Ich hasse laufen.

Featured Posts

swim

bike

run

Donnerstag, 17. August 2017

Buchtipp: Rad und Raus - Alles für Microadventure und Bikepacking

Kommentare :
Ein Buch, das mir erklärt, wie ich Abenteuer mit dem Fahrrad erlebe - nimmt das der ganzen Sache nicht per se schon sämtliche Aufregung? Wie abenteuerlich kann eine Radreise denn sein, wenn man sich vorher gemütlich auf der Couch informiert hat, was eine gute Idee ist, was eine eher schlechte, wie das so funktioniert mit dem Bikepacking und dem Microadventure? Dieses Wort begegnet dem Leser in Gunnar Fehlaus Rad und Raus übrigens ziemlich häufig: Microadventure. Und so unsexy es erscheint, zuerst eine Anleitung zu lesen, um sich dann vorbereitet ins Abenteuer zu stürzen - das Buch schafft es, dass ich am liebsten sofort losradeln möchte. Schon nach der Hälfte bin ich kurz davor, eine superleichte Isomatte und ein winziges Zelt zu erstehen. Zum Glück lese ich erst mal weiter, denn ein Zelt ist für Draußenschläfer gar nicht so die ultimative Empfehlung. Der Grund: Wer sein Zelt einfach irgendwo im Wald aufschlägt, betreibt Wildcamping und das ist verboten. Achja, da war was. Mit einem Tarp, das auch irgendwie so eine Art Dach über dem Kopf ist, aber eben kein Zelt, sieht das ein bisschen anders aus - kein direkter Freifahrtschein, aber immerhin eine rechtliche Grauzone. Davon schon mal etwas gehört zu haben, bevor man munter losradelt, schadet definitiv nicht.


Je länger ich lese, desto stärker manifestiert sich der Gedanke: "Du brauchst gar nichts kaufen, setz dich einfach aufs Rad und fahr los." Denn für die Mini-Radreise mit nur einer Übernachtung (ein weiteres fancy Wort: "Overnighter") braucht es laut Rad und Raus gar nicht viel. Gunnar Fehlau behauptet sogar, dass man das meiste dafür sowieso zuhause hat: Im Keller, auf dem Dachboden, vom letzten Camping oder aus längst vergangenen Pfadfinderzeiten. Bei mir wäre es dann eher die Festivalvergangenheit, die wohl noch noch den einen oder anderen Campingkocher und Schlafsack zurück gelassen hat. Wer sich doch mit dem neuesten heißen Ultralight-Bikepacking-Scheiß ausstatten will, der bekommt im Buch auf jeden Fall die passenden Tipps. Und wer Ausrüstung unbedingt vorher testen möchte, kann das ja mal bei einer Übernachtung auf dem Balkon machen. Weil meine Wohnung damit nicht dienen kann, spiele ich seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, eine Nacht im Grafenberger Wald zu verbringen. Zehn Minuten von zuhause entfernt, falls es doch zu abenteuerlich werden sollte.


Bisher bin ich nicht zu meinem ersten Overnighter aufgebrochen. Das liegt aber definitiv nicht an Rad und Raus von Gunnar Fehlau: Das kurzweilige Buch im handlichen Format macht mit teilweise sehr traumhaften Fotos und unzähligen, wahrscheinlich hilfreichen Tipps absolut Lust aufs Fahrrad-Abenteuer. Was mich abhält, ist der zurzeit mit Arbeit, Studium und Training gut durchgetaktete Alltag. Und ein klitzekleines bisschen vielleicht auch die Tatsache, dass ich alleine unter freiem Himmel schlafen nicht nur abenteuerlich, sondern ehrlich gesagt auch ein bisschen gruselig finde. Vielleicht werde ich daher beim ersten Mal doch nicht den nächstbesten Wald, sondern einen sicheren Campingplatz ansteuern. Denn auch das lehrt mich Rad und Raus: Dein Bikepacking-Abenteuer ist genau das, was du daraus machst.

