor Klickpedalen und der Geschwindigkeit
  • Angst vor dem Fahren in der Gruppe
  • Angst vor Stürzen im Getümmel
  • "ich habe noch nie darüber nachgedacht"
  • "ich habe keine "Buddies" zum Biken und möchte nicht alleine bei Events fahren"
  • gemeinsamer Start mit den Männern
  • Frauen denken, Männer würden rabiat fahren 
  • Frauen sind gescheiter und wissen, wie gefährlich das ist
  • mangelnde Wertschätzung gegenüber Radfahrerinnen
  • keine Lust 
  • Frauen genießen den Sport und wollen sich nicht miteinander messen

Puh, das hat mich teilweise, vor allem bei der Häufung der immer wieder gleichen Antworten, ganz schön ins Grübeln gebracht. Keine Lust - kein Ding! Keiner sollte sich zu irgendetwas gezwungen fühlen, nur weil es gerade scheinbar alle machen. Wenn aber strukturelle Gründe dazu führen, dass bestimmte Gruppen sich etwas nicht zutrauen, dann beschäftigt mich das. Und zwar so sehr, dass ich mir den Kopf darüber zerbreche, wie sich das verändern lässt. Deshalb habe ich auch euch gefragt, was Veranstalter und Radfahrer/innen ändern müssten. Heraus kam dabei das:

  • Frauentouren organisieren
  • sich gegenseitig motivieren
  • respektvoll miteinander umgehen, besonders die schnelleren mit den langsameren Frauen
  • Ehrungen für Frauen (auch bei kleinen Veranstaltungen mit wenigen Starterinnen)
  • getrennte Starts für Männer und Frauen 
  • Vorbilder sichtbar machen


Vor allem der letzte Punkt motiviert mich immer wieder, mit dem Blog und auf Social Media weiterzumachen. Weiterhin Geschichten zu erzählen, zu zeigen was möglich ist, mit Ideen und "einfach mal machen" anzustecken. Hin und wieder bekomme ich Mails, in denen steht: "Du hast mir Mut gemacht, deshalb habe ich mich für XYZ angemeldet". Das freut mich unglaublich! Macht euch gegenseitig weiterhin Mut! Ich möchte nicht akzeptieren, dass es anscheinend häufig ein weibliches Problem ist, sich selbst zu unterschätzen. Die in den meisten Rennen auf den kurzen Strecken geforderte Mindestdurchschnittsgeschwindigkeit liegt um die 25 km/h. Wer da im Training bei ähnlichem Höhenprofil auch nur halbwegs dran kommt, wird bei gesperrten Straßen, mit Windschatten und Adrenalin keine Probleme haben. Niemand muss also absurd schnell sein, um ein Rennen zu fahren. Man muss sich nur trauen! Bei Läufen oder Triathlons tritt man ja auch ohne Probleme als Breitensportler an. Ich habe jedenfalls noch keinen 10-Kilometer-Läufer gehört: "Ich bin zu langsam, ich habe sowieso keine Chance, vorne mitzulaufen, also lasse ich es lieber."

Thema Vorbilder: Bei vielen der großen Jedermann-Rennen gibt es auch ein Profirennen, spontan fallen mir beispielsweise Rund um Köln, Eschborn-Frankfurt und Hamburg ein. Müsste es nicht konsequenterweise auch Frauenprofirennen im gleichen Kontext geben?

Seit dieser Umfrage sprüht mein Kopf vor Ideen, manche davon sind Hirngespinste und andere werden gerade Realität. Das werden sie aber nur, wenn man nicht nur davon redet, sondern auch Sachen macht: Heute Abend findet deshalb in Köln bei einem Bierchen die erste "Rund um Köln | Frauenrunde" statt. Ich habe mir gedacht, wenn Unsicherheit anscheinend bei vielen ein großes Thema ist, dann hilft es vielleicht, Frauen zusammen zu bringen. Ein Streckentest mit der Frauenrunde folgt Ende des Monats. Danach kann auf jeden Fall keine mehr sagen, sie kenne keine, mit der sie bei Events fahren könne ;-)

Ich würde die Diskussion gerne weiter anstoßen und freue mich auf eure Kommentare auf Facebook, Instagram oder Twitter: Was müsste passieren, damit mehr Frauen an den Startlinien stehen?


Fotos: Neil Baynes für Rund um Köln

Werbung: Wahrscheinlich ist dieser Artikel genau wie das Engagement in Köln Werbung. Die Frauenrunden sind in Absprache mit dem Rund um Köln Škoda Velodom Orgateam entstanden, jedoch auf meine Initiative hin und ohne Gegenleistung. Ich werbe dafür, sich den Sprung ins kalte Wasser zu trauen und mal bei Events teilzunehmen. Ich werbe auch für gegenseitige Bestärkung, für Mut und für das Bilden von Rudeln.

Montag, 31. Dezember 2018

Rückblick 2018: Slow down

Wenn ich 2018 mit den letzten Sport-Jahren vergleiche, ist dieses vielleicht das Jahr der Entschleunigung. 2017 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen, habe die erste Triathlon Mitteldistanz gefinisht, bin das erste Cyclocross-Rennen gefahren, das erste Mountainbike-Rennen und das erste Kriterium auf der Straße (nochmal lesen? Hier entlang: 2017 - schneller, weiter, dreckiger). Ziemlich viel für ein Jahr. Wenn es um 2018 geht, muss ich erst Mal überlegen: Habe ich überhaupt etwas zum ersten Mal gemacht? Was habe ich ausprobiert und was habe ich dabei erlebt?

