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Mittwoch, 22. März 2017

Rapha Braver Than The Elements - Spring Edition - Düsseldorf

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Wenn du als Radfahrer im März Strava oder Instagram aufmachst, kommst du nicht drum herum: Mallorca. Jeder fährt ins Trainingslager, reißt Wochenkilometer und Höhenmeter ab, die andere im Monat nicht fahren und postet traumhafte Bilder, die bei den Daheimgebliebenen das Fernweh entfachen. Blauer Himmel, blaues Meer, grüne Wiesen, endlose Straßen, die typischen Steinmauern, Ziegen am Cap Formentor. Während die einen also in kurz/kurz die ersten Tanlines des Jahres pflegen, bleiben die anderen hier und nehmen, was kommt.


Das ist in dieser Stadt in diesem Jahr so einiges, aber erst einmal: Kälte, Regen, Wind. Wir könnten auf der Rolle trainieren, wir könnten laufen gehen, ins Fitnessstudio oder irgendwo anders hin, wo es warm ist. In die Sauna zum Beispiel. Wer tapfer ist, radelt. Trotzdem oder gerade deshalb. Es gibt eine Chance, der winterlichen Öde zu entfliehen, und sie liegt draußen vor der Tür. Du kannst den Wetterbericht noch so oft checken, aber es ist müßig. Das Geheimnis für gute Laune ist: Nimm die Dinge hin, die du sowieso nicht ändern kannst. Verabrede dich mit Leidensgenossen Gleichgesinnten und mach das Beste draus. So simpel. So gut.



Es ist wieder Zeit für Braver Than The Elements. Nachdem wir im Dezember wirklich Glück hatten und die Runde uns nicht besonders viel Tapferkeit abverlangt hat, sieht es jetzt im März bei der Frühjahrsausgabe etwas anders aus. Acht Grad. Nieselregen. Normaler Regen. Platzregen. Windböen. Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür schicken würde. Könnte auch ein Herbsttag sein, viel zu ungemütlich zum Drachen steigen Lassen, aber perfekt für einen Nachmittag unter einer Decke auf der Couch. Mit Kakao und einem guten Buch. Aus irgendeinem Grund packe ich mich nicht in eine Fleecedecke, sondern in verschiedene Schichten Funktionskleidung und sitze auf einmal auf dem Rad. Jeder, der hier ist, zweifelt kurz an der eigenen Zurechnungsfähigkeit. Und an der der anderen. Die Gruppe ist klein, aber immerhin neun Entschlossene finden sich am Düsseldorfer Marktplatz ein. Es steht die Frage im Raum, ob wir die geplante lange Strecke wegen der wirklich alles andere als einladenden Bedingungen abkürzen. Kollektives Schulterzucken. Jetzt sind wir schon mal hier. Wir beschließen, erst mal aus der Stadt raus zu rollen und dann weiter zu sehen. Nach Norden. Immer der Nase nach. Dem Wetter die Stirn bieten.





An solchen Tagen ist es das Beste, keine Pläne zu machen. Niemand nimmt sich vor, 90 Kilometer durch strömenden Regen, Dreck und Wind zu fahren. Es passiert einfach. Es passiert in der Gruppe, niemals allein. Es passiert, weil es irgendwann egal ist, wenn du einmal draußen bist. Weil die Gelassenheit Oberhand gewinnt. Weil wir zwar die Umstände nicht ändern können, uns aber davon nicht beeindrucken lassen. Wenn du die Brille absetzen musst, weil du vor lauter Matschspritzern nichts mehr siehst, wenn du zwar bis auf die Haut nass bist, aber trotzdem warm bleibst, wenn der Dreck zwischen den Zähnen knirscht, wenn du Pfützen nicht mehr umkurvst, sondern mitten durch fährst, wenn dir der kalte Regen Nadelstiche ins Gesicht setzt, die dich anspornen, schneller zu fahren, wenn du die erste rutschige Abfahrt mit einer Mischung aus Vorsicht und Nervenkitzel nimmst und dem Material schließlich immer mehr vertraust, wenn dir Tropfen von der Nase perlen und du nicht weißt, ob sie Regen oder Schweiß sind, wenn du gleichzeitig lachen und weinen möchtest, weil es so schrecklich schön ist, wenn du zum Nebenmann rüber schaust und ein gesprenkeltes, aber glückliches Gesicht siehst - das ist Radfahren.








Es sind Aktionen wie diese, für die es nur einen Anlass, das passende Setting und einen kollektiven Anflug von Wahnsinn braucht, damit aus Fremden ein Team wird, damit Bekannte zu Freunden werden, damit eine Ausfahrt legendär wird. Niemand wird in ein paar Monaten sagen: "Weißt du noch, diese eine Tour, wo die ganze Zeit die Sonne schien?" - "Welche von den 527, die wir gemacht haben?" Natürlich erinnern wir uns auch gern an die Bilderbuch-Momente. Aber die wahren Geschichten schreibt der Radsport - nicht nur bei den Frühjahrsklassikern, sondern auch bei Braver Than The Elements - unter widrigsten Bedingungen. Weil sie zusammenschweißen. Weil es dann letztendlich egal ist, ob du nach Sa Calobra oder Mülheim an der Ruhr fährst, wenn du die richtige Einstellung und das beste Team um dich herum hast.







Danke Rapha für den Anlass, danke Steffen Weigold für die Strecke und die Fotos. Noch mehr Bilder gibts hier. Schaut rein, es gibt noch viele schöne dreckige Gesichter zu sehen. Auch dreckige Ärsche (angezogen) und nackte Füße. True Story!






Freitag, 17. März 2017

Raceday No. 30 - Winterlaufserie Duisburg 15 km - 2017

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Es gibt Läufe, da fällt mir auch 14 Tage später noch nicht ein, was ich darüber sagen möchte. Am liebsten würde ich den zweiten Teil der Duisburger Winterlaufserie totschweigen, nie wieder ein Wort darüber verlieren. 15 Kilometer? Sind nie passiert. Doch es gibt Zeugen. Und außerdem gehört es ja nun mal dazu, dass nicht immer alles wie am Schnürchen läuft.

Duisburg, 4. März, zweiter Lauf der Winterlaufserie. 15 Kilometer. Eine garstige Länge, weil man sie nicht so schnell angehen darf wie einen 10er, aber auch nicht so langsam wie einen Halbmarathon. Die Strecke bin ich erst einmal im Wettkampf gelaufen, vor genau einem Jahr am gleichen Ort. Dass die Zeit aus 2016 von 1:34:nochwas zu schlagen sein sollte, ist mir klar, aber ein konkretes Ziel habe ich nicht formuliert. Eigentlich müssten 1:25:00 drin sein, aber ich hatte in den letzten Wochen Probleme mit der Achillessehne, habe kaum trainiert und weiß deshalb nicht mal, ob die Strecke nicht viel zu weit ist. Ich nehme mir vor: Wenn die Sehne schmerzt, ist Schluss. Bloß nichts riskieren, nicht für einen blöden 15er, nicht zu Beginn der Saison. Vernünftigerweise natürlich nie.