Rad und Raus - Alles für Microadventure und Bikepacking“ (Werbelink) von Gunnar Fehlau ist im Delius Klasing Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro. Das Buch hat 160 Seiten mit 160 Farbfotos und passt mit 12,4 x 18,4 Zentimeter in jede Tasche. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Freitag, 11. August 2017

Raceday No. 41 - Preis von Bochum Wiemelhausen

1 Kommentar :
Im letzten Jahresrückblick hatte ichs angesagt und jetzt kann ich einen Haken dran machen: Podiumsplatz - check! Dieses Mal nicht beim Triathlon, sondern tatsächlich beim Radfahren. Und eigentlich ist das alles gar keine so große Sache, weil beim Preis von Bochum Wiemelhausen nur zwei Frauen am Start waren und ich eben vor der zweiten über die Ziellinie gefahren bin - keine allzu heldenhafte Geschichte. Aber nach dem Reinfall bei meinem ersten Kriterium in Krefeld Bockum freut es mich doch umso mehr. In Krefeld bin ich theoretisch auch erste Frau geworden, der Veranstalter hat aber komplett ignoriert, dass drei Frauen am Start waren. Es gab keine eigene Wertung und auf Nachfrage nur ein Schulterzucken und: "Ihr wart doch im gleichen Rennen." Tjoar, wir hätten ja einfach gegen die Männer gewinnen können. Das hat mich ziemlich geärgert - nicht nur, weil ich gern auf dem Treppchen gestanden hätte, sondern vor allem, weil ich die Anerkennung unserer Leistung genauso vermisst habe wie das Verständnis für die Problematik an sich. Aber es geht auch anders - und deshalb kommt hier der Gegenbeweis.


Die Entscheidung, in Bochum zu starten, ist ziemlich kurzfristig gefallen. Eine gerade erst überstandene Erkältung und ein kleiner Sturz mit dem MTB zwei Tage zuvor haben mich zögern lassen. Hätte ich die Strecke vorher gekannt, hätte ich mir den Start wohl auch nochmal sehr gut durch den Kopf gehen lassen ... 1,3 Kilometer, davon 600 Meter bergab, 500 bergauf und den kurzen Rest flach. Dazu Kopfsteinpflaster, sowohl hoch als auch runter. Könnte einfacher sein. Daniel und Alex vom Cycling Club Düsseldorf sind auch hier, und nachdem wir die Strecke besichtigt haben, wird mir klar, dass das ein einsames Rennen für mich wird. Viel zu selektiv ist der Kurs - und kein Hinterrad der Welt werde ich an diesem fiesen Anstieg halten können.



Zum Glück sind es nur 19,5 Kilometer, 15 Runden. Eine Runde hat 22 Höhenmeter, was schon fast niedlich klingt, in der Realität aber durchaus furchteinflößend aussieht und in der Summe definitiv anstrengend wird. Oh Mann. Warum nochmal? Außer mir ist nur eine andere Frau am Start. Mein Plan lautet daher: Dran bleiben. 200 Meter nach dem Start scheiße ich auf den Plan und beschließe, mir lieber einen kleinen Vorsprung rauszufahren und dann mal weiter zu sehen. Die neue Taktik ist hervorragend. Eine halbe Runde lang. Bis zum Anstieg. Die Abfahrt und den Hügel trennen nämlich drei Kurven bergab - die ersten beiden sind okay, aber die dritte hat fast 180°. Beruhigend, dass genau hier schon ein Krankenwagen hinter der Absperrung bereit steht - ich möchte ihn nicht brauchen. Deshalb leite ich all die schöne Energie aus der Abfahrt in die Bremsen und nicht in den Anstieg - schöne Scheiße.


Beim ersten Mal drücke ich trotzdem aus irgendeinem verrückten Grund viel zu schnell hoch. Noch 14 mal hier rauf? Ohne mich. Und ohne das Tempo. Die Zuschauer oben sind großartig und entschädigen ein kleines bisschen dafür, dass die Steigung nicht bei der Start-/Ziellinie endet, sondern sich noch einige Meter weiter zieht. Endlich oben angekommen ist das Wichtigste: klar kommen. Atmen. Atmen! Wo zur Hölle sind eigentlich die Beine? Nie wieder werde ich aufs große Blatt schalten. Ich eiere einfach im kleinsten Gang um den kompletten Kurs, was solls?!