Erste Male 2018

333 Kilometer ans Meer

Ich bin mit dem Rennrad von Essen nach Ostfriesland gefahren. Meine längste Rennradtour war bis dahin 120 Kilometer lang. 333 sind anders. Ich habe sie geliebt und gehasst, oft beides zugleich. Am Ende überwiegt die Liebe, wenn du schon längst das Gefühl für Zeit und Raum verloren hast und auf einmal mit dem Rad zum Strand abbiegst. 300 sind schwer zu begreifen und noch schwerer zu erklären. Ich kann sie nur empfehlen, genau wie die Organisation und Begleitung der wunderbaren Menschen von der ERG 1900 e.V.

Rad am Ring

Zum ersten Mal bin ich bei einem 24-Stunden-Rennen gestartet und ich hätte mir kein besseres dafür aussuchen können als Rad am Ring. Auch kein besseres Team und keine bessere Strecke. Der Nürburgring ist besonders und er hat mir gehörigen Respekt eingeflößt. Auch noch Monate später hüpft das Herz, wenn ich daran denke, wie ich zum ersten Mal auf die Nordschleife abgebogen bin, auf diese wunderbar breite Rennstrecke, die sich durch die hügelige Eifel schlängelt. Wie ich zum ersten Mal die Fuchsröhre runter und die Hohe Acht hoch geradelt bin, wie das bei Tageslicht war, wie mitten in der Nacht. Wie sich über 80 km/h auf dem Rennrad anfühlen. Wie ich zum ersten Mal Ersthelfer geworden bin, wie perfekt mich das Team aufgefangen hat und wie viel Herzblut einfach alle in dieses eine Wochenende gesteckt haben.

Inline-Marathon

Marathon unter zwei Stunden? Kein Problem mit Inlineskates statt Laufschuhen. Beim Berlin-Marathon Inlineskating habe ich mein Debüt auf Rollen gegeben und dabei festgestellt, dass mir das Skaten der Marathon-Distanz ziemlich viel Spaß macht. Leider scheint der Sport nicht mehr so populär zu sein, denn es gibt kaum noch große Marathons. Ist mir ein Rätsel, weil man für ein solides Finish viel weniger Aufwand als beim Laufen betreiben muss und außerdem eine schonende Ausgleichssportart hat. Aktuell sind meine Inlineskates in der Winterpause, aber ich werde sie 2019 definitiv wieder ausfahren.

Bikepacking 

Schon länger geisterte die Idee einer Radreise in meinem Kopf herum, dieses Jahr habe ich sie dann halbwegs spontan endlich umgesetzt. Meine erste Bikepacking Tour führte vom Niederrhein nach Holland und zurück nach Düsseldorf, gut 325 Kilometer an drei Tagen. Ganz alleine, komplett in meinem Tempo und durch wirklich wunderschöne Gegenden (Veluwezoom!). Vielleicht die beste Auszeit des Jahres. 

Auf der Bühne

Noch etwas Neues für mich: auf der Bühne stehen und reden. Hab ich dieses Jahr gleich mehrfach gemacht, obwohl ich nicht die leiseste Ahnung hatte, ob ich das überhaupt kann. Ich wusste nur, dass mir das Thema am Herzen liegt und dass ich es unbedingt will, egal ob ich gut darin bin. Immerhin war die Aufgabe denkbar einfach: Stell dich hin und erzähl etwas über dich, wie du als Frau zum Radsport gekommen bist. Klar - die Geschichte kenn ich. Und obwohl ich so viel lieber schreibe als spreche, haben mir die insgesamt vier Vorträge auf der Draussen in Bremen und der VELOBerlin unheimlich viel Spaß gemacht! Mein Lampenfieber: riesig. Die direkten Reaktionen des Publikums: unbezahlbar.

Vor der Kamera

Im Vergleich zu den anderen großen Jedermannrennen hat Rund um Köln mindestens ein Ass im Ärmel: einen Pressesprecher, der keine halben Sachen macht. Stefan Schwenke habe ich es zu verdanken, dass ich mich auf einmal zwischen all den wichtigen Organisatoren-Herren als einzige Dame auf der Rund um Köln-Pressekonferenz wiedergefunden habe. Eigentlich dachte ich, ich halte nur die Fahne für die Frauenquote hoch, erzähle ein bisschen was über meine Teilnahme am Jedermannrennen und grinse in die Kamera. Dem WDR war das nicht genug, so dass mich zuerst ein Kamerateam zuhause besucht und anschließend während des Renntages begleitet hat. Hab ich schon erwähnt, dass ich nicht gerne rede? Und schon gar nicht vor Kameras?
Das Ergebnis gibts ab Minute 26:40 hier zu sehen: WDR Beitrag zu Rund um Köln.

Sa Calobra 

Ich war schon mehrfach auf Mallorca radfahren, aber noch nie die legendäre Strecke nach Sa Calobra. Ich habe bergauf schon oft und viel geflucht, aber ich habe es noch nie geliebt. Dieses Jahr war das anders. Ich bin mit Freudentränen am Cap Formentor angekommen, weil es einfach so wunderschön war. Und ich bin Sa Calobra sowohl heil runter als auch wieder hoch gekommen, was ich vorher beides bezweifelt hatte. Vor allem die 10 Kilometer hoch haben mir mehr Spaß gemacht, als ich jemals für möglich gehalten hätte. Vielleicht wirds doch noch was, mit mir und den Bergen. Irgendwann. 

Triathlon

Ich bin dieses Jahr nur bei einem einzigen Triathlon gestartet - und zwar zum ersten Mal beim 333 in Willich. Nicht etwa, weil mir die Zahl seit der Nordsee-Tour besonders gut gefällt (das auch!), sondern weil die Distanzen wie für mich gemacht sind: 300 Meter schwimmen, 33 Kilometer Radfahren, 3 Kilometer laufen. Das Schwimmen hab ich verflucht, aber ansonsten liefs prima und hat Spaß gemacht. Das Wichtigste bei kleinen Veranstaltungen im Dorf nebenan: die Freunde, die ebenfalls am Start sind und der Kuchen im Anschluss!