Ich habe nicht nur keinen konkreten Plan, sondern auch akut keine Lust. Ich beschließe, zusammen mit Lena zu laufen, die ich eigentlich nur aus diesem Internet und vom ersten Lauf der Serie kenne. Den hatte sie locker flockig quatschend mit Julia verbracht und genau so was schwebt mir für heute auch vor. Beim Überqueren der Startlinie bescheinigt uns der Kommentator puren Anmut. Ich weiß nicht, ob ich angesichts dieser dreisten Lüge lachen oder weinen soll, also laufen wir erst mal weiter. Und schweigen uns an. Nach einem Kilometer stelle ich fest, dass es verdammt warm ist. Ich hätte ein Top und kein T-Shirt anziehen sollen und die Kompressionssocken waren auch nicht gerade die beste Idee des Tages. Noch 14 Kilometer und meine Füße sind schon jetzt heiß. Die Schuhfrage ist auch noch so ein Thema: Ich stelle zurzeit von (leicht) gestützten auf neutrale Laufschuhe um und bin seit kurzem mit dem Asics Pursue 3 unterwegs - und normalerweise auch zufrieden. Leider ist der im Fersenbereich relativ hoch gebaut und drückt etwas mehr auf die vor kurzem angeschlagene Sehne als der 361° Sensation 2, den ich bisher nur einmal für 10 Kilometer gelaufen bin. Der ist zwar wieder ein gestützer Schuh, aber dafür schön leicht und hinten niedriger. Die Wahl fällt also auf den Sensation, obwohl der Pursue abgesehen vom möglichen Druck auf die Sehne die sicherere Nummer wäre.

Nach drei Kilometern wird das Schweigen langsam unangenehm. Wir sind ganz gut in Lenas Plan, ungefähr mit 5:40 min/km zu starten, aber keiner erzählt was. Wir versichern uns, dass das am Tempo und nicht an eventuellen Unsympathien liegt. Gut. Weiter gehts. Die Geschwindigkeit ist für mich alles andere als locker, aber der Fuß ist ruhig und deshalb will ich erst einmal nichts verändern. Weiter laufen. Schweigend neben Lena. Heute fliegen die Kilometer ganz und gar nicht vorbei. Ich sehne das nächste Schild herbei, dann wieder das nächste. Meine Füße kochen. Ich würde am liebsten die Socken ausziehen. Jetzt.


Irgendwo zwischen Kilometer 7 und 8 gibt es einen Getränkestand. Wasser ist gut. Für den Moment. Danach gehts genauso weiter wie vorher, im Kopf läuft permanent irgendwas mit "mimimi" ab und der einzige Grund, weshalb ich noch laufe und nicht wandere, ist Lena. Inzwischen gehen mir nicht nur die Temperaturen und das Tempo auf den Wecker, sondern auch noch die Läufer um mich herum, die knapp überholen, direkt vor uns einscheren und plötzlich im Weg sind. Oder die einen maximal fragwürdigen Laufstil haben und schon durch pure Anwesenheit nerven. Schlechte Laune aus der Hölle. Dazu kommt der unebene Waldboden mit Wurzeln, kleinen Steinen und großen Steinen. Die Achillessehne findet das gar nicht mehr so spaßig. Ich auch nicht. Als Lena mir die Geschwindigkeit verrät und ich beim Schild für Kilometer 9 auf die Uhr schaue und auch grob überschlage, kann ich nicht glauben, dass ich mit der gleichen Pace im Oktober noch einen Halbmarathon gelaufen bin.

Nachdem ich seit dem Verpflegungspunkt darüber nachgedacht habe, wie ich Lena beibringe, dass sie besser alleine weiter läuft und ich nicht mehr kann, nicht mehr will und überhaupt, kommt die Rettung bei Kilometer 10. Naomi taucht neben uns auf. Ich sehe sie nicht, weil ich in irgendeiner Traumwelt versunken zur anderen Seite auf den See schaue, um möglichst wenig nachdenken zu müssen. Lena entdeckt sie aber sofort und will sie aufsammeln, weil sie nicht mehr allzu frisch aussieht. Genau wie ich, willkommen im Club. Naomi murmelt, sie habe gehofft, wir würden sie einholen und trabt unwillig mit uns weiter. Wir lassen Lena endlich ziehen und verbünden uns gegen das Aufgeben.


Ob wir uns damit einen Gefallen tun, weiß ich nicht. Mein Fuß macht sich noch immer bemerkbar und Naomi klagt über Magenschmerzen. Sie will gehen, ich soll alleine weiter. Ich kann nicht, weil ich weiß, dass ich dann auch aufhören würde. Stattdessen ordne ich an, dass wir beide laufen, und zwar so langsam, wie es eben geht, Hauptsache wir laufen. In irgendeinem Tempo, das gerade eben schneller als gehen ist. Ich frage mich, ob das gut ist, ob das nicht selten dämlich ist, was wir hier machen, ob wir nicht abbrechen sollten. Die letzten 5 Kilometer zurück spazieren. Es fällt mir schwer zu entscheiden, ob es unvernünftig ist, mit dem Fuß weiter zu laufen, oder ob die Schmerzen vielleicht gar nicht so schlimm sind und der Schweinehund sie nur unnötig aufbauscht. Als Vorwand zum Gehen. Ich beschließe, dass ich schon spüren würde, wenn es ernst wäre, dass es sich dann anders anfühlen würde, dass Laufen noch weniger möglich wäre. Dass ich nicht drüber nachdenken würde, mir keine Ausreden zurecht legen würde, sondern den Ernst der Lage erkennen würde. Ich denke, der Schweinehund spielt mir einen Streich und ich bin drauf und dran, darauf rein zu falllen. Das größte Problem ist heute nicht die Achillessehne, auch nicht die Kondition, die gefühlt nicht vorhanden ist, sondern mal wieder der Kopf. Ich will einfach nicht.

Naomi auch nicht. Aber zusammen müssen wir. Was machen wir, wenn einer wirklich gar nicht mehr kann? Wenn ihr Magen oder mein Fuß komplett streiken? Oder wenn es einem von uns gleich schlagartig besser geht? Überlassen wir den anderen dann seinem Schicksal? Wir bestätigen uns, dass es wirklich für keinen gerade schneller geht und erinnern uns an den 10er im November beim Martinslauf, als wir die 50 Minuten knacken wollten und stattdessen zusammen mit Hängen und Würgen gerade so eben ohne Gehen durchgekommen sind. Haha. Immerhin können wir wieder reden, es dreht sich um Waschmaschinen und Umzüge und so schlimm kann das hier doch alles gar nicht sein.


