Dienstag, 30. Dezember 2014

Von Null auf Triathlon - mein Jahr 2014

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Jahresrückblicke sind scheiße. Vielleicht werden sie ja ein klein wenig besser, wenn man sie mit dieser Erkenntnis beginnt. Obwohl ichs scheiße finde, will ich mich an dieses Jahr ausnahmsweise nochmal erinnern, denn es ist echt saumäßig viel passiert.
So fing das ganze Elend an: Am 25. Januar 2014 bin ich zum Ausverkauf in den Laufsportladen um die Ecke marschiert und habe mir Schuhe gekauft. Brooks Ravenna 4, ohne Laufbandanalyse, einfach weil sie sich gut anfühlten. Und 50% reduziert waren.
Die ersten Läufe habe ich abends im Dunkeln um den Block erledigt. Ich bin gefühlt ewig immer abwechselnd eine Minute gegangen und eine gelaufen, weil die Kondition mehr einfach nicht zugelassen hat. Weiter als 3 Kilometer bin ich so insgesamt nicht gekommen. Seltene Ausnahmen haben mich abseits vom Düsseldorfer Asphalt auch mal auf Waldwege geführt. Gehen, laufen, gehen, laufen. Am 4. März 2014 bin ich einen Kilometer am Stück ohne Gehpause gelaufen und war mächtig stolz.
Ich habe mich - warum auch immer - zum allerersten Volkslauf meines Lebens angemeldet und bin am 6. April 2014 beim Citylauf Lintorf 5 Kilometer gelaufen. Ohne jemals im Training vorher 5 Kilometer auf der Uhr gehabt zu haben. Und ohne die Begleitung meiner Schwester hätte ich schon nach 400 Metern wegen akuter Unlust aufgehört, dank ihrer Arschtritte habe ich mich mit Laufen und auch ziemlich viel Gehen nach gut 36 Minuten ins Ziel geschleppt.
Im Sommer ist es dann ziemlich ruhig geworden. Das Wetter war schön und ich habe mein Ziel aus den Augen verloren. Mit der Lauferei angefangen hatte ich ja eigentlich nur, weil mich Tough Mudder gereizt hat: 16-18 Kilometer Hindernisparcous mit Matsch, Eiswasser und Stromschlägen im Herbst. Im Sommer war dann irgendwann klar, dass das nichts werden würde, wenn man so eben mal 5-6 Kilometer auf die Kette kriegt. Ohne Hindernisse, ohne Schlamm, einfach nur im Park. Und auch nur, wenn man gerade Lust hat.
Die neue Motivation kam dann Ende Juni ganz unverhofft: Ich habe mich im Fitness-Studio bei den Sommerspielen angemeldet. Letztes Jahr hatte ich da auch schon teilgenommen, allerdings damals nur beim Spinning Punkte gesammelt. Für jede Trainingsstunde gab es einen Punkt, je maximal einen an den Geräten im Studio und einen beim Spinning pro Tag. Und weil ich es zeitlich nicht immer zum Kurs schaffe, weil manche einfach viel zu früh anfangen, habe ich mir einen neuen Trainingsplan erstellen lassen, um auch im Studio zu punkten. Und plötzlich habe ich wieder angefangen, im Fitness-Studio zu trainieren - und zwar jeden Tag. Spinning, Crosstrainer, Krafttraining. Mal alles, mal abwechselnd. Gelaufen bin ich zu Beginn kaum (wann auch?), spitze gings mir trotzdem.
In der Zeit, als ich wirklich so gut wie jeden Tag trainiert habe (egal wie gut das Wetter war), habe ich eins gelernt: ich kann, wenn ich will. Eine echt gute Lektion in Sachen Motivation - denn wenn die auf einmal da ist, klappt das mit dem Durchhalten von ganz alleine. Und genau daraus ist die Scheißhausidee geboren, mich beim Triathlon anzumelden. Ganz genau - Laufen ist da ja nicht der größte Anteil. Das meiste macht das Radeln aus, Spinning hab ich ja seit einem guten Jahr 2-3x die Woche gemacht und schwimmen sind ja nur lächerliche 500 Meter - und geschwommen bin ich früher schließlich auch mal. Wird schon gutgehen.
Blöd nur, wenn man sich angemeldet hat, aber kein Rad besitzt. Oder nur ein Oma-Cityrad. Oder wenn man Rennräder zum Ausleihen angeboten bekommt, die man aber erst reparieren müsste, wovon man natürlich keinen blassen Schimmer hat. Oder wenn man Mountainbikes zum Ausleihen angeboten bekommt, die man aber nur für den Renntag haben könnte, nicht fürs Training. Alles nett gemeint, aber blöd. Aber manchmal passieren unverhofft tolle Sachen und so bin ich schließlich zu Gabi gekommen. Am 17. August, genau 4 Wochen vor dem Triathlon, saß ich das erste Mal in meinem Leben auf einem Rennrad - und musste feststellen, dass das verdammt nochmal was ganz anderes ist als Spinning. Dass es ganz anders anstrengend ist, aber auch Spaß macht. Viel mehr Spaß!
Ich habe wieder angefangen zu laufen, bin ein bisschen geschwommen und vor allem geradelt. Vor der hügeligen Radstrecke beim Ratingen Triathlon hatte ich ziemlichen Respekt und an das neue Sportgerät Gabi musste ich mich auch erst mal gewöhnen (Nackenschmerzen aus der Hölle und taube Finger inklusive). Sogar das ein oder andere Koppeltraining habe ich mir angetan um herauzufinden, wie es sich nach dem Radeln so läuft. Lief irgendwie. Und so kam 7 Wochen nach dem ersten vorsichtigen Aufkeimen der Triathlon-Idee, 5 Wochen nach der Anmeldung und 4 Wochen nach dem Rennrad-Kauf dann der große Tag. Die Vorbereitung war kurz, aber dank einem Haufen toller Menschen so gut wie irgendwie möglich. Alle Gedanken dazu habe ich am Vorabend des Renntages hier aufgeschrieben.
Am 14. September 2014 habe ich meinen ersten Volkstriathlon ins Ziel gebracht. 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Rad und 5 Kilometer Laufen. Nach 1 3/4 Stunden bin ich angekommen - das Schwimmen war sehr langsam, aber ok (Brust!), das Radeln lief verhältnismäßig gut, beim Laufen brannte dann plötzlich die Sonne wie Hölle, aber irgendwie bin ich halb gehend, halb laufend über die (schon wieder) 5 Kilometer gekommen und habe es geschafft. Ich habe das Laufen gehasst, aber ich habe sofort danach gewusst, dass das nicht mein letzter Triathlon gewesen ist.
Ich will weitermachen. Wenn in acht Monaten die Veränderung von Null auf Triathlon drin war, bin ich ehrlich gespannt, was das nächste Jahr bringt. Was erst eine Schnapsidee war, macht mir wirklich Spaß - keine Ahnung, wieso ich nicht früher darauf gekommen bin, nicht nur zu laufen, sondern auch zu radeln und zu schwimmen. Die Kombination ist spitze und ist ein Teil von meinem Leben geworden. Ich bin ein Turtlerunner, aber ich bin dankbar, dass ich gesund bin und eben im Turtle-Tempo laufen, aber auch schwimmen und radfahren kann (ja, radeln vielleicht manchmal auch etwas flotter, die 50 km/h haben Gabi und ich mittlerweile geknackt).