Strongmanrun

Erinnert sich irgendjemand? 2014 hatte ich mit dem Laufen nur deshalb angefangen, weil ich einmal an einem Hindernislauf teilnehmen wollte. Dieser Plan lag vor lauter Triathlon und Radeln und Laufen tatsächlich so lange auf Eis, bis die Anfrage von Strongmanrun kam, ob ich nicht mit ein paar Freunden beim Event in Köln teilnehmen möchte. Da musste ich mich nicht lange bitten lassen! Zwar haben mir die wirklich schweren Hindernisse gefehlt, aber wir hatten einen lustigen Tag und ich kann an die Sache mit den Hindernissen vorerst einen Haken machen. Die Geschichte mit dem Matsch kann ja noch kommen ;-)

Bestzeiten 2018

Ich habe dieses Jahr weniger trainiert und ganze zehn Wettkämpfe weniger bestritten als im Rekordjahr 2017. Und das hat mir gut getan. Wie immer war ich ohne Trainingsplan und ohne strenge Regeln unterwegs.

Halbmarathon

Nachdem ich 2016 und 2017 drei Halbmarathons jeweils knapp über zwei Stunden gelaufen bin, hat sich das Fallen der magischen Grenze angedeutet. Ziemlich spontan hat es im März geklappt, als ich aus dem Marathon-Training heraus kurzfristig einen Halben gelaufen bin: 1:57:21 ist seitdem die neue Marke. Im Juni und Oktober ist noch jeweils eine 1:58 dazu gekommen - beide Male bei quasi nicht vorhandener Vorbereitung. Diese 21 Kilometer könnten meine liebste Distanz werden ...

10 Kilometer

Seit ich 2016 einmal eine 52:44 auf 10 Kilometern gelaufen bin, habe ich es nie wieder unter die 53 Minuten geschafft. Bis zum April diesen Jahres - seitdem heißt die neue Bestzeit 51:49. Einen Mini-Pokal für die gewonnene Altersklasse gabs auch gleich noch dazu.

Marathon

Auch wenn es mir hier nicht so sehr auf die Zeit ankommt, kann ich der Vollständigkeit halber vermelden, dass der Rotterdam Marathon für mich drei Minuten früher zu Ende war als der in Düsseldorf im Vorjahr - und zwar nach 4:35:14. Drei Minuten sind bei der Distanz und der Zeit ungefähr gar nichts und mir auch relativ schnuppe, aber was an diesem Wochenende in Rotterdam und in den Monaten vorher mit dieser Trainingsgruppe passiert ist, freut mich immer noch unheimlich. Das war sehr schön!

Cross-Cup

Neu beim Bombtrack NRW Cross-Cup in diesem Jahr: Cup-Wertung auch für Hobbyfahrer! Yay! Wie so ein Crossrennen Spaß machen kann, obwohl man die ganze Zeit Blut schmeckt, hatte ich hier schon einmal aufgeschrieben. Daran hat sich nichts geändert. Die ersten beiden Rennen in Dorsten und Radevormwald sind für mich mit einem zweiten und einem dritten Platz sehr gut gelaufen. Danach hat die Gesundheit nicht mehr so richtig mitgespielt und ich bin in Kendenich und Pulheim mehr schlecht als recht irgendwie ins Ziel gerollt, Kreuzweingarten musste ich leider komplett sausen lassen. In der Gesamtwertung hat's trotzdem für Platz 4 gereicht. Nur 15 Hobby-Damen bei insgesamt sechs Rennen ist aber durchaus noch ausbaufähig!

Saisonplanung 2019?

Was kommt nächstes Jahr? Die ehrliche Antwort ist: So ganz genau weiß ich es noch nicht. Was ich weiß, ist, dass mein Studium nächstes Jahr noch mehr Zeit benötigen wird als jetzt. Deshalb fallen mir große Pläne mit viel Trainingsaufwand zurzeit schwer.

Eine große Sache steht nach langer Überlegung aber trotzdem schon fest: der Berlinmarathon. Durch das Finish beim Inlinemarathon habe ich mir den Startplatz gesichert. Seit ich das erste Mal zugeschaut hab, hat Berlin mich fasziniert, einmal muss es also sein. Günstiger wirds nicht ... Und obwohl 2019 bei mir für einen Herbstmarathon wirklich alles andere als perfekt ist, möchte ich ihn laufen.

Nächstes Jahr erfülle ich mir noch einen anderen kleineren Traum und starte zum ersten Mal bei einer Marathon-Staffel. Wie könnte es anders sein als zuhause beim Metro Marathon in Düsseldorf und in der Mädels-Variante der Raketenstaffel? Wir werden nicht ansatzweise so schnell sein wie die Jungs, aber ich freue mich riesig drauf! Die Strecke meines ersten Marathons nochmal im Team zu erleben - das wird wunderbar.

Dazu wird sich noch der eine oder andere Halbmarathon gesellen. Was sich rad- und triathlonmäßig so ergibt, wird sich zeigen. Komischerweise plane ich bisher nur Läufe - vielleicht mit dem Ziel im Herbst nicht die schlechteste Idee ...

Ich muss nicht unbedingt wieder ein Fernsehteam in meinem Wohnzimmer stehen haben, aber ich werde auch nächstes Jahr nicht müde werden, Jedermänner und vor allem -frauen fürs Radeln zu begeistern. Sei es durch die Erfahrungsberichte hier im Blog und auf Social Media oder als Speaker bei Veranstaltungen. Da hab ich echt Bock drauf!