Zwei Kilometer vor dem Ziel stelle ich fest, dass ich schneller als im Vorjahr wäre, selbst wenn ich ab jetzt zügig gehen würde. Mit dem Gedanken im Hinterkopf wird der Rest zwar nicht schöner, aber ein bisschen erträglicher. Wenn wir uns bis hier hin durchgebissen haben, schaffen wir das letzte Stück auch noch. Ich vermisse den nervigen Schlenker durch den Wald, der beim 10er auf dem vorletzten Kilometer eingebaut war - beim 15er ist er offenbar nicht nötig, was ich erst mal für einen Fehler halte, dann aber erfreut hinnehme. Sehr schön. Noch ein Kilometer. Irgendwie schaffen wir es durch Zauberei, vom Schlurfen wieder etwas mehr in die Nähe von Laufen zu gelangen.


Dass man die Stadionrunde am Ende besser nicht unterschätzt, habe ich schon beim 10er gelernt - wir traben also weiter bis zur letzten Geraden, als ich vor uns eine Läuferin entdecke, die mir vorhin im Wald mehrfach direkt vor die Füße gesprungen ist und die ich am liebsten gefressen hätte. Die würde ich jetzt ja gern noch einholen. Kurze Rücksprache mit Naomi, wie es mit einem Zielsprint aussieht und dann ab dafür. Nach dieser eher kläglichen Vorstellung haben wir unseren Hahner-Moment mit gemeinsamem Zieleinlauf nach 01:28:49. Knapp vor der rücksichtslosen Tante, was aber auch vollkommen egal ist - das Wichtigte ist: Wir sind vielleicht nicht stolz drauf, aber trotzdem zufrieden, wie es unter den Umständen gelaufen ist. Was wir daraus gemacht haben, dass wir nicht aufgegeben haben. Dass wir dran geblieben sind, auch wenn es alles andere als schön war. Die wichtigsten Lektionen heute sind: Erstens: Auch wenn jeder sein Rennen läut, manchmal geht es einfach nicht allein. Deshalb danke an die hervorragenden Racing Buddies Lena und Naomi. Zweitens: Beißen lohnt sich. Calm seas don't make good sailors. Beim nächsten Mal werden wir wieder besser segeln.


Mittwoch, 8. März 2017

Kooperationen: wieso, weshalb warum? Mehr Transparenz, bitte!

1 Kommentar :
Manchmal möchte ich Dinge erklären, nach denen gar keiner gefragt hat. Manchmal ist das sicher Quatsch - aber in diesem Fall glaube ich, es kann nicht schaden, alle auf den gleichen Stand zu bringen. Ich habe bei Unterhaltungen im Freundes- und Bekanntenkreis festgestellt, dass das Wissen zum Thema Blogger und Zusammenarbeit mit Unternehmen doch sehr unterschiedlich ist. Weil mir wichtig ist, dass meine Leser (also du!) wissen, wie ich dazu stehe und vor allem, warum, möchte ich dazu einmal meine Sicht schildern.

Für wen schreibe ich eigentlich?

2014 habe ich angefangen zu laufen und gleichzeitig jeden Schritt - egal ob vorwärts oder rückwärts - hier zu dokumentieren. Am Anfang als Verpflichtung für mich selbst, weil gute Vorhaben sich oftmals leichter umsetzen lassen, wenn man sie laut ausspricht und weil etwas sozialer Druck in dem Fall auch nicht schaden konnte. Ich habe also in erster Linie für mich geschrieben. Und das mache ich immer noch häufig - vor allem nach Rennen, nach denen ich unzufrieden bin und nicht so recht weiß, warum, hilft mir das Schreiben, meine Gedanken zu sortieren, mir eine Meinung zu bilden, eine Verbesserungsstrategie fürs nächste Mal auszuhecken. Ich liebe es, zu schreiben und ich brauche das - zum Kopf frei kriegen, um mir über Dinge klar zu werden, und manchmal einfach nur, weil ich gern mit Buchstaben jongliere. Wenn ich nicht schreiben würde, wäre ich nicht komplett.

Ich schreibe aber schon lange nicht mehr nur für mich - wahrscheinlich habe ich das nie gemacht, weil meine Geschichte von Anfang an öffentlich war - seit dem Entschluss, Laufschuhe zu kaufen. Jeder kann hier mitlesen: Familie, Freunde, Bekannte, Kollegen, Internet-Bekanntschaften, Leute die mich mögen, Leute, die mich nicht mögen. Ich schreibe also auch für dich. Vielleicht, weil du zufällig auf irgendeinem Social-Media-Kanal über mich gestolpert bist, weil du vielleicht einen ähnlichen Weg gehst, weil du Ratschläge oder Erfahrungsberichte suchst. Vielleicht kennen wir uns aber auch schon seit Ewigkeiten, vielleicht bist du neugierig, wie meine Geschichte weiter geht. Vielleicht bist du auch missgünstig und hoffst, dass endlich mal was so richtig schief läuft - ich weiß es ja nicht, vielleicht. Vielleicht interessierst du dich auch gar nicht so brennend für Sport, vielleicht auch nicht für mich, vielleicht magst du einfach nur meinen Schreibstil und findest meine Artikel unterhaltsam.

Ich schreibe also für mich. Und ich schreibe für dich. Inzwischen schreibe ich auch für Unternehmen. Nicht immer, aber manchmal. Sponsored Posts entstehen in Kooperation mit Firmen - entweder, weil sie mich oder ich sie kontaktiert habe. Unternehmen profitieren von Links auf ihre Website - gut für die Suchmaschinenoptimierung und gut, wenn Menschen den Links folgen und sich für Produkte oder Veranstaltungen interessieren. Oder wenigstens schon einmal davon gehört haben. Diese Artikel sind üblicherweise vergütet, das heißt, ich stelle sie dem Kooperationspartner in Rechnung. Dass ich für eine Berichterstattung Geld bekomme, heißt nicht, dass jemand anderes den Inhalt des Artikels bestimmt. Was genau ich schreibe, entscheide ich selbst. Man könnte sagen: Die Tatsache, dass ich über etwas schreibe, ist käuflich - aber das Wie nicht. Denn wenn jemand möchte, dass ich Laufschuhe teste und davon erzähle, dann kann es auch vorkommen, dass ich die Schuhe beschissen finde.

