Posts mit dem Label Laufen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Samstag, 7. Dezember 2019
Stirnlampe im Test: Petzl Swift RL
Sechs Jahre habe ich es geschafft, ohne Stirnlampe zu laufen. Sieht doof aus, brauch ich nicht, will ich nicht. Meine Laufstrecken im Dunkeln beschränken sich normalerweise auf zwei Varianten: ein beleuchteter Park oder direkt am Rhein, ebenfalls beleuchtet. Die Wege dort hin in der Stadt selbst sind auch hell genug. In den Wald im Dunkeln? Nur wenn jemand mit Lampe neben mir läuft. Und selbst das finde ich eigentlich blöd, weil ich das Gefühl nicht mag, nur den kleinen Bereich im Schein der Lampe zu sehen und rundherum gar nichts. Ohne Stirnlampe nehme ich gefühlt mehr wahr. Ich fühle mich eingeengt, wenn vor mir nur ein kleiner Lichtkegel auf und ab hüpft und alles drumherum nur schwarz ist.
Nun ja, der Nachteil daran, wenn andere eine Lampe haben und du nicht: Läufste einmal hintereinander, siehste gar nix mehr. Und so habe ich letztens dann tatsächlich fertig gebracht, was ich bisher immer belächelt habe: Ich bin beim Laufen gestürzt. Wurzel nicht gesehen, gestolpert, einmal der Länge nach den Boden geküsst. Außer blauen Flecken und einer aufgeschürften Hand ist zwar nichts passiert, aber solche Stunts möchte ich in Zukunft doch lieber vermeiden. Trotzdem möchte ich auch mal abends eine waldige Strecke laufen. Eine Stirnlampe muss also her.
Wow krass, was so ein simples Gerät wie eine Stirnlampe theoretisch alles können kann. Die eierlegende Wollmilchsau, also eine leichte, helle und günstige Stirnlampe zum Laufen wird wahrscheinlich schwierig zu finden sein. Mein Testobjekt Petzl Swift RL* ist schon mal weder super leicht noch besonders günstig, aber dafür extrem hell. Hier aber erst einmal die harten Fakten:
Klingt erst einmal nach einem ziemlichen Monster - für das, was die Lampe kann, ist sie aber tatsächlich vergleichsweise kompakt und leicht. Petzl unterscheidet zwischen Active und Performance Stirnlampen - die Active Reihe eignet sich für normales Laufen, während die Performance Lampen auch für Trailrunning, Mountainbiken und Skitouren empfohlen werden. Sie passen ihre Leuchtkraft automatisch der Helligkeit der Umgebung an. Es kommt also ganz darauf an, wo die Stirnlampe eingesetzt werden soll: Fürs Laufen in der Stadt oder auf Straßen, wo von Zeit zu Zeit eine Laterne steht, reicht definitiv auch eine kleinere, schwächere Lampe - die dann auch leichter und preiswerter ist. Auf Instagram wurde mir mehrfach die Petzl Bindi* empfohlen, die auf jeden Fall in die Kategorie superleicht und klein fällt. Ein Mittelding zwischen Bindi und Swift ist beispielsweise die Petzl Actik*.

Swift RL*

Actik*

Bindi*
Im Vergleich zu den weniger starken Lampen, die ich von meinen Laufbegleitungen so kenne, kann ich mit der Swift RL auf jeden Fall angeben: Sie ist heller als alle Stirnlampen, die ich bisher erlebt habe. Was mir mindestens genauso wichtig ist: Sie leuchtet nicht nur einen winzigen Kreis vor meinen Füßen halbwegs aus, sondern schön breit den gesamten Weg und zwar auch einige Meter vor mir. So habe ich überhaupt nicht mehr das Gefühl, einem kleinen funzeligen Lichtschein durch ein dunkles Nichts hinterher zu rennen, sondern ich habe mehr Überblick und kann auch weiter Entferntes wahrnehmen. Je nach Einstellung leuchtet die Petzl Swift RL 35 bis 150 Meter weit - mit der geringsten Leuchtkraft laut Hersteller bis zu 50 Stunden lang. Das habe ich nicht ausprobiert!
Das Wechseln zwischen den Stufen übernimmt die Petzl Swift RL auch alleine, wenn man möchte. Im Reactive Modus misst ein Sensor die Helligkeit und passt die Leuchtkraft automatisch an - das funktioniert auch tatsächlich sehr zuverlässig. In diesem Modus verspricht der Hersteller eine längere Leuchtdauer, einen höheren Sichtkomfort und natürlich weniger manuelles Umstellen.
Dass der Akku nicht hinten ist und das ganze Gewicht vorne lastet, hat mich nur beim ersten Lauf gestört - danach hatte ich mich daran gewöhnt. Das Kopfband sitzt wirklich gut und ist reflektierend, so dass man auch gesehen wird. Die Verstellbarkeit des Winkels nutze ich gerne und viel, da ich je nach Bodenbeschaffenheit lieber direkt vor mir oder etwas weiter in die Ferne sehe.
Nun ja, der Nachteil daran, wenn andere eine Lampe haben und du nicht: Läufste einmal hintereinander, siehste gar nix mehr. Und so habe ich letztens dann tatsächlich fertig gebracht, was ich bisher immer belächelt habe: Ich bin beim Laufen gestürzt. Wurzel nicht gesehen, gestolpert, einmal der Länge nach den Boden geküsst. Außer blauen Flecken und einer aufgeschürften Hand ist zwar nichts passiert, aber solche Stunts möchte ich in Zukunft doch lieber vermeiden. Trotzdem möchte ich auch mal abends eine waldige Strecke laufen. Eine Stirnlampe muss also her.
Anforderungen an eine Stirnlampe zum Laufen
Als bisheriger Stirnlampenverweigerer habe ich natürlich keinerlei Ahnung, was so eine Maschine alles können muss außer leuchten. Deshalb habe ich auf Instagram mal nachgefragt, was euch bei einer Stirnlampe wichtig ist und herausgekommen ist dabei das:- geringes Gewicht
- hohe Leuchtkraft
- soll bequem sein und nicht rutschen
- breite Ausleuchtung
- mit Rücklicht
- preiswert
- Akku sollte hinten sein
- Verstellbarkeit des Winkels; Abblenden können bei Gegenverkehr
- lange Akkulaufzeit
- mehrere Stufen
- Nachhaltigkeit: Akku statt Batterie
- wasserdicht
Wow krass, was so ein simples Gerät wie eine Stirnlampe theoretisch alles können kann. Die eierlegende Wollmilchsau, also eine leichte, helle und günstige Stirnlampe zum Laufen wird wahrscheinlich schwierig zu finden sein. Mein Testobjekt Petzl Swift RL* ist schon mal weder super leicht noch besonders günstig, aber dafür extrem hell. Hier aber erst einmal die harten Fakten:
Petzl Swift RL
- 900 Lumen maximale Leuchtkraft
- intelligente Lichtstärkeanpassung Reactive Lighting
- Lithium-Ionen-Akku mit 2350 mAh
- ergonomisches Kopfband
- 100 Gramm
- IPX4-Zertifizierung (spritzwassergeschützt)
- UVP: 99 Euro, online zurzeit ca. 80 Euro
Klingt erst einmal nach einem ziemlichen Monster - für das, was die Lampe kann, ist sie aber tatsächlich vergleichsweise kompakt und leicht. Petzl unterscheidet zwischen Active und Performance Stirnlampen - die Active Reihe eignet sich für normales Laufen, während die Performance Lampen auch für Trailrunning, Mountainbiken und Skitouren empfohlen werden. Sie passen ihre Leuchtkraft automatisch der Helligkeit der Umgebung an. Es kommt also ganz darauf an, wo die Stirnlampe eingesetzt werden soll: Fürs Laufen in der Stadt oder auf Straßen, wo von Zeit zu Zeit eine Laterne steht, reicht definitiv auch eine kleinere, schwächere Lampe - die dann auch leichter und preiswerter ist. Auf Instagram wurde mir mehrfach die Petzl Bindi* empfohlen, die auf jeden Fall in die Kategorie superleicht und klein fällt. Ein Mittelding zwischen Bindi und Swift ist beispielsweise die Petzl Actik*.
Swift RL*
Actik*
Bindi*
Laufen mit Stirnlampe: Der erste Test
Da ich ja in der Stadt sowieso ohne Stirnlampe laufe, habe ich die Swift RL direkt mal mit in den Wald genommen. Beim ersten Lauf nur in ein kleines Wäldchen und beim zweiten Test direkt mal bei Regen in den "richtigen" Wald. Das Band ist weich gepolstert und wie bei einer Schwimmbrille hinten zweigeteilt - der Sitz ist wirklich bombenfest und nicht unangenehm - trotzdem war es für mich anfangs ungewohnt, jetzt auf einmal was am Kopf zu haben. Beim ersten Lauf habe ich die Lampe nach sechs Kilometern an meine Begleitung abgegeben, weil ich Kopfschmerzen bekommen habe - da spielte aber sehr wahrscheinlich auch mit rein, dass es mir an dem Tag generell beim Laufen nicht so gut ging und alles irgendwie doof war. Der Akku ist bei der Swift RL vorne, daher ist das Gewicht nicht so gut verteilt. Beim zweiten Lauf waren zehn Kilometer alleine mit Lampe allerdings kein Thema mehr - ohne Kopfschmerzen.Im Vergleich zu den weniger starken Lampen, die ich von meinen Laufbegleitungen so kenne, kann ich mit der Swift RL auf jeden Fall angeben: Sie ist heller als alle Stirnlampen, die ich bisher erlebt habe. Was mir mindestens genauso wichtig ist: Sie leuchtet nicht nur einen winzigen Kreis vor meinen Füßen halbwegs aus, sondern schön breit den gesamten Weg und zwar auch einige Meter vor mir. So habe ich überhaupt nicht mehr das Gefühl, einem kleinen funzeligen Lichtschein durch ein dunkles Nichts hinterher zu rennen, sondern ich habe mehr Überblick und kann auch weiter Entferntes wahrnehmen. Je nach Einstellung leuchtet die Petzl Swift RL 35 bis 150 Meter weit - mit der geringsten Leuchtkraft laut Hersteller bis zu 50 Stunden lang. Das habe ich nicht ausprobiert!

Ein Knopf für alles
Die Swift RL hat zur Bedienung genau einen Knopf, mit dem man die zwei verschiedenen Modi (Standard oder Reactive Lighting) und jeweils drei Stufen auswählen kann. Es gibt eine mechanische Tastensperre, so dass die Lampe sich nicht beim Transport unabsichtlich einschalten kann - ziemlich gut. Dass sonst alle Funktionen über nur eine Taste zu steuern sind, finde ich nicht besonders praktisch, zumindest den An/Aus Knopf hätte ich gerne extra. Wenn ich aus einer helleren Stufe nämlich in eine schwächere schalten möchte, geht die Lampe immer die Reihe durch: Bin ich beispielsweise in Stufe 2 und möchte in 1, muss ich erst in 3 schalten, dann aus, dann wieder in 1. Ist natürlich logisch, denn woher soll die Stirnlampe wissen, ob ich es gern heller oder dunkler hätte - aber den kurzen Moment, in dem es beim Laufen ganz dunkel ist, könnte man mit einem extra Schalter für Ein und Aus vermeiden.Das Wechseln zwischen den Stufen übernimmt die Petzl Swift RL auch alleine, wenn man möchte. Im Reactive Modus misst ein Sensor die Helligkeit und passt die Leuchtkraft automatisch an - das funktioniert auch tatsächlich sehr zuverlässig. In diesem Modus verspricht der Hersteller eine längere Leuchtdauer, einen höheren Sichtkomfort und natürlich weniger manuelles Umstellen.
Test-Fazit Petzl Swift RL
Positiv zu erwähnen ist auf jeden Fall die umweltfreundliche Verpackung. Statt Plastik-Hülle ist alles in Pappe sicher verstaut. Schön wäre es, wenn bei der Lampe in dieser Preisklasse direkt ein Etui zur Aufbewahrung oder Transport dabei wäre - tatsächlich gibt es eines, was man für ein paar Euro dazu kaufen kann. Es gibt auch weiteres Zubehör wie Ersatz-Kopfbänder (die man übrigens abnehmen und waschen kann), Ersatz-Akku sowie Haken zur Befestigung am Helm. Das Laden funktioniert über Micro-USB, was ich recht praktisch finde - immerhin nicht noch ein zusätzliches Kabel, das zuhause rumfliegt. Der Anschluss ist allerdings nicht über eine Gummilippe oder ähnliches geschützt - da er unter der Lampe angebracht ist, passiert bei Regen trotzdem nichts.Dass der Akku nicht hinten ist und das ganze Gewicht vorne lastet, hat mich nur beim ersten Lauf gestört - danach hatte ich mich daran gewöhnt. Das Kopfband sitzt wirklich gut und ist reflektierend, so dass man auch gesehen wird. Die Verstellbarkeit des Winkels nutze ich gerne und viel, da ich je nach Bodenbeschaffenheit lieber direkt vor mir oder etwas weiter in die Ferne sehe.
Übrigens: mit dem Bike Adapt* lässt sich die Swift RL zum Beispiel am Fahrradlenker anbringen. Diverse Helmadapter* befestigen die Stirnlampe am Fahrradhelm.
Braucht jetzt jeder eine so helle Stirnlampe? Ich denke nein. Hätte ich eine Stirnlampe in der Preisklasse gekauft? Wahrscheinlich nicht. Würde ich sie wieder hergeben? Auf keinen Fall. Im Vergleich zu den funzeligen Lampen, die ich vorher kannte, löst die Swift RL für mich genau das Problem, was mich bisher vom Laufen mit Stirnlampe abgehalten hat: Ich sehe nicht nur einen winzigen Kreis vor mir, sondern den Weg in seiner gesamten Breite und kann auch mehrere Meter vor mir noch genug erkennen. Wer also eine schwächere Lampe hat und damit zufrieden ist, braucht definitiv nicht zu wechseln. Sollten die Sportarten aber schneller oder anspruchsvoller werden, wie beispielsweise beim Mountainbiken oder Trailrunning, dann hat eine leistungsstärkere Stirnlampe schon ihre Berechtigung.
Werbehinweis: Die Petzl Swift RL wurde mir von Petzl kostenfrei überlassen. Danke dafür! Auf die Art oder die Inhalte des Testberichts wurde keinerlei Einfluss genommen.
Mit * markierte Links sind Werbelinks. Wenn du über diese Links einkaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.
Braucht jetzt jeder eine so helle Stirnlampe? Ich denke nein. Hätte ich eine Stirnlampe in der Preisklasse gekauft? Wahrscheinlich nicht. Würde ich sie wieder hergeben? Auf keinen Fall. Im Vergleich zu den funzeligen Lampen, die ich vorher kannte, löst die Swift RL für mich genau das Problem, was mich bisher vom Laufen mit Stirnlampe abgehalten hat: Ich sehe nicht nur einen winzigen Kreis vor mir, sondern den Weg in seiner gesamten Breite und kann auch mehrere Meter vor mir noch genug erkennen. Wer also eine schwächere Lampe hat und damit zufrieden ist, braucht definitiv nicht zu wechseln. Sollten die Sportarten aber schneller oder anspruchsvoller werden, wie beispielsweise beim Mountainbiken oder Trailrunning, dann hat eine leistungsstärkere Stirnlampe schon ihre Berechtigung.

