Samstag, 11. Juli 2015

8 Fragen an... @conny_rennt

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Es scheint so, als sei ich nicht die einzige, die sich für die Laufgeschichten anderer interessiert. Wieso lauft ihr überhaupt? Wie schlimm war der Anfang? Letzte Woche stand Katrin aka @Katitria Rede und Antwort. Danke dafür! Heute ist Conny dran - vor einer Weile bin ich über ihr Instagram-Profil @conny_rennt gestolpert und finde sie unheimlich motivierend. Sie hat sich in einem Jahr so sehr verändert - das schaffen andere in einem kompletten Leben nicht. Danke, dass du dabei bist und so ausführlich geantwortet hast! Los gehts:
Meine erste Medaille :)
Kannst du dich an deinen ersten Lauf erinnern?
Mein allererster "Lauf" war völlig beschissen. Ich bin den Berg bei mir zu Hause runtergerannt (natürlich viel zu schnell) und konnte nicht mehr, kaum dass es flacher wurde. Also bin ich dann den Rest der vorgenommenen Strecke gewalkt. So ging das Anfang letzten Jahres ne ganze Weile, bis ich es wieder gesteckt hatte, weil ich keine Fortschritte sah. Von Anfänger-Trainingsplänen und ähnlichem hatte ich damals noch keine Ahnung.
Im Juni 2014 hab ich dann den Entschluss gefasst, mein Leben grundsätzlich zu verändern und im Fitness-Studio wie blöde jeden Tag trainiert. 5-mal die Woche reichte nicht mehr aus, dann hab ichs eines Samstags mal wieder versucht und ich kam schon deutlich weiter als bis zu dem Punkt, an dem der Berg unten zu Ende war. So ging das eine ganze Weile. Im August, genauer gesagt am 19. August 2014, bin ich dann zum ersten Mal 5 km "durchgelaufen" mit einer Pace von 8:25 min/km. Und ich hab Lunte gerochen, es hat sich so genial angefühlt, ich wollte mehr! Drei Tage später wollte ich wieder laufen gehen, hatte aber ganz üble Schmerzen in den Schienbeinen. Grund war, dass ich uralte Sportschuhe bei meinem ersten 5km-Lauf anhatte, die dafür alles andere als geeignet waren. Ich musste also nach 2,5 km abbrechen und konnte erst ein paar Tage später (mit neuen, richtigen Laufschuhen) einen neuen Versuch wagen. Von da an ging es immer besser und besser. Wie schon gesagt, einmal Blut geleckt, für immer dabei! :-)
Meine Laufgruppe - ganz rechts meine Trainerin Barbara Maier
Warum läufst du? Haben sich deine Motive mit der Zeit verändert?

Na klar, anfangs war das Ziel Kalorien zu verbrennen, keineswegs Wettkämpfe oder sowas, aber wie das im Leben manchmal so ist: Zeiten ändern dich! Nachdem ich mit dem "richtigen Laufen" angefangen hatte, fing ich auch an, Läufern bei Insta zu folgen - und das motiviert natürlich ungemein. Was sind eigentlich diese Wettkämpfe und wie schnell muss man eigentlich sein, dass man da mitmachen darf? Langsam aber sicher kamen solche Fragen auf. Dann entschied ich mich, das Laufen richtig professionell zu "lernen" und kam durch Zufall auf meine heutige Trainerin, eine erfahrene Ultratrail-Läuferin. Seit September 2014 trainiere ich regelmäßig mit ihr und sie macht mir auch Trainingspläne - dazu aber später mehr. Im September erlitt ich einen Hörsturz und lag einige Zeit im Krankenhaus. Dort merkte ich erst einmal, wie sehr mir das Laufen eigentlich fehlt. Außerdem hatte ich mich tatsächlich für einen ersten Wettkampf angemeldet gehabt, der aber genau in den Zeitraum fiel, in dem ich im Krankenhaus lag. Einen Tag nachdem ich entlassen wurde, bin ich dann das erste Mal wieder laufen gegangen - ganz langsam, wie von den Ärzten empfohlen, aber 10 km lang. Und es tat so gut. Seitdem ist Laufen auch meine ganz persönliche Therapie. Ich bin seit dem Vorfall auf einem Ohr taub und dort pfeift und rauscht es dafür recht doll. Wenn das schlimm wird, schnüre ich meine Laufschuhe und danach geht es meistens um Längen besser. Nach dem Hörsturz lief ich dann meinen ersten 10km-Wettkampf in 1:10 Std. und auch hier war es wie beim ersten Lauf: Ich wollte mehr. Das Gefühl nach der Ziellinie, die Euphorie und das Glücksgefühl, das vermutlich keiner nachvollziehen kann, der noch nie gelaufen ist, das ist unbezahlbar. Im Juni 2015 bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen – nicht in meiner Wunschzeit, aber um einige Erfahrungen und Erkenntnisse reicher. Heute ist mein Motiv zu laufen, stets besser zu werden – Gewicht reduzieren ist in den Hintergrund gerückt. Natürlich trägt das regelmäßige Laufen aber auch dazu bei, viele Kalorien zu verbrennen, sodass man sich auch mal das eine oder andere gönnen kann, ohne gleich wieder auseinanderzugehen. Der sportliche Ehrgeiz steht aber definitiv im Vordergrund.