Eingerahmt zwischen Werbebannern beim Rad Race Battle 2016 in Hamburg. Das Foto hat Christian Siedler für mich gemacht.

Was du wissen sollst

Dieses Vorgehen - also etwas zu bekommen und darüber zu berichten - ist schon ziemlich alt und vom Journalismus übrigens gar nicht so weit entfernt, wie es auf den ersten Blick aussieht: Früher habe ich oft Konzertberichte geschrieben (Verrisse übrigens noch lieber als Lobhudeleien). Im Gegenzug gab es zwei Gästelistenplätze und eine Fotoerlaubnis. Hätte ich das damals nicht gemacht, wären meine Wände wohl in einem anderen Ausmaß mit Konzertkarten tapeziert, hätte ich sehr viele Bands noch nicht von der Muss-ich-in-diesem-Leben-noch-live-sehen-Liste streichen können und würde ich nicht wissen, wie es sich anfühlt, voller Adrenalin mit dem Herzschlag im Takt der wummernden Bässe im Fotograben zu stehen, wenn das Licht ausgeht. Ich bin verdammt froh, dass ich das erleben durfte.

Zurück zum Blog und für wen ich schreibe. Wichtig ist mir dabei: Alle drei Bereiche überschneiden sich. Ich schreibe niemals nur für mich, sondern habe mögliche Leser immer im Hinterkopf. Du wirst hier auch niemals einen Artikel lesen, der nur unterhaltsam ist und aus dem ich für mich selbst nichts mitnehmen konnte, in dem nichts Persönliches von mir drinsteckt. Und es wird auch keinen Artikel geben, nur um einem Unternehmen (oder meinem Konto) einen Gefallen zu tun, der völlig an mir oder dir vorbei geht. Ich wähle also sehr genau aus, worüber ich schreiben möchte und worüber nicht. Wie ich dann etwas bewerte, was ich für ein Fazit ziehe - das bleibt meine unabhängige Entscheidung.

Neben einer kurzfristigen Zusammenarbeit gibt es auch längerfristige Projekte, wie beispielsweise im letzten Jahr mit Velothon und Cyclassics und in diesem Jahr ab sofort mit SiS - Science in Sport. Zum sich-benutzen-Lassen als Markenbotschafter gibt es sehr geteilte Meinungen. In der Bewerbungsphase für die Asics Frontrunner beispielsweise habe ich Kommentare gelesen, die jenseits von Gut und Böse waren. Wahrscheinlich ist es etwas kurz gedacht, den Kritikern puren Neid zu unterstellen. Mit Sicherheit haben die Bedenkenträger nicht ganz Unrecht, wenn sie meinen, dass Marken davon oftmals stärker profitieren als die Botschafter, die ein Paar Laufschuhe, Startplätze oder Energy Gels bekommen. Dennoch sehe ich in solchen Modellen auch eine Chance: auf Unterstützung für Training oder Wettkampf, Kontakte online und offline, Erlebnisse, etwas Neues auszuprobieren. Wichtig ist, dass man hinter dem stehen kann, was man da in die Kamera hält. Wenn man sich dafür nicht verbiegt, spricht für mich nichts dagegen. Und mal ehrlich: Es ist mir scheißegal, ob auf meiner Trinkflasche nun SiS, Erdinger Alkoholfrei oder Fortuna Düsseldorf steht - auf den Inhalt kommt es an. Nur beim FC Bayern sähe das etwas anders aus.

Zu guter Letzt 

Ich freue mich, dass ein Projekt, an dem seit mehr als drei Jahren mein Herz hängt, auch von Zeit zu Zeit etwas für mich abwirft. Ich bin dankbar für dein Feedback, für Kommentare, für wunderbare Nachrichten, die mir manchmal den ganzen Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es gibt nichts Schöneres, als wenn jemand schreibt, dass er hier mitgelesen hat, seine eigene Motivation gefunden und den Ehrgeiz geweckt hat. Das freut mich ehrlich von Herzen und ist absolut unbezahlbar. Was aber bezahlbar ist, ist eine Kommunikationsdienstleistung für ein Unternehmen oder eine Marke - und nichts anderes ist ein Sponsored Post. Es ist schön, hin und wieder auch finanziell etwas davon zu haben, was ich gerne mache, was ich ganz gut kann - und was ich sowieso mache. Denn: Natürlich steckt nicht hinter jeder Verlinkung, jeder Erwähnung eine Vereinbarung. Über Dinge, dir mir gefallen und von denen ich glaube, dass sie für dich interessant sein könnten, berichte ich natürlich auch von selbst - diese sind dann natürlich nicht als sponsored gekennzeichnet.

Ich hoffe, der Artikel bringt ein wenig Licht ins Dunkel - wenn noch Fragen offen sind, nur zu. Ansonsten freue ich mich weiterhin über Rückmeldungen und Interaktionen und vor allem auf eine spannende Saison. Bis bald!

Sonntag, 26. Februar 2017

Superfood-Frühstücksideen [Sponsored Post]

1 Kommentar :

Vielleicht erinnert ihr euch an Obstsalat zum Frühstück - oder: "Davon wirst du satt?" Nachdem das Anfang letzten Jahres eigentlich ganz gut funktioniert hat, bin ich seit einer Weile wieder davon abgekommen, nur Obst und Nüsse zu frühstücken. Auf Dauer vor allem im Winter doch nicht abwechslungsreich genug, der Kopf meint, der Bauch hätte mehr Hunger und so bin ich meistens wieder bei verschiedenen Sorten Müsli mit Sojajoghurt und Früchten gelandet. Nicht so geil, weil ungefähr jede Sorte Müsli, die ich gut finde, Zucker enthält. Ganz zu schweigen vom Sojajoghurt, der in der ungesüßten Natur-Variante einfach - naja, eben ziemlich beschissen schmeckt und die leckeren Versionen eben gezuckert sind. Weil ich sowieso an den Frühstücksgewohnheiten mal wieder etwas ändern will, freue ich mich über das Angebot von Fitmart, mich durchs Sortiment der Hausmarke ESN zu futtern.


Ich suche mir aus der Superfood-Ecke Kokosmehl, Weizengraspulver und Maulbeeren aus, außerdem noch Instant Haferflocken. Dazu später, erst mal der lustige grüne Kram:

Kokosmehl
Vom Kokosmehl verspreche ich mir großartige Low Carb Pancakes. Wenn ich morgens etwas mehr Zeit habe, backe ich unheimlich gerne Pfannkuchen - vegan und mit so wenig Mehl wie möglich.


