Samstag, 5. Juli 2014

Warum ich seit drei Wochen nicht gelaufen bin und ich mich so gut fühle wie nie

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Mein neuer Trainingsplan. Hat nicht viel mit Laufen zu tun. Ich hasse ihn trotzdem. Mehr dazu unten.
Mein letzter Lauf war am 14. Juni: 4 Kilometer, 28 Minuten. Danach war ich fünf Tage auf dem wunderbaren Hurricane Festival. Ich habe an der zauberhaften Fahrradgarderobe auf Räder aufgepasst, wirklich gute (London Grammar, Marcus Wiebusch), mittelmäßige (Bonaparte, Dave Hause) und schlechte Bands (Jennifer Rostock, aber glücklicherweise nur für wenige unfreiwillige Minuten) gesehen und viele tolle Menschen getroffen. Und auch viele Idioten, die an Bauzäune pissen, während man auf der anderen Seite sitzt und frühstückt. So weit so gut. Und ja, ich habe vorher tatsächlich darüber nachgedacht, Laufschuhe mitzunehmen. Dann habe ich gedanklich mögliche Szenarien durchgespielt: Schicht an der Fahrradgarderobe morgens um 8 (übrigens an einem sonnigen Tag die beste Zeit auf einem Festival!), aufstehen um 6? Äh nee. Mittags laufen, während die Schnapsleichen von gestern längst schon wieder auf dem alten Pegel sind? Im Zick-Zack um Flunkyball-Felder, Pavillon-Ruinen und Grillreste? Irgendwie nicht. Schließlich bin ich zur der realistischen Einschätzung gelangt, dass Laufsachen nur unnötiger Ballast wären (wie im letzten Jahr übrigens die Stricknadeln) und dass es auch ganz schön sein könnte, einfach mal ein paar Tage gute Musik zu hören, gute Leute zu treffen und bei einer guten Sache dabei zu sein. Punkt. Und so war das Hurricane wirklich wundervoll.
Links Feuerwerk bei Casper, oben rechts die Fahrradgarderobe in der Abendsonne, unten rechts: Crew-Bändchen sind hässlich und aus Papier, aber dafür pink. 
Am Tag meiner Rückkehr sind in meinem Fitness-Studio die Sommerspiele gestartet. Ein wunderbarer Trick, um die Mitglieder durchs Sommerloch zu bringen: Für jede Stunde Training im Studio gibt es einen Punkt, für jeden Kurs ebenso – allerdings jeweils höchstens einen pro Tag. Insgesamt kann man also zwei schaffen, wenn man erst zum Spinning geht und Krafttraining hinten dran hängt. So wie ich am letzten Dienstag. Dabei fielen mir zwei Sachen auf: Als ich den Trainingsplan vor einem Jahr das letzte Mal befolgt habe, war das alles viel anstrengender. Und: 17 Minuten auf dem Crosser sind kein Problem. Kurz zur Erinnerung: Im Januar konnte ich nicht länger als eine Minute am Stück joggen – vor einem Jahr konnte ich auch nicht mehr als 5 Minuten auf dem Crosstrainer verbringen, ohne dass das Gerät wild piepste und die Watt-Zahl soweit runter regelte, bis es nicht mehr weiter ging. Deshalb direkt am Mittwoch wieder 33 Minuten auf das Ding, dabei lief Fußball, alles cool.

Dann die dämliche Idee: Wenn das Krafttraining zu einfach ist, wie wärs mit einem neuen Trainingsplan? Also Termin gemacht, Freitagabend. Kein gut besuchter Abend im Studio, wunderbar. Wieder erst zum Spinning – dann zur Folter. Witzig auch irgendwie, dass allein die eine Stunde Spinning bei den letzten Sommerspielen für mich schon Folter genug war – so sehr, dass ich danach niemals auf die Idee gekommen wäre, noch etwas anderes zu tun, als unter die Dusche zu kriechen.

Freitagabend scheint also ein hervorragender Tag für neue Trainingspläne zu sein – jedenfalls hatten gleich zwei Trainer Zeit für mich (oder einfach nichts Besseres zu tun) und haben sich deshalb gemeinsam Folterübungen für mich ausgedacht. Schönen Gruß an Cathrin und Chris an dieser Stelle.