Welches Ziel möchtest du als nächstes erreichen und was ist momentan dein wöchentliches Pensum?
Mein nächstes Ziel ist der Halbmarathon im Oktober in Köln. Hier möchte ich natürlich eine bessere Zeit laufen als beim letzten Mal. Durch meinen Trainingsplan hat sich meine Grundlagenausdauer und damit auch mein Puls beim Training schon wesentlich verbessert, aber auch daran arbeite ich gerade weiter – genauso wie am Tempo. Ich laufe derzeit circa viermal die Woche, bestehend aus einer Bergeinheit, einem Intervall- oder Tempotraining und zwei langen Läufen am Wochenende. Ich versuche, zusätzlich noch einen Tag pro Woche Krafttraining einzubauen, aber ich bin ehrlich – das schaffe ich gerade nicht immer. Manchmal stehen einfach andere Dinge im Vordergrund und ich finde das auch in Ordnung.
Bergläufe sind fester Bestandteil meines Trainingsplans
Muss Training Spaß machen oder weh tun?

Ich finde Training sollte schon überwiegend Spaß machen, aber man muss sich auch quälen. Ein Beispiel ist das verhasste Intervalltraining – ja genau, wer findet das schon nicht zum Kotzen, aber im Wettkampf profitiert man davon! Meine Trainerin Babs hat außerdem die Angewohnheit, uns Berge hochzujagen und Bergintervalle absolvieren zu lassen. Auch hiervon konnte ich bei der nicht wenig anspruchsvollen Strecke beim Halbmarathon unheimlich profitieren. Während die, die kurz vorher noch dem 2:10-Pacemaker hinterhergerannt sind, den Berg hochgegangen sind, konnte ich relativ locker hochtraben. Deshalb muss ich für mich sagen: Die Mischung macht’s! Ich genieße die langsamen Dauerläufe am Wochenende und quäle mich dann aber auch ganz gerne mal beim Intervall- oder Tempotraining und schimpfe wie ein Rohrspatz, wenn wir zwei Stunden lang einen Berg querfeldein hochrennen.

Was ist das Schöne an deiner Lieblings-Laufstrecke? 

Meine Lieblingslaufstrecke geht mehr oder weniger durchgehend am Wasser entlang – gerade Sonntagmorgens siehst du da nicht viele Läufer und kannst entspannt dein Ding machen. Allerdings wechsle ich auch die Strecken desöfteren, damit es nicht langweilig wird. Irgendwann kann man dann auch die Strecke auswendig und weiß okay, noch 20 min bis zum Ende – da sind unbekannte Strecken immer ganz nett – wie sagte schon Forrest Gump, „Das Leben ist wie eine Praline – man weiß nie, was man kriegt.“
Die Belohnung ist die Aussicht
Wie fühlst du dich, wenn du eine Ziellinie überquert hast?

Na wie schon, als könnte ich die ganze Welt erobern!

