Mittwoch, 28. Juni 2017

Raceday No. 38 - T3 Triathlon Düsseldorf 2017

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Hey Düsseldorf! Heimspiel! Vor einem Jahr habe ich hier zuhause beim T3 Triathlon in Düsseldorf meine Freiwasser-Premiere gefeiert und am Ende das Fazit gezogen: Triathlon kannste auch alleine machen, aber is dann halt scheiße. Tatsächlich denke ich bei jeder Brückenrunde noch an das komplette Paket Kreide, das die Mädels aufgebraucht haben, um "no hay dolor" und alle unsere Namen auf den einzigen Hügel der Laufstrecke zu schreiben. Ist also jetzt gar nicht mehr nötig, sich die Finger wund zu malen, denn das Bild ist ins Gedächtnis eingebrannt.


Düsseldorf ist auch so geil. Eine Woche vor dem Grand Départ, vor dem Start der Tour de France in der eigenen Stadt, einfach mal eben noch eine Triathlon Europameisterschaft ausrichten. Warum auch nicht? Das Triathlon-Wochenende sieht so aus: Samstag Elite EM, Sonntag erst Agegroup EM und dann "normaler" T3 Triathlon. Sprintdistanz für alle, heißt dieses Mal 750 Meter Schwimmen, 20,7 Kilometer Radeln und 5 Kilometer laufen. Weil die Mitteldistanz ja erst zwei Wochen zurück liegt, habe ich mir für dieses Rennen absolut rein gar nichts vorgenommen. Sprint geht immer, aber für irgendwelche ambitionierten Ziele ist definitiv nicht der richtige Zeitpunkt.



Ganz anders sieht es natürlich bei den Profis aus: Laura Lindemann sichert sich am Samstag den Titel bei der EM im eigenen Land - super stark! Ich bin als Helfer an der Radstrecke eingeteilt und schwenke eine Fahne, um auf eine gefährliche Kurve hinzuweisen und bekomme ansonsten vom Rennen nicht allzu viel mit. Die Zuschauer tummeln sich wohl alle im Medienhafen - an Rad- und Laufstrecke könnte auf jeden Fall mehr los sein. Nachdem ich gegen Ende meines Helfer-Jobs in die Aufräumarbeiten eines schweren Sturzes auf der Radstrecke hinein gerate, mehrere Verletzte am Boden liegen sehe und einen in drei Teile gebrochenen Rahmen von der Straße aufsammele, tendiert meine Lust, am Folgetag selbst zu starten, gegen Null. 

Was hilft, ist das Gefühl, nicht nur doof daneben gestanden, sondern mit angepackt zu haben. Was sich auch gut anfühlt, ist die Überlegung, welche Menschen man genau jetzt um sich haben wollen würde (und welche nicht). Wer versteht, hört zu, stellt keine doofen Fragen? So sitzen wir noch eine ganze Weile im Medienhafen, blicken auf die wirklich fantastische Kulisse und lassen die Gedanken schweifen. Am nächsten Morgen steht fest: Ich habe keine Angst. Ich habe nur absolut gar keinen Bock. Aber ich werde starten.


Es gibt übrigens nichts praktischeres, als sich einfach aufs Rad zu setzen, zwei Kilometer durch die Stadt zu rollen und schon am Start zu sein. Allein schon dafür liebe ich das Heimrennen. Das Wasser im Hafenbecken hat heute übrigens Badewannentemperatur, während die Lufttemperatur sich im Gegensatz zur letzten Woche zum Glück normalisiert hat. Auf jeden Fall bedeutet das Neo-Verbot, was mir aber ziemlich gelegen kommt. Ich hatte sowieso überlegt, ohne zu starten, denn ich schwimme nicht gerne in dem Ding, kriege ja so oder so irgendwann Panik, muss dann Brustsschwimmen und das geht nun mal am besten ohne Neo.