Kokosmehl enthält extrem wenig Kohlenhydrate, dafür recht viel Eiweiß und sehr viele Ballaststoffe. Die Zusammensetzung ist erst mal ziemlich spannend für mich - wie könnte es leichter sein, den Anteil von Kohlenhydraten zu reduzieren, wenn es einfach ein anderes Mehl gibt, das normales Mehl ersetzt? "Wir empfehlen die Verwendung als Mehlersatz für Backwaren und zum Kochen. Ebenfalls gut geeignet als Zusatz für Cerealien, Smoothies und Shakes." Aha.

Nährwertepro 100 g Pulver
Brennwerte1658 kJ / 396 kcal
Fett11,7 g
davon gesättigte Fettsäuren11,6 g
davon ungesättigte Fettsäuren0,1 g
Kohlenhydrate8,9 g
davon Zucker8,9 g
Ballaststoffe45,4 g
Protein18,4 g
Natrium60 mg

So weit so gut. Wer allerdings nicht weiter recherchiert (so wie ich!), weiß möglicherweise nicht, dass Kokosmehl glutenfrei ist. Wenn man versucht, vegane Pfannkuchen mit glutenfreiem Mehl zu backen, sieht das ungefähr so aus:


Sieht nicht nur kacke aus, schmeckt auch so. Ich wills wenigstens probieren, aber die bröselige Masse wird im Mund immer mehr. Ein Hoch auf den hohen Ballaststoffanteil. Ich weiß, wieso ich kein Foodblogger bin, aber schließlich finde ich dann doch noch raus, dass ich Ei-Ersatz brauche. Und zwar einen, der ein bisschen mehr klebt als ein paar mickrige Chia-Samen. Banane ist super. Das Ergebnis sieht langsam etwas mehr nach Pfannkuchen aus. Ganz ohne Mehl geht es dann aber doch nicht. Nur Kokosmehl allein funktioniert nicht - viel zu gehaltvoll, viel zu bröselig.

Mit dieser Mischung bin ich zufrieden:

Kokos-Pancakes 
2 EL Kokosmehl
2 EL Weizen- oder Dinkelmehl
1 TL Backpulver
1 TL Agavendicksaft
1 Banane
1/2 Apfel
etwas Sojamilch

Die Banane ist zerdrückt im Teig gelandet, der Apfel in dünne Scheiben geschnitten oben auf den Pfannkuchen. Proteinpulver lässt sich natürlich auch noch im Teig unterbringen, wenn man möchte. Nach dem Backen habe ich ein paar Walnüsse, Zimt und einen Klecks Mandelmus dazu gegeben, dann sieht das Ganze so aus:


Die Pfannkuchen schmecken nicht aufdringlich nach Kokos, sondern nur leicht - für mich eine angenehme Abwechslung. Im Moment verwende ich das Kokosmehl auch zum Backen und ersetze zum Beispiel bei Bananenbrot 1-2 EL Mehl dadurch.

Weizengraspulver 
Ich stehe auf grüne Smoothies. Gerne zum Frühstück, gerne auch mal als Ersatz für Müsli & Co. Allerdings habe ich das Problem, dass Spinat (oder Grünkohl ... ich nehme an, Menschen mixen auch Grünkohl in ihre Smoothies) - jedenfalls wird das Grünzeug offenbar nur tonnenweise in Familienpackungen verkauft. Die Hälfte wird bei mir also schlecht.


Ich bin gespannt, ob mir grüne Smoothies mit Weizengraspulver schmecken. Klar, frisches Grünzeug ist immer gut, aber geht halt nicht immer. Das Pulver wird wenigstens nicht schlecht, hat einen hohen Proteingehalt und liefert außerdem deutlich mehr Eisen als beispielsweise Spinat.

Nährwertepro 100 g Pulver
Brennwerte1078 kJ / 257 kcal
Fett1,3 g
davon gesättigte Fettsäuren0,24 g
Kohlenhydrate12,7 g
davon Zucker12,6 g
Ballaststoffe28,7 g
Protein28,7 g
Natrium52 mg
Vitamin B15,35 mg
Vitamin B23,51 mg
Vitamin C2,9 mg
Eisen23,4 mg

Na dann mal ab mit dem pulverisierten Gras in den Smoothie! Örgs! Das Zeug riecht wie Heu. Mein Pferd würde es mögen. Ich nicht. Aber wie mit sämtlichem Grünzeug in Smoothies gilt: Zusammen mit Obst geht das klar.

Was aussieht wie Kartoffeln mit Staub sind Äpfel mit Weizengraspulver
Weizengras Smoothie
2 Äpfel
Saft einer Orange
2 TL Weizengraspulver
etwas frischer Ingwer
etwas Wasser

Das hellgrüne Pulver wird bei Kontakt mit Wasser sofort dunkelgrün und färbt den gesamten Smoothie. Ich habe zwischendurch mal probiert - nur Weizengras und Apfel geht gar nicht und schmeckt wie einmal in die Wiese gebissen. Frischer Orangensaft fängt das allerdings super auf. Ich kann mir auch gut anderes süßes Obst wie Banane oder Mango dazu vorstellen. Weil ich noch mit dem Rest einer Erkältung zu kämpfen habe, gebe ich etwas Ingwer dazu - das gibt dem Ganzen eine schöne leichte Schärfe und Frische, finde ich. Weizengraspulver im Smoothie geht absolut klar!


Maulbeeren
Ich stehe total auf Beeren. Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Erdbeeren (jaja, ich weiß, die heißen nur so und sind gar keine, die miesen fiesen Dinger). Liegt also auf der Hand, dass ich auch die getrockneten Maulbeeren probieren muss. Schön sind sie ja nicht gerade:


Wie auch die anderen getesteten Produkte aus der Superfood-Reihe haben auch die Maulbeeren Bio-Qualität. Die Nährwert-Tabelle ist nicht so wahnsinnig spannend - natürlich enthalten getrocknete Früchte unheimlich viel Fruchtzucker, aber ich habe ja auch nicht vor, sie in rauen Mengen zu verschlingen. Was außerdem noch drin ist: Vitamin C, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Zink und Mangan. Ich mische die kleinen schrumpeligen Freunde ins Frühstück, also unter frisches Obst und Joghurt, ins Müsli oder ins Porridge. Auch pur als Snack zwischendurch finde ich die Maulbeeren super - zum Beispiel wenn mir kurz vor einer Trainingseinheit noch einfällt, dass ich eigentlich mal was essen könnte.

Instant Oat Flakes
Das größte Mysterium bei der Fitmart-Lieferung sind für mich die Instant Oat Flakes. Was soll ich mit Haferflocken, die mal welche waren, dann pulverisiert worden sind und nun wieder in Haferflocken-Form gepresst sind? Schräg. Als erstes überrascht mich allerdings die Größe des Pakets - 2,5 Kilo sind verdammt viel!


