Freitag, 16. Oktober 2015

Krümelrunde: 60 km mit der Aussicht auf Kuchen

1 Kommentar :
Samstagmittag: Noch 4 Wochen bis zum Halbmarathon und ich müsste eigentlich laufen, aber bin zu einer 60-km-Rennradtour mit Mareike und Denise verabredet. Beide kenne ich noch nicht, 60 km bin ich "schon länger" nicht mehr gefahren (bis auf die Women's 100 waren es glaube ich noch nie mehr als 60?), überhaupt saß ich schon eine Weile nicht mehr auf dem Rad. Start und Ziel ist die Krümelküche in Duisburg, also ist wenigstens für fantastische Verpflegung gesorgt, sollte die Tour doof werden.


Die Mädels machten aber schon in unserer Whatsapp-Gruppe einen vernünftigen Eindruck und somit habe ich eigentlich keine großen Bedenken. Radfahrende Frauen sind halt irgendwie auch nie so richtig doof, sondern meistens sogar ziemlich cool drauf - irgendeinen Zusammenhang muss es da geben! Mareike bloggt übrigens bei den Radflamingos (die ich Dank Facebook witzigerweise schon kannte, bevor wir verabredet waren) und Denise ist hier zu finden.

Für uns gehts erst mal aus Duisburg raus und wir rollen recht flott los, schließlich will sich erst mal keine die Blöße geben, die anderen auszubremsen. Wir sausen über die Eisenbahnbrücke in Hochfeld und räumen erst mal Platz 3 beim Eisenbahnbrücken-Sprint auf Strava ab - immer schön im Nachhinein zu entdecken, wo die Segmente liegen... Und ja, dieses Jahr sind schon mehr als 3 Frauen dort lang gefahren! Danach müssen wir erst mal kurz stoppen: Denise und Mareike haben beide ein Garmin-Navigationsmopped ausgeliehen und irgendwie wollen die Geräte beim Start nicht ganz so wie wir.

Der Telefonjoker hilft dabei, das Garmin zum Arbeiten zu überreden.
Dann rollen wir linksrheinisch weiter, über Rheinhausen nach Moers und ich wäre ohne Navi komplett aufgeschmissen, weil ich hier nämlich noch nie gewesen bin. Tatsächlich gibt es auch schönere Orte, aber schnell geht es dann durch die Felder und hier ist es echt idyllisch. Die Orte heißen Baerl, Orsoy oder Eversael - wenn irgendwo der Hund begraben ist, dann hier.

Wir wechseln die Reihenfolge anfangs regelmäßig durch, so dass jeder mal vorne oder hinten fahren darf. Als Mareike leichte Migräne-Anzeichen vermeldet, nehmen wir etwas Tempo raus und fahren die Runde locker weiter. Die Strecke ist bis auf die eine oder andere Brücke komplett flach, aber dafür pfeift auf den Feldwegen der Wind ganz ordentlich. Schlau wie wir sind, fahren wir hier zu dritt nebeneinander - so kämpft sich zwar jede durch den Wind, aber man kann sich besser unterhalten. Also eigentlich schreien. Über das Rauschen in den Ohren hinweg. Vielleicht nicht die beste Idee des Tages, aber immerhin weiß danach jede etwas mehr über die Mitfahrerinnen.


Unser Wendepunkt ist an einem Kieswerk in einem Rheinbogen und wir radeln den Deich hoch, einfach weil wir mal gucken wollen, was dahinter ist. Das Kieswerk natürlich. Nun ja. Wir bitten einen älteren Herrn, ein Foto von uns zu machen, wenn wir doch jetzt schon mal hier oben sind. Die Technik mit dem Smartphone ist schnell erklärt, aber leider nicht so schnell verstanden und so gibt es jetzt sehr viele Fotos, die alle sehr viel Himmel und sehr wenig Räder zeigen, aber wir sind drauf und das muss reichen.


Mareike kündigt an, sie müsse jetzt mal irgendwo rein beißen. Denise und ich gucken verwirrt aus der Wäsche, ich überlege eine Sekunde, ob das irgendwas mit dem Maisfeld hier neben uns zu tun haben könnte, aber da packt sie schon ihr Butterbrot aus und fragt erstaunt: "Habt ihr etwa nichts zu essen dabei?" Grandios. Ich habe tatsächlich ein Gel eingepackt, weil ich mir nicht mehr sicher war, wie sich 60 km anfühlen, aber dass man auch Butterbrote in den Trikottaschen unterbringen kann, auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Merken.




