Montag, 9. Mai 2016

Mallorca 2016 Tag 1 - Einrollen von Can Picafort nach Artà und mit Umwegen zurück

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Malle is nur einmal im Jahr - zusammen mit meinem Vater habe ich mich wieder für eine Woche auf der Insel eingenistet: gleicher Ort, gleiches Hotel, gleicher Radverleih, aber dieses Mal eine weniger anstrengende Anreise als letztes Jahr. Gestern Abend sind wir angekommen und nach einem Tag voller Rumsitzen und Warten am Flughafen, im Flieger und im Bus fiel uns nichts besseres ein, als abends um halb 10 noch um den Block zu traben. Nur ein superkurzes Ründchen von 3,5 km mit anschließendem Einkaufen, aber immerhin ganz schön zum Beine Vertreten. Eigentlich sind wir zum Radfahren hier, eigentlich ist das für ein Trainingslager ziemlich spät im Jahr, aber besser spät als nie. Der Velothon Berlin naht mit riesigen Schritten, eine Woche später steht auch schon der erste Triathlon auf dem Plan und soo irre viel geradelt bin ich jetzt dieses Jahr auch noch nicht.



Heute früh stand deshalb nach dem Frühstück als erstes das Abholen der Mieträder auf dem Programm - mein einziger Wunsch ("Hoffentlich ist es ein schönes!") wird nicht so ganz erfüllt, ich finde mein Cube optisch ziemlich unspektakulär, aber die inneren Werte überzeugen definitiv. Papa hängt es an die Kofferwaage, die sagt 8,2 kg und das erklärt ja schon fast, wieso das Ding die Hügel hier beinahe von selbst rauf fährt. Mit der Shimano-Schaltung muss ich mich noch etwas anfreunden: Mein Daumen drückt erst mal ins Leere. Vor allem in der Position am Unterlenker vermisse ich den Daumenhebel meiner Campagnolo sehr und finde es total umständlich, mit dem Zeigefinger rumzuhampeln, wenn ich hochschalten will. Die Ultegra an sich ist ja ein Träumchen, wir werden uns also schon aneinander gewöhnen.



Der Plan für heute: Von Can Picafort bis Artà und dann mal sehen. Meine Warnung, das dürfte ein bisschen hügelig werden, wird überhört. Jedenfalls von meinem Vater, mein Knie hat das scheinbar ganz genau verstanden und zickt erst mal rum. Ich bin nicht sicher, ob das Knie selbst Schuld ist oder es doch was Muskuläres etwas höher ist, irgendwie tut der Oberschenkel einfach auch weh. Rückenschmerzen hab ich auch schon seit der ersten Nacht in diesem unfassbar weichen Bett - prima. Alles tut weh, hurra, wir radeln dann mal los.


Nach etwa 10 km geben die Beine den Widerstand auf und tun, was sie sollen. Drücken. Ziehen. Drücken. Ziehen. Es ist bewölkt, knapp unter 20°, etwas schwül. Trotzdem windig. Und zwar nicht zu knapp. An einer Stelle fahre ich mit nur 20 km/h bergab und wundere mich, wieso das so anstrengend ist, bis mir auffällt: oh, Wind. Laut Strava geht es dann tatsächlich 7 km am Stück bergauf, kommt mir gar nicht so schlimm vor und was zur Hölle, 15,9 % Steigung? Wo soll das denn gewesen sein?