Zweiter Vorteil beim Triathlon zuhause abgesehen von der kurzen Anreise: Heimspielatmosphäre! Alte und neue Freunde, Bekannte und auch Unbekannte, die merkwürdigerweise meinen Namen kennen, stehen überall an der Strecke verteilt und sorgen für eine wahnsinnige Stimmung. Die Triathlonfamilie selbst wächst auch fröhlich vor sich hin: Maria und Renate geben heute ihr Debüt. Die Gang selbst ist heute zerstreut: Steffi startet auch, Naomi und Kati feuern an, Christian ist im offiziellen Foto-Einsatz und Ferdi hat sich breitschlagen lassen, noch einen zweiten Tag als Helfer an der Radstrecke zu stehen. Danke euch allen!


Auf dem Weg zum Schwimmstart fällt mir endlich ein, was ich vergessen habe: Pulsuhr und Gurt. Na egal, wer keine Zeitziele hat, braucht auch nicht zu wissen, wie lange er schon unterwegs ist. Es gibt einen Kaltstart, Einschwimmen ist nicht. Stattdessen sitzen wir aufgereiht wie die Hühner auf der Stange.


Tatsächlich habe ich das Gefühl, ganz gut weg zu kommen. Kraulen ohne Neo fühlt sich so viel besser an! Trotzdem geht das gewohnte Spiel bald los: Nur sichten nach vorn reicht mir nicht als Überblick, ich möchte mitkriegen, was um mich herum passiert. Also Brustschwimmen. Das ist dieses Mal auch gar nicht so demütigend wie in Hannover, weil ich mich in meinem Schneckentempo irgendwo im hinteren Mittelfeld bewege und nicht das Schlusslicht bilde. So lange neben mir noch Athletinnen im Zickzack kraulen, mache ich mir keine Sorgen und schwimme einfach weiter.


750 Meter. 750 zu viel für jemanden, der gar keinen Bock auf schwimmen hat, aber erfrischend kurz im Vergleich zu den 1,9 Kilometern aus Hannover. Es geht unter der Brücke durch, die Zuschauer werden laut, um die erste Boje, um die zweite, nochmal auf die andere Seite der Brücke. Dritte Boje, vierte Boje und damit letzte Wende und ab in Richtung Schwimmausstieg. Eine Hand zieht mich aus dem Wasser - danke! - und ich trabe die Treppenstufen nach oben. Das war's schon?

Die Streckenführung hat sich seit dem letzten Jahr verändert. Die Wege sind immer noch weit, aber dieses Mal anders. Ein bisschen verwirrend für mich, aber definitiv näher an den Zuschauern - nicht das schlechteste, wenn man einen halben Fanclub an der Strecke stehen hat! Der Wechsel dauert nicht nur wegen der langen Laufstrecke ewig, sondern auch, weil ich mir die Zeit nehme, jede Falte unter den Füßen aus den Socken zu friemeln. Nervt ja alles nur später beim Laufen. Und ja, ich trage Socken, ich ziehe auch die Radschuhe auf normalem Weg an und veranstalte keine Akrobatik auf dem Rad. Kann ja noch kommen.


Das Radfahren ist der einzige Teil, bei dem ich dank Garmin über Zeit und Geschwindigkeit Bescheid weiß. Der Anfang ist stark und mir ist klar, dass ich das so nicht halten kann - aber mal sehen, was geht. Auf nur 20 Kilometern ist keine Zeit, auf gute Beine zu warten oder darauf, dass der Puls sich nach dem Wechsel wieder einkriegt. Also Vollgas.

Seit Monaten freue ich mich auf die geänderte Radstrecke: 2016 bestand sie auf der Sprintdistanz nur aus Kurven und Brücken, was absolut keinen Spaß gemacht hat. Dazu war die Strecke so schmal, dass Überholen an manchen Stellen schwierig war. Dieses Mal ist genug Platz und es ist nur eine Runde zu fahren. Zwei mal über zwei Brücken, das bedeutet weniger Kurven und weniger Anstiege und eine lange Gerade bis zur Messe und wieder zurück. Sehr geile Strecke, wenn es nicht windig ist.