Spontan ein uraltes Rennrad zu kaufen, war die beste Entscheidung dieses Jahres. Das Radeln macht mir so viel Spaß, dass ich schon vorsichtig drüber nachdenke, ob Gabi im nächsten Jahr mit genug Sparen eventuell einen modernen und leichteren Nachfolger bekommen könnte.

Ich habe wieder Spaß am Schwimmen gefunden und bin dabei, mir (wieder) das Kraulen beizubringen. Wahrscheinlich werde ich im März einen Wettkampf im Rettungsschwimmen mitmachen - natürlich habe ich ordentlich Muffensausen, aber ich freue mich drauf.

Ich mache einen Lauftechnikkurs und hoffe, dass das Ganze dadurch leichter und "richtiger" wird. Ich habe mit Kolleginnen auf der Arbeit einen Lauftreff gegründet und begleite meinen Vater manchmal am Wochenende zu seinem Lauftreff. Ich bin am 20. Dezember 2014 zum ersten Mal 10 Kilometer gelaufen. Ich weiß nicht mehr, was ich am 20. Dezember 2013 gemacht habe, aber das wäre mir jedenfalls nicht im Traum eingefallen.

2014, du warst toll! Danke an alle, die hier, auf Twitter, Instagram oder im richtigen Leben ein Teil davon gewesen sind. 2015 du kannst kommen, ich bin bereit!

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