Danke an alle, die irgendwie daran beteiligt waren, dass dieses Jahr so fantastisch geworden ist. An alle Leser und Zuhörer, Freunde, Familie, Trainingpartner, Windschattenspender, Team-Mitglieder, Gästezimmer-Anbieter, Kuhglocken-Schwinger, Fotografen, Kooperationspartner, Medien und Kollegen. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht!

Samstag, 3. November 2018

Bikepacking: So wird aus dem Rennrad ein Packesel

Kennst du diese Dinge, die dir ewig im Kopf rumschwirren, die du gerne mal machen würdest, "irgendwann, wenn mal Zeit ist"? Die dich zwar reizen, dir aber vielleicht auch ein klitzekleines bisschen Angst einjagen? Die Fragen aufwerfen und kompliziert erscheinen, so dass man sie immer weiter aufschiebt? Ich würde ja gerne, aber ...

Wo schlafen? 

So ging es mir mit dem Bikepacking. Die Idee, mehrere Tage mit dem Rad unterwegs zu sein, beschäftigt mich schon das ganze Jahr. Ich würde gerne nur das allernötigste einpacken, irgendwo hin radeln, unter freiem Himmel übernachten, morgens weiter fahren und abends irgendwo anders das Lager aufschlagen. Romantische Vorstellung, aber leider funktioniert das für mich so (noch) nicht. Ich bin nicht draußen zuhause und ich finde Camping schon mit Zelt blöd. Einfach so irgendwo im Wald schlafen? Ohne mich.

Also Bikepacking mit Hotel-Übernachtung? Zu teuer. Und irgendwie auch uncool. Ich finde keine Antwort auf die Übernachtungsfrage und lege die Reisepläne daher so lange auf Eis, bis mir jemand durch Zufall von warmshowers erzählt - eine Art couchsurfing-Portal für Radfahrer. Das fühlt sich richtig an und ist der Startschuss für meine Planung: Ich überlege, wo ich ein bisschen Zeit her nehmen kann und schaufele mir drei Tage Anfang Oktober frei.

Wo geht's hin?

Drei Tage sind verdammt wenig. Wenn ich zuhause in Düsseldorf losfahren würde, könnte ich im Prinzip nur ein Dreieck fahren und käme nicht sonderlich weit. Nur in eine Richtung und mit dem Zug zurück? Wäre eine Idee, um mehr Strecke zu schaffen, aber möchte ich trotzdem bei dieser ersten Tour vermeiden. Langsam reift die Idee, nicht zuhause zu starten, sondern auf dem Rückweg vom Münsterland Giro eine Nacht bei Freunden zu bleiben, am nächsten Tag Richtung Holland zu radeln, per warmshowers zu übernachten, am zweiten Tag zurück in Deutschland bei anderen Freunden unterzukommen und am letzten Tag zurück nach Hause zu fahren. Das genaue Ziel in Holland bestimmt eine Mischung aus Kilometern, die ich mir zutraue und dem Ort der warmshowers-Zusage: Ein Pärchen in der Nähe von Amersfoort will mich aufnehmen.

Ich will mit dem Rennrad fahren und plane die Strecken mit Strava. Kleinigkeiten passe ich an, beispielsweise möchte ich lieber außen um Städte rum anstatt mittendurch. Wenn bei Google maps irgendetwas spannend aussieht, baue ich einen Umweg ein. Abgesehen von einer Bundesstraße, die definitiv nicht für Fahrräder erlaubt ist und um die ich einen kleinen Schlenker fahre, sind meine Strecken prima. Viele kleine Straßen, Wirtschaftswege, teilweise echte Highlights (Nationalpark Veluwezoom!). Die Navigation funktioniert per Garmin und im Zweifel bei spontanen Änderungen wie einer gesperrten Brücke per maps.

Was muss mit? 

Schneller als ich gucken kann, stehen 50 Teile auf der Packliste. Für nur drei Tage? Brauche ich das wirklich alles? Am meisten Kopfzerbrechen bereitet mir das Wetter. Temperaturen sind von 5-25° angesagt, dazu nass, trocken, windig. Ich erinnere mich an die 333-Kilometer-Tour zur Nordsee, bei der es mehrere Stunden geregnet hat. Im Sommer kein Problem. Aber bei 5° komplett durchnässt sein? Zur Windjacke kommt also noch eine Regenjacke sowie ein zusätzliches langes Trikot, so dass ich mich im Notfall wieder trocken legen könnte.

birzman hat mir ein ganzes Sortiment an Packtaschen zur Verfügung gestellt. Ich will alle ausprobieren und sortiere daher nicht wahnsinnig streng alles möglicherweise Überflüssige aus. Für meine erste Tour gilt: Lieber haben als brauchen! Ich packe meinen Koffer und nehme mit ...

Radklamotten

Trikot kurz, Trikot lang, Thermo-Trikot lang, Hose kurz, Hose lang, Armlinge, Windjacke, Regenjacke, Baselayer, Sport-BH, 3x Socken, Überschuhe, Buff, Handschuhe lang, Handschuhe kurz, Sonnenbrille, Helm, Radschuhe.

Alltagskleidung

Leggings, T-Shirt, dünner Pulli, BH, Ballerinas.

Fahrradzeug

Ersatzschläuche, Luftpumpe, Reifenheber, Multitool, Schloss, Licht, Trinkflasche.

Technik

Handy, Garmin, Powerbank, Ladekabel.

Kulturbeutel

Zahnbürste, Zahnpasta, Deo, Shampoo, Duschgel, Haargummis, Sonnencreme, Pflaster, Kopfschmerztabletten, Haarbürste, Schere.

Sonstiges

Reisehandtuch, Geld, EC-Karte, Krankenkassenkarte, Notfall-Armband, Handyhülle, Kabelbinder, Riegel.