Es ist windig. Glücklicherweise auf dem Hinweg fast frontal von vorn, kein fieser Seitenwind und vor allem: Rückenwind auf dem Rückweg! Der Heimvorteil zahlt sich auch aus: Ich glaube, ich kenne auf der Rotterdamer Straße mittlerweile jedes Schlagloch. Nach der anstrengenden ersten Hälfte gegen den Wind kann ich auf den zweiten zehn Kilometern so nochmal einige Plätze gut machen. Ein Wunder, bei solchen merkwürdigen Antritten:


Wie verdammt kurz 20 Kilometer sind! Irgendwo habe ich anscheinend doch getrödelt, denn leider weicht das Garmin von der offiziellen Zeitmessung ein bisschen ab. Egal. Jetzt noch laufen? Och nö. Na gut. 5 Kilometer sind auch kurz: Die können schnell sein und weh tun oder du läufst das Ding jetzt einfach irgendwie zu Ende, hast ja sowieso keine Uhr. Ich entscheide mich für letzteres.


Nichts fühlt sich komisch an, aber ich finde einfach keinen Ansporn, mich zu quälen. Da ist kein Ehrgeiz heute, aber genau so war der Plan und das ist absolut okay. Natürlich möchte ich nicht über die Ziellinie spazieren und ich laufe die 5 Kilometer auch nicht rückwärts, aber ich laufe sie so, dass es über lockeres Traben hinausgeht, gerade eben anstrengend ist, aber weit entfernt von Harakiri (wie sollte ich auch ohne meine Partnerin in Crime Naomi?!).


Die erste Runde ist schnell rum. Ich erinnere mich nochmal an Hannover: Auf nen Halbmarathon hätte ich ja jetzt nicht so viel Bock. Auf einen Marathon schon gar nicht, aber da der Wendepunkt der Laufstrecke kurz hinter Kilometer 42 des Düsseldorf Marathons liegt, denke ich automatisch daran zurück. Die Erinnerung daran, was ich genau hier an der gleichen Stelle schon einmal geschafft habe, funktioniert prima als Joker: Reiß dich zusammen bei 5 läppischen Kilometern! Du bist schon 42 gelaufen. Klappt.

Auch Runde zwei geht schnell vorbei ("schnell", als ob!). Auf der zweiten Hälfte der letzten Runde ziehe ich das Tempo ein bisschen an - niemand möchte gut erholt über eine Ziellinie laufen ... Also ein letztes Mal Beine in die Hand nehmen, ist ja gleich schon vorbei! Die Stimmung rund um den Zielkanal ist großartig, laut, bunt und toll. Danke, Düsseldorf!


Kommen wir mal zu den Zahlen:

Schwimmen: 20:10
T1: 04:45
Rad: 40:05
T2: 02:50
Laufen: 29:13
Gesamt: 1:37:01

Insgesamt bin ich absolut zufrieden, dass ichs tatsächlich mal auf die Reihe gekriegt habe, mir bei einem Rennen keine Ziele zu setzen, keinen Druck zu machen und trotzdem versöhnt im Ziel anzukommen. Nicht überglücklich, nicht komplett ausgepowert, sondern einfach zufrieden. Genau so war der Plan. Was nicht geplant war, aber trotzdem Spaß gemacht hat: Mit gut 40 Minuten liegt meine Radzeit auf Platz 11 von 190 Frauen. 11! Da kann der dicke Alu-Bruno mit seinen Laufrädern aus der Hölle offenbar gegen die Triathlonbikes ganz gut anstinken. Und auch gegen Hollandräder, Citybikes, Beachcruiser ... Wahnsinn, was da alles am Start war! Ach Düsseldorf, du hast wieder viel Spaß gemacht. Ich kann jedem, der einen Triathlon in der Heimatstadt vor der Tür hat, nur raten: Geh da hin und starte! Wenn du nicht starten willst, feuere an! Und wenn deine Stadt keinen Triathlon hat, komm zu uns, im Rheinland is' schön!


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