In der ersten Kurve nach dem Start liegt einer dieser Verkehrsberuhigungshubbel (die Niederländer haben da mit Drempel definitiv das einfachere Wort). Während ich hier in der ersten Runde unsanft hoch gerumpelt bin, versuche ich es dieses Mal mit einem Bunnyhop - elegant ist anders, aber immerhin. Es wird der erste und letzte sein, denn ab Runde drei fehlt mir die Kraft. Für alles. Kurz vor der Abfahrt beschließe ich, dass ein dickerer Gang doch eine Option ist. Das könnte alles so schön sein hier, wenn da nicht dieses Kopfsteinpflaster inklusive Spurrillen wäre. Meine beim MTB-Sturz angeschlagene Schulter findet die Hoppelei ganz und gar nicht witzig, so dass ich den Lenker bergab hauptsächlich mit der anderen Hand festhalte. Könnte echt besser laufen.


Wie kann es sein, dass dieser scheiß Anstieg schon wieder da ist? Hier war ich doch gerade erst! Ich krieche hoch. Irgendwie. Keine Ahnung, wo die Beine heute sind. Auf jeden Fall nicht in Bochum. Der Hügel tut weh, das kurze flache Stück danach tut weh, die Abfahrt ist auch alles andere als Erholung. Nach sechs Runden will ich nicht mehr. Was, wenn ich jetzt einfach aufhöre? Sicherer Podiumsplatz hin oder her, ist ein Rennen mit zwei Fahrerinnen nicht sowieso ein ziemlicher Witz? Was mache ich hier überhaupt? Es war klar, dass es hart wird, das Ganze alleine zu fahren, aber so hart? Ich würde gerne mal einfach nur mitrollen, eine Gruppe finden, irgendein Hinterrad. Da ist aber niemand ähnlich langsam wie ich. Stattdessen überrunden mich ein paar Fahrer, darunter Alex. In der kurvigen Abfahrt findet er die Zeit mir zu zurufen, dass ich gut unterwegs bin. Achja, die Lügen des Ausdauersports. Sie wirken immer.


Als ich mich das nächste Mal mit Hängen und Würgen diesen verdammten Berg hochgekämpft habe, nennt der Kommentator am Start/Ziel gerade meinen Namen und fragt laut, ob es eigentlich eine Frauenwertung gibt. Das frage ich mich auch. Mittlerweile ist auch den Zuschauern mein Leiden nicht entgangen. Gefühlt wird der Applaus dort oben mit jeder Runde stärker. Auch die Streckenposten feuern mich an. Der Kommentator erzählt schon wieder, wie ich heiße, und dass Susanne, die zweite Frau, mir auf den Fersen sei. Oh. Mit leeren Beinen und leerem Kopf komme ich oben an, möchte nie wieder hochschalten und wünsche mir nichts mehr, als dass dieses Flachstück nur ein paar Meter länger wäre. Ist es aber nicht. Es geht schon wieder bergab, und wenn ich irgendwo Zeit rausholen kann, dann ist das definitiv nicht bergauf. Also nix mit rollen lassen, sondern Kette rechts und treten, was geht. Und den Lenker festhalten. So gut wie möglich.




Dann das gleiche Spiel von vorn: In Zeitlupe den Mount Everest hoch fahren und oben die Beine suchen. Jedes Mal, wenn der innere Kampf zwischen aufgeben und durchziehen gerade in Richtung Füße hochnehmen und nur noch langsam rollen tendiert, kommt die Abfahrt und der Gedanke: jetzt oder nie. Entweder zusammenreißen, hier den Vorsprung wieder ausbauen oder gleich überholt werden. Ich werde nicht überholt. Mein Rennen endet nach 12 Runden, 17 Kilometern und 38 Minuten. 27er Schnitt. Klingt peinlich - da bin ich schon im Triathlon deutlich schneller gefahren. Dass der Sieger auch "nur" einen 36er Schnitt gefahren ist, verrät wohl genug über das Profil der Strecke. Meine schnellste Runde lag übrigens bei knapp unter 33 km/h und war - natürlich - die allererste. Laktatdusche olé. Dass ich trotz der enttäuschenden Zahlen alles gegeben habe, wird mir erst nach dem Rennen klar. Während die Jungs schon über Eis und Kuchen philosophieren, will ich nur in den Schatten und darauf warten, dass mir nicht mehr schlecht ist. Selbst die obligatorische Cola, die mir sonst immer den Arsch rettet, ist heute nicht verlockend. Bochum, du warst ganz schön hart. Aber auch ganz schön geil!