Nach 22 km kommen wir in Artà an. Der Ort verwirrt mich. Jede verdammte Straße ist eine Einbahnstraße und es scheint irgendwie kein richtiges Zentrum zu geben. So fahren wir ein paar Mal im Kreis durch die schmalen Gassen bis wir beschließen, dass es reicht. Ich finde es blöd, den gleichen Weg zurück zu fahren, und weil niemand nach Cala Ratjada will, ist die einzige Alternative ein südlicher Schlenker über Manacor. Ich habe keinen Bock auf die Hauptstraße, also nehmen wir eine Nebenstraße, die am Anfang ganz wunderbar ist und sich dann als schlimmste Buckelpiste überhaupt entpuppt. Schlaglöcher ohne Ende, Pfützen, Schotter, Kiesel, 10 km lang, rauf und runter, immer wieder rauf und runter. Ich sehe uns schon die ersten Schläuche wechseln und ich sehe bei jeder kurvigen Abfahrt über rutschigen Boden meine Knie voller kleiner Steinchen. Es geht alles gut und ich war nie dankbarer als in dem Moment, als wir wieder richtigen Asphalt unter den Rädern haben. Und was für einen! Ganz neuen, wunderbaren Asphalt. Ich muss erst mal ausnutzen, wie leicht man hier schnell fahren kann, um dann anzuhalten und mich auf den warmen Boden zu setzen. Ist das schön!




Danach passiert was Dummes. Wir müssen links abbiegen, fahren aber rechts. Ich bemerke den Fehler erst 10 km später, als uns auf einmal die Berge rund um Artà so bekannt vorkommen. Ups. Doch nichts mit Manacor, dafür gehts zurück auf der Straße zwischen Can Picafort und Artà, die wir schon auf dem Hinweg genommen haben. Ok. Wer Abwechslung will, darf mich eben nicht navigieren lassen. Wie gut, dass wir hier Mitte der Woche noch Gesellschaft bekommen: Ich hab gehört, Marc kennt ja auch immer eine Abkürzung...




Am Ende stehen knapp 67 km mit 730 hm auf dem Tacho. Den 21er Schnitt finde ich für das Profil, die Schotterpiste und das Bummeln auf dem Rückweg ganz in Ordnung. Die Hügel haben mir und den Beinen Spaß gemacht und ich bin gespannt, wie wir es mit den "richtigen" Bergen aufnehmen. Mit denen, die nicht enden. Ich hab Bock!




Weitere Fakten und Erkenntnisse: 

Der gemeine Pauschalurlauber wird ganz hektisch, wenn alle anderen im Bus den Zettel bekommen haben, auf dem die "TUI-Welcome-Zeiten" drauf stehen, nur er selbst nicht. Kann ja nicht angehen, dass alle außer Horst und Inge informiert werden, wann sie ein gratis Getränk und teure Ausflüge verkauft bekommen! 

Das mallorquinische Leitungswasser scheint irgendwie anders oder weniger gechlort zu sein als vor einem Jahr. Ich steige jedenfalls nicht mehr niesend aus der Dusche.

Im Hotel-WLAN zwei Bilder hochladen dauert 25 Minuten. Über den Hotspot vom Handy mit spanischer SIM-Karte 17 Bilder hochladen: einmal zum Kühlschrank gehen und Oliven-Nachschub holen.

Wenn die Straße einsam und gut zu fahren ist, aber keine anderen Rennradler da sind, werde misstrauisch. Wenn du plötzlich Mountainbiker vor dir siehst, dreh um, so lange du noch kannst.

Ich bin und bleibe ein Scheiß-Angsthase, wenns um Abfahrten mit schlecht einsehbaren Kurven, Seitenwind und vorbeirasenden Autos geht. Ich bremse selbst dann, wenn ich weiß, dass es sofort danach wieder rauf geht.

Es ist eine saudumme Idee, nur weil es bewölkt und gar nicht mal so warm ist, nur eine Trinkflasche mit aufs Rad zu nehmen.

Es ist eine saudumme Idee, nur weil es bewölkt und gar nicht mal so warm ist und man gar nicht so lange unterwegs sein will, nicht einen einzigen Riegel oder wenigstens eine Banane mit aufs Rad zu nehmen.

Häufigster Duft in der Nase: Pinienwald. Und Kamille.

So weit das Auge reicht: Mohn.

Bisher verzehrte Oliven: 43.

Wenn es keine kalte Cola gibt, ist Eis eine gute Alternative.

Eis auf Soja-Basis, das besser als Magnum schmeckt! Krasser Scheiß!

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