Wie bringst du den Schweinehund zum Schweigen?

Ja, dieser sogenannte Schweinehund. Den kenne ich auch gut! Natürlich würde ich oft auch lieber mit dem Arsch auf der Couch sitzen bleiben, ein Eis essen gehen oder mich mit Freunden verabreden. Das passiert vor allem, wenn der Arbeitstag lange war oder draußen gerade zu heiß oder auch kein allzu tolles Wetter ist.
Mein Trick ist es dann, einfach mal die Laufsachen überzuwerfen. Hat man die erstmal an, ist der Weg nach draußen auch nicht mehr so weit. Wenn ich so richtig gar keinen Bock habe, hilft mir aber mein Trainingsplan. Der ist so aufgebaut, dass ich unter der Woche zwei kürzere Einheiten (30/45 Minuten) zu absolvieren habe und Samstag/Sonntag dann längere Läufe, die man ausgeruht besser hinkriegt. Ich kann nur jedem raten, sich einen solchen Plan zuzulegen. Und selbst wenn es an einem Tag mal gar nicht geht, dann läuft man das Pensum eben am nächsten Tag – da muss man dann aber, sonst wird’s echt eng, das Soll zu erfüllen. Und ich schreibe meiner Trainerin nur ungerne, dass ich eine Einheit hab sausen lassen – das fühlt sich nämlich überhaupt nicht gut an. Apropos gut fühlen. Meistens denke ich daran, wie gut ich mich danach fühle. Und mein Partner sagt das auch und wenn wir richtig unmotiviert sind, dann ziehen wir uns gegenseitig hoch. Einen solchen „Lauf-Freund“ kann ich nur jedem empfehlen – und jetzt im Sommer fällt es vielleicht dem einen oder anderen leichter, ganz früh morgens aus dem Bett zu krabbeln und loszulaufen, als abends, wenn die Luft immer noch sehr heiß vom Tag ist. Ausprobieren lohnt sich!
Ohne Schweiß kein Preis - so siehts nunmal aus nach einem Intervall-Lauf!
Was würdest du Anfängern raten?

Also aufgrund der Erfahrungen, die ich gemacht habe, kann ich nur jedem raten, sich professionelle Hilfe bei einem Trainer oder in einer Laufgruppe zu holen oder zumindest einen professionellen Trainingsplan aus dem Netz runterzuladen. Inzwischen gibt es sogar Apps, die einen an das Laufen erinnern und genau anzeigen, welche Einheit zu absolvieren ist. Außerdem ist es wichtig, langsam anzufangen. Der Körper muss sich erst an die Belastung gewöhnen, also wirklich starten mit gehen – langsam laufen – gehen – langsam laufen usw. Irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem sich das langsame Laufen (Traben) besser anfühlt, als das zwischenzeitliche Gehen – das ist der Punkt an dem man das Gehen seinlassen kann und einfach langsam und gleichmäßig vor sich hintrabt.
Ein weiterer Punkt ist der Trainingspuls. Wer läuft, sollte das meiner Meinung nach mit einer Pulsuhr tun. Für den Anfang reicht ja ein einfaches Modell auch ohne GPS-Funktion. Im Internet gibt es Formeln, mit denen man seine individuellen Pulsbereiche ausrechnen kann. Über 70-75% der maximalen Herzfrequenz sollte das langsame vor sich hintraben nicht gehen, sonst übersäuert man schnell und kommt vielleicht wieder an den Punkt, an dem das Laufen keinen Spaß macht. Ich finde erst, wenn man circa eine Stunde am Stück laufen kann, kann man anfangen, sich Gedanken über die Steigerung der Geschwindigkeit machen – und auch da gilt: Puls im Auge behalten! Auch hier leistet dann ein professioneller Trainingsplan wichtige Hilfe. Ihr seht schon: Laufen braucht Geduld, aber das Geschenk, das man dafür bekommt, ist riesig! Man braucht nur Laufschuhe einzupacken und kann überall auf der Welt einfach loslaufen. Ich kann mir nichts tolleres auf der Welt vorstellen! 

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