Lieber RSV Bochum, danke für eine top organisierte Veranstaltung, für einen tollen Kommentator, großartige Zuschauer und die Selbstverständlichkeit, die Frauen mit aufs Treppchen zu bitten, selbst wenn nur zwei am Start waren. Danke für Urkunde, Medaille und Preisgeld, das mir sogar noch hinterher getragen wurde, weil ich mich über all die Aufmerksamkeiten davor schon genug gefreut hatte. So sollte das sein!

Mittlerweile dürfte der Stil euch bekannt sein - Christian Siedler hat fotografiert. Danke dafür und für die Begleitung! Noch mehr Bilder gibt's hier.

Montag, 7. August 2017

Inside Tour de France

Keine Kommentare :
Ich war beim Grand Départ in Düsseldorf. Natürlich. Tour de France direkt vor der eigenen Haustür, geht es noch besser? Ja. Für Coffee & Chainrings durfte ich bei zwei Etappen in Frankreich ein bisschen hinter die Kulissen der Tour de France schauen. Tissot hatte zur Pressereise geladen und ich musste mich natürlich nicht zwei Mal bitten lassen. Mit Französisch-Kenntnissen, die stark gegen Null tendieren, habe ich mich zwei Tage lang mit Händen, Füßen und einem Herz voller Radsportliebe so durchgeschlagen. Herausgekommen sind zwei Artikel, einige Bilder und eine Unmenge einmaliger Erinnerungen.

Hier geht's zu Bildern und Texten:

Inside Tour de France - Teil 1 - 10. Etappe von Périgueux nach Bergerac

Inside Tour de France - Teil 2 - 11. Etappe von Eymet nach Pau



 


Freitag, 28. Juli 2017

Rapha Women's 100 feat. Braver Than The Elements 2017

1 Kommentar :


Wenn du irgendwem erzählst, der noch nie Rennrad gefahren ist, dass du gedenkst, 100 Kilometer auf eben diesem Gefährt zurück zu legen, wirst du schon mal schnell mit großen Augen angeguckt. Jeder Rennradfahrer hingegen zuckt höchstens müde mit den Schultern. 100 Kilometer? Die kommen schnell mal zusammen. Nichts Besonderes also?


Doch. Meine allerersten 100 Kilometer bin ich vor genau zwei Jahren geradelt. Bei der Rapha Women's 100 2015, zusammen mit einem Haufen Mädels und der Schicken Mütze. Alleine wäre ich sehr wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen. Damals tat mir hinterher alles weh und ich war mächtig stolz. Mittlerweile sind 100 Kilometer keine Distanz mehr, die mich auf dem Rennrad beeindruckt, aber ich habe nicht vergessen, dass es noch nicht allzu lange her ist, als das noch etwas anders aussah. Deshalb stand für mich fest, dass ich dieses Jahr wieder dabei sein würde. Etwas zu schaffen, was man vorher noch nie ausprobiert hat oder woran man nicht einmal gedacht hat; die Erfahrung, wie weit man aus eigener Kraft kommen kann - das ist nämlich auch von der anderen Seite schön. Nicht nur dann, wenn man sich durchkämpft und das Ganze selbst erlebt, sondern auch, wenn man dabei zusieht, die Gruppe führt oder anschiebt, wenn man motiviert und zur Not kleine Arschtritte verteilt.


Rapha hat also wieder Frauen dazu aufgerufen, 100 Kilometer zu radeln. Wieder an einem Sonntag im Juli, wieder am letzten Tag der Tour de France. Fein. Unsere Düsseldorfer Gruppe ist bunt gemischt. 25 Frauen, manche routinierte Fahrerinnen, manche noch nicht lange auf dem Rad oder unerfahren in Gruppen. Die ersten 30 hügeligen Kilometer eignen sich gut, um sich an das heranzutasten, was noch kommt: viel geradeaus und viel Wind. Sehr viel Wind. Und Regen. Und Wind. Und noch mehr Regen. Hatte ich Wind schon erwähnt?


An den Hügeln rollt es gut. Jede fährt ihr eigenes Tempo und die langsameren können oben immer wieder aufschließen, ohne dass die schnelleren ewig lange rumstehen und kalt werden. Nach den ersten beiden Hügeln wartet nur noch der Esel - genau wie vor zwei Jahren. Noch immer berühmt-berüchtigt, aber das einzig furchteinflößende an diesem Anstieg ist, dass er einen Namen hat. Wirklich. Aber mir glaubt ja keiner. Damit es sich unterwegs niemand anders überlegt, plappere ich einfach während der ganzen Kletterei dummes Zeug, das hoffentlich entweder a) ablenkt, b) gute Laune verbreitet oder c) so einen Hass auf mich schürt, dass die kämpfende Truppe erst recht vor mir oben ankommen will. Bitte wählen Sie jetzt.