Werbehinweis: Die Petzl Swift RL wurde mir von Petzl kostenfrei überlassen. Danke dafür! Auf die Art oder die Inhalte des Testberichts wurde keinerlei Einfluss genommen.
Mit * markierte Links sind Werbelinks. Wenn du über diese Links einkaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.
Samstag, 30. November 2019
Raceday No. 78 - Berlin Marathon 2019
Patsch. Patsch. Patsch. Bei jedem Schritt gibt das Wasser in den Schuhen ein matschiges Geräusch von sich. Die Socken sind ebenfalls komplett durchnässt, Hose und Shirt sowieso. Es gibt keinen trockenen Quadratzentimeter Stoff an meinem Körper. Selbst beim Trinkrucksack bin ich nicht sicher, ob er ausläuft oder ob das alles Regen ist. Tropft da Schweiß von meiner Augenbraue? Oder nur Wasser?
Eigentlich laufe ich gern bei Regen. Er kühlt angenehm, es wird nie zu heiß und irgendwann ist es auch egal, wie nass man ist. Nur ist es blöderweise heute anstrengender als sonst. Ich bin bei Kilometer 15. Es liegen noch 27 Kilometer vor mir. Kein Schritt fällt mir leicht, von Anfang an ist der Puls weit oben, obwohl ich langsam laufe. Wirklich langsam. Bei Kilometer 10 bin ich genau in meinem sehr tief gestapelten Zeitplan. Bei 15 ebenso. Kurze Pipipause. Wenn es jetzt schon so hart ist, wie soll ich dann noch drei Stunden lang weiterlaufen? Es sollte sich jetzt noch halbwegs leicht anfühlen. Es fühlt sich allerdings beinahe an wie ein schneller 10er. Wenn ich noch mehr Tempo raus nehme, gehe ich. Halbmarathon. Immer noch in der geplanten Zeit, ganz langsam. Es geht nichts mehr. Ich gehe.
Ich muss zugeben, dass ich bisher wenig Respekt vor richtig langen Marathon-Zeiten hatte. In acht Stunden 42 Kilometer walken kann theoretisch jeder gesunde Mensch mit zwei Beinen, es macht halt nur kaum einer. Dauert ja auch einfach ewig. In Berlin ist mir ein bisschen klarer geworden, was es eigentlich bedeutet, wenn es schon früh nicht gut läuft und man früh merkt, das wird heute lange dauern. Sehr lange. Und was es dann doch für eine Leistung ist - vor allem eine mentale - diese Ziellinie zu erreichen.
Dieser Abschnitt ist leicht falsch zu verstehen. Ich meine damit nicht, dass ein Marathon erst ab einer bestimmten Zeit "etwas zählt". Ich will damit auch nicht sagen, dass ich körperlich in Berlin nichts geleistet hätte. Ich will einfach darauf hinaus, dass etwas, was im ersten Moment verhältnismäßig einfach wirkt (nämlich lange gehen oder sehr langsam laufen), dann doch gar nicht mehr so einfach ist, wenn man sich die ganze Dauer vor Augen führt. Fünf, sechs, sieben oder gar acht Stunden. Das muss man schon ziemlich wollen.
Ich hatte mir 2018 mit dem Inlinemarathon den Startplatz für den Lauf gesichert. Also keine Lotterie, sondern sicherer Startplatz, bezahlen muss man dann natürlich zweimal. Egal, once in a lifetime. Seit ich in Berlin das erste Mal zugeschaut hatte, wollte ich dort laufen. Die Atmosphäre ist besonders, die Strecke toll, der Zieleinlauf durchs Brandenburger Tor schwer zu toppen. 125 Euro Startgebühr sind ziemlich happig, aber günstiger wirds in den nächsten Jahren wohl kaum, daher dachte ich: Jetzt oder nie. Ich habe lange überlegt, ob ich mich wirklich in diesem Jahr anmelden will, weil die Voraussetzungen für ein Marathontraining durchaus besser sein könnten als in den letzten beiden Semestern des Studiums. Klausurphase und Abschlussarbeit, dazu noch ein fast vierwöchiger Urlaub und überhaupt Training im Sommer. Viele Gründe, die dagegen gesprochen haben, aber schließlich hat das Herz sich durchgesetzt. Ich wollte laufen.
Das einzig Gute, wenn man schon vorher weiß, dass der Zeitpunkt nicht ideal ist: Keine Gelegenheit, um hohe Erwartungen entstehen zu lassen. Trotzdem schwierig, das im Kopf umzusetzen, wenn man generell dazu neigt, sich zu viel Druck zu machen. In Berlin klappt das. Das erste Mal ans Aufgeben denke ich nach 15 Kilometern. Danach immer wieder. Mein Deal mit mir selbst geht so: Ich laufe bis Kilometer 33, dort steht meine Freundin Steffi. Dann kann ich mit ihr zusammen nach Hause fahren. Bei Kilometer 31 oder 32 wird mir dann klar: Wenn ich es bis hier hin geschafft habe, schaffe ich es auch bis ins Ziel. Ich habe keine Beschwerden, die groß genug sind, um auszusteigen. "Es läuft einfach nicht", reicht nicht.
Ein Läufer vor mir fängt unheimlich schief an "With or without you" von U2 zu singen. Eine andere Läuferin stimmt ein. Ich singe nicht mit, weil ich froh bin, gerade genug Luft zu bekommen. Für ein Grinsen reicht es noch. Was für ein Moment! "I can't live with or without you ..."
Auf dem Kudamm entschließt Steffi sich spontan, mich ein gutes Stück zu begleiten. Ich habe mich mittlerweile so sehr mit der Situation angefreundet, dass ich ihr freudig mitteile, dass es heute leider scheiße läuft und länger dauern wird. Ich weiß, dass die letzten 9 Kilometer noch lang werden können, aber es ist mir jetzt egal, wie lange sie noch dauern. Ich laufe, wenn ich kann, und ich gehe, wenn ich muss.
Die letzten Kilometer kenne ich schon vom Skaten im letzten Jahr und vom Halbmarathon im April. Es ist aber doch etwas anderes, gegen Ende des Marathons auf Unter den Linden abzubiegen. Die Menschenmengen, das Brandenburger Tor, all dieser Lärm. "Ihr seid alle Helden" meint ein Werbebanner. Kopfsteinpflaster, nur noch wenige Meter. Die Ziellinie ist in Sichtweite. Nach 4:47 Stunden laufe ich endlich darüber. Mein dritter Marathon ist zugleich der langsamste. Es ist mir egal. Ein anderes Schild sagt: "Strangers are proud of you". Ich bin es auch.

Ich muss zugeben, dass ich bisher wenig Respekt vor richtig langen Marathon-Zeiten hatte. In acht Stunden 42 Kilometer walken kann theoretisch jeder gesunde Mensch mit zwei Beinen, es macht halt nur kaum einer. Dauert ja auch einfach ewig. In Berlin ist mir ein bisschen klarer geworden, was es eigentlich bedeutet, wenn es schon früh nicht gut läuft und man früh merkt, das wird heute lange dauern. Sehr lange. Und was es dann doch für eine Leistung ist - vor allem eine mentale - diese Ziellinie zu erreichen.
Dieser Abschnitt ist leicht falsch zu verstehen. Ich meine damit nicht, dass ein Marathon erst ab einer bestimmten Zeit "etwas zählt". Ich will damit auch nicht sagen, dass ich körperlich in Berlin nichts geleistet hätte. Ich will einfach darauf hinaus, dass etwas, was im ersten Moment verhältnismäßig einfach wirkt (nämlich lange gehen oder sehr langsam laufen), dann doch gar nicht mehr so einfach ist, wenn man sich die ganze Dauer vor Augen führt. Fünf, sechs, sieben oder gar acht Stunden. Das muss man schon ziemlich wollen.

Ich hatte mir 2018 mit dem Inlinemarathon den Startplatz für den Lauf gesichert. Also keine Lotterie, sondern sicherer Startplatz, bezahlen muss man dann natürlich zweimal. Egal, once in a lifetime. Seit ich in Berlin das erste Mal zugeschaut hatte, wollte ich dort laufen. Die Atmosphäre ist besonders, die Strecke toll, der Zieleinlauf durchs Brandenburger Tor schwer zu toppen. 125 Euro Startgebühr sind ziemlich happig, aber günstiger wirds in den nächsten Jahren wohl kaum, daher dachte ich: Jetzt oder nie. Ich habe lange überlegt, ob ich mich wirklich in diesem Jahr anmelden will, weil die Voraussetzungen für ein Marathontraining durchaus besser sein könnten als in den letzten beiden Semestern des Studiums. Klausurphase und Abschlussarbeit, dazu noch ein fast vierwöchiger Urlaub und überhaupt Training im Sommer. Viele Gründe, die dagegen gesprochen haben, aber schließlich hat das Herz sich durchgesetzt. Ich wollte laufen.

Das einzig Gute, wenn man schon vorher weiß, dass der Zeitpunkt nicht ideal ist: Keine Gelegenheit, um hohe Erwartungen entstehen zu lassen. Trotzdem schwierig, das im Kopf umzusetzen, wenn man generell dazu neigt, sich zu viel Druck zu machen. In Berlin klappt das. Das erste Mal ans Aufgeben denke ich nach 15 Kilometern. Danach immer wieder. Mein Deal mit mir selbst geht so: Ich laufe bis Kilometer 33, dort steht meine Freundin Steffi. Dann kann ich mit ihr zusammen nach Hause fahren. Bei Kilometer 31 oder 32 wird mir dann klar: Wenn ich es bis hier hin geschafft habe, schaffe ich es auch bis ins Ziel. Ich habe keine Beschwerden, die groß genug sind, um auszusteigen. "Es läuft einfach nicht", reicht nicht.
Ein Läufer vor mir fängt unheimlich schief an "With or without you" von U2 zu singen. Eine andere Läuferin stimmt ein. Ich singe nicht mit, weil ich froh bin, gerade genug Luft zu bekommen. Für ein Grinsen reicht es noch. Was für ein Moment! "I can't live with or without you ..."

Auf dem Kudamm entschließt Steffi sich spontan, mich ein gutes Stück zu begleiten. Ich habe mich mittlerweile so sehr mit der Situation angefreundet, dass ich ihr freudig mitteile, dass es heute leider scheiße läuft und länger dauern wird. Ich weiß, dass die letzten 9 Kilometer noch lang werden können, aber es ist mir jetzt egal, wie lange sie noch dauern. Ich laufe, wenn ich kann, und ich gehe, wenn ich muss.
Die letzten Kilometer kenne ich schon vom Skaten im letzten Jahr und vom Halbmarathon im April. Es ist aber doch etwas anderes, gegen Ende des Marathons auf Unter den Linden abzubiegen. Die Menschenmengen, das Brandenburger Tor, all dieser Lärm. "Ihr seid alle Helden" meint ein Werbebanner. Kopfsteinpflaster, nur noch wenige Meter. Die Ziellinie ist in Sichtweite. Nach 4:47 Stunden laufe ich endlich darüber. Mein dritter Marathon ist zugleich der langsamste. Es ist mir egal. Ein anderes Schild sagt: "Strangers are proud of you". Ich bin es auch.

Mittwoch, 14. August 2019
Test: Garmin Vivoactive 3 Music
Ich schreibe ja selten Testberichte (unter anderem, weil ich die Relevanz oft vermisse) - aber wenn ich nach fünf Jahren des Laufens zum ersten Mal eine GPS-Uhr besitze, so ist das doch ein mittelgroßes Event im Hause ichhasselaufen. Seit einigen Wochen laufe ich mit der Garmin Vivoactive 3 Music*, die jetzt nicht die typische Sport-Uhr ist - warum es genau diese geworden ist und welche Stolpersteine bei der Nutzung der Uhr zu beachten sind, fasse ich hier zusammen. Stichwort: Mit der Garmin Vivoactive 3 Music kompatible Bluetooth Kopfhörer finden... Eine Wissenschaft für sich!
Disclaimer: Der Test ist in keinster Weise von einem der genannten Unternehmen beeinflusst oder beauftragt. Ich habe alle erwähnten Produkte auf herkömmlichem Weg erstanden und schreibe den Test vor allem aus dem Grund, da ich kaum Informationen zu kompatiblen Ohrhörern gefunden habe. Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Links sowie Werbebanner unten sind sogenannte Affiliate-Links. Wenn du auf so einen Affiliate-Link klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von Amazon eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht.
Auf 42 Kilometern einen groben Überblick zu haben, schadet garantiert nicht. Bei einigen Halbmarathons hingegen habe ich sogar auf die Uhr mit ihren rudimentären Funktionen verzichtet und war im völligen Blindflug unterwegs. Ich meine immer noch: Eine gute Übung fürs Körpergefühl.
Warum werfe ich diese Taktik jetzt über Bord und meine auf einmal, eine GPS-Uhr zu brauchen? Tatsächlich ist der Grund so simpel wie dämlich: Mein neues Handy ist zu groß, um es beim Laufen mitzunehmen. Das war der ausschlaggebende Punkt, so dass ich mich langsam mit dem Gedanken angefreundet habe, auch unterwegs meine Geschwindigkeit zu kennen. Und den Puls. Und was man halt sonst noch so wissen will.
Warum jetzt ausgerechnet diese Uhr? Ich bin bisher davon ausgegangen, die Vivoactive Reihe hätte mit Laufen nicht viel zu tun und würde sich eher an Menschen richten, die gelegentlich ein bisschen Fitness betreiben und generell aktiver sein möchten. Ich habe sie eher für einen Fitness-Tracker als für eine Laufuhr gehalten - und die meisten Lauf-Nerds sehen das wahrscheinlich genauso. Nach genauerem Hinsehen und Budget-Check habe ich festgestellt, dass es für meine Bedürfnisse allerdings keine Forerunner und keine Fenix sein muss. Da ich meine Radfahrten schon mit einem Garmin Edge 1000 aufzeichne und daher sowieso Garmin Connet nutze, wollte ich am liebsten eine Garmin Uhr, um mich nicht bei noch einer weiteren Plattform anmelden zu müssen.
Was unterscheidet die Garmin Vivoactive 3 Music von den typischen Garmin Laufuhren? Der deutlich günstigere Preis schlägt sich natürlich in der Leistung nieder, zum Beispiel bei der Akkulaufzeit. Für die Garmin Vivoactive 3 Music sind hier 13 Stunden im GPS-Modus und 5 Stunden im Musikmodus angegeben. Für meine Anforderungen reicht das - für Ultraläufer oder Langdistanz-Triathleten wohl eher weniger. Das ist aber auch gar nicht die Zielgruppe dieser Uhr. Im Vergleich zu den Laufuhren, zum Beispiel aus der Forerunner-Serie, spuckt die Vivoactive 3 Music weniger Daten zur Analyse aus. Erholungszeit, Laufzeit-Prognose, Bodenkontaktzeit sind einige Beispiele, die hier theoretisch fehlen - die ich aber nicht vermisse.
Die Garmin Vivoactive 3 Music kann für meine Begriffe ansonsten recht gut mit den umfangreichen Funktionen der teuren Konkurrenten mithalten, wenn man eben nicht zu sehr ins Detail gehen möchte. Sie zählt beim Schwimmen die Bahnen und erkennt den Schwimmstil, sie bietet diverse Golf-Funktionen (die ich vermutlich niemals nutzen werde), sie dient mir beim Radfahren als Herzfrequenzsensor am Handgelenk und überträgt die Daten auf mein Edge 1000. In Garmin Connect lassen sich Trainings - beispielsweise Lauftrainings - erstellen und auf die Uhr übertragen.
Die Uhr misst Herzfrequenz und Stress, zählt Schritte, Stockwerke, Kalorien und wöchentliche Aktivitätsminuten. Ziele können natürlich angepasst werden. Für viele praktisch ist sicher die Verknüpfung zu My Fitness Pal, so dass verbrauchte und zugeführte Kalorien sich in beiden Apps automatisch synchronisieren. Andere nützliche Spielereien wie Timer, Stoppuhr und Taschenlampe sind auch enthalten.
Wetter, Benachrichtigungen und Termine kann man sich übrigens auch anzeigen lassen - natürlich nur, wenn das Handy über Bluetooth verbunden und in der Nähe ist. Die Garmin Pay Funktion finde ich interessant, vor allem wenn man beim Laufen keine Lust hat, Geld mitzunehmen. Momentan ist Garmin Pay nur in wenigen Uhren integriert, nämlich in der fenix 5 Plus Serie, der MARQ Serie, der Forerunner 645 und eben der Garmin Vivoactive 3 Music. Aktuell habe ich die Funktion noch nicht eingerichtet - das Feature bei einer eher niedrigpreisigen Uhr neben den Top-Modellen einzusetzen, ist aber schon ziemlich nice.
Die Bedienung der Garmin Vivoactive 3 Music funktioniert über den Touchscreen und eine Taste an der Seite. Ich finde sie nicht komplett intuitiv, so dass ich hier tatsächlich ins Handbuch schauen musste - wenn man einmal das Prinzip verstanden hat, ist die Handhabung allerdings einfach. Viele Testberichte kritisieren das Touchdisplay als zu träge. Für mich ist es genau richtig, denn ich hatte vorher Bedenken, beim Sport aus Versehen daran zu kommen und irgendetwas umzustellen - diese Sorge halte ich inzwischen für absolut unbegründet. Keine Probleme mit dem Touchscreen beim Laufen!
Etwas intensiveres Googlen hat die von Garmin empfohlene Liste mit kompatiblen Kopfhörern für diverse Uhren mit Music-Funktion ausgespuckt. Super, Garmin empfiehlt Bluetooth Ohrhörer, die auf jeden Fall mit meiner Vivoactive 3 Music funktionieren. Endlich die Lösung des Problems! Dachte ich, bis ich die Liste studiert hatte. Darin lauter Modelle von Premium Herstellern wie Bose - die sind sicher super gut und lassen sich wahrscheinlich prima mit der Uhr verbinden - ich wollte sie aber nicht ausprobieren, wenn sie mehr kosten als die Uhr selbst. Um auf langen Läufen hin und wieder ein bisschen Musik oder Podcasts zu hören, muss ich keinen dreistelligen Betrag für Kopfhörer ausgeben.
Also weitere Recherche. Gelandet bin ich schließlich bei den Soundcore Spirit Bluetooth Kopfhörern*. Sehr fairer Preis, wasserdicht und dank diverser austauschbarer Silikon-Nupsis sollten sie in ziemlich viele verschiedene Ohren passen. Ich habe absolut keine Probleme mit der Passform, auch beim Laufen saugen sie sich fest und halten im Ohr. Und: Die Kopfhörer lassen sich nicht nur mit der Uhr verbinden, sondern auch easy lauter oder leiser regeln - und zwar entweder ganz einfach über die Spotify-App auf der Uhr oder etwas umständlicher über den Regler am Kabel, der irgendwo zwischen Ohr und Nacken baumelt. Endlich!
Wenn der seltene Fall eintritt und ich mir ein neues technisches Gerät zulege, dann muss nicht nur das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, sondern ich möchte das neue Gadget auch einfach schön finden. Das ist hier absolut der Fall - das graublaue Armband (das übrigens wechselbar ist) und die roségoldenen Details passen perfekt zusammen. Und wie die Verkäuferin bei der letzten Armbanduhr im gleichen Format schon sagte: "Sie können es ja tragen mit Ihren Handgelenken!"