Wahrscheinlich gehöre ich gerade nicht unbedingt zur Instant-Haferflocken-Zielgruppe. Die Dinger zeichnen sich nämlich dadurch aus, dass sie in kalten und warmen Flüssigkeiten sofort löslich sind und daher als zusätzliche Kohlenhydratquelle beispielsweise in Proteinshakes eingesetzt werden können. Wenn man Masse zulegen möchte. Das würde ich nach Möglichkeit lieber vermeiden.


Komplexe Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischem Index (ja, darüber kann man streiten, ich weiß) schaden ja prinzipiell trotzdem nicht - ich will sie ja schließlich nicht vollständig vom Speiseplan verbannen. Wie immer kommts auf die Menge an. Die Instant Oat Flakes bestehen aus Vollkorn-Haferflocken und haben gegenüber normalen Haferflocken eben den Vorteil, dass sie sich ratzfatz auflösen. Wenn man das denn will. Außerdem enthalten sie etwas weniger Fett und etwas mehr Kohlenhydrate als Instant Haferflocken aus dem Supermarkt.

Nährwertepro 100 g Pulver
Brennwerte1486 kJ / 355,4 kcal
Fett6,6 g
davon gesättigte Fettsäuren1,4 g
davon ungesättigte Fettsäuren2,6 g
davon mehrfach ungesättigte Fettsäuren2,6 g
Kohlenhydrate60 g
davon Zucker1 g
Protein14 g
Salz2 mg

Weil ich keinen Shake daraus machen will, frühstücke ich die Instant-Flocken einfach. Vermischt mit Wasser ergibt sich sofort eine Pampe, die das Obst ein bisschen sättigender macht, wenn das zur Abwechslung mal so sein soll. Die Version mit Erdbeeren, Maulbeeren, ein paar Cashews und Kakaonibs reicht auf jeden Fall absolut für ein Frühstück. Wer es nicht ganz so flüssig mag, kriegt mit weniger Wasser auch ein super schnelles Porridge hin. Zum Backen eignen sich die Instant Oat Flakes auch perfekt, weil sie sich im Teig einfach sofort lösen - ziemlich praktisch und somit auch ein heißer Kandidat fürs nächste Bananenbrot.



Fazit
Wenn ich mir die Social-Media-Kanäle von Fitmart und ESN so anschaue, fühle ich mich von sich auf dem Küchentisch räkelnden Damen mal so gar nicht angesprochen. Fragwürdige Bildsprache, aber: Gut zu wissen, dass hier aber auch normalsterbliche Sportler fündig werden.

Die grüne Reihe mit den Superfoods ist auf jeden Fall eine angenehme Ergänzung zu den üblichen Bodybuilder-Produkten im Shop. Die einzige Kleinigkeit, die mich stört: Alle grünen Packungen sehen von vorne gleich aus. Um zu wissen, was drin ist, muss ich also erst mal hinten das Kleingedruckte studieren. Anscheinend hat sich das inzwischen geändert - zumindest im Shop sind unterschiedliche Aufschriften auf den Verpackungen zu sehen. Die sind übrigens alle wiederverschließbar, was sich bei der Größe auch absolut anbietet. Bei sehr feinkörnigem Pulver wie dem Weizengras ist es allerdings gar nicht so einfach, den Verschluss wieder zusammen zu friemeln - ständig setzt sich Staub dazwischen, so dass man das Ganze nicht so richtig zudrücken kann. Mit etwas Geduld gehts dann aber doch.

Mein Favorit aus dem Testpaket ist definitiv das Kokosmehl. Seit ich rausgefunden habe, dass man das eben nicht alleine verwenden kann, sondern nur Anteile anderen Mehls damit ersetzen sollte, bin ich ein ziemlicher Fan. Die Instant Oat Flakes sind, wenn man sie in Wasser, Saft oder Milch lösen möchte, wirklich gut - ob ich jetzt für Porridge oder zum Backen wirklich Flocken brauche, die sich so schnell auflösen, ist ein anderes Thema. Die Maulbeeren sind eine nette Ergänzung zum frischen Obst im Frühstück und auch in Lernphasen ein prima Snack. Das Weizengraspulver ist von den Nährwerten her absolut interessant und funktioniert in grünen Smoothies für mich gut - das werde ich definitiv auch weiterhin benutzen.


Dieser Artikel ist Kooperation mit Fitmart entstanden. Er spiegelt unabhängig davon meine eigene Meinung wider.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Bicycle Film Festival Düsseldorf 2017

Kommentare :
Stell dir vor, es ist Bicycle Film Festival in Düsseldorf und keiner geht hin. Richtig, geht nicht. Trotzdem wollte ich keinen Festivalpass, weil es mir zeitlich gerade einfach in der Klausurphase absolut gar nicht in den Kram passt, vier Tage mit Fahrradfilmen anstatt Lehrbüchern zu verbringen. Prinzipiell finde ich die Idee super, meinetwegen könnten wir uns auch eine Woche lang treffen und übers Radfahren reden, Filme und Konzerte schauen, gut essen und natürlich radeln - aber bitte nicht ausgerechnet jetzt.


Tag 1 - Donnerstag - A Sunday in Hell
Gar nicht hingehen kommt aber auch nicht in Frage, also nehme ich mir vor, beim Warm Up wenigstens mal kurz vorbei zu schauen. Ich will wirklich nicht lange bleiben, nur mal hallo sagen, auschecken, wer so da ist und mich dann wieder zuhause vergraben. Natürlich will ich das nicht, aber die Vernunft hat den Abend so geplant. Das Warm Up bei Carhartt startet mit Freibier, Sandwiches, Fahrrädern zum Angucken, ein paar verwirrten jugendlichen Carhartt-Kunden, die sich wahrscheinlich fragen, was abgeht und einem Haufen netter Fahrradmenschen, die mich sofort in Gespräche verwickeln. Das Schöne in Düsseldorf ist ja, dass hier gefühlt jeder jeden kennt, mindestens vom Sehen, aus legendären Facebook-Gruppen oder über drei Ecken. So gibts immer was zu erzählen, und sei es nur, dass man gleich nicht den Film gucken will, wirklich nicht, sondern eigentlich, jaja, bla bla bla. Glaubt eh keiner. Weil es außerordentlich nette Menschen gibt und noch nettere Menschen zudem meinen, dass ich es aus irgendeinem Grund verdient hätte, bekomme ich einen Festivalpass geschenkt. Einfach so. Ich kann nicht nein sagen, möchte nicht nein sagen, sondern einfach nur danke. Scheiß auf den Plan und ab in den Film.