Die blöden Geschichten sind mir noch lange nicht ausgegangen, aber wir haben die Kuppe erreicht. Esel: check. "Das war alles?" - "Hatte ich mir viel schlimmer vorgestellt!" Ach guck an. Ich habe noch nie jemanden sagen hören: "Das war schrecklich, das mache ich nie wieder!" Nie. Stattdessen: Erleichterung, Freude, Stolz. Am besten ist es eben, Sachen einfach mal zu machen.


Nachdem die Hügel jetzt hinter uns liegen, rollen wir der Kuchenpause entgegen - nur liegt die inmitten einer Schlechtwetterfront. Auf den Wirtschaftswegen zwischen den Feldern sind wir ein leichtes Opfer für den Wind. Er will uns bremsen, uns noch etwas im Nassen aufhalten. Das leichte Nieseln entwickelt sich gerade zu einem ordentlichen Platzregen. Wir schwimmen vorwärts. Gegen eine Wand aus Wind. Ist das hier Women's 100 oder Braver Than The Elements? Die Grenzen verschwimmen. Genau wie die Straße. Und die Sicht. Ich muss die Brille abnehmen, wenn ich nicht blind weiter fahren will. Der Wind peitscht die kalten Regentropfen ins Gesicht: auf Wangen, Nase, Lippen und in die Augen, auf Arme und Beine, auch von unten spritzt das Wasser hoch und wir sind alle so unendlich nass. Bis auf die Haut.

Wie wunderbar. Klar kannst du auch großartige Ausfahrten bei bestem Wetter haben. Aber die Geschichten, an die sich später alle erinnern, spielen immer unter widrigsten Bedingungen. Oder ist die Titanic unter strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel untergegangen? Eben. Bei uns heißt es dann halt: Wisst ihr noch, wie wir mit 25 pitschepatschenassen Mädels in das Café gestiefelt sind, wie komisch die anderen Gäste geguckt haben, wie wir alle Stühle und Polster komplett unter Wasser gesetzt haben und wie großartig dieser gigantische Eiskaffee war?

 








Nach unserer Stärkung hört der Regen auf. Der Wind bleibt uns noch erhalten. Er pustet von vorne, von der einen Seite, von der anderen Seite. Puh. Kurz vor Kilometer 70 entscheiden wir uns für eine Gruppentrennung, weil sich nicht alle trauen, im Windschatten zu bleiben - das bremst die ganze Gruppe aus und bei den Bedingungen wird es dadurch anstrengender als nötig. Wir spalten uns also in Peloton und Gruppetto, was allen mehr als recht ist.



Plötzlich meint es auch der Wind gut mit uns und schiebt uns zurück in Richtung Düsseldorf. Das beständige Rauschen in den Ohren wird jetzt unterbrochen von munterem Gemüse-Raten: Wir fahren an so vielen verschiedenen Feldern vorbei, dass sich schnell herausstellt, wer die besten naturkundlichen Kenntnisse hat. "Kartoffeln!" - "Steckrüben!" - "Ist das hier Kohl?" - "Um Himmels Willen, was für eine Pflanze stinkt so dermaßen?" - "Tagetes!" Jungs, das sind also die Themen, über die Frauen sprechen, wenn sie unter sich sind: Kuchen und Kohl.





Wir biegen genau an der richtigen Stelle auf den Deich ab und haben den allerbesten Blick auf Düsseldorf. Den Rheinturm, den Medienhafen, die Kniebrücke, all das viele Grün, die Schafe. Homecoming. Nach exakt 100 Kilometern. Unter Applaus rollen wir in der Schicken Mütze ein. Wenig später empfangen wir standesgemäß die zweite Gruppe. Geschafft! Ich blicke in lauter strahlende Gesichter. Zur Belohnung gibt es - natürlich - Gebäck, vielen Dank an den großzügigen Spender!