Warum die Garmin Vivoactive 3 Music?
Wie gesagt: Ich habe es fünf Jahre lang geschafft, ohne Uhr zu laufen - #nogarminnorules. Ich war rein nach Gefühl unterwegs, habe die Läufe mit der Strava-App getrackt und später einen kurzen Blick auf Distanz und Geschwindigkeit geworfen. Da ich noch nie nach Trainingsplan trainiert habe, bin ich bisher nicht in die Verlegenheit gekommen, Intervalltrainings oder ähnliches durchführen zu müssen. Bei Wettkämpfen habe ich manchmal eine alte Polar Pulsuhr benutzt, bei der mich hauptsächlich die sekundengenaue Zeitanzeige interessiert hat. Bei jeder Kilometer-Markierung ging dann das Rechnen los. So habe ich diverse Triathlons und sämtliche Läufe bestritten, darunter auch zwei Marathons.
Auf 42 Kilometern einen groben Überblick zu haben, schadet garantiert nicht. Bei einigen Halbmarathons hingegen habe ich sogar auf die Uhr mit ihren rudimentären Funktionen verzichtet und war im völligen Blindflug unterwegs. Ich meine immer noch: Eine gute Übung fürs Körpergefühl.
Warum werfe ich diese Taktik jetzt über Bord und meine auf einmal, eine GPS-Uhr zu brauchen? Tatsächlich ist der Grund so simpel wie dämlich: Mein neues Handy ist zu groß, um es beim Laufen mitzunehmen. Das war der ausschlaggebende Punkt, so dass ich mich langsam mit dem Gedanken angefreundet habe, auch unterwegs meine Geschwindigkeit zu kennen. Und den Puls. Und was man halt sonst noch so wissen will.
Warum jetzt ausgerechnet diese Uhr? Ich bin bisher davon ausgegangen, die Vivoactive Reihe hätte mit Laufen nicht viel zu tun und würde sich eher an Menschen richten, die gelegentlich ein bisschen Fitness betreiben und generell aktiver sein möchten. Ich habe sie eher für einen Fitness-Tracker als für eine Laufuhr gehalten - und die meisten Lauf-Nerds sehen das wahrscheinlich genauso. Nach genauerem Hinsehen und Budget-Check habe ich festgestellt, dass es für meine Bedürfnisse allerdings keine Forerunner und keine Fenix sein muss. Da ich meine Radfahrten schon mit einem Garmin Edge 1000 aufzeichne und daher sowieso Garmin Connet nutze, wollte ich am liebsten eine Garmin Uhr, um mich nicht bei noch einer weiteren Plattform anmelden zu müssen.

Was unterscheidet die Garmin Vivoactive 3 Music von den typischen Garmin Laufuhren? Der deutlich günstigere Preis schlägt sich natürlich in der Leistung nieder, zum Beispiel bei der Akkulaufzeit. Für die Garmin Vivoactive 3 Music sind hier 13 Stunden im GPS-Modus und 5 Stunden im Musikmodus angegeben. Für meine Anforderungen reicht das - für Ultraläufer oder Langdistanz-Triathleten wohl eher weniger. Das ist aber auch gar nicht die Zielgruppe dieser Uhr. Im Vergleich zu den Laufuhren, zum Beispiel aus der Forerunner-Serie, spuckt die Vivoactive 3 Music weniger Daten zur Analyse aus. Erholungszeit, Laufzeit-Prognose, Bodenkontaktzeit sind einige Beispiele, die hier theoretisch fehlen - die ich aber nicht vermisse.
Funktionen der Garmin Vivoactive 3 Music
Ich würde sagen: Die Garmin Vivoactive 3 Music ist ein guter Fitness-Tracker mit ein bisschen Smart Watch, der sich auch zum Laufen eignet. Neben Laufen können auch andere Aktivitäten aufgezeichnet werden - von Radfahren oder Inlineskaten über Skifahren bis zu Rudern usw. Einen Multisport-Modus für Triathlon bietet die Uhr von selbst nicht - eine passende App lässt sich aber kostenlos über Garmin Connect IQ herunterladen. Gleiches gilt für Freiwasser-Schwimmen. Die Datenfelder lassen sich in den Aktivitäts-Apps wie bei anderen Uhren oder dem Edge auch individuell anordnen.Die Garmin Vivoactive 3 Music kann für meine Begriffe ansonsten recht gut mit den umfangreichen Funktionen der teuren Konkurrenten mithalten, wenn man eben nicht zu sehr ins Detail gehen möchte. Sie zählt beim Schwimmen die Bahnen und erkennt den Schwimmstil, sie bietet diverse Golf-Funktionen (die ich vermutlich niemals nutzen werde), sie dient mir beim Radfahren als Herzfrequenzsensor am Handgelenk und überträgt die Daten auf mein Edge 1000. In Garmin Connect lassen sich Trainings - beispielsweise Lauftrainings - erstellen und auf die Uhr übertragen.

Die Uhr misst Herzfrequenz und Stress, zählt Schritte, Stockwerke, Kalorien und wöchentliche Aktivitätsminuten. Ziele können natürlich angepasst werden. Für viele praktisch ist sicher die Verknüpfung zu My Fitness Pal, so dass verbrauchte und zugeführte Kalorien sich in beiden Apps automatisch synchronisieren. Andere nützliche Spielereien wie Timer, Stoppuhr und Taschenlampe sind auch enthalten.
Wetter, Benachrichtigungen und Termine kann man sich übrigens auch anzeigen lassen - natürlich nur, wenn das Handy über Bluetooth verbunden und in der Nähe ist. Die Garmin Pay Funktion finde ich interessant, vor allem wenn man beim Laufen keine Lust hat, Geld mitzunehmen. Momentan ist Garmin Pay nur in wenigen Uhren integriert, nämlich in der fenix 5 Plus Serie, der MARQ Serie, der Forerunner 645 und eben der Garmin Vivoactive 3 Music. Aktuell habe ich die Funktion noch nicht eingerichtet - das Feature bei einer eher niedrigpreisigen Uhr neben den Top-Modellen einzusetzen, ist aber schon ziemlich nice.
Die Bedienung der Garmin Vivoactive 3 Music funktioniert über den Touchscreen und eine Taste an der Seite. Ich finde sie nicht komplett intuitiv, so dass ich hier tatsächlich ins Handbuch schauen musste - wenn man einmal das Prinzip verstanden hat, ist die Handhabung allerdings einfach. Viele Testberichte kritisieren das Touchdisplay als zu träge. Für mich ist es genau richtig, denn ich hatte vorher Bedenken, beim Sport aus Versehen daran zu kommen und irgendetwas umzustellen - diese Sorge halte ich inzwischen für absolut unbegründet. Keine Probleme mit dem Touchscreen beim Laufen!
Musik von Spotify auf die Vivoactive 3 Music übertragen
Die Garmin Vivoactive 3 Music lässt sich über Bluetooth einfach mit dem Handy verbinden. WLAN ist ebenfalls fix eingerichtet und beschleunigt die Synchronisation. Über Connect IQ muss zunächst die passende Musik-App heruntergeladen werden. Zur Auswahl stehen aktuell Spotify, Deezer und Runcasts und damit ist für mich das wichtigste abgedeckt. Um Playlisten, Alben oder Podcasts aus Spotify auf die Uhr zu laden, muss man in der Spotify-App auf der Uhr auf das Bibliothek-Symbol tippen und anschließend "Musik und Podcasts hinzufügen" wählen. Das geht auch über Garmin Connect und ist mit ein wenig Scrollen verbunden, klappt aber problemlos. Soll die Musik dann schließlich von der Garmin Vivoactive 3 Music abgespielt werden, müssen nur noch noch passende Bluetooth-Ohrhörer verbunden werden und das Handy kann zuhause bleiben. Ziemlich lässige Lösung, finde ich!
Welche Bluetooth Kopfhörer sind mit der Garmin Vivoactive 3 Music kompatibel?
Ganz ehrlich: Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Uhr bestellen, Bluetooth Ohrhörer bestellen, miteinander verbinden und loslaufen. Pustekuchen. Bei dieser Variante wäre ich beinahe taub geworden, weil ich keine Funktion gefunden habe, die Lautstärke von der Vivoactive 3 Music aus zu regeln. Google hat geholfen und immerhin verraten, wo ich suchen muss. Die Lautstärke ließ sich jedoch trotzdem nicht einstellen. Mit anderen Kopfhörern das gleiche Problem. Selbst meine kleine Philips Bluetooth Box habe ich testweise mit der Uhr verbunden - nur um festzustellen, dass es auch hier keine Chance gibt, die Lautstärke zu verändern.Etwas intensiveres Googlen hat die von Garmin empfohlene Liste mit kompatiblen Kopfhörern für diverse Uhren mit Music-Funktion ausgespuckt. Super, Garmin empfiehlt Bluetooth Ohrhörer, die auf jeden Fall mit meiner Vivoactive 3 Music funktionieren. Endlich die Lösung des Problems! Dachte ich, bis ich die Liste studiert hatte. Darin lauter Modelle von Premium Herstellern wie Bose - die sind sicher super gut und lassen sich wahrscheinlich prima mit der Uhr verbinden - ich wollte sie aber nicht ausprobieren, wenn sie mehr kosten als die Uhr selbst. Um auf langen Läufen hin und wieder ein bisschen Musik oder Podcasts zu hören, muss ich keinen dreistelligen Betrag für Kopfhörer ausgeben.
| Soundcore Spirit Bluetooth Kopfhörer bei Amazon* |
Für wen ist die Garmin Vivoactive 3 Music geeignet?
Die Uhr ist definitiv mehr als ein simpler Fitness-Tracker. Für mich ist sie eine gelungene Kombination aus eben diesem, Smart Watch und Laufuhr. Ich bin nicht bereit, den Preis für die Top-Modelle unter den Laufuhren zu bezahlen und bin von der Vielfalt ihrer Funktionen sowieso völlig erschlagen. Ich wollte mein Handy beim Laufen zuhause lassen und eine Uhr, die Läufe aufzeichnet und Musik abspielt. Darüber hinaus bekomme ich bei der Garmin Vivoactive 3 Music noch einige Zusatz-Funktionen wie Garmin Pay und eben die Fitness Tracking Features. Als erste Laufuhr ist sie für meine Bedürfnisse auf jeden Fall gut geeignet. Wer es simpel mag und nicht nach jedem Lauf einen Haufen Daten auswerten möchte, ist mit der Garmin Vivoactive 3 Music ebenfalls gut beraten - vorausgesetzt, die Akkulaufzeit ist ausreichend.Wenn der seltene Fall eintritt und ich mir ein neues technisches Gerät zulege, dann muss nicht nur das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, sondern ich möchte das neue Gadget auch einfach schön finden. Das ist hier absolut der Fall - das graublaue Armband (das übrigens wechselbar ist) und die roségoldenen Details passen perfekt zusammen. Und wie die Verkäuferin bei der letzten Armbanduhr im gleichen Format schon sagte: "Sie können es ja tragen mit Ihren Handgelenken!"