Kurz zusammengefasst: Es war hart. Ich hab viel gejammert. Es ging irgendwann zu Ende. Ich bin mit zitternden Armen und Beinen nach Hause gewankt, keiner weiß, wie ich es vier Etagen nach oben geschafft habe. Samstag war ich bewegungsunfähig, Sonntag ein Zombie. Muskelkater aus der Hölle. Schmerzen von der Kniekehle bis zum Hintern, die normales Laufen völlig unmöglich gemacht haben. Kindergeburtstag allerdings gegen das, was im Trizeps los war. Dips sind Mist. Samstag war es schon zu anstrengend, den Fön zu halten. Sonntag war gar nicht mehr daran zu denken, die linke Hand in die Nähe des Kopfes zu bringen – super zum Haare waschen oder Zopf binden. Für den Zombie-Look sind schlaff herunterhängende Arme allerdings wirklich toll.

Das war wirklich schlimm. Aber kein Grund, Samstagnachmittag nicht eine Stunde auf dem Crosser rumzuhampeln. Ja, in Level 1 – aber hey, eine Stunde! Die Schmerzen haben dabei sogar nachgelassen – es war wirklich auszuhalten. Allerdings nur so lange ich in Bewegung war. Ungünstig, dass man irgendwann mal von dem Ding runter muss. 

Crosstrainer-Actionfoto
Noch viel ungünstiger, was Sonntag auf dem Programm stand: eine Stunde Cardio im Studio (an Kraftübungen war ja nicht im Ansatz zu denken), eine Stunde Spinning, danach: Bonusaufgabe. Fun Fact 1: Beim Spinning taten die Arme viel viel mehr weh als die Beine. Muss man auch erst mal schaffen. Im Prinzip hätte der Tag an dieser Stelle wegen mir gut auf der Couch weitergehen können. Dann also die Bonusaufgabe: 3 Punkte für eine Stunde Zirkeltraining. 16 Stationen, 45 Sekunden Belastung, 20 Sekunden Pause. Alles Kraftübungen: von sämtlichen Späßen mit Kurz- und Langhanteln über Liegestütz bis zu Sprüngen auf Kästen und wieder runter – volles Programm. 

Als die einzelnen Stationen vorgestellt wurden, wollte ich weinen oder schreiend im Kreis laufen oder beides. Beim Aufwärmen (als ob das nötig gewesen wäre!) habe ich die Arme nicht waagerecht auf Schulterhöhe bekommen. Und dann habe ich irgendwie diese zwei Runden durch den Zirkel überlebt. Fun Fact 2: Am Montag wurde die ganze Misere besser. Und zwar stündlich, so dass man fast zugucken konnte. Magic.

So. Dienstag war ich wieder beim Spinning und hab anschließend zum ersten Mal allein meinen neuen Trainingsplan durchgezogen. Bis auf die Ausfallschritte, bei denen direkt nach dem Radeln die Oberschenkel doch noch übel gezogen haben, konnte ich alle Übungen machen. Und habe sogar viel mehr Wiederholungen beim Bauch geschafft als beim ersten kläglichen Versuch am Freitag. Das Beste an der ganzen Geschichte: der Muskelkater am Mittwoch verdient den Namen eigentlich kaum, das war mehr so ein wohliges Ziehen. Donnerstagabend gings weiter, heute auch. Läuft.

Das Schlechte bei der ganzen Sache: Keine Zeit mehr, auch noch zu laufen. Also – ich hätte am Wochenende schon Zeit gehabt – aber da war ja schon jeder Gang zum Kühlschrank oder zum Klo oder wo man sonst zwangsläufig eben mal so hin muss eine Qual. Aber: Mir gehts super. Das schlechte Gewissen hält sich in Grenzen. Vielleicht bringt das Crossen ja ausdauermäßig ein bisschen was, vielleicht trau ich mich demnächst auch mal aufs Laufband. Im Moment bin ich bei der Punkte-Sache zu ehrgeizig, als dass ich draußen laufen würde. Stand Dienstag: Teamwertung Platz 3, Einzelwertung Platz 4. Männchen und Weibchen gemischt, 20 Teams = 40 Leute. Ha! Das muss aber erst mal gehalten werden – echt schwierig, wenn ständig Deutschlandspiele sind, der Teampartner seit heute für 3 Wochen im Urlaub ist und man selbst nächste Woche auch 5 Tage weg ist. Und wenn man gegen Studenten und Abiturienten antritt, die einfach mal genug Zeit haben, um jeden Tag 2 Punkte zu holen. Ich muss auch noch arbeiten! Aber: Ich gebe mein Bestes. Und es macht Spaß. Meistens.

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