Diejenigen, deren Couch noch nicht zu laut ruft, bleiben zum Rudelgucken. Die letzte Etappe der Tour de France, die vor drei Wochen genau hier begonnen hat, bei uns in Düsseldorf. Paris. Der letzte Sprint. Mein absolutes Highlight ist der großartige Paul Voß live in der Sportschau: "Greipel! Greipel! Greipel!!! Nee. Groenewegen. Fuck!" Was für ein Kommentar, so viele Emotionen in einem so kurzen Augenblick. Den zweitbesten Kommentar des Tages habe ich unterwegs aufgeschnappt: Ein älterer Herr, ebenfalls mit dem Rennrad unterwegs, musste kurz warten, um 25 Mädels durchzulassen. Er stellte dabei verwundert fest: "Ich wusste gar nicht, dass so viele Frauen Rennrad fahren!" #thisiswhy: Danke Rapha, danke Schicke Mütze, danke an alle Mitfahrerinnen!

Danke für die Fotos an Kerstin Kortekamp, Carsten Wien, Ellen Abendroth.

Donnerstag, 20. Juli 2017

Raceday No. 40 - Hamburg Wasser World Triathlon 2017

1 Kommentar :

Hamburg, Baby! Aller guten Dinge sind drei, oder? 2015 war ich spontan zum Zuschauen beim Triathlon in Hamburg und war sofort hin und weg. 2016 bin ich zum ersten Mal selbst in Hamburg gestartet. Dieses Jahr wollte ich eigentlich nur anfeuern, aber irgendwie kommt es ja immer anders als gedacht und so stehe ich 2017 wieder an der Startlinie. Wieder Sprint. Zu mehr wäre ich vermutlich auch gar nicht in der Lage. Eigentlich habe ich absolut rein gar keine Lust auf Triathlon. Nach den Erlebnissen bei der Tour de France letzte Woche bin ich komplett auf Radfahren gepolt. Schwimmen? Laufen? Ach komm. Geht mir weg damit.


Vor lauter Tour-Euphorie habe ich in den letzten Wochen erfolgreich verdrängt, dass mir da noch ein Triathlon-Start bevorsteht. Geschwommen und gelaufen bin ich zuletzt in Düsseldorf beim T3, ansonsten habe ich in den letzten Wochen entweder selbst auf dem Rad gesessen oder den Profis dabei zugeschaut. Der Blick in die Ergebnisliste aus dem Vorjahr stimmt mich auch nicht gerade positiv: Insgesamt 1:32 Stunden habe ich gebraucht. Schneller wird kaum möglich sein und schon gar nicht ohne Lauf- und Schwimmtraining in den letzten Wochen. Nun ja. Selbst Schuld. Das Gute daran: Kein Ziel, kein Druck. Ich erwarte nichts und weiß, dass Hamburg selbst einfach immer geil ist. Also will ich Spaß haben, auf dem Rad Gas geben und ansonsten gucken, was geht.

Weil ich so unglaublich schlecht mit Neo schwimme, möchte ich mir vor Ort die Entscheidung ersparen, mit oder ohne zu starten und lasse ihn deshalb einfach mal zuhause in Düsseldorf. Blöd nur, dass es am Samstagmorgen in Hamburg mit ungefähr 14° Luft- und 19° Wassertemperatur alles andere als sommerlich warm ist. Um kurz vor 8 Uhr morgens hüpfe ich in die Alster und bereue das sofort. Warum konnte ich nicht noch fünf Minuten draußen warten? Scheiß aufs Einschwimmen! Wenn das Wasser allerdings wärmer ist als die Luft, kommt nochmal rausklettern nicht wirklich in Frage. Also frieren und auf den Start warten. Scheiße, warum mache ich das nochmal? Achja, weil hier nur 500 Meter zu schwimmen sind und ich danach radeln darf.