Mittwoch, 9. Mai 2018
Raceday No. 56 - Rotterdam Marathon 2018
Mittagshitze. Kilometer 30. Aus dem Schlauch des Trinkrucksacks kommt nichts mehr raus und ich verstehe nicht, warum. Eben ging das noch. Manchmal ist ein Knick im Schlauch, also Rucksack abziehen, Schlauch entwirren, nochmal versuchen. Nichts. Nochmal prüfen. Kein Erfolg. Dann die Erkenntnis: Der Rucksack ist leer. Kein Wasser mehr. Oh Mann! Ich ärgere mich, dass ich nicht früher darauf gekommen bin. Noch zwölf Kilometer. Mit leerem Rucksack. Mein wunderhübscher Plan, dass ich in Rotterdam, dieser niederländischen Sauna, immer etwas zu trinken habe, scheitert also. Es ist heiß und ich will Wasser. Und zwar nicht alle paar Kilometer, sondern jederzeit. Ich will keine blöden Becher, ich will aus dem Schlauch ganz bequem kleine Schlucke trinken. Aber das kann ich nicht mehr, denn ich habe bereits den ganzen Rucksack leer gesoffen. Ich ärgere mich, dass ich absolut nicht bedacht habe, dass das passieren könnte. Anstatt den leeren Trinkrucksack einfach abzuhaken und mich ab jetzt auf die Getränkestände zu konzentrieren, stelle ich das gesamte Vorhaben Rotterdam-Marathon in Frage. Wenn der Plan sowieso schon wankt, warum überhaupt noch weiter machen?
Long story short: 2017 bin ich zuhause in Düsseldorf meinen ersten Marathon gelaufen. Schon beim Finish war mir klar, dass das nicht alles sein kann, dass ich das nochmal machen werde. Weil mich diese Herausforderung reizt, weil es mich antreibt, das noch einmal schaffen zu wollen, es besser zu machen und zufriedener zu sein. Die Gelegenheit kam mit Dein erster Marathon - ein Projekt von bunert und New Balance. Ich bin hier gleich doppelt involviert: Zum einen bei der Organisation des Projekts und zum anderen, weil ich mich entschlossen habe, selbst mitzulaufen. Auch wenn es nicht mein erster Marathon ist, bin ich am Vortag aufgeregter als so mancher Teilnehmer. Mir ist schlecht, ich zittere und bringe keinen geraden Satz raus. Na das kann ja was werden. Der holländische Zaubertrank Jupiler sorgt immerhin dafür, dass ich Schlaf finde.
Am Marathon-Morgen sieht die Welt zum Glück viel besser aus: Ich bin ruhig und voller Vorfreude. Ohne Angst. Und ich habe Bock! Niemand, der ein Herz hat, kann sich der Stimmung entziehen, die am Marathon-Morgen über der Stadt liegt. 15.000 Läufer pilgern die Zielgerade in verkehrter Richtung hinunter zum Start. Aus den Boxen schallt "You'll never walk alone", einige stimmen ein, ich habe einen freudigen Kloß im Hals und die ersten Tränchen des Tages in den Augen. Scheiße, falls ich gestern noch nicht wusste, weshalb ich das mache, dann jetzt. Genau dafür! Für diese Aufregung, diese wunderbare Anspannung und diese elektrisierte Luft.
Rotterdam ist großartig. Schon direkt nach dem Start führt die Strecke das erste Mal über die riesige Erasmus-Brücke. Gefühlt jedes Stückchen Streckenrand ist von Zuschauern gesäumt, die die perfekte Mischung aus Anfeuern und Party feiern finden. Nicht so übertrieben wie in Venlo, sondern sympathisch und herzlich. Mit genug Zeit, Namen abzulesen und einzelne Läufer anzufeuern. Und mit einem Händchen dafür, was die Läufer gebrauchen könnten: Unabhängig von den offiziellen Verpflegungsständen bieten die Zuschauer Wasser, Salzstangen, Gummibärchen oder Orangenscheiben an. Wenn die hier jetzt noch gute Musik und weniger Scooter spielen würden ...
Ich hadere mit meiner Taktik. Der Start war erst um 10.30 Uhr, ich habe vor, 4:30 Stunden zu laufen und dieser Tag ist ausgerechnet der erste, an dem es richtig warm wird. Ich habe lange Läufe bei Minustemperaturen gemacht, war bei Schnee, Regen und Hagel draußen, aber ich bin nicht auf 25° und Sonne eingestellt. Noch nicht, es ist gerade mal Frühling! Ich schwanke zwischen "langsam und ruhig durchlaufen" und "lieber am Anfang nicht zu sehr trödeln (aber auch nicht überpacen), denn hart wird es auf jeden Fall irgendwann - besser du bist dann schon so weit wie möglich gekommen". Der Grat ist schmal. Ich entscheide mich für eine vorsichtige Version von Variante zwei und laufe minimal schneller als geplant - 06:15 statt 6:20 min/km bis Kilometer 25.
Die Beine fühlen sich anfangs nicht gut an, aber ich komme gut rein. Ich treffe den Mittelweg ganz gut, will es auf keinen Fall übertreiben, aber auch nicht länger als nötig unterwegs sein. Die erste Hälfte vergeht trotz Pipipause bei Kilometer 18 schnell. Von den Kilometermarkierungen kommt eine nach der anderen und ich kann die Stimmung genießen. Nach dem zweiten Überqueren der Brücke dämmert mir: So einfach wird es nicht weiter gehen. Ich habe mich gut verpflegt, meine Gels planmäßig genommen und genug getrunken. Die Beine sind mittlerweile gut, trotzdem nehme ich Tempo raus. Da kommt noch einiges auf mich zu.
Zum Beispiel bei Kilometer 30 das Rucksack-Gate. Blöd, dass mentaler und körperlicher Tiefpunkt hier exakt aufeinander treffen. Ich merke, wie mir die Energie ausgeht, bekomme Kreislaufprobleme, Magenschmerzen und zweifle zum ersten und einzigen Mal. Gehpause. Keine andere Chance. Ich beschließe, dass der Magen schlimmer nicht werden kann und nehme ein Iso-Getränk des Veranstalters - normalerweise mache ich mit meinem empfindlichen Magen damit keine Experimente. Schlimmer als jetzt wäre nur noch Übergeben, danach fühlt es sich gerade nicht an, also rein damit. Wichtiger ist es, den Kreislauf wieder anzuschubsen. Das Iso bleibt drin, also drücke ich das letzte Gel hinterher. Ich schleppe mich mit einer Mischung aus wenig laufen und viel gehen bis Kilometer 34 und auf einmal ist es, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Ich kann wieder laufen. Mit dem Wissen, dass meine 4:30 Stunden nicht mehr drin sind (außer ich renne die letzen acht Kilometer und das ist keine Option), laufe ich einfach so, wie ich mag. Das ist nicht flott, aber immerhin genauso schnell wie von Kilometer 25-30. Ich freue mich absurd darüber, dass die Beine absolut keine Probleme machen, dass auch der Rest wieder mitspielt und dass ich vor allem wieder laufen will. Da ist nicht genug Ehrgeiz, um noch um irgendeine möglichst schnelle Zeit zu kämpfen, aber immerhin so viel, um nicht komplett zu bummeln. An den Getränkeständen gönne ich mir kurze Pausen, dazwischen laufe ich so, wie es sich gut anfühlt.
Die letzten beiden Kilometer ziehen sich wie Kaugummi. Gleichzeitig sind sie wunderschön, weil die Zuschauerreihen immer dichter werden und das Publikum anders anfeuert als bei Kilometer 5 oder 10. Alle, die hier vorbeilaufen, haben es gleich geschafft. Ich auch. Und daher versuche ich, alles in mich aufzusaugen. All diese Menschen, die Stimmung, diese bittersüße Mischung aus Anstrengung und Glück und Stolz. Ich muss nicht auf jedem Kilometer Spaß am Laufen haben, ich mache das für genau diese Momente. Für das Gefühl, um die letzte Kurve zu biegen und die Zielgerade in schier unerreichbarer Entfernung zu entdecken. Zwei Stimmen im Kopf brüllen gleich laut: "Gleich geschafft!" und "Oh Kacke, noch so weit?!"
Wenn du bis Kilometer 42 gekommen bist, fängst du nicht auf den letzten 200 Metern noch an zu gehen. Oder ans Aufhören zu denken. Wenn du das geschafft hast, läufst du ins Ziel, so schnell wie deine Beine dich noch tragen. Weil es egal ist, wie weit das exakt weg ist - wenn du es sehen kannst, schaffst du auch diese letzten Meter. Als Belohnung gibt es eine goldene Medaille - selbst für Platz 9.000-irgendwas - und eine Rose. Ich halte beides in Ehren, aber ich muss auch verdammt dringend zum Klo. Und was trinken. Und endlich zurück zu den Fans stiefeln, um zu berichten, wie schrecklich und wie schön das war.
04:35:14 Stunden lang habe ich bis auf kurze Begegnungen mit anderen aus dem Team alles mit mir selbst ausgemacht. War alleine zwischen 15.000, komplett abgetaucht in meiner eigenen Marathon-Welt. Ich freue mich drauf, langsam wieder in die Realität zurück zu kehren, und ich weiß mittlerweile: Ich will nochmal in dieses Wasser springen. Nicht mit der Motivation, etwas besser zu machen. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis unter den Bedingungen und zufrieden mit meinem ziemlich schnell gewonnenen Kampf. Ich will das einfach nochmal machen.
Fotos: Christian Siedler. Danke, danke, danke!
Danke an den bunert Onlineshop, an New Balance und an all diese fantastischen Menschen, die dieses Projekt zu dem gemacht haben, was es war: Fantastisch. Danke!

Long story short: 2017 bin ich zuhause in Düsseldorf meinen ersten Marathon gelaufen. Schon beim Finish war mir klar, dass das nicht alles sein kann, dass ich das nochmal machen werde. Weil mich diese Herausforderung reizt, weil es mich antreibt, das noch einmal schaffen zu wollen, es besser zu machen und zufriedener zu sein. Die Gelegenheit kam mit Dein erster Marathon - ein Projekt von bunert und New Balance. Ich bin hier gleich doppelt involviert: Zum einen bei der Organisation des Projekts und zum anderen, weil ich mich entschlossen habe, selbst mitzulaufen. Auch wenn es nicht mein erster Marathon ist, bin ich am Vortag aufgeregter als so mancher Teilnehmer. Mir ist schlecht, ich zittere und bringe keinen geraden Satz raus. Na das kann ja was werden. Der holländische Zaubertrank Jupiler sorgt immerhin dafür, dass ich Schlaf finde.

Am Marathon-Morgen sieht die Welt zum Glück viel besser aus: Ich bin ruhig und voller Vorfreude. Ohne Angst. Und ich habe Bock! Niemand, der ein Herz hat, kann sich der Stimmung entziehen, die am Marathon-Morgen über der Stadt liegt. 15.000 Läufer pilgern die Zielgerade in verkehrter Richtung hinunter zum Start. Aus den Boxen schallt "You'll never walk alone", einige stimmen ein, ich habe einen freudigen Kloß im Hals und die ersten Tränchen des Tages in den Augen. Scheiße, falls ich gestern noch nicht wusste, weshalb ich das mache, dann jetzt. Genau dafür! Für diese Aufregung, diese wunderbare Anspannung und diese elektrisierte Luft.


Rotterdam ist großartig. Schon direkt nach dem Start führt die Strecke das erste Mal über die riesige Erasmus-Brücke. Gefühlt jedes Stückchen Streckenrand ist von Zuschauern gesäumt, die die perfekte Mischung aus Anfeuern und Party feiern finden. Nicht so übertrieben wie in Venlo, sondern sympathisch und herzlich. Mit genug Zeit, Namen abzulesen und einzelne Läufer anzufeuern. Und mit einem Händchen dafür, was die Läufer gebrauchen könnten: Unabhängig von den offiziellen Verpflegungsständen bieten die Zuschauer Wasser, Salzstangen, Gummibärchen oder Orangenscheiben an. Wenn die hier jetzt noch gute Musik und weniger Scooter spielen würden ...

Ich hadere mit meiner Taktik. Der Start war erst um 10.30 Uhr, ich habe vor, 4:30 Stunden zu laufen und dieser Tag ist ausgerechnet der erste, an dem es richtig warm wird. Ich habe lange Läufe bei Minustemperaturen gemacht, war bei Schnee, Regen und Hagel draußen, aber ich bin nicht auf 25° und Sonne eingestellt. Noch nicht, es ist gerade mal Frühling! Ich schwanke zwischen "langsam und ruhig durchlaufen" und "lieber am Anfang nicht zu sehr trödeln (aber auch nicht überpacen), denn hart wird es auf jeden Fall irgendwann - besser du bist dann schon so weit wie möglich gekommen". Der Grat ist schmal. Ich entscheide mich für eine vorsichtige Version von Variante zwei und laufe minimal schneller als geplant - 06:15 statt 6:20 min/km bis Kilometer 25.

Die Beine fühlen sich anfangs nicht gut an, aber ich komme gut rein. Ich treffe den Mittelweg ganz gut, will es auf keinen Fall übertreiben, aber auch nicht länger als nötig unterwegs sein. Die erste Hälfte vergeht trotz Pipipause bei Kilometer 18 schnell. Von den Kilometermarkierungen kommt eine nach der anderen und ich kann die Stimmung genießen. Nach dem zweiten Überqueren der Brücke dämmert mir: So einfach wird es nicht weiter gehen. Ich habe mich gut verpflegt, meine Gels planmäßig genommen und genug getrunken. Die Beine sind mittlerweile gut, trotzdem nehme ich Tempo raus. Da kommt noch einiges auf mich zu.
Zum Beispiel bei Kilometer 30 das Rucksack-Gate. Blöd, dass mentaler und körperlicher Tiefpunkt hier exakt aufeinander treffen. Ich merke, wie mir die Energie ausgeht, bekomme Kreislaufprobleme, Magenschmerzen und zweifle zum ersten und einzigen Mal. Gehpause. Keine andere Chance. Ich beschließe, dass der Magen schlimmer nicht werden kann und nehme ein Iso-Getränk des Veranstalters - normalerweise mache ich mit meinem empfindlichen Magen damit keine Experimente. Schlimmer als jetzt wäre nur noch Übergeben, danach fühlt es sich gerade nicht an, also rein damit. Wichtiger ist es, den Kreislauf wieder anzuschubsen. Das Iso bleibt drin, also drücke ich das letzte Gel hinterher. Ich schleppe mich mit einer Mischung aus wenig laufen und viel gehen bis Kilometer 34 und auf einmal ist es, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Ich kann wieder laufen. Mit dem Wissen, dass meine 4:30 Stunden nicht mehr drin sind (außer ich renne die letzen acht Kilometer und das ist keine Option), laufe ich einfach so, wie ich mag. Das ist nicht flott, aber immerhin genauso schnell wie von Kilometer 25-30. Ich freue mich absurd darüber, dass die Beine absolut keine Probleme machen, dass auch der Rest wieder mitspielt und dass ich vor allem wieder laufen will. Da ist nicht genug Ehrgeiz, um noch um irgendeine möglichst schnelle Zeit zu kämpfen, aber immerhin so viel, um nicht komplett zu bummeln. An den Getränkeständen gönne ich mir kurze Pausen, dazwischen laufe ich so, wie es sich gut anfühlt.
Die letzten beiden Kilometer ziehen sich wie Kaugummi. Gleichzeitig sind sie wunderschön, weil die Zuschauerreihen immer dichter werden und das Publikum anders anfeuert als bei Kilometer 5 oder 10. Alle, die hier vorbeilaufen, haben es gleich geschafft. Ich auch. Und daher versuche ich, alles in mich aufzusaugen. All diese Menschen, die Stimmung, diese bittersüße Mischung aus Anstrengung und Glück und Stolz. Ich muss nicht auf jedem Kilometer Spaß am Laufen haben, ich mache das für genau diese Momente. Für das Gefühl, um die letzte Kurve zu biegen und die Zielgerade in schier unerreichbarer Entfernung zu entdecken. Zwei Stimmen im Kopf brüllen gleich laut: "Gleich geschafft!" und "Oh Kacke, noch so weit?!"

Wenn du bis Kilometer 42 gekommen bist, fängst du nicht auf den letzten 200 Metern noch an zu gehen. Oder ans Aufhören zu denken. Wenn du das geschafft hast, läufst du ins Ziel, so schnell wie deine Beine dich noch tragen. Weil es egal ist, wie weit das exakt weg ist - wenn du es sehen kannst, schaffst du auch diese letzten Meter. Als Belohnung gibt es eine goldene Medaille - selbst für Platz 9.000-irgendwas - und eine Rose. Ich halte beides in Ehren, aber ich muss auch verdammt dringend zum Klo. Und was trinken. Und endlich zurück zu den Fans stiefeln, um zu berichten, wie schrecklich und wie schön das war.
04:35:14 Stunden lang habe ich bis auf kurze Begegnungen mit anderen aus dem Team alles mit mir selbst ausgemacht. War alleine zwischen 15.000, komplett abgetaucht in meiner eigenen Marathon-Welt. Ich freue mich drauf, langsam wieder in die Realität zurück zu kehren, und ich weiß mittlerweile: Ich will nochmal in dieses Wasser springen. Nicht mit der Motivation, etwas besser zu machen. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis unter den Bedingungen und zufrieden mit meinem ziemlich schnell gewonnenen Kampf. Ich will das einfach nochmal machen.