Diese Sachen habe ich nicht angezogen: Überschuhe, Armlinge, Thermotrikot, Regenjacke. Alle anderen Klamotten hatte ich (mehrfach) an. Nicht gebraucht habe ich ansonsten das Handtuch und Notfallsachen wie Schläuche und Tools.

Wohin damit? 

Den meisten Stauraum bietet mit 6 Litern die Sattelstützentasche (Packman Travel Saddle Pack). Die Befestigung entpuppt sich allerdings an meinem recht kleinen Rad als kompliziert. Ich orientiere mich an den Bildern auf der Website, probiere verschiedene Möglichkeiten und zwei Fahrräder aus, frage beim Händler nach - und kriege schon auf dem allerersten Kilometer einer kurzen Testfahrt die Unterseite der Tasche kaputt, weil sie bei jeder Unebenheit den Hinterreifen küsst - ganz egal, wie stramm ich alles festzurre. Weil das so definitiv nicht klappt und ich auf die Tasche nicht verzichten möchte, rüste ich einen Gepäckträger nach. Das Rennradfahrerherz weint, aber diese Lösung ist für mich und mein Rad ziemlich praktisch. Natürlich hat das Rennrad keine Ösen für die Befestigung, aber mit den entsprechenden Schellen ist da schnell nachgeholfen. Mit einer Kombination aus der Befestigung an der Sattelstütze und zwei Spanngurten sitzt die Tasche bombenfest und wackelt im Gegensatz zur normalen Variante seitlich kein bisschen. Sieht halt scheiße aus, ist aber praktisch.

Im Saddle Pack finden sämtliche Kleidungsstücke (Fahrrad und normal), die Schuhe, das Handtuch und der Kulturbeutel (Plastiktüte mit Probierpackungen) Platz. Statt der Sattelstützentasche wäre auch eine Lenkertasche möglich gewesen - da passt theoretisch etwas mehr rein, allerdings ist das Problem mit dem Abstand zum Reifen bei kleinen Rahmen hier ähnlich. Außerdem sind die meisten Lenkertaschen breiter als mein 38-Zentimeter-Lenker und bieten dann doch gar nicht mal so viel Platz - wird schwierig.


Die zwei Rahmentaschen (Packman Travel Frame Pack Planet und Satellite) passen nach Abschrauben der Trinkflaschenhalter haargenau ins Rahmendreieck. Der Planet fasst 3 Liter, der an ihm befestigte Satellite 2,5. Meine außen verlegten Züge stören sich an den Klett-Befestigungen der Taschen überhaupt nicht. In der unteren Tasche sind die schweren Gegenstände wie Werkzeug, Fahrradschloss und anderer Schickschnack. Oben ist alles, woran ich während der Fahrt ohne Kramen in der großen Tasche drankommen will: Armlinge, Handschuhe, Ersatzschläuche usw. Besonders gut bei den beiden Rahmentaschen: Der Reißverschluss ist versteckt, so dass es nicht direkt rein regnen kann.

Die Oberrohrtasche (Packman Travel Top Tube Pack) kenne ich schon von der Tour an die Nordsee. Hier sollten nur leichte Gegenstände verstaut werden, weil die Tasche sonst zu stark nach rechts und links kippt und gegen die Knie stößt. Ich habe die Powerbank, das Handy und diversen Krimskrams wie Schokoriegel hier auf dem Platz von 0,8 Litern untergebracht.

Die Flaschenhalter mussten den Taschen weichen, wohin also mit den Flaschen? Ich habe eine Flaschen-Tasche (Packman Travel Bottle Pack), die an Lenker und Vorbau befestigt wird. Das klappt wahrscheinlich mit einem längeren Vorbau und mehr Platz besser, hält aber auch an meinem Rad. Eine Flasche findet Platz - ich würde für längere Touren also zwei Taschen empfehlen oder woanders noch eine Flasche zum Nachfüllen unterbringen.


Alle Taschen machen auf den ersten Blick einen sehr hochwertigen und gut verarbeiteten Eindruck. Meine Erfahrung mit der sofort aufgescheuerten Unterseite des Saddle Pack trübt dieses Bild - das Material sieht super stabil aus, war aber wirklich nach wenigen Berührungen mit dem Reifen durch. Wenige Zentimeter Abstand reichen also nicht, weil die Tasche während der Fahrt noch etwas nach unten rutscht. Wer ein großes Rad fährt, sollte kein Problem haben, wer ebenfalls eher klein ist, braucht vielleicht eine andere Lösung. Praktisch finde ich, dass jede Tasche verschiedene Möglichkeiten bietet, die Klettverschlüsse zur Befestigung anzubringen - das bei der Oberrohrtasche herauszufinden, hat bei mir zugegeben etwas gedauert. Der Gummizug des Saddle Pack hat außerdem meine Regen- und Windjacke sowie holländische Rosinenbrötchen zuverlässig festgehalten. Im Regen habe ich lediglich die Oberrohrtasche auf der Fahrt zur Nordsee testen können - hier ist die Powerbank darin trocken geblieben. Da der Reißverschluss an dieser Tasche jedoch nicht geschützt ist, wäre ich bei längerem und stärkerem Regen skeptisch. Um die Kleidung im Saddle Pack würde ich mir keine Sorgen machen. Insgesamt reicht das Platzangebot so auch definitiv für mehr als drei Tage. Wer noch Camping-Utensilien auf die Bikepacking Tour mitnehmen möchte, muss entweder geschickter packen, auf manches verzichten oder an die Taschen außen anbauen.

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Wie war's?

Nach einem nicht so geilen Renntag in Münster ist die Stimmung kurz vor dem Start meiner Tour auf dem Tiefpunkt. Die Vorstellung, drei Tage lang alleine durch fremde Gegenden zu radeln, ist auf einmal völlig abwegig. Ich will nicht raus aus der Komfortzone, sondern einfach nur nach Hause. Gut, wenn es Menschen gibt, die dich daran erinnern, dass du diese Bikepacking-Sache unbedingt machen wolltest und wie sehr du dich darauf gefreut hast.

