Sonntag, 15. Februar 2015

Moin moin!

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Karnevalszeit ist Nordsee-Urlaubszeit. Wenn man in Düsseldorf wohnt und in Köln arbeitet, kann man ja nur flüchten. Und so wirds gemacht, traditionell mit der kompletten Familie. Seit Donnerstag sind wir im ostfriesischen Exil. Und weil man hier ja nichts zu tun hat außer Füße hochlegen, erholen und ein bisschen ausruhen, habe ich den Kurzurlaub zum Trainingslager erklärt. Freitag stand Laufen auf dem Plan. Treue Leser erinnern sich vielleicht, dass wir auch vor einem Jahr schon mal versucht haben, hier zu laufen: Versuch 1 und Versuch 2. Wer keine Lust hat, nachzulesen: Ich bin damals höchstens drei Minuten am Stück gelaufen, dann zwei gegangen und insgesamt nicht viel weiter als 2 Kilometer gekommen. Papa war schon mit der 1-Kilometer-Runde "um den Pudding" überfordert und keuchte immer nach spätestens einer Minute: "Nä! Is nich! Geht einfach nicht!"

Ein Jahr später brauchen wir eine Stunde und fünf Minuten für 9,5 Kilometer. Läuft.
Vielleicht die schönste Laufstrecke aller Zeiten (zumindest hier, wo noch ein Weg vorhanden ist).
Einen Vorteil haben wir hier auf der Suche nach einer Laufstrecke: Wir sind früher hier im Wald ausgeritten. Ja, alle drei: mein Vater, meine Schwester und ich. Der naheliegende Plan also: Ausreitgelände = Laufstrecke. 8° und strahlender Sonnenschein schreien außerdem danach, den Nachmittag draußen zu verbringen. 
Oben links: Die neuen Ravenna 5 durften mit in den Urlaub. Unten links: Kaja und ich kurz vor dem Start. Rechts: immer der Sonne entgegen... 
Der Anfang ist leicht: einen Kilometer durchs Wohngebiet, einen Kilometer durch den Wald und schon ist man am Kanal, dem Benser Tief. Das sieht dann so aus:
Total ungewohnt: diese Stille. Sowohl in der Ferienwohnung als auch im Wald. Ich musste mich in der ersten Nacht erst mal dran gewöhnen, bei totaler Stille und Dunkelheit zu schlafen. Ohne den Lärm und die Vibrationen der vorbeiratternden Straßenbahnen, ohne den Schein viel zu vieler Laternen. Und auch hier draußen ist es unheimlich leise. Wenn ich bei mir im Park laufe, höre ich immer irgendwo mindestens eine Straße. Im Wald bei meinen Eltern ist es entweder der Flughafen oder das Rauschen der Autobahn. Hier: gar nichts. Das ist irgendwie befreiend, aber zugleich auch ein wenig erdrückend. Man ist sehr bei sich selbst, hört nur Schritte und Atmen. Das Ganze mal drei, aber komplett ohne Hintergrundrauschen. Echt anders.
Sonne im Gesicht, blauer Himmel und Wasser - herrlich!
Wir überqueren den Kanal und laufen erst mal wieder durch den Wald. Jeder von uns hat eine ungefähre Ahnung, wo wir sind und in welche Richtung wir in etwa laufen. Aber weil wir es eben nur ungefähr und nicht genau wissen, landen wir schließlich nach gut 5 Kilometern an der letzten Ecke wieder am Kanal, wo wir eigentlich gar nicht hin wollten. Auf einmal gibts aber keine Möglichkeit mehr, quer durch den Wald zurück zu laufen, sondern die Ochsenweide kommt uns dazwischen.
Im Wald. Ganz schön gutes Wetter!
Kurzer Stopp. Ich bin auf den Aussichtspunkt geklettert. Zu sehen ist das Naturschutzgebiet Ochsenweide, ein oberflächlich abgetorftes Hochmoor, das heute den Charakter eines Übergangsmoores hat. Ok, das habe ich bei Wikipedia nachgelesen.
Also gehts um die Ochsenweide rum und am Kanal entlang wieder zurück. Wir wünschen uns alle ein Pferd, denn die Aussicht ist zwar spitze, der Boden aber miserabel. Zuerst gibts noch einen Trampelpfad, der dann aber plötzlich verschwindet. Es bleibt eine Treckerspur, die den tiefen Boden ganz gut auseinander genommen hat - wir kämpfen uns so durch. 
Schön siehts aber aus. 
Fast zwei Kilometer zieht sich die Strecke am Kanal und fast zwei Kilometer lang verfluche ich den Boden und meinen Vater, der es einfach nicht lassen kann, ständig vorzulaufen. Bevor es losging, hatte ich gefühlt eine Milljausend mal angekündigt, dass ich gern das Tempo bestimmen würde, wenn wir zusammen laufen. Ich bin die langsamste und ich habe keinen Bock, dass mir ständig alle wegrennen. Dann ziehe ich lieber alleine in Ruhe los. Mit meiner Schwester klappt das auch so weit ganz gut, denn sie ist noch leicht angeschlagen, war länger nicht laufen und daher genauso lahm wie ich - ha! Papa ist aber schwer zu bremsen und rennt uns andauernd davon. Davon lasse ich mich leider stressen. Ich rufe ihm dann entweder nach, dass er langsamer machen soll oder versuche hinterher zu kommen, obwohl ich das eigentlich nicht will - ich weiß ungefähr, wie lang die Strecke noch ist und ich kenne das Tempo ganz gut, in dem ich das schaffen kann. Und bei dem würde ich ganz gerne bleiben. Und wenn wir zu dritt loslaufen, gehe ich davon aus, dass wir auch zu dritt ankommen wollen. Ohne Stress.
Wer wackelt, ist unscharf.
Nach sieben Kilometern und dem ein oder anderen bissigen Kommentar haben wir es dann aber doch noch auf die Reihe bekommen, zusammen nach Hause zu laufen. Außerdem entschädigt das bombastische Wetter auch für alle Unstimmigkeiten. Wieso hab ich eigentlich kein T-Shirt eingepackt? 9,5 Kilometer sinds also geworden, 1:04:45 Stunden, Pace 06:50. Ganz ok.
So sieht unsere Runde aus - ganz ordentlich für den Anfang. Früher hätten wir die Strecke nur zu Pferd zurückgelegt. 

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