Fotos: Christian Siedler. Danke, danke, danke!
Danke an den bunert Onlineshop, an New Balance und an all diese fantastischen Menschen, die dieses Projekt zu dem gemacht haben, was es war: Fantastisch. Danke!
Samstag, 31. März 2018
Laufen - ewige Hassliebe
Wer unter dem Motto "ich hasse laufen" schreibt und dennoch für den zweiten Marathon trainiert, muss sich mitunter die Frage gefallen lassen, ob das denn überhaupt noch stimmt mit dem Hass. Und wenn ja, ob es nicht besser wäre, es dann einfach zu lassen. Gute Fragen. Besonders die zweite beschäftigt mich mit schöner Regelmäßigkeit. Warum sollte jemand etwas tun, das er blöd findet?
Beim Radeln ist es ganz einfach: Ich setze mich aufs Rennrad und fühle mich zuhause. Ich liebe es, mich aus eigener Kraft schnell fortzubewegen. Mich fasziniert es, dass das noch schneller geht, wenn sich eine Gruppe findet, zu der jeder einzelne etwas beisteuern muss, damit am Ende alle schneller sind als allein. Ich liebe den Wind um die Nase, das Pedalieren, das Geräusch vom Freilauf (meiner klingt übrigens sehr schön). Wenn ich beschissene Laune habe, was zugegeben nicht so wahnsinnig oft vorkommt, und dann zwei, drei Stunden radeln war, sieht die Welt hinterher besser aus. Immer.
Manchmal laufe ich mit Freunden, dann bin ich abgelenkt. Freue mich, denjenigen mal wieder zu treffen und dieses oder jenes zu diskutieren. Dabei geht mir allerdings selten durch den Kopf: "Wie schön, dass wir das jetzt ausgerechnet beim Laufen besprechen!" Wir könnten uns auch einfach auf einen Kaffee treffen. Oder auf dem Rad, noch besser. Manchmal stresst mich Begleitung beim Laufen auch. Wenn der andere schneller ist und partout das Tempo nicht anpassen will, immer wieder davon zieht - da kann ich besser alleine laufen. Mache ich auch meistens und freue mich dann, dass ich mich nach niemandem richten muss und nur mich selbst aushalten muss.
In solchen Momenten macht mir das Laufen Spaß. Aber leider läuft nicht immer alles prima, leider bin ich nicht ständig am Meer und leider hab ich auch nicht mehrfach die Woche Zeit, drölf Stunden ohne Ziel durch die Gegend zu juckeln. Wenn ich also weiterhin laufen will - was ich nicht mache, wenn ich nicht für irgendetwas angemeldet bin - dann muss ich den Spaß irgendwo anders her kriegen. Wenn mich also nicht das Laufen selbst glücklich macht, dann ziehe ich meine Freude daran eben nicht aus der Tätigkeit an sich, sondern aus dem, was am Ende dabei rauskommt.
Dankbarkeit, so leistungsfähig zu sein. Körperlich und mental. Zufrieden und stolz auf das, was ich kann und vorher nicht für möglich gehalten hätte. Das war zu Anfang gar nicht mal so leicht - denn wenn der größte Kritiker zwischen den eigenen Ohren sitzt, gibt es immer etwas auszusetzen. Das hat sich inzwischen geändert. Und es ist eine schöne Erkenntnis, dass mir etwas so positive Gefühle verschafft, dass von der Sache an sich gar nicht so mein Ding ist. Ist es so dann nämlich irgendwie doch. Natürlich hängt das Herz am Rad. Aber ich bin auch eine Läuferin. Was bist du?
Danke für die Bilder an Jan.

Beim Radeln ist es ganz einfach: Ich setze mich aufs Rennrad und fühle mich zuhause. Ich liebe es, mich aus eigener Kraft schnell fortzubewegen. Mich fasziniert es, dass das noch schneller geht, wenn sich eine Gruppe findet, zu der jeder einzelne etwas beisteuern muss, damit am Ende alle schneller sind als allein. Ich liebe den Wind um die Nase, das Pedalieren, das Geräusch vom Freilauf (meiner klingt übrigens sehr schön). Wenn ich beschissene Laune habe, was zugegeben nicht so wahnsinnig oft vorkommt, und dann zwei, drei Stunden radeln war, sieht die Welt hinterher besser aus. Immer.
Automatisches Glück? Nicht beim Laufen
Beim Laufen habe ich diese Glücksgefühle auf Knopfdruck nicht. Ich laufe nicht los und denke: "Ach ist das schön, dass du gerade läufst." Das passiert nicht. Nie. Natürlich ist da nicht mehr diese starke Abwehrhaltung wie ganz zu Beginn, ich bin nicht mehr nach 100 Metern vollkommen aus der Puste und frage mich nicht permanent, was zur Hölle ich eigentlich hier mache. Das nicht. Trotzdem sind die ersten Meter selten unbeschwert und toll, sondern eher eine Pflichtübung. Manchmal ist auch ein ganzer Lauf Pflichtprogramm. Selten Kür.
Manchmal laufe ich mit Freunden, dann bin ich abgelenkt. Freue mich, denjenigen mal wieder zu treffen und dieses oder jenes zu diskutieren. Dabei geht mir allerdings selten durch den Kopf: "Wie schön, dass wir das jetzt ausgerechnet beim Laufen besprechen!" Wir könnten uns auch einfach auf einen Kaffee treffen. Oder auf dem Rad, noch besser. Manchmal stresst mich Begleitung beim Laufen auch. Wenn der andere schneller ist und partout das Tempo nicht anpassen will, immer wieder davon zieht - da kann ich besser alleine laufen. Mache ich auch meistens und freue mich dann, dass ich mich nach niemandem richten muss und nur mich selbst aushalten muss.
Macht das denn wirklich nie Spaß?
Klar, es gibt auch wunderschöne Läufe. Ich kann mich an eine Handvoll erinnern - bei den meisten davon gibt es irgendeinen besonderen Faktor: eine weitere Strecke als normalerweise, eine abenteuerliche Routenplanung oder eine traumhafte Umgebung. Meine letzten beiden 30er, bei denen einfach alles passte und nichts schwer fiel, sind Beispiele dafür. Oder die Entdeckungstour, bei der aus "lass mal für ein Stündchen in den Wald" spontan ein Halbmarathon querfeldein wurde. Der Lauf mit einem Kollegen am Meer: Dünen rauf, Dünen runter, tiefer Sand, fester Sand, Sonnenuntergang und Meeresrauschen.
In solchen Momenten macht mir das Laufen Spaß. Aber leider läuft nicht immer alles prima, leider bin ich nicht ständig am Meer und leider hab ich auch nicht mehrfach die Woche Zeit, drölf Stunden ohne Ziel durch die Gegend zu juckeln. Wenn ich also weiterhin laufen will - was ich nicht mache, wenn ich nicht für irgendetwas angemeldet bin - dann muss ich den Spaß irgendwo anders her kriegen. Wenn mich also nicht das Laufen selbst glücklich macht, dann ziehe ich meine Freude daran eben nicht aus der Tätigkeit an sich, sondern aus dem, was am Ende dabei rauskommt.
Was macht dich glücklich?
Das kann das Gefühl sein, etwas geschafft zu haben. Im Kleinen: sich aufgerafft zu haben. Im Größeren: eine bestimmte Strecke gelaufen zu sein, die vielleicht für längere Zeit undenkbar war. Das kann eine Zeit in der Ergebnisliste sein. Das kann auch unabhängig von Zeiten das Gefühl sein, alles gegeben zu haben. Womit mich das Laufen am Ende belohnt, und zwar natürlich nicht unbedingt nach jeder langweiligen 10-Kilometer-Brückenrunde, aber inzwischen oft genug nach Zieleinläufen, ist ein hübscher Emotionscocktail aus Zufriedenheit, Dankbarkeit und Stolz.
Dankbarkeit, so leistungsfähig zu sein. Körperlich und mental. Zufrieden und stolz auf das, was ich kann und vorher nicht für möglich gehalten hätte. Das war zu Anfang gar nicht mal so leicht - denn wenn der größte Kritiker zwischen den eigenen Ohren sitzt, gibt es immer etwas auszusetzen. Das hat sich inzwischen geändert. Und es ist eine schöne Erkenntnis, dass mir etwas so positive Gefühle verschafft, dass von der Sache an sich gar nicht so mein Ding ist. Ist es so dann nämlich irgendwie doch. Natürlich hängt das Herz am Rad. Aber ich bin auch eine Läuferin. Was bist du?

Danke für die Bilder an Jan.
Mittwoch, 25. Oktober 2017
Raceday No. 49 - Rhein City Run 2017
Halbmarathon also. Der dritte dieses Jahr - sollte eigentlich kein Thema sein. Eigentlich. Wäre da nicht nach der Mitteldistanz im Juni diese Unlust zu laufen gewesen. Im Anschluss standen nur noch zwei Sprint-Triathlons an - wozu für fünf Kilometer trainieren, wenn der Marathon und der Halbe aus dem Triathlon noch so frisch sind? Eben. Nach dem letzten (wunderbaren!) Triathlon im Juli in Hamburg dann: Wieso überhaupt noch laufen? Es ist Sommer, ich will radfahren! Neuer Plan: viele Kilometer auf dem Rennrad und ein paar auf dem MTB. Irgendwann dämmerte es dann: So ganz ohne Laufen wirst du nicht durch den Halbmarathon im Oktober kommen. Verdammt.
Erschreckend, wie schnell die Form wieder gefühlt bei Null angelangt ist, wie zäh die ersten Läufe sind. Und wie mühsam, dass man immer wieder von vorn anfängt, wenn man nicht einmal dran bleibt. Ich bin im Sommer nicht dran geblieben. Von Ende Juli bis zum Halbmarathon Mitte Oktober zählt Strava genau elf Läufe. Elf! Die machen andere in zwei Wochen. Ich trödele stattdessen so rum, quäle mich fünf Kilometer durch den Wald und finde alles scheiße. Es dauert bis Mitte September, bis ich wenigstens den Hauch von Regelmäßigkeit ins Training kriege und sich das Ganze entfernt wieder wie Laufen anfühlt. Fazit: Das mach ich auch nicht nochmal - entweder bleib ich dabei oder ich häng die Lauferei an den Nagel. Dieses Wieder-Anfangen ist Pest und Cholera zusammen!
Es wäre das Einfachste gewesen, den Halbmarathon nicht zu laufen. Warum auch gleich 21 Kilometer? Im Juli und August hat die Strecke mir ernsthaft Sorgen bereitet, aber ich wollte mich nicht abmelden. Wollte zwar auch nicht wirklich was dafür tun, aber trotzdem laufen. Geile Kombination. Das Ganze nur deshalb, weil ich mich zusammen mit drei Arbeitskollegen angemeldet habe. Zwei davon sind krank oder verletzt, der dritte interessiert sich nicht die Bohne für Wettkämpfe und läuft nur, weil ich auch laufe. Und bevor gar keiner von uns an den Start geht, laufe ich eben. Ohne nennenswerte Vorbereitung, ohne Erwartungen, ohne Schlaf (Ironman Hawaii Night lässt grüßen), aber mit Ehrgeiz. Ehrgeiz, das irgendwie zu packen und zu finishen, und am besten bitte auch nicht langsamer als beim letzten Mal. Na klar! Wenns weiter nichts ist!
Ich erwarte nicht ernsthaft, dass ich heute unter 2 Stunden laufe, weil ich nicht mal weiß, ob ich die Distanz überhaupt noch drauf habe. Aber das wäre ja alles noch blöder, wenn es nicht irgendein Ziel gäbe, das mich 21 Kilometer lang beschäftigt - ob ich es hinterher erreiche oder nicht, steht ja auf einem anderen Blatt. Deshalb lautet der Harakiri-Plan: 5:40er Pace von Anfang bis Ende, und zwar zu zweit. Der Kollege hat keine Einwände und keine Uhr, also bin ich für Zeit- und Geschwindigkeitsmanagement zuständig. Super, ich mit meiner oldschool Uhr, die den Puls und die Minuten anzeigen kann, nicht aber die aktuelle Pace. Immerhin kann mir unmöglich langweilig werden, denn ich werde 21 Kilometer lang Kopfrechnen.
In meiner sagenhaften und nicht zum Nachahmen empfohlenen Vorbereitung war keiner der elf Läufe länger als 14 Kilometer. Und nur fünf waren überhaupt länger als zehn Kilometer. Dass ich konditionell halbwegs fit bin, weiß ich vom Radfahren und von der Leistungsdiagnostik, die ich letztens von der Arbeit aus beim Projekt Dein Erster Marathon mitmachen durfte. Die Frage ist also nicht: Schaffe ich das? Sondern: Ab wann tut es weh? Und will ich das aushalten?
Ich weiß es nicht, aber ich bin gespannt darauf und habe Bock, es herauszufinden. Die vergangene Nacht kann in jeder Hinsicht ja nur beflügeln - der absolute Wahnsinn, was Patrick Lange da in Kona für einen Lauf hingelegt hat. Da kriegt man ja schon fast wieder Lust auf Triathlon! Und im Vergleich zum Ironman in den Gluten der Hölle ist so ein kleiner Halbmarathon bei hübschem Laufwetter ja mehr so ein Kindergeburtstag. Go for it!
Aus einem mir schleierhaften Grund starten wir relativ weit vorn aus dem ersten Startblock. Mit der angepeilten Zielzeit von knapp unter 2 Stunden sollten wir eigentlich ganz hinten stehen, aber da wir zu spät sind, quetschen wir uns an der Seite rein und sind jetzt also die Idioten, die den anderen auf den ersten Kilometern im Weg sind. Gar nicht gut fürs Ego, denn alle überholen uns. Wir überholen niemanden. Schade. Immerhin laufen wir den ersten Kilometer exakt mit 5:40 min/km, das muss man ohne GPS-Uhr auch erst mal hinkriegen! Vor lauter Euphorie über mein gigantisches Gefühl fürs Tempo rennen wir die nächsten fünf Kilometer direkt mal zu schnell: jeweils um die 15 Sekunden zu flott. Erst bei Kilometer sieben ziehe ich die Bremse - ich will nicht noch einmal den gleichen Fehler wie letztes Jahr machen, als ich 14 Kilometer lang sehenden Auges ins Verderben gerannt bin und dann nichts mehr ging. Voll vernünftig jetzt und so!
Ab Kilometer zwölf wird es ein klein wenig zäh, und zwar nicht nur bei mir. Drei Kilometer später trennen sich unsere Wege - das wars also mit dem Plan, zusammen über die Ziellinie zu laufen. Gedanken von Kilometer 15-17: Scheiß drauf, das laufe ich jetzt auch alleine nach Hause! Bei Kilometer 18 dann ein leichter Einbruch begleitet von einer mittelschweren Sinnkrise: Wer zur Hölle braucht schon ein Finish unter zwei Stunden? Keine Sau interessiert das, du hast nicht trainiert, sei froh, dass du überhaupt noch auf den Beinen bist, aber mach mal ein bisschen langsamer, wozu noch quälen?
Kilometer 19 verläuft schon wieder etwas weniger schleppend. Dann der Blick auf die Uhr. Wenn du jetzt die Beine in die Hand nimmst, wird das noch was mit den 2 Stunden! Dazu muss nur aus der aktuellen 6:20 eine 5:20 min/km werden. Wird sie auch. Einen Kilometer lang. Ich renne den 20. Kilometer, als ginge es um Leben und Tod, ich will diese Zeit, will das schaffen, bei diesem verdammt langen Lauf nach dieser verdammt kurzen Nacht. Fünf Minuten später will ich's nicht mehr. Bei der Marke für Kilometer 20 wird klar: Das schaffe ich nicht noch einmal. Auch wenn es nur fünf Minuten sind. Ist nicht. Geht nicht. Ich weiß, dass es nichts mehr wird, aber ich will nicht komplett aufgeben. Ich bin stolz, dass bei so einem Lauf, bei dem ich wirklich mit gar nichts rechnen konnte, ein so knappes Ergebnis raus kommt. Dass ich zwischendurch zwar nicht mehr wollte, aber der Schweinehund nicht das Ruder übernommen hat. Keine wahnsinnigen Einbrüche, keine Wanderungen, alles rausgeholt. Die Beine wollen schon lange nicht mehr, aber der Kopf hat sie ins Ziel getragen. Nach 2:00:30 Stunden.
Das klingt bitter, weil es nur 31 Sekunden sind, die zur sub2 fehlen. 31 Sekunden, die ich zu Beginn zu schnell war, in der Mitte vertrödelt habe und am Ende nicht mehr rausholen konnte. Aber das Fantastische ist: Es juckt mich nicht. Kein Stück. Ich weiß, wie ich mich bei Überqueren der Ziellinie gefühlt habe: Platt, aber glücklich. Und genau so soll es sein. Ich hadere kein bisschen. Denke nicht das Übliche "hättest du mal besser hier oder da dieses oder jenes gemacht". Ich denke: Das habe ich mit unterirdischer Vorbereitung nach einer schlaflosen Nacht ziemlich gut hingekriegt! Und: Neue Bestzeit ist neue Bestzeit, auch wenns nur acht Sekunden sind. Deshalb bin ich auf die Medaille zur Abwechslung mal ehrlich stolz, weil sie mich an zwei Sachen erinnert:
1. Druck raus, Leichtigkeit an! Ich kann das, wenn ich will.
2. Mach nie wieder sone Scheiße ohne Training. Der Muskelkater kam direkt aus der Hölle, war schlimmer als nach der doppelten Strecke und dauerte bis Mittwoch. Don't try this at home!