Trotzdem fährt der Kopf Achterbahn: Schaffe ich die Strecken, die ich mir vorgenommen habe? Wie fährt sich das Rad mit all dem Gepäck überhaupt? Brauche ich das alles? Habe ich etwas Wichtiges vergessen? Was mache ich eigentlich den ganzen Tag alleine auf dem Rad? Was, wenn mir langweilig wird? Wenn ich gar nicht mehr kann? Wenn das Wetter richtig dreckig wird? Wenn die Streckenplanung scheiße war?


Zum Glück verfliegt die Unsicherheit mit dem Losfahren. Ich liebe das Unterwegssein ab dem ersten Meter: Ja, das Rad ist mit all dem Zusatzgewicht etwas schwerfällig, vor allem bergauf (10% Steigungen lassen mich eine neue Definition von Langsamkeit entdecken). Es ist aber völlig egal, ob das Radeln etwas mühsamer ist als sonst, denn ich habe überhaupt keinen Stress. Es ist mir komplett egal, wie langsam ich bin. Ob das noch was mit Rennradfahren zu tun hat, ob das Ganze jetzt Bikepacking oder Bike-Touring heißen muss - ich scheiße darauf und genieße einfach diese drei Tage, die mir tagsüber ganz alleine gehören und die ich abends nur zu gerne mit meinen Gastgebern teile.

Die Streckenplanung entpuppt sich als absoluter Volltreffer. Am ersten Tag geht es gut 125 Kilometer von Borken nach Amersfoort, über einsame Landstraßen, Wirtschaftswege, mit Gegenwind pünktlich ab der niederländischen Grenze und mit einigen Hügeln. In den Nationalpark Veluwezoom bin ich auf Anhieb völlig verliebt und möchte definitiv zurück kommen. Egal ob mit dem Rennrad, MTB oder zum Wandern.


Der zweite Tag hält 100 Kilometer von Amersfoort nach Kleve bereit und führt mich erst an einen kleinen Kanal (Tipp des Gastgebers), dann durch die Hügel um Amerongen und schließlich an Nederrijn und Waal entlang. Immer am Fluss, lange geradeaus, einmal mit der Fähre rüber. Zuletzt zwischen Nijmegen und Kleve durch Berg en Dal, was seinem Namen alle Ehre macht.

An Tag drei stehen wieder rund 100 Kilometer auf dem Plan: Zurück von Kleve nach Düsseldorf. Der erste knackige Anstieg wartet direkt zu Beginn, danach geht es durch menschenleere hügelige Gegenden. Ich entdecke ein Dorf, in dem Unsere kleine Farm gedreht worden sein muss, außerdem Wiesen mit Hundewelpen, Känguruhs und Alpakas.


Kurz: Mir ist nicht langweilig geworden. Keine Sekunde lang. Stattdessen bin ich ziemlich angefixt und sicher, dass das nicht die letzte Tour war. Manchmal braucht man wohl einen kleinen Schubs in die richtige Richtung - denn eigentlich weiß ich von den letzten Malen ins kalte Wasser springen doch schon längst: Die Dinge, die dich reizen und die dir gleichzeitig ein bisschen Angst machen, sind oft die allerbesten. Deshalb unbedingt machen!

Danke an Denise & Björn, Sharon & Daniel, Nadine & Tim, die mich alle so herzlich aufgenommen und die Tour ermöglicht haben. Het was leuk met jou!
birzman hat mir die Bikepacking Taschen kostenlos zur Verfügung gestellt und die Tour so ebenfalls unterstützt. Dankeschön! 

Dienstag, 16. Oktober 2018

Raceday No. 65 - Münsterland Giro 2018

3. Oktober, Feiertag, traditioneller Münsterland-Giro-Tag. Wir Rheinländer sind ja schnell für Traditionen zu haben: Findet irgendetwas zum dritten Mal statt, ist es Tradition. Zack. Der 13. Münsterland Giro ist also der dritte für mich. Nach meinen Starts 2016 und 2017 bin ich in diesem Jahr wieder dabei. Wieder auf der kurzen Strecke, weil kurz schnell bedeutet und schnell mir Spaß macht. Seit ich bei meinem ersten Start in Münster direkt vierte in der Altersklasse geworden bin, flirte ich ein bisschen mit dem AK-Podium. Blöderweise habe ich bei meinen Überlegungen nicht berücksichtigt, dass ich inzwischen nicht mehr in der AK Frauen, sondern Master 1 bin. Und das ist beim Radfahren nicht unbedingt ein Vorteil.


Der Start aus Block A hingegen könnte ein Vorteil sein - wenn man ihn denn nutzen würde. Wer allerdings zu spät kommt und sich hinten einreiht, hat nicht so wahnsinnig viel davon. Wer dann noch so übermütig ist, auf den ersten zehn Kilometern alle Körner zu verpulvern und ganze Gruppen im Alleingang zu überholen - der darf sich nicht wundern, wenn er an der ersten mikroskopisch kleinen Bodenwelle abgehängt wird. Tschüss!

Für die ersten zehn Kilometer verkündet das Garmin einen Schnitt von 39 km/h. Das ist für mich ziemlich flott. Im letzten Jahr konnte ich das gleiche Tempo auf den ersten 30 Kilometern halten - allerdings waren die auch komplett flach und ich wenigstens ansatzweise im Training. Beides kann ich dieses Jahr nicht wirklich behaupten. Trotzdem wäre es ja gelacht, wenn ich nicht wenigstens versuchen würde, schnell zu sein.