Im Cinema, mitten in der Düsseldorfer Altstadt, eröffnet Jørgen Leths "A Sunday In Hell" das Festival. Was für ein epischer Titel. Der Höllensonntag ist eine Doku, handelt vom legendären Rennen Paris-Roubaix und stammt aus 1976. Der Film ist auf Dänisch, ständig geben Protagonisten Interviews auf Französisch, die Untertitel sind auf Englisch und irgendwie könnte ich gut noch das ein oder andere Uerige gebrauchen. Immerhin ist meine Sitznachbarin als dänische Muttersprachlerin mehr als zufrieden mit dem Originalton.

 

Ich bin fasziniert vom Radsport in den 70ern - mehr als zehn Jahre, bevor ich überhaupt geboren wurde - und den Rädern, gegen die meine Gabi beinahe modern wirkt. Was für eine andere Welt! Fast keiner fährt mit Helm, die wenigsten haben ein bisschen Schaumstoff auf dem Kopf und all die coolen Kids haben schicke Mützen auf. In der Hölle des Nordens führen von 270 Kilometern Rennstrecke ungefähr 50 Kilometer immer mal wieder über Kopfsteinplaster. Allerdings kein normales Kaiserswerther Kindergeburtstags-Kopfsteinpflaster, sondern die Variante - nun ja, aus der Hölle eben. Gigantisch große Steine und Schlaglöcher so tief, dass das Ausweichen über den Grünstreifen bei einigen Passagen die beste Wahl zu sein scheint. Und über allem: Staub, Staub, Staub.

Ob ein Rennen 1976 oder 2016 stattfindet, ist irgendwie scheißegal, die Spannung ist die gleiche. Nur die Technik eben nicht so ganz. Natürlich fordern die katastrophalen Straßen ihren Tribut. Wer nur mit einem platten Reifen davon kommt, ist hier echt gut dabei. Die Bilder gleichen einem absurden Kriegsschauplatz: Fahrer liegen mit verrenkten Gliedmaßen und schmerzverzerrten Gesichtern am Boden. Weitere Bilder, die man so schnell nicht vergisst: Nach dem Rennen darf die Kamera mit unter die Gruppendusche, unter der die Fahrer sich die Kruste aus Salz und Matsch vom Körper waschen und nebenbei Interviews geben, als sei es das normalste der Welt. A Sunday In Hell kann man sich durchaus mal zu Gemüte führen und sich dran erinnern, wie gut es uns geht mit unseren komfortablen Rädern und dem klein bisschen Dreck auf den Wirtschaftswegen. Ein schöner Start ins Bicycle Film Festival!

Tag 2 - Freitag
Ich schwänze, weil ich eingeladen bin. Aber mein Festivalticket verbringt den Abend nicht alleine zuhause, sondern wird von Alex ins Metropol Kino getragen und sieht sich eine Reihe Fahrrad-Kurzfilme an. Wie ich mehrfach gehört habe, gibt es am Freitag die besten Filme zu sehen.

Tag 3 - Samstag - Freudentränen
Wie schon der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel bei der Eröffnung am Donnerstag angekündigt hatte, findet das Samstags-Programm in einer der coolsten Locations statt, die die Stadt derzeit so zu bieten hat. Die PostPost ist eine gigantische Halle und wurde früher - wer hätte das gedacht - von der Post genutzt. Als ich in der endlosen ehemaligen Versandhalle stehe, würde ich am liebsten direkt mal rausfinden, wie lange ich mit dem Rad vom einen bis zum anderen Ende brauche. Liebes Rad Race Team, könnt ihr hier drin nicht mal ein Battle veranstalten?


Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Das Schöne an der Düsseldorfer Radszene ist, dass du dich mit keinem verabreden musst, sondern einfach irgendwo auftauchst und die anderen sind auch da. Heute gibt es 90 Minuten Kurzfilme auf die Augen, danach für mich einen unheimlich guten Falafelteller und im Anschluss ein Konzert der Grandbrothers auf die Ohren. Ich bin schon nach vier Filmen überfordert, mich an den ersten zu erinnern, versuche alles aufzusaugen und muss mir zwischendurch allen Ernstes Notizen machen. Ich schwanke zwischen "ooh, was für schöne Bilder", "wieso sind Kurzfilme eigentlich so kurz?", "bitte mehr davon!" und "keine Ahnung, was mir das jetzt sagen will" - kurz: für jeden was dabei. Ich bin jetzt ein Fan von Chrystal, dem Einhorn, habe gelernt, dass man mit Fatbikes sehr kamerawirksam Pisten runterbrettern kann, dass die Cyclocrosser den besten Musikgeschmack haben und ich lache Tränen beim Hack Bike Derby. Die Story: 17 Briten basteln für unter 300 Pfund ihre eigenen Räder und tragen an einem Wochenende im Wald auf den abenteuerlichen Gefährten diverse Rennen gegeneinander aus. Der Film strotzt nur so vor urkomischen Szenen mit hemdsärmeligen Engländern und erinnert daran, dass Radfahren einfach verdammt nochmal viel Spaß macht. Mitten ins Herz trifft mich dann noch die Offenbarung eines Rahmenbauers: Ursprünglich sei er nur zum Spaß hier hin gekommen, das einzige vage Ziel war es, alles halbwegs unbeschadet zu überstehen. Aber nun sei es das wichtigste, das Rad nicht zu zerstören - es sei nicht mehr irgendein Rad, was er für den Wettbewerb gebaut habe, sondern (rührselige Augen, liebevolle Stimme): "It's my bike." Ja Mann!

Bild: Alexander Ignasiak
Tag 4 - Sonntag - A little bit of hell round Düsseldorf
Hinter dem Bicycle Film Festival stecken übrigens die Schicke Mütze und das Open Source Festival. Erster Gedanke: Hä? Zweiter Gedanke: Geil, das passt wie die Faust aufs Auge! Passt es wirklich. Das Bicycle Film Festival ist das erste Event im Rahmenprogramm der Tour de France und verknüpft Musik und Film mit Fahrradkultur. Auch Brendt Barbur, der New Yorker Initiator der mittlerweile weltweit bekannten Festivalreihe, turnt an diesem Wochenende in Düsseldorf herum. Den wichtigsten Gedanken formuliert allerdings Kerstin von der Schicken Mütze am ersten Abend: Es bringt nichts, mit dem Auto zum Kino zu fahren und Fahrradfilme anzuschauen. Wir müssen die Fahrradkultur auch leben.