Erschreckend, wie schnell die Form wieder gefühlt bei Null angelangt ist, wie zäh die ersten Läufe sind. Und wie mühsam, dass man immer wieder von vorn anfängt, wenn man nicht einmal dran bleibt. Ich bin im Sommer nicht dran geblieben. Von Ende Juli bis zum Halbmarathon Mitte Oktober zählt Strava genau elf Läufe. Elf! Die machen andere in zwei Wochen. Ich trödele stattdessen so rum, quäle mich fünf Kilometer durch den Wald und finde alles scheiße. Es dauert bis Mitte September, bis ich wenigstens den Hauch von Regelmäßigkeit ins Training kriege und sich das Ganze entfernt wieder wie Laufen anfühlt. Fazit: Das mach ich auch nicht nochmal - entweder bleib ich dabei oder ich häng die Lauferei an den Nagel. Dieses Wieder-Anfangen ist Pest und Cholera zusammen!

Es wäre das Einfachste gewesen, den Halbmarathon nicht zu laufen. Warum auch gleich 21 Kilometer? Im Juli und August hat die Strecke mir ernsthaft Sorgen bereitet, aber ich wollte mich nicht abmelden. Wollte zwar auch nicht wirklich was dafür tun, aber trotzdem laufen. Geile Kombination. Das Ganze nur deshalb, weil ich mich zusammen mit drei Arbeitskollegen angemeldet habe. Zwei davon sind krank oder verletzt, der dritte interessiert sich nicht die Bohne für Wettkämpfe und läuft nur, weil ich auch laufe. Und bevor gar keiner von uns an den Start geht, laufe ich eben. Ohne nennenswerte Vorbereitung, ohne Erwartungen, ohne Schlaf (Ironman Hawaii Night lässt grüßen), aber mit Ehrgeiz. Ehrgeiz, das irgendwie zu packen und zu finishen, und am besten bitte auch nicht langsamer als beim letzten Mal. Na klar! Wenns weiter nichts ist!

Ich erwarte nicht ernsthaft, dass ich heute unter 2 Stunden laufe, weil ich nicht mal weiß, ob ich die Distanz überhaupt noch drauf habe. Aber das wäre ja alles noch blöder, wenn es nicht irgendein Ziel gäbe, das mich 21 Kilometer lang beschäftigt - ob ich es hinterher erreiche oder nicht, steht ja auf einem anderen Blatt. Deshalb lautet der Harakiri-Plan: 5:40er Pace von Anfang bis Ende, und zwar zu zweit. Der Kollege hat keine Einwände und keine Uhr, also bin ich für Zeit- und Geschwindigkeitsmanagement zuständig. Super, ich mit meiner oldschool Uhr, die den Puls und die Minuten anzeigen kann, nicht aber die aktuelle Pace. Immerhin kann mir unmöglich langweilig werden, denn ich werde 21 Kilometer lang Kopfrechnen.

In meiner sagenhaften und nicht zum Nachahmen empfohlenen Vorbereitung war keiner der elf Läufe länger als 14 Kilometer. Und nur fünf waren überhaupt länger als zehn Kilometer. Dass ich konditionell halbwegs fit bin, weiß ich vom Radfahren und von der Leistungsdiagnostik, die ich letztens von der Arbeit aus beim Projekt Dein Erster Marathon mitmachen durfte. Die Frage ist also nicht: Schaffe ich das? Sondern: Ab wann tut es weh? Und will ich das aushalten?

Ich weiß es nicht, aber ich bin gespannt darauf und habe Bock, es herauszufinden. Die vergangene Nacht kann in jeder Hinsicht ja nur beflügeln - der absolute Wahnsinn, was Patrick Lange da in Kona für einen Lauf hingelegt hat. Da kriegt man ja schon fast wieder Lust auf Triathlon! Und im Vergleich zum Ironman in den Gluten der Hölle ist so ein kleiner Halbmarathon bei hübschem Laufwetter ja mehr so ein Kindergeburtstag. Go for it!

Aus einem mir schleierhaften Grund starten wir relativ weit vorn aus dem ersten Startblock. Mit der angepeilten Zielzeit von knapp unter 2 Stunden sollten wir eigentlich ganz hinten stehen, aber da wir zu spät sind, quetschen wir uns an der Seite rein und sind jetzt also die Idioten, die den anderen auf den ersten Kilometern im Weg sind. Gar nicht gut fürs Ego, denn alle überholen uns. Wir überholen niemanden. Schade. Immerhin laufen wir den ersten Kilometer exakt mit 5:40 min/km, das muss man ohne GPS-Uhr auch erst mal hinkriegen! Vor lauter Euphorie über mein gigantisches Gefühl fürs Tempo rennen wir die nächsten fünf Kilometer direkt mal zu schnell: jeweils um die 15 Sekunden zu flott. Erst bei Kilometer sieben ziehe ich die Bremse - ich will nicht noch einmal den gleichen Fehler wie letztes Jahr machen, als ich 14 Kilometer lang sehenden Auges ins Verderben gerannt bin und dann nichts mehr ging. Voll vernünftig jetzt und so!

Die Strecke folgt dem Rhein in Richtung Norden und ist wirklich traumhaft. Eine bunte Kette aus 3000 Läufern in allen möglichen und unmöglichen Farben schlängelt sich von Düsseldorf nach Duisburg. In keine Richtung ist irgendein Ende in Sicht. Wunderbar. So langsam knallt die Sonne richtig und ich bin froh, dass ich so wenig wie möglich angezogen habe. Ich bin weiterhin gespannt, was das Experiment Halbmarathon noch so für mich bereit hält und versuche, beim Blick auf die Uhr nicht zu euphorisch zu sein, bevor das Ding im Ziel ist. Es ist anstrengend, aber läuft.

Ab Kilometer zwölf wird es ein klein wenig zäh, und zwar nicht nur bei mir. Drei Kilometer später trennen sich unsere Wege - das wars also mit dem Plan, zusammen über die Ziellinie zu laufen. Gedanken von Kilometer 15-17: Scheiß drauf, das laufe ich jetzt auch alleine nach Hause! Bei Kilometer 18 dann ein leichter Einbruch begleitet von einer mittelschweren Sinnkrise: Wer zur Hölle braucht schon ein Finish unter zwei Stunden? Keine Sau interessiert das, du hast nicht trainiert, sei froh, dass du überhaupt noch auf den Beinen bist, aber mach mal ein bisschen langsamer, wozu noch quälen?

Kilometer 19 verläuft schon wieder etwas weniger schleppend. Dann der Blick auf die Uhr. Wenn du jetzt die Beine in die Hand nimmst, wird das noch was mit den 2 Stunden! Dazu muss nur aus der aktuellen 6:20 eine 5:20 min/km werden. Wird sie auch. Einen Kilometer lang. Ich renne den 20. Kilometer, als ginge es um Leben und Tod, ich will diese Zeit, will das schaffen, bei diesem verdammt langen Lauf nach dieser verdammt kurzen Nacht. Fünf Minuten später will ich's nicht mehr. Bei der Marke für Kilometer 20 wird klar: Das schaffe ich nicht noch einmal. Auch wenn es nur fünf Minuten sind. Ist nicht. Geht nicht. Ich weiß, dass es nichts mehr wird, aber ich will nicht komplett aufgeben. Ich bin stolz, dass bei so einem Lauf, bei dem ich wirklich mit gar nichts rechnen konnte, ein so knappes Ergebnis raus kommt. Dass ich zwischendurch zwar nicht mehr wollte, aber der Schweinehund nicht das Ruder übernommen hat. Keine wahnsinnigen Einbrüche, keine Wanderungen, alles rausgeholt. Die Beine wollen schon lange nicht mehr, aber der Kopf hat sie ins Ziel getragen. Nach 2:00:30 Stunden.

Das klingt bitter, weil es nur 31 Sekunden sind, die zur sub2 fehlen. 31 Sekunden, die ich zu Beginn zu schnell war, in der Mitte vertrödelt habe und am Ende nicht mehr rausholen konnte. Aber das Fantastische ist: Es juckt mich nicht. Kein Stück. Ich weiß, wie ich mich bei Überqueren der Ziellinie gefühlt habe: Platt, aber glücklich. Und genau so soll es sein. Ich hadere kein bisschen. Denke nicht das Übliche "hättest du mal besser hier oder da dieses oder jenes gemacht". Ich denke: Das habe ich mit unterirdischer Vorbereitung nach einer schlaflosen Nacht ziemlich gut hingekriegt! Und: Neue Bestzeit ist neue Bestzeit, auch wenns nur acht Sekunden sind. Deshalb bin ich auf die Medaille zur Abwechslung mal ehrlich stolz, weil sie mich an zwei Sachen erinnert:
1. Druck raus, Leichtigkeit an! Ich kann das, wenn ich will.
2. Mach nie wieder sone Scheiße ohne Training. Der Muskelkater kam direkt aus der Hölle, war schlimmer als nach der doppelten Strecke und dauerte bis Mittwoch. Don't try this at home!