Ich versuche es. Wirklich. Aber es geht nicht. Und es tut weh. Und ich kann das heute nicht aushalten. Das ist der Nachteil, wenn du vorne startest und zu langsam bist: Wenn du alle ziehen lassen musst, bist du ziemlich schnell allein. Nicht so gut fürs Ego, nur überholt zu werden und niemanden zu überholen. Und dann 20 Kilometer warten zu müssen, bis die ersten aus Block B vorbei ziehen. Natürlich zu schnell - die sind ja nicht umsonst die Spitze ihrer Startgruppe.

Auf die Berge (ja, Berge! Es heißt Baumberge und nicht Baumhügel!) hatte ich mich tatsächlich gefreut. Ich erinnere mich noch gut, wie magisch das hier oben vor zwei Jahren im Nebel war. Dieses Mal fehlt mir der Zauber, als ich völlig allein kurbele und kurbele und kurbele, um irgendwann mal oben anzukommen. Statt Nebel gibt es heute Sonnenblumen, die von der Sonne ganz traumhaft angeleuchtet werden. Fantastisch. Ich sterbe. Oben lese ich noch drei weitere Berg-Elefanten auf. Wir verbünden uns.


Ich fahre vorne, drei Mann hinter mir. Als ich nach einer Weile merke, dass trotz meiner Zeichen niemand Anstalten macht, mich in der Führung abzulösen, stattdessen hinter mir aber munter geplaudert wird, stelle ich die Arbeit ein. Prompt kommt der Vorschlag, man könnte ja kreiseln. Ach was! Wie innovativ. Leider verfolgen die drei dabei ein anderes System, als ich es kenne: Anstatt dass der erste sich beim Führungswechsel rausfallen lässt und sich hinten wieder einreiht, soll der letzte an allen vorbei fahren und die Spitze übernehmen. Ich boykottiere diese Taktik.

Endlich sind von hinten wieder Geräusche zu hören: Eine weitere Welle aus Block B rauscht heran und spült zufällig Jan mit sich, den ich direkt beim Start verloren hatte. Endlich sind wir eine große Gruppe, endlich nehmen wir ein vernünftiges Tempo auf und endlich kann ich mal kurz in Ruhe atmen - ohne Panik, das Hinterrad vor mir sofort wieder zu verlieren. An einer engen Kurve passiert es natürlich trotzdem - tschüss Jan, tschüss schöne Gruppe!

Eben hat mir netterweise jemand verraten, dass noch ein kleiner Stich auf der bis hier hin wirklich schönen Strecke liegt. Ich male mir die wildesten Anstiege aus, aber in Wahrheit ist es ein recht harmloser Hügel - dieses Mal tatsächlich. Ich will wieder an die Gruppe ran kommen und gebe alles dafür, um die Lücke wieder zu schließen. Ich fürchte fast, dass ich aufgeben muss, als von hinten Unterstützung naht. Wir holen nicht nur auf, sondern rauschen direkt an der Gruppe vorbei, tschüss Jan!


Es geht nur noch geradeaus, die Straße ist breit, wir halten das Tempo hoch. In Münster selbst nehmen die üblichen drei Kurven nochmal Geschwindigkeit raus. Auf einmal habe ich Jan wieder neben mir. Er fährt heute sein erstes Radrennen, hat seit wenigen Monaten überhaupt erst ein Rennrad. Wir hatten vereinbart, nicht zusammen zu fahren, aber jetzt überqueren wir die Ziellinie zufällig auf die Sekunde genau gleichzeitig: Nach 1:54:34 Stunden.

Mit Platz 31 gesamt und 12 in der AK ist das mein bisher schlechtestes Ergebnis in Münster. Dazu mit 34 km/h im Schnitt auch das langsamste Rennen. Nun. Du kannst nicht immer einen super Tag erwischen. Eine weitere Lektion, die mir gar nicht so gut schmeckt: Du kannst auch nichts erwarten, wenn die letzten Wochen mit arbeiten, studieren, krank sein und faul sein verbracht hast, anstatt auf dem Rad zu sitzen. Auch wenn meine Laune an diesem Feiertag gar nicht so feierlich war: Zum traditionellen Abschluss der Rennradsaison schmecken die Nudeln auf dem Münsteraner Schlossplatz auf jeden Fall am besten. Bis zum nächsten Jahr!


Der Startplatz für den Münsterland Giro wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Dienstag, 2. Oktober 2018

Raceday No. 64 - BMW Berlin-Marathon Inlineskating

Ich stehe in einer Menschenmenge auf der Straße des 17. Juni. Vor mir Videoleinwände und die Siegessäule, hinter mir das Brandenburger Tor und die Ziellinie. Spannung liegt in der Luft. Glockenschläge ertönen. AC/DC - "Hells Bells". Dann die ersten Akkorde. Wen das kalt lässt, der hat kein Herz. Stimmung können sie hier in Berlin, und zwar so richtig. Das habe ich schon vor zwei Jahren gespürt, als mich schon das bloße Zuschauen beim Start des Berlin-Marathons so sehr berührt hat, als würde ich selbst laufen. Dieses Jahr stehe ich zwar an der Marathon-Startlinie, aber ich werde nicht laufen, sondern inlineskaten.


Wie vor dem ersten Radrennen - das 2016 übrigens auch in Berlin war - frage ich mich kurz vor dem Start, ob das alles wirklich eine gute Idee ist. Anders als beim Laufen hängt meine Sicherheit auf der Strecke nicht nur davon ab, ob ich über meine eigenen Füße stolpere, sondern auch davon, was die anderen um mich herum so machen. Genauso könnte ich selbst mit einem Sturz jemanden gefährden, eine Kurve nicht kriegen, mit irgendwem zusammenstoßen. Bumms. Wie schon beim Radrennen male ich mir sämtliche Szenarien vorher aus - mit dem Unterschied, dass ich weitaus besser radfahren als inlineskaten kann. Nun. Ich habe mir das so ausgesucht, also hielt ich den Plan Inline-Marathon anscheinend mal für eine gute Idee.