Bild: Alexander Ignasiak
Und genau deshalb gehts am Sonntag aufs Rad. Unter dem Titel "A little bit of hell round Düsseldorf" lehnt sich die Ausfahrt an den Donnerstags-Film an - und die Strecke ist nicht von schlechten Eltern. Zwar kein Kopfsteinpflaster aus der Hölle, aber dafür zwei Hügel, die mich nach zwei Wochen komplett sportfreier Erkältungspause höllisch mitnehmen, etwas Schotter und dann ist da noch diese schlammige Schlagloch-Buckelpiste von Abfahrt durch den Wald (ich brauche einen Crosser!). Ich schaffe es so gerade eben, mich nicht auf die Fresse zu legen, und das auch nur, weil ich im allerletzten Moment noch ausweichen kann, als der Mensch vor mir mit seinem Rad einfach urplötzlich mitten auf dem Weg stehen bleibt. Immer eine top Idee in der Gruppe! Auf jeden Fall geht alles gut, Bruno macht die Tortur fröhlich mit und ich ahne, dass mir diese Sache mit den matschigen Wegen und dem Wald doch irgendwie Spaß machen könnte - mit einem anderen Rad, vor allem mit anderen Reifen, irgendwann.

Bild: Alexander Ignasiak
Die riesige Gruppe erregt Aufsehen. Wir sind viele. Menschen bleiben stehen und gucken, ein kleiner Junge jubelt: "Tour de France!" Jau Düsseldorf, da kommt was auf dich zu! Vom Sommer sind wir allerdings noch eine Weile entfernt. Das Wetter wechselt heute zwischen grau in grau und zaghaften Sonnenstrahlen. Die Luft schmeckt dezent nach Frühling und erinnert daran, dass bald endlich die Zeit kommt, zu der man die Überschuhe und Thermohose im Schrank einmotten kann, in kurz/kurz fahren kann und die Sonne auf den nackten Armen spürt. Wenns nach mir ginge, müsste das nicht mehr allzu lange dauern.

Bild: Steffen Weigold, @tempofest
Bild: Steffen Weigold, @tempofest
Ich schiele auf den Tacho und stelle fest, dass wir noch keine 30 Kilometer gefahren sind und ich eigentlich ganz gut bedient bin, trotz Cappucchino-Quassel-Tempo und inzwischen allerfeinstem Postkartenwetter. Aber es ist zu schön, um aufzuhören. Die restlichen 70 Kilometer sind flach und bei einer so riesigen Gruppe wirds nie langweilig. Alle paar Minuten habe ich einen neuen Nebenmann, bei etwa 50 Fahrern gleicht das Ganze hier sowieso mehr einer Klassenfahrt als irgendwas anderem. Ich höre viel englische Fachsimpelei, stelle fest, dass auch Kölner dabei sind (und zwar mit dem Fahrrad angereist!), sogar Frankfurter haben fürs Bicycle Film Festival den Weg nach Düsseldorf gefunden. Falls ihr zur Tour wieder kommen wollt, sagt Bescheid! Auf 100 Kilometern ist außerdem viel Zeit für Gespräche: Bruno lernt Olga kennen, weil ihr Besitzer ihm Komplimente macht. Sie ist allerdings keine Russin, sondern Koblenzerin, wohnhaft in Frankfurt, heute zu Gast auf den ein bisschen höllischen Straßen rund um Düsseldorf - Bicycle Film Festival, you are so international!

Bild: Steffen Weigold, @tempofest
Bild: Steffen Weigold, @tempofest
Als ich das nächste Mal auf den Tacho schiele, bin ich überrascht, dass er schon bei 75 Kilometern steht. Wo sind die letzten 45 denn hin verflogen? Ich habe plötzlich Knieschmerzen, und zwar von der Sorte, die mich überlegen lässt, wie ich von hier aus am besten nach Hause komme. Und zwar sofort. Aber hier greift die Magie des 50-Mann-Pelotons: Du findest immer jemanden, der dir das Ohr abkaut und dich jedes Mimimi vergessen lässt. Die Ablenkung funktioniert blendend: Wir verlieren uns in Renngeschichten, Horrorgeschichten, Angebergeschichten (kann ich auch! ha!) nur um am Ende zu der Erkenntnis zu gelangen, dass wir uns all das doch nur antun, weil wir das Gefühl so lieben. Wenn wir am Abend vor dem Rennen nichts essen können, wenn wir die Nacht nicht schlafen können und wenn wir zum Frühstück nichts runter kriegen - das ganze Drumherum gibts im normalen Alltag genauso wenig wie das Renngefühl selbst. Also versetzen wir uns zurück in unsere Kindheit, an den Abend vor dem Geburtstag, vor Weihnachten, vor der Klassenarbeit, an dem wir vor Aufregung nicht einschlafen können. Radfahren, mit Jahreskilometern, Höhenmetern und Durchschnittsgeschwindigkeiten prahlen, Grenzen austesten und verschieben - am Ende machen wir all das doch nur für das innere Kind. Lassen wir es spielen!

Bild: Steffen Weigold, @tempofest
Bild: Steffen Weigold, @tempofest
Der Vollständigkeit halber noch drei Sätze zum Sonntagbend: 1a vegetarisches Grillgedönse in der Schicke Mütze und inoffizieller Abschluss mit "Brevet", einem Film über einen Haufen verrückter Teilnehmer an Paris-Brest-Paris. 600 Kilometer mit dem Rad aus der Stadt in die eine Richtung bis ans Meer, umdrehen, 600 Kilometer auf der gleichen Strecke sofort zurück. Am Stück. Auf dem Rad. Natürlich. Zwischen 50 und 80 Stunden. Ich scheitere schon daran, das korrekt in Tage umzurechnen. Möglicherweise auf der Bucket List 2019, man möge mich davon abhalten.

Bild: Alexander Ignasiak
Bild: Alexander Ignasiak
Danke
Danke unbekannter Ticket-Schenker, danke Konrad fürs Einfädeln und für 50 Radler 100 Kilometer lang anführen. Danke Alexander mit den Socken mit Wiedererkennungswert für die traumhaften Fotos! Danke Malte fürs Knie vergessen Lassen und die treffende Verbalisierung der ziemlich schönen Erkenntnis; danke Steffen für die kontemplative Gesellschaft, epische Filmschnipsel (BFF Düsseldorf 2018!) und deine einmaligen Fotos, wie immer auf sehenswerte Weise während der Fahrt geschossen, mit einer Weste flatternd wie Supermans Cape. Liebe Schicke Mütze, liebes Open Source Festival, bitte habt euch noch lange lieb und beschert uns viele schöne kleine Bicycle Film Festivals. Was ihr da gezaubert habt, war großartig. Es war mir ein Fest!

Durch die Hölle gegangen ist bei der Ausfahrt nur einer: mein Festivalpass in der Trikottasche.
Bild: Kerstin Kortekamp, Schicke Mütze