Danke für bezaubernde und sehr echte Fotos an Christian Siedler. Danke Lena, du treuer Fan! Danke Lukas für 15 Kilometer kurzweilige Begleitung - wir machen das nochmal!
Freitag, 26. Mai 2017
Raceday No. 35 - Metro Marathon Düsseldorf 2017
Wer gerade erst einsteigt, dem sei gesagt: Ich wollte nie Marathon laufen. Aber dann stand ich 2016 als Helfer an der Ziellinie beim Metro Marathon in Düsseldorf und schon war es um mich geschehen. Alles zur heimlichen Vorbereitung habe ich von Juni 2016 bis April 2017 in zwei Artikeln mit geschrieben: Teil 1 und Teil 2.
Seit fast vier Wochen liegt der Marathon-Artikel nun wie ein leeres Blatt im Entwürfe-Ordner. Ich finde keinen Einstieg. Der Kopf hat noch nicht fertig sortiert, ich weiß nicht genau, was dieser Lauf für mich ist, was er bedeutet. Ich weiß nur, was er nicht ist: Ich habe mir keinen Traum erfüllt. Es ist nicht so, als hätte ich mir schon immer ausgemalt, irgendwann einmal einen Marathon zu laufen. Wozu auch? Ich hätte vor drei Jahren niemals mit dem Laufen angefangen, wenn das Ziel 42,195 Kilometer gewesen wären. Viel zu weit weg. Viel zu utopisch. Viel zu absurd.
So schnell kann sich das ändern. Seit Anfang des Jahres läuft die Marathonvorbereitung. Ich habe nie ernsthaft daran gezweifelt, ins Ziel zu laufen. Aber dass das Ganze aber auch keine Kleinigkeit ist, merke ich spätestens an meinem Zustand in der Woche vor dem Lauf. Ich bin zart besaitet, launisch, leicht in alle Richtungen zu beeinflussen. Das erkennt nach dem ersten (und einzigen) richtigen Tiefpunkt zum Glück auch meine Freundin Steffi, dir mir von da an einfach jeden Tag schreibt, ich sei super. Was ich zuerst übertrieben finde, wirkt. Schöne Gehirnwäsche. Außerdem trudelt ein Päckchen bei mir ein, das ich ohne ihre Erlaubnis nicht öffnen darf. Stattdessen beäuge ich es von allen Seiten und drücke darauf rum. Am Abend der Pastaparty kommt dann endlich ihre Freigabe: Ich packe zwei Metallplättchen aus, die man in die Schnürsenkel friemeln kann. Was ein Quatsch - eigentlich. Aber auf meinen Exemplaren steht: "she believed she could" und "so she did". Und damit treffen sie exakt den Kern dieser ganzen Marathon-Sache. Ich mag das Wort "glauben" nicht, weil ich Sachen entweder weiß oder nicht weiß, alles andere ist Blödsinn. Aber die Idee ist die gleiche: Ich habe es für möglich gehalten, einen Marathon zu laufen, und deshalb werde ich genau das machen.
Raceday. Guten Morgen Marathon. Ich habe gut geschlafen, richtig gut. Bin zwei Minuten vor dem Wecker wach und gut gelaunt - das passiert morgens selten. Da ist keine Angst, keine negative Spannung, eher dieses Gefühl, gut für eine Prüfung gelernt zu haben und sie nun endlich schreiben zu wollen. Allerdings ist da auch kein Appetit. Zum Frühstück zwinge ich mich trotzdem. Mich erreicht eine Sprachnachricht, die mich auf dem Weg zur U-Bahn zu Tränen rührt. Scheiße, fange ich jetzt schon an zu heulen, bevor es überhaupt los geht?
Ich bin in der Altstadt mit Christian verabredet, vor McDonalds, wo sich normalerweise die coolen Kids treffen, bevor sie die längste Theke der Welt unsicher machen. Das steht auch noch auf meinem Programm für heute, dazwischen liegen nur noch 42 Kilometer und ein paar Stunden. Praktisch am Düsseldorf Marathon: Wenn du ins Ziel kommst, bist du direkt in der Altstadt. Fein.
Vor dem Start muss ich noch meinen Kleiderbeutel abgeben, was eine verdammte Ewigkeit dauert, und natürlich obligatorisch aufs Dixi. Auch diese Schlange zieht sich, das Timing passt aber perfekt. Ich kann gerade noch meine Eltern begrüßen, mich in den Startblock stellen und muss dann nicht lange warten, bis es losgeht. Hab ich schon erwähnt, dass ich eher kleinere Veranstaltungen vor der Haustür sehr liebe? An der Startlinie stehen nur etwas mehr als 2600 Marathonläufer. Etwas später folgen uns fast genauso viele Staffeln. Countdown, epische Musik, Startschuss. Los gehts.
Sobald die Musik aus dem Startbereich nicht mehr zu hören ist, wird es still. Die Action am Streckenrand ist überschaubar, ein paar Läufer unterhalten sich, die Atmosphäre ist friedlich und ruhig. Allerdings nur so lange, bis bei Kilometer 1 ein älterer Herr oben auf seinem Balkon zwei Topfdeckel mit voller Inbrunst gegeneinander schlägt. Fantastisch!
Ich habe mir eine 6:20er Pace vorgenommen. Sollte ich die halten können, stünden am Ende 4:27 Stunden auf der Uhr. Unter 4:30 Stunden fände ich schön, bin heute aber tatsächlich nicht so krampfig auf irgendeine Zeit fixiert. Das ist beim ersten Mal wohl ziemlich vernünftig. Dass die 6:20 min/km sich am Anfang erst einmal wie schleichen anfühlen, habe ich geahnt und trabe daher den 4:30 Pacemakern hinterher. Das klappt gut, bis die gesamte Gruppe bei Kilometer 5 am ersten Verpflegungsstand anhält. Ich will nichts trinken und schon gar nicht stehen bleiben und laufe daher alleine weiter.
Ich fühle mich gut, denke nicht daran, was noch alles vor mir liegt, sondern trabe in diesem fluffigen Tempo einfach weiter vor mich hin. Vorbei an meinen Eltern, an Kati und Naomi und durch das Viertel, in dem ich arbeite. Ein sehr dicker Mann hockt auf einem Campingstuhl am Streckenrand, Bier in der Hand, auf dem Tisch neben ihm steht das Fässchen. Er scherzt: "Da bekomm ich ja fast Lust, auch mitzulaufen!" Düsseldorf, du punktest vielleicht nicht durch bombastische Stimmung, aber du bist auf deine ganz eigene Art unheimlich charmant!
Es geht über die Oberkasseler Brücke rüber auf die andere Rheinseite. Auf der Brücke fahren auch U-Bahnen, was die japanischen Läuferinnen vor mir scheinbar derart fasziniert, dass sie erst einmal für ein Foto mit der Bahn posieren. Okay. Kilometer 15 und mir wird langweilig. Dass hier hinten auf diesem Teil der Strecke der Hund begraben sein würde, war mir klar. Dass allerdings schon so früh ein Anflug von keine Lust mehr kommt, ist ungut. Ich schaffe es, die negativen Gedanken zu stoppen. Überlege mir, wie oft ich hier am Rhein schon entlang geradelt bin, was diese wahnsinnig schnellen Staffelläufer eigentlich für schöne Beine haben, dass ich hier in dieser Nebenstraße mal einen Babysitterjob hatte, dies und das. Beim Verpflegungsstand bei Kilometer 18 oder 19 komme ich auf die Idee, eine halbe Banane zu essen. Ich möchte sie am liebsten sofort wieder ausspucken, denn die matschige Pampe wird im Mund immer mehr. Ich kriege den Bananenmatsch beim Laufen kaum runter und ärgere mich, nicht einfach bei den erprobten Gels geblieben zu sein. Ab jetzt erst mal trinken, trinken, trinken, weg mit dem ekligen Bananenzeug.
Halbmarathonmarke. 2:12 Stunden - gut eineinhalb Minuten vor der geplanten Zeit, aber überpacen ist auch anders. Also locker weitermachen. Endlich ist am Streckenrand mal mehr los: Ich klatsche Kinderhände ab und freue mich, dass es gleich zurück über den Rhein auf die andere Seite geht. Die Brücke erstickt die Freude, denn der Wind gibt mir das Gefühl, kein bisschen von der Stelle zu kommen. Die Aussicht lässt mir allerdings das Herz aufgehen: Der Blick auf Düsseldorf, die Altstadt, den Schlossturm, den Rheinturm, dazwischen das Ziel - ich bin jetzt so nah dran, aber muss noch 21 Kilometer laufen. Runter von der Brücke, zwischen den Häusern pustet der Wind nicht mehr so wahnsinnig stark. Zum inzwischen dritten Mal laufe ich an meinen Eltern vorbei, deren Aufgabenverteilung immer noch die gleiche ist: Papa fotografiert und Mama klatscht Beifall. Hach!
Bei Kilometer 25, irgendwo in der Nähe der Kö, rechnet ein Spaßvogel hinter mir seinem Nebenmann vor: "Nur noch 17 Kilometer!" Ich würde ihn gern erschlagen. So langsam wird es anstrengend und ich ahne, dass ich für die zweite Hälfte etwas mehr Zeit einkalkulieren muss. Ich schiele auf die silbernen Plättchen in meinen Schnürsenkeln. Kann die Aufschrift beim Laufen nicht lesen, aber sage mir den Spruch wie ein Mantra immer wieder vor. Zähle die Silben. Eine bei jedem Schritt. Und wieder von vorn. Es sind übrigens acht. Völlig überraschend stehen Naomi und Kati bei Kilometer 27 - damit hatte ich nicht gerechnet. Die Begegnung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, ich nehme einen ordentlichen Energieschub mit über die Eisenbahnbrücke und sehne dann den nächsten Verpflegungsstand bei Kilometer 28 herbei. Die Brehmstraße empfängt mich mit Wind aus der Hölle. Hier pustet es mindestens so schlimm wie auf der Brücke, nichts geht mehr und laufen erscheint mir komplett absurd. Ich nehme zwei Becher, einmal Wasser und einmal Iso, und gehe zum ersten Mal. Gehen und trinken. Trinken und gehen. Die Temperaturen sind auszuhalten, obwohl es heute ganz schön warm ist, aber dieser verdammte Wind raubt mir echt die Körner.
Ich mag den Teil der Strecke, der jetzt kommt, sehr. Um den Zoo-Park, Hans-Sachs-Straße, das Viertel ist einfach schön. Die Anwohner veranstalten ein kleines, aber feines Straßenfest bei Kilometer 30 und ich würde das alles einfach gern mehr genießen. Mein unterer Rücken sieht das anders und zwingt mich bei Kilometer 31 zu einer Gehpause. Ich weiß, dass ich es bis zum Wehrhahn schaffen muss, dass bei Kilometer 32 Christian auf mich wartet. Dass ich von dort noch 10 Kilometer laufen muss, ist ein anderes Thema, erst einmal heißt das Ziel: irgendwie am Wehrhahn ankommen. Ich versuche mich abzulenken, indem ich nach den Jungs aus der Staffel Ausschau halte. Gestern bei unserer Pastaparty haben wir versucht zu berechnen, wer mich wann überholen müsste (das hat ja in Mathe mit den Zügen auch noch nie geklappt) - eigentlich sollte es jetzt langsam so weit sein. Ich sehe keinen, stattdessen überholen mich die 4:30 Pacemaker.
Christian steht wie verabredet am Streckenrand und wird mich ab jetzt begleiten. Als er vor 10 Monaten angeboten hatte, ein paar Kilometer mit mir zu laufen, war ich nicht sicher, ob ich das möchte. Ich dachte, es würde sich nicht richtig anfühlen, den Lauf nicht alleine zu schaffen. Dass ich meine Beine trotzdem selbst zu jedem Schritt überreden muss und mir das keiner abnimmt, ist mir dann irgendwann auch klar geworden, also habe ich zugesagt. Ich wusste außerdem nicht, ob ich möchte, dass mich jemand nicht nur kurz im Vorbeilaufen, sondern einige Kilometer lang leiden sieht. Jetzt weiß ich: Diese Unterstützung ist unbezahlbar. Wir laufen mal nebeneinander, mal hintereinander, ich höre mir an, wie es bei der Staffel bisher gelaufen ist und versuche, nicht zu detailliert auf meinen Wehwehchen rumzureiten. Nach kurzer Zeit muss ich dann aber doch gehen und bin froh, dass ich keine vorwurfsvollen oder mitleidigen Blicke ernte, sondern einfach mein Ding machen kann. Die Rückenschmerzen kann ich nicht mehr ignorieren, auch die Botschaft "no hay dolor", die an Christians Rucksack klebt, hilft nicht. Doch, es gibt sehr wohl Schmerz. Er ist im Rücken, im Knöchel und im Magen. Ich versuche, mich nicht darüber zu ärgern, dass ich aus dem Training keine derartigen Schmerzen kenne, dass ich 35 Kilometer locker laufen konnte. Jetzt ist es eben anders. Deal with it. Ich gehe, wenn ich gehen muss und ich laufe, wenn ich laufen kann.
Kilometer 34, schon wieder stehen meine Eltern am Streckenrand. Zum ersten Mal bin ich dankbar, dass Christian mir nicht nur Gesellschaft leistet, sondern auch noch seine Kamera mitschleppt. 500 Meter später sehe ich überraschend das nächste bekannte Gesicht: Daniel von Coffee & Chainrings, den ich bald bei seiner 24h-MTB-Weltmeisterschaft in Italien unterstützen werde, steht mit seiner Tochter am Rand. Und er macht das, was er immer macht: ein Live-Video. Als ich ihn entdecke, wandere ich gerade die Berliner Allee hinauf und drücke mir das dritte und letzte Gel hinein, weil der Magen langsam endlich besser wird. Live-Video vom Marathon und dann erst mal spazieren? Ups. Ich nehms mal als Anlass, weiter zu laufen.
Kilometer 36. Hier gibt es Orangenscheiben. Ich will auf keinen Fall nochmal den gleichen Fehler wie mit der Banane machen, aber so ein Stück Orange wird ja wohl klar gehen? Und wie. Oh Mann, wenn das mal nicht die beste Orangenscheibe auf der ganzen Welt ist! Ab jetzt wird die Strecke nochmal richtig schön, typisch Unterbilk. An der Bilker Kirche stehen so viele Leute, dass ich meine Kollegin Lena übersehe, die mit Laufen eigentlich gar nichts am Hut hat, aber extra ein "ichhasselaufen"-Plakat gebastelt hat. Genau das ruft mir unabhängig davon wenige Hundert Meter weiter ein Streckenposten zu. Wie witzig ist das denn? Später stellt sich heraus, wir "kennen" uns von Instagram. Falls du jetzt hier mitliest, vielen Dank!
Rücken und Knöchel sind inzwischen wieder ruhiger, das Laufen wird wieder flüssiger. Die letzte kurze Gehpause lege ich bei Kilometer 39 ein, danach fühlen sich die Beine plötzlich an wie neu und ich freue mich, dass das Laufen keine Qual mehr ist. Sieht mit Sicherheit anders aus, aber fühlt sich wunderbar an! Die Stelle, die ich mir am schlimmsten vorgestellt habe, geht auch vorbei: Bei Kilometer 39 ist der Zieleinlauf beinahe in Sichtweite, Läufer auf Kilometer 41 kommen mir entgegen und ich muss noch einmal in die falsche Richtung abbiegen. Noch ein Schlenker über die Kö, natürlich. Ich sehe Naomi, Kati, Daniel und Renate und ich habe einfach wieder Bock, zu laufen.
Wieder abbiegen, jetzt bin ich diejenige, die den anderen mit zwei Kilometern Vorsprung entgegen kommt. Ein Aufkleber auf dem Boden kündigt an, dass noch ein Kilometer zu laufen ist. Mir geht es prima. Ich spüre schon längst keine Schmerzen mehr, die Beine fühlen sich unnormal gut an. Ich sehne die Ziellinie nicht um jeden Preis herbei, aber so langsam fällt der Groschen, dass ich tatsächlich gleich ins Ziel laufen werde. Achso.
Das Gefühl, dass es nicht zu einfach war, aber dass es mir jetzt trotzdem so gut geht, macht mich zufrieden. Ich habe gekämpft, aber ich bin nicht komplett am Ende, sondern konnte die letzten Kilometer genießen und ganz besonders die letzten Meter. Ich freue mich seit der Anmeldung auf den Moment, wo ich vom Apolloplatz runter zum Rhein abbiege, mit Blick auf die Altstadt, auf die andere Rheinseite, das Ziel in Sichtweite. Ich bin dankbar und froh, dass ich ausgerechnet hier nicht mit jedem Schritt leide und jeden Meter verfluche, sondern dass sich das Laufen auf wundersame Weise wieder gut anfühlt.
Ganz im Ernst: Ich kann mir keinen schöneren Zieleinlauf vorstellen als direkt am Rhein. Dafür kann man schon mal 4:38:12 Stunden durch die Stadt laufen/wandern/traben. Die Entscheidung, zuhause den ersten Marathon zu laufen, war absolut richtig. Und auch, das Ganze vorher nicht groß anzukündigen, hat mir enorm geholfen, den Druck rauszunehmen. Das war mein halbwegs heimliches Projekt, das ich gern etwas kleiner gemacht habe, als es tatsächlich war. Ich habe es geschafft, beim Lauf nicht an 42,195 Kilometer zu denken, nicht an das Wort Marathon. Beides hat in mir in den Tagen zuvor eine schräge Mischung aus Respekt und Kribbeln hervorgerufen, als sei es etwas Großes, ein Mythos. Am Ende ist die genaue Distanz komplett willkürlich, im Prinzip geht es nur darum, ein paar Stunden zu laufen und damit umzugehen, was während dieser langen Zeit so alles passieren kann. Ich bin stolz, dass ich das so gut wie möglich gemacht habe, aber ein anderes Gefühl überwiegt. Ich bin dankbar, dass ich in der Lage dazu bin. Gesundheitlich, körperlich und mental. Dankbar, dass ich mit einem solchen Projekt nicht alleine bin, dass meine Familie und meine Freunde mitfiebern, dass sie auf ihre Art und Weise dabei sind, egal ob sie 600 Kilometer entfernt sind, am Streckenrand stehen, mit mir laufen oder danach mit mir anstoßen. Nichts davon ist selbstverständlich. Danke!
Sämtliche Fotos oben und das Bei-Laune-Halten während der letzten Kilometer geht auf die Kappe von Christian Siedler. Danke dafür!

Seit fast vier Wochen liegt der Marathon-Artikel nun wie ein leeres Blatt im Entwürfe-Ordner. Ich finde keinen Einstieg. Der Kopf hat noch nicht fertig sortiert, ich weiß nicht genau, was dieser Lauf für mich ist, was er bedeutet. Ich weiß nur, was er nicht ist: Ich habe mir keinen Traum erfüllt. Es ist nicht so, als hätte ich mir schon immer ausgemalt, irgendwann einmal einen Marathon zu laufen. Wozu auch? Ich hätte vor drei Jahren niemals mit dem Laufen angefangen, wenn das Ziel 42,195 Kilometer gewesen wären. Viel zu weit weg. Viel zu utopisch. Viel zu absurd.
So schnell kann sich das ändern. Seit Anfang des Jahres läuft die Marathonvorbereitung. Ich habe nie ernsthaft daran gezweifelt, ins Ziel zu laufen. Aber dass das Ganze aber auch keine Kleinigkeit ist, merke ich spätestens an meinem Zustand in der Woche vor dem Lauf. Ich bin zart besaitet, launisch, leicht in alle Richtungen zu beeinflussen. Das erkennt nach dem ersten (und einzigen) richtigen Tiefpunkt zum Glück auch meine Freundin Steffi, dir mir von da an einfach jeden Tag schreibt, ich sei super. Was ich zuerst übertrieben finde, wirkt. Schöne Gehirnwäsche. Außerdem trudelt ein Päckchen bei mir ein, das ich ohne ihre Erlaubnis nicht öffnen darf. Stattdessen beäuge ich es von allen Seiten und drücke darauf rum. Am Abend der Pastaparty kommt dann endlich ihre Freigabe: Ich packe zwei Metallplättchen aus, die man in die Schnürsenkel friemeln kann. Was ein Quatsch - eigentlich. Aber auf meinen Exemplaren steht: "she believed she could" und "so she did". Und damit treffen sie exakt den Kern dieser ganzen Marathon-Sache. Ich mag das Wort "glauben" nicht, weil ich Sachen entweder weiß oder nicht weiß, alles andere ist Blödsinn. Aber die Idee ist die gleiche: Ich habe es für möglich gehalten, einen Marathon zu laufen, und deshalb werde ich genau das machen.