Das war im Juni. Rollerblade hatte mir den Macroblade 110 3WD zur Verfügung gestellt und ich war von Anfang an angefixt. Die großen Rollen machen Spaß, ermöglichen ziemlich mühelos eine angenehme Geschwindigkeit und schlucken auch schon mal kleine Unebenheiten weg. Trotzdem war mein Training eher minimalistisch. Die längste Strecke war 28 Kilometer lang. Anders als ich es vom Laufen kenne, habe ich nicht mehrere 30er absolviert, sondern bin hin und wieder ein bis zwei Stunden durch die Gegend gerollt, hauptsächlich um mich an das neue Sportgerät zu gewöhnen. Manchmal alltägliche Wege, manchmal Radstrecken. Ob ich mich gut vorbereitet fühle? Nicht wirklich.


Das Kribbeln vor dem Start erinnert mich daran, warum ich das mache. Genau dafür. Erste Herausforderung: Nicht über die Matte für die Zeitmessung beim Start stolpern. Check. Noch eine Parallele zum Radrennen: Mit den ersten Metern nach dem Startschuss ist die Unsicherheit wie weggeblasen. Die Straße ist breit und es ist nicht so voll wie befürchtet. Ich habe ziemlich schnell ein Gefühl, wie das hier funktioniert und durch welche Lücken ich mich durch wieseln kann. Und das wichtigste: Es ist gar nicht schlimm! Ich habe keine Angst.

Stattdessen verliere ich schon auf den ersten Kilometern meine Begleitung, weil mir der Gedanke nicht in den Sinn kommt, dass ich tatsächlich schneller sein könnte. Als plötzlich das Schild für Kilometer 10 auftaucht, realisiere ich, dass ich schon viel mehr Strecke als gefühlt zurück gelegt habe und immer noch alleine bin. Ich richte mich darauf ein, dass das so bleibt, wenn ich nicht warten will. Will ich nicht. Ich will das hier so schnell schaffen, wie es Spaß macht und wie ich heute kann.


Freunde stehen schon eine halbe Ewigkeit am Strausberger Platz, nur um mir einmal kurz zuzujubeln, während ich schnell vorbei husche. Ich hätte nicht gedacht, dass heute überhaupt schon Zuschauer da sind - natürlich ist die Stimmung am Streckenrand nicht mit der am Marathon-Sonntag zu vergleichen, aber ich bin überrascht, wie viel dann doch schon los ist.

Im Gegensatz zum Lauf-Marathon ist so ein Inline-Marathon wunderbar kurzweilig. Ich habe nicht die geringste Vorstellung, wie schnell ich über die Distanz fahren kann und ich habe auch keine Uhr, um den Überblick zu behalten. Also fahre ich einfach und wundere mich über die Kilometer-Schilder. Was, schon Halbmarathon? Geil!

Im Windschatten bin ich bisher noch nicht so richtig gefahren, weil einfach niemand in der Nähe ist, mit dem die Geschwindigkeit passt. Ich überhole viel und werde auch überholt, manchmal von ganzen Zügen, die aufgereiht in gleichen Trikots hintereinander her rollen. Mit einem dieser Züge liefere ich mir ein kleines Rennen im Rennen, wir überholen uns immer wieder gegenseitig. Zum Glück ist die Strecke breit genug und bis auf wenige Ausnahmen macht der Fahrbahnbelag auch Spaß. Irgendwo nach Kilometer 30 geht es eine Zeit lang leicht bergab und der Asphalt rollt ganz wunderbar. Herrlich!


Am Potsdamer Platz werden mir mehrere Sachen gleichzeitig klar: Es ist gleich schon vorbei. In einem Jahr läufst du hier lang. Hier stehen verdammt viele Leute am Rand, die dich anfeuern, als würdest du heute schon einen Marathon laufen. Ich nehme den freudigen Kloß im Hals die nächsten Kilometer mit und trage ihn bis zum Brandenburger Tor. Das Abbiegen auf Unter den Linden, wobei das Brandenburger Tor zum ersten Mal in Sichtweite kommt, ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe: Gigantisch. So viel Freude, Dankbarkeit und Erleichterung auf einmal. Unbeschreiblich. Da ist es auch egal, dass die letzten Meter auf den Pflastersteinen nicht mehr so gut rollen. Was für eine Zielgerade!


Zu den Zahlen: Ich hatte gedacht, den Inline-Marathon unter zwei Stunden zu finishen, wäre schön. Währenddessen hatte ich keinen Überblick über meinen schönsten und konstantesten Marathon: Exakt eine Sekunde war die zweite Hälfte langsamer als die erste. Insgesamt haben die 42,195 Kilometer 1:47:35 Stunden gedauert. Macht einen Schnitt von 23,5 km/h, womit ich fürs allererste Mal inklusive Erkältung definitiv mehr als zufrieden bin.

Und nun? Fest steht: Ich komme wieder. Der Lauf-Startplatz für 2019 ist dank des Finishs beim Berlin-Marathon Inlineskating schon jetzt sicher. Ich möchte aber definitiv nochmal inlineskaten, weil es mir wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Direkt am Vortag muss es nicht sein, Berlin kommt also erst 2020 wieder in Frage. Ansonsten gibt es leider nicht mehr allzu viele Inline-Marathons. Duisburg habe ich auf dem Schirm, die Lieblingsstadt Madrid steht auch weit oben auf der Wunschliste ... Ich fange schon mal an zu sparen und baue auf dem Weg dahin vielleicht den einen oder anderen Inline-Halbmarathon ein.



Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Rollerblade entstanden. Die Inlineskates wurden mir kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vielen lieben Dank!