Unglaublich einladend: Wer würde da nicht gern ins Wasser hüpfen?
Countdown, Startschuss, keine Schlägerei. Ich kraule, bis es zu anstrengend wird, bis der Kopf nicht mehr will und habe heute keine Lust, diesen Kampf auszufechten. Also Brustschwimmen, worin ich zwar auch langsam bin, aber nicht langsamer als beim Kraulen - also was solls. Ich behalte lieber den Überblick. Vor der Boje tummeln sich alle, eiern drum herum, weiter geht's. 500 Meter sind echt verdammt überschaubar. Das Wasser kommt mir sogar minimal klarer vor als beim letzten Mal. Schmecken tuts trotzdem nicht. Die Brücke, unter der wir durch müssen, kenne ich schon. Tatsächlich überhole ich auf den letzten Metern noch den einen oder anderen Kraulschwimmer (was zur Hölle?) und steige dann auf die Sekunde genau zur gleichen Zeit aus dem Wasser wie vor einem Jahr: nach 13:01 Minuten. Keine Glanzleistung, aber auf jeden Fall sollte mich fehlendes Schwimmtraining zukünftig nicht aus dem Konzept bringen. Vollkommen überbewertet!

Ein schöner Ort: der Schwimmausstieg
Der Weg zur Wechselzone ist lang. Sehr lang. Das ist Hamburg. Mich tröstet einzig und allein, dass alle diesen unendlich weiten Weg laufen müssen. Außerdem stehen Christian und Denise am Rand und machen Lärm. Mein Rad ist schnell gefunden, praktischerweise zeigt ein Abbiegerpfeil auf dem Boden direkt auf Bruno. Sehr zu meiner Freude sind trotz der langsamen Schwimmzeit noch ganz schön viele Räder in der Nähe - fein. Weil ich ein Handtuch vergessen habe, muss ich Socken (ja, Socken!) und Schuhe einfach so anziehen. Geht auch. Demnächst also keine Zeit mehr auf Abtrocknen verschwenden. Was so richtig nervt, ist der ellenlange Weg bis zur Radstrecke. Die Wechselzone ist schmal, Athleten auf dem Weg zum Laufen kommen uns entgegen, einige schieben noch ihr Rad, andere vor mir schieben in Richtung Ausgang, manche laufen, andere gehen. Überholen ist bei Gegenverkehr unmöglich. Was ist das hier, ein Sonntagsausflug oder ein Triathlon?


Die Frage stelle ich mir auf der Radstrecke erneut. Prinzipiell ist es ja schön, dass irgendwie jeder mal einen Triathlon ausprobiert. Nur wenn ich mit Hollandrad inklusive Kindersitz oder Stadtrad mit Körbchen (mit Jacke und Trinkflasche drin!) antrete, dann wäre das ungefähr so, als würde ich bei einem Volkslauf mit Flipflops starten und dann 10 km spazieren gehen. Kann man man alles machen. Aber dann bitte nicht auf einer einspurigen Straße nebeneinander, wenn andere von hinten überholen wollen. Nebeneinander übrigens nur deshalb, weil die Nachbarin ja die Utensilien aus dem Körbchen nach vorne reichen muss.

Während ich mich frage, ob ich lachen oder weinen soll, kommt mir noch etwas anderes Bedauerliches in den Sinn: die geänderte Radstrecke. Letztes Jahr war eine 22-Kilometer-Runde zu fahren. Heute sind es zwei 10-Kilometer-Runden. Abgesehen von meinem Rundenhass und mehr Kurven liegt der Nachteil vor allem in der Überfüllung der Strecke. Ich fahre fast kein Mal ein paar Meter alleine geradeaus, weil ich permanent mit überholen oder überholt werden beschäftigt bin. Das ist stressig. Die Streckenänderung ergibt für den Sonntag allerdings auf jeden Fall Sinn - in den letzten Jahren gab es so viel Ärger mit Scherben auf der Reeperbahn, dass sich die Starter der Olympischen Distanz wahrscheinlich freuen, nicht durch die Schlagermove-Überreste fahren zu müssen. Trotzdem sind auch hier drei 13-Kilometer-Runden arg überfüllt und es wird permanent absichtlich und unabsichtlich im Windschatten gelutscht. Nicht wirklich der Sinn der Sache.

Genug gemeckert, das Radfahren ist und bleibt die Lieblingsdisziplin und so halte ich rein, was geht. 20 Kilometer sind verdammt kurz und es ist mir scheißegal, wie der Lauf danach wird, ich will einfach eine gute Radzeit hinlegen. Letztes Jahr bin ich auf der schönen größeren Runde einen guten 32er Schnitt gefahren. Die Hälfte der ersten Runde liegt über 33 km/h und ich bin gespannt, ob ich das halten kann. Das wäre absurd, weil ich beim Kriterium letzte Woche genauso schnell war - zwar mit mehr Kurven, aber dafür auch mit Windschatten. Der Tunnel, die anschließende Brücke und die Wendepunkte machen mir einen Strich durch die Rechnung. Ich freue mich über für Hamburger Verhältnisse fast windstille Bedingungen und bin nach 36:38 Minuten wieder in der Wechselzone. Im Schnitt 32,6 km/h, das reicht für Platz 42 von 1136. Danke, Bruno!