Die Sonne kommt endlich raus und wir treten den Rückweg an, dieses Mal durch andere Dörfer. Obwohl ich die einzige ohne Garmin bin und damit ohne Ahnung, wo es lang geht, fahre ich irgendwann vor und bleibe da auch eine Weile - bei dem Tempo macht mir das nichts aus, bereitet mir aber trotzdem Kopfzerbrechen: Bin ich zu langsam? Langweilen die sich hinter mir? Oder bin ich doch zu schnell? Gar nicht so leicht, den richtigen Mittelweg zu finden und aufzupassen, ob alle noch mitkommen. 

Da ist ein flauschiges graues Ding auf dem Weg und greift mit den vorderen Pfoten nach etwas auf dem Boden. Für mich sieht das aus wie ein Waschbär, was ich auch gleich mal allen freudig mitteile - ist dann aber doch nur eine Katze, die eine Maus gefangen hat. Nachdem sich das Gelächter gelegt hat, überlegen wir, wo es überhaupt Waschbären gibt - außer in Nordamerika weiß es keiner so genau. Liebe Damen, ich habe recherchiert: Es gibt auch in Deutschland welche. Zwar nicht mehr so viele, aber theoretisch... okay, ja es war eine Katze.


Wir kommen an einem Gruselhaus vorbei und an Enten, die mit ihrem Schnattern Handyklingeltöne nachahmen können und so richtig merke ich gar nicht, dass wir eigentlich die ganze Zeit dabei radfahren. Was für eine kurzweilige Truppe! Bis wir wieder am Rhein sind, folgen wir ein kleines Stück einer Hauptstraße - nicht sehr schön hier, fast wie auf einer Autobahn, aber dafür wunderbarer Asphalt und toll zu fahren. Denise wird der Sattel bald unbequem und mit jedem Kilometer mehr ist ihr die Erschöpfung so langsam anzumerken. Ich versuche, nicht mehr von der restlichen Strecke zu sprechen, sondern nur noch von Kuchen.


Schon sind wir wieder auf der richtigen Rheinseite und radeln durch Ruhrort, ein paar Meter Kopfsteinpflaster, dann wieder über eine Brücke und am Wasser entlang. Ich halte das einfach für irgendeinen Kanal, aber Mareike, die einzige Ortskundige, klärt uns auf: Hier mündet die Ruhr in den Rhein. Hallo! Das wird ja noch richtig zum Sightseeing heute!



Danach geht es noch ein Stückchen am Hafen entlang und ich muss unbedingt bei dieser bunten Wand anhalten, bei der ein Streifen in Bruno-Celeste ist:



Denise ist eher mäßig begeistert, dass wir anhalten und auch noch absteigen, also bemühe ich mich, wenigstens danach vom Radeln abzulenken und erzähle von Mallorca und Triathlongeschichten und wieder von Kuchen und versuche, alle bei Laune zu halten. Mareike zeigt uns noch schnell die nicht so schönen Ecken Duisburgs und schon sind wir wieder bei der Krümelküche angekommen.

Ich würde den Helm am liebsten überhaupt nicht absetzen, weil die Haare darunter echt eine Katastrophe sein müssen, aber entscheide mich dann doch dagegen, mit Helm Kuchen zu essen (endlich! Kuchen!). Und während ich gerade die verschwitzten Haare vom Helm befreie, strahlt mich Denise an und meint: "So fit wie du möchte ich nach 60 Kilometern auch mal aussehen!" Was für ein Schatz!

Für mich gibts Kakao mit Sahne und Birnen-Marzipan-Kuchen, der zwar nicht nach Marzipan, aber trotzdem toll schmeckt. Alles vegan - Denise kommt vor der Kuchentheke aus dem Staunen kaum heraus. Und obwohl wir uns alle vor drei Stunden noch gar nicht kannten, schweißt das gemeinsame Radeln irgendwie zusammen: Der Kaffee und Kuchen danach fühlt sich an wie mit alten Freundinnen. Die nächste Runde kann kommen!



Hier führt sie lang, unsere Krümelrunde.


1 Kommentar :

  1. Hey, liebe Maren! Danke für Deine tolle Erzählung von unserer Tour. Es macht richtig Spaß es zu lesen. Hach, da war das Wetter noch schön.
    Und ich wundere mich übrigens immer noch darüber, dass ihr kein Essen dabei habt. :)
    Demnächst gerne wieder. Ich suche mir grad wetterfeste Kleidung zusammen.
    Schönes Wochenende! Lg. Mareike

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