Raceday. Guten Morgen Marathon. Ich habe gut geschlafen, richtig gut. Bin zwei Minuten vor dem Wecker wach und gut gelaunt - das passiert morgens selten. Da ist keine Angst, keine negative Spannung, eher dieses Gefühl, gut für eine Prüfung gelernt zu haben und sie nun endlich schreiben zu wollen. Allerdings ist da auch kein Appetit. Zum Frühstück zwinge ich mich trotzdem. Mich erreicht eine Sprachnachricht, die mich auf dem Weg zur U-Bahn zu Tränen rührt. Scheiße, fange ich jetzt schon an zu heulen, bevor es überhaupt los geht?
Ich bin in der Altstadt mit Christian verabredet, vor McDonalds, wo sich normalerweise die coolen Kids treffen, bevor sie die längste Theke der Welt unsicher machen. Das steht auch noch auf meinem Programm für heute, dazwischen liegen nur noch 42 Kilometer und ein paar Stunden. Praktisch am Düsseldorf Marathon: Wenn du ins Ziel kommst, bist du direkt in der Altstadt. Fein.








Sobald die Musik aus dem Startbereich nicht mehr zu hören ist, wird es still. Die Action am Streckenrand ist überschaubar, ein paar Läufer unterhalten sich, die Atmosphäre ist friedlich und ruhig. Allerdings nur so lange, bis bei Kilometer 1 ein älterer Herr oben auf seinem Balkon zwei Topfdeckel mit voller Inbrunst gegeneinander schlägt. Fantastisch!
Ich habe mir eine 6:20er Pace vorgenommen. Sollte ich die halten können, stünden am Ende 4:27 Stunden auf der Uhr. Unter 4:30 Stunden fände ich schön, bin heute aber tatsächlich nicht so krampfig auf irgendeine Zeit fixiert. Das ist beim ersten Mal wohl ziemlich vernünftig. Dass die 6:20 min/km sich am Anfang erst einmal wie schleichen anfühlen, habe ich geahnt und trabe daher den 4:30 Pacemakern hinterher. Das klappt gut, bis die gesamte Gruppe bei Kilometer 5 am ersten Verpflegungsstand anhält. Ich will nichts trinken und schon gar nicht stehen bleiben und laufe daher alleine weiter.
Ich fühle mich gut, denke nicht daran, was noch alles vor mir liegt, sondern trabe in diesem fluffigen Tempo einfach weiter vor mich hin. Vorbei an meinen Eltern, an Kati und Naomi und durch das Viertel, in dem ich arbeite. Ein sehr dicker Mann hockt auf einem Campingstuhl am Streckenrand, Bier in der Hand, auf dem Tisch neben ihm steht das Fässchen. Er scherzt: "Da bekomm ich ja fast Lust, auch mitzulaufen!" Düsseldorf, du punktest vielleicht nicht durch bombastische Stimmung, aber du bist auf deine ganz eigene Art unheimlich charmant!

Es geht über die Oberkasseler Brücke rüber auf die andere Rheinseite. Auf der Brücke fahren auch U-Bahnen, was die japanischen Läuferinnen vor mir scheinbar derart fasziniert, dass sie erst einmal für ein Foto mit der Bahn posieren. Okay. Kilometer 15 und mir wird langweilig. Dass hier hinten auf diesem Teil der Strecke der Hund begraben sein würde, war mir klar. Dass allerdings schon so früh ein Anflug von keine Lust mehr kommt, ist ungut. Ich schaffe es, die negativen Gedanken zu stoppen. Überlege mir, wie oft ich hier am Rhein schon entlang geradelt bin, was diese wahnsinnig schnellen Staffelläufer eigentlich für schöne Beine haben, dass ich hier in dieser Nebenstraße mal einen Babysitterjob hatte, dies und das. Beim Verpflegungsstand bei Kilometer 18 oder 19 komme ich auf die Idee, eine halbe Banane zu essen. Ich möchte sie am liebsten sofort wieder ausspucken, denn die matschige Pampe wird im Mund immer mehr. Ich kriege den Bananenmatsch beim Laufen kaum runter und ärgere mich, nicht einfach bei den erprobten Gels geblieben zu sein. Ab jetzt erst mal trinken, trinken, trinken, weg mit dem ekligen Bananenzeug.
Halbmarathonmarke. 2:12 Stunden - gut eineinhalb Minuten vor der geplanten Zeit, aber überpacen ist auch anders. Also locker weitermachen. Endlich ist am Streckenrand mal mehr los: Ich klatsche Kinderhände ab und freue mich, dass es gleich zurück über den Rhein auf die andere Seite geht. Die Brücke erstickt die Freude, denn der Wind gibt mir das Gefühl, kein bisschen von der Stelle zu kommen. Die Aussicht lässt mir allerdings das Herz aufgehen: Der Blick auf Düsseldorf, die Altstadt, den Schlossturm, den Rheinturm, dazwischen das Ziel - ich bin jetzt so nah dran, aber muss noch 21 Kilometer laufen. Runter von der Brücke, zwischen den Häusern pustet der Wind nicht mehr so wahnsinnig stark. Zum inzwischen dritten Mal laufe ich an meinen Eltern vorbei, deren Aufgabenverteilung immer noch die gleiche ist: Papa fotografiert und Mama klatscht Beifall. Hach!

Bei Kilometer 25, irgendwo in der Nähe der Kö, rechnet ein Spaßvogel hinter mir seinem Nebenmann vor: "Nur noch 17 Kilometer!" Ich würde ihn gern erschlagen. So langsam wird es anstrengend und ich ahne, dass ich für die zweite Hälfte etwas mehr Zeit einkalkulieren muss. Ich schiele auf die silbernen Plättchen in meinen Schnürsenkeln. Kann die Aufschrift beim Laufen nicht lesen, aber sage mir den Spruch wie ein Mantra immer wieder vor. Zähle die Silben. Eine bei jedem Schritt. Und wieder von vorn. Es sind übrigens acht. Völlig überraschend stehen Naomi und Kati bei Kilometer 27 - damit hatte ich nicht gerechnet. Die Begegnung kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, ich nehme einen ordentlichen Energieschub mit über die Eisenbahnbrücke und sehne dann den nächsten Verpflegungsstand bei Kilometer 28 herbei. Die Brehmstraße empfängt mich mit Wind aus der Hölle. Hier pustet es mindestens so schlimm wie auf der Brücke, nichts geht mehr und laufen erscheint mir komplett absurd. Ich nehme zwei Becher, einmal Wasser und einmal Iso, und gehe zum ersten Mal. Gehen und trinken. Trinken und gehen. Die Temperaturen sind auszuhalten, obwohl es heute ganz schön warm ist, aber dieser verdammte Wind raubt mir echt die Körner.

Ich mag den Teil der Strecke, der jetzt kommt, sehr. Um den Zoo-Park, Hans-Sachs-Straße, das Viertel ist einfach schön. Die Anwohner veranstalten ein kleines, aber feines Straßenfest bei Kilometer 30 und ich würde das alles einfach gern mehr genießen. Mein unterer Rücken sieht das anders und zwingt mich bei Kilometer 31 zu einer Gehpause. Ich weiß, dass ich es bis zum Wehrhahn schaffen muss, dass bei Kilometer 32 Christian auf mich wartet. Dass ich von dort noch 10 Kilometer laufen muss, ist ein anderes Thema, erst einmal heißt das Ziel: irgendwie am Wehrhahn ankommen. Ich versuche mich abzulenken, indem ich nach den Jungs aus der Staffel Ausschau halte. Gestern bei unserer Pastaparty haben wir versucht zu berechnen, wer mich wann überholen müsste (das hat ja in Mathe mit den Zügen auch noch nie geklappt) - eigentlich sollte es jetzt langsam so weit sein. Ich sehe keinen, stattdessen überholen mich die 4:30 Pacemaker.
Christian steht wie verabredet am Streckenrand und wird mich ab jetzt begleiten. Als er vor 10 Monaten angeboten hatte, ein paar Kilometer mit mir zu laufen, war ich nicht sicher, ob ich das möchte. Ich dachte, es würde sich nicht richtig anfühlen, den Lauf nicht alleine zu schaffen. Dass ich meine Beine trotzdem selbst zu jedem Schritt überreden muss und mir das keiner abnimmt, ist mir dann irgendwann auch klar geworden, also habe ich zugesagt. Ich wusste außerdem nicht, ob ich möchte, dass mich jemand nicht nur kurz im Vorbeilaufen, sondern einige Kilometer lang leiden sieht. Jetzt weiß ich: Diese Unterstützung ist unbezahlbar. Wir laufen mal nebeneinander, mal hintereinander, ich höre mir an, wie es bei der Staffel bisher gelaufen ist und versuche, nicht zu detailliert auf meinen Wehwehchen rumzureiten. Nach kurzer Zeit muss ich dann aber doch gehen und bin froh, dass ich keine vorwurfsvollen oder mitleidigen Blicke ernte, sondern einfach mein Ding machen kann. Die Rückenschmerzen kann ich nicht mehr ignorieren, auch die Botschaft "no hay dolor", die an Christians Rucksack klebt, hilft nicht. Doch, es gibt sehr wohl Schmerz. Er ist im Rücken, im Knöchel und im Magen. Ich versuche, mich nicht darüber zu ärgern, dass ich aus dem Training keine derartigen Schmerzen kenne, dass ich 35 Kilometer locker laufen konnte. Jetzt ist es eben anders. Deal with it. Ich gehe, wenn ich gehen muss und ich laufe, wenn ich laufen kann.



Kilometer 34, schon wieder stehen meine Eltern am Streckenrand. Zum ersten Mal bin ich dankbar, dass Christian mir nicht nur Gesellschaft leistet, sondern auch noch seine Kamera mitschleppt. 500 Meter später sehe ich überraschend das nächste bekannte Gesicht: Daniel von Coffee & Chainrings, den ich bald bei seiner 24h-MTB-Weltmeisterschaft in Italien unterstützen werde, steht mit seiner Tochter am Rand. Und er macht das, was er immer macht: ein Live-Video. Als ich ihn entdecke, wandere ich gerade die Berliner Allee hinauf und drücke mir das dritte und letzte Gel hinein, weil der Magen langsam endlich besser wird. Live-Video vom Marathon und dann erst mal spazieren? Ups. Ich nehms mal als Anlass, weiter zu laufen.



Kilometer 36. Hier gibt es Orangenscheiben. Ich will auf keinen Fall nochmal den gleichen Fehler wie mit der Banane machen, aber so ein Stück Orange wird ja wohl klar gehen? Und wie. Oh Mann, wenn das mal nicht die beste Orangenscheibe auf der ganzen Welt ist! Ab jetzt wird die Strecke nochmal richtig schön, typisch Unterbilk. An der Bilker Kirche stehen so viele Leute, dass ich meine Kollegin Lena übersehe, die mit Laufen eigentlich gar nichts am Hut hat, aber extra ein "ichhasselaufen"-Plakat gebastelt hat. Genau das ruft mir unabhängig davon wenige Hundert Meter weiter ein Streckenposten zu. Wie witzig ist das denn? Später stellt sich heraus, wir "kennen" uns von Instagram. Falls du jetzt hier mitliest, vielen Dank!








Rücken und Knöchel sind inzwischen wieder ruhiger, das Laufen wird wieder flüssiger. Die letzte kurze Gehpause lege ich bei Kilometer 39 ein, danach fühlen sich die Beine plötzlich an wie neu und ich freue mich, dass das Laufen keine Qual mehr ist. Sieht mit Sicherheit anders aus, aber fühlt sich wunderbar an! Die Stelle, die ich mir am schlimmsten vorgestellt habe, geht auch vorbei: Bei Kilometer 39 ist der Zieleinlauf beinahe in Sichtweite, Läufer auf Kilometer 41 kommen mir entgegen und ich muss noch einmal in die falsche Richtung abbiegen. Noch ein Schlenker über die Kö, natürlich. Ich sehe Naomi, Kati, Daniel und Renate und ich habe einfach wieder Bock, zu laufen.



Wieder abbiegen, jetzt bin ich diejenige, die den anderen mit zwei Kilometern Vorsprung entgegen kommt. Ein Aufkleber auf dem Boden kündigt an, dass noch ein Kilometer zu laufen ist. Mir geht es prima. Ich spüre schon längst keine Schmerzen mehr, die Beine fühlen sich unnormal gut an. Ich sehne die Ziellinie nicht um jeden Preis herbei, aber so langsam fällt der Groschen, dass ich tatsächlich gleich ins Ziel laufen werde. Achso.




Das Gefühl, dass es nicht zu einfach war, aber dass es mir jetzt trotzdem so gut geht, macht mich zufrieden. Ich habe gekämpft, aber ich bin nicht komplett am Ende, sondern konnte die letzten Kilometer genießen und ganz besonders die letzten Meter. Ich freue mich seit der Anmeldung auf den Moment, wo ich vom Apolloplatz runter zum Rhein abbiege, mit Blick auf die Altstadt, auf die andere Rheinseite, das Ziel in Sichtweite. Ich bin dankbar und froh, dass ich ausgerechnet hier nicht mit jedem Schritt leide und jeden Meter verfluche, sondern dass sich das Laufen auf wundersame Weise wieder gut anfühlt.


Ganz im Ernst: Ich kann mir keinen schöneren Zieleinlauf vorstellen als direkt am Rhein. Dafür kann man schon mal 4:38:12 Stunden durch die Stadt laufen/wandern/traben. Die Entscheidung, zuhause den ersten Marathon zu laufen, war absolut richtig. Und auch, das Ganze vorher nicht groß anzukündigen, hat mir enorm geholfen, den Druck rauszunehmen. Das war mein halbwegs heimliches Projekt, das ich gern etwas kleiner gemacht habe, als es tatsächlich war. Ich habe es geschafft, beim Lauf nicht an 42,195 Kilometer zu denken, nicht an das Wort Marathon. Beides hat in mir in den Tagen zuvor eine schräge Mischung aus Respekt und Kribbeln hervorgerufen, als sei es etwas Großes, ein Mythos. Am Ende ist die genaue Distanz komplett willkürlich, im Prinzip geht es nur darum, ein paar Stunden zu laufen und damit umzugehen, was während dieser langen Zeit so alles passieren kann. Ich bin stolz, dass ich das so gut wie möglich gemacht habe, aber ein anderes Gefühl überwiegt. Ich bin dankbar, dass ich in der Lage dazu bin. Gesundheitlich, körperlich und mental. Dankbar, dass ich mit einem solchen Projekt nicht alleine bin, dass meine Familie und meine Freunde mitfiebern, dass sie auf ihre Art und Weise dabei sind, egal ob sie 600 Kilometer entfernt sind, am Streckenrand stehen, mit mir laufen oder danach mit mir anstoßen. Nichts davon ist selbstverständlich. Danke!



Sämtliche Fotos oben und das Bei-Laune-Halten während der letzten Kilometer geht auf die Kappe von Christian Siedler. Danke dafür!

![]() |
| Glückwunsch an die lustigste, coolste, raketenschnellste Staffel, die ich mir vorstellen kann. Bis zum nächsten Mal! |
Abonnieren
Posts
(
Atom
)