Besonderer Dank geht übrigens auch an Niklas von Laufen Liebe Erdnussbutter, der zwei Tage lang als Streckenposten eingesetzt ist und mir einen kämpferischen Blick beim Radeln bescheinigt. Stellvertretend an dich für alle Helfer: Ihr seid spitze! Danke!

Wenn die Wechselzone während des Rennens mal so schön leer wäre wie morgens ...
Wie immer finde ich es blöd, dass ich das Rad schon abstellen muss und nun Laufen auf dem Plan steht. Aber nur fünf Kilometer. Ich bin ehrlich gespannt, wie die werden, weil mich ja beim T3 in Düsseldorf relativ schnell die Lust verlassen hat, mich irgendwie nennenswert anzustrengen. Als kleinen Motivationsschub nehme ich mit, dass aus meiner Startgruppe noch nicht allzu viele Räder wieder zurück sind. Einmal nicht auf der Laufstrecke wieder von allen eingesammelt zu werden, das wäre ja mal was!

Zum ersten Mal schaue ich auf die Uhr: 59 Minuten. Huch. Die 1:32 aus dem Vorjahr zu unterbieten, sollte eigentlich locker drin sein. Ach krass! Na dann mal los. Ich habe wirklich überhaupt keinen Plan für den Lauf. Irgendwas unter 30 Minuten wäre schon okay, mit 29 Minuten nochwas könnte ich leben. Weil es keine Kilometermarkierungen gibt und meine Uhr mir ja keine Pace anzeigt, bleibe ich relativ ahnunglos und laufe so, wie es eben geht.


Und es geht. Oder läuft. Die Beine sind gut, der Kopf ist bei der Sache und so laufe und laufe und laufe ich. Ohne fluchen, ohne irgendwas in Frage zu stellen. Was, da ist schon der Wendepunkt? Okay, für fünf Kilometer bei herbstlichen Temperaturen brauche ich jetzt echt kein Wasser. Auch kein Iso, das Ziel ist nah! Vorher geht es noch vorbei an ein paar Cheerleadern, "Umdrehen wäre jetzt auch blöd"-Sprüchen und dann die letzten Meter durch die Innenstadt. Hier sind auch früh morgens schon Zuschauer, die ordentlich Gas geben beim Klatschen und Anfeuern. Auch das ist Hamburg!


Auf der Zielgeraden nehme ich noch einmal die Beine in die Hand und laufe dann nach 1:26:54 über die Ziellinie. Yeah! Das hat Spaß gemacht! Und zwar aus folgenden Gründen:
1. Ich bin anstelle von Denise gestartet. Uns verbindet eine besondere Triathlon-Geschichte und es war uns beiden wichtig, dass das irgendwie ein guter Tag wird. Das war er!
2. Überhaupt kein Stress. Kein Zeitziel, kein Druck, dafür eine Menge Leichtigkeit. Der Spaß kommt dabei von alleine, allerspätestens beim Blick aufs Ergebnis: 5 Minuten schneller als im Vorjahr liegt zum Teil an der kürzeren Radstrecke, aber auch am deutlich schnelleren Lauf. Wahnsinn, was so eine Scheiß-egal-Einstellung bewirkt!


In letzter Zeit muss ich sehr oft die Frage beantworten, was als nächstes kommt. Ich weiß es noch nicht ganz genau. Möglicherweise war das der letzte Triathlon für dieses Jahr - ich finde, Hamburg wäre ein schöner Abschluss. Im August komme ich nochmal her und starte beim Rad Race Battle und den Cyclassics. Im Oktober steht noch ein Halbmarathon auf dem Plan, ansonsten werde ich den Fokus aufs Radeln setzen - wie sollte es auch anders sein? Und das kann ich schon mal verraten: Es geht ein kleines bisschen weg von der Straße und rein ins Gelände. Ich bin selbst gespannt!

In Hamburg trägt man schicke Hüte.
Monster-Franzbrötchen. Danke für alles, Denise!