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Dienstag, 18. Juni 2019
Triathlon is for everyone
Hätte mich in den letzten Monaten jemand gefragt, was ich sportlich so mache, wäre Triathlon in meiner Antwort ehrlich gesagt nicht vorgekommen. Bisschen Rad fahren, bisschen Laufen. So wie es mir gerade passt, ohne großartiges Ziel. Falls ich Lust kriege, starte ich im Herbst vielleicht mal wieder bei einer Sprintdistanz. Obwohl meine Triathlon-Ambitionen aktuell ziemlich im Keller sind, bin ich in ein Triathlon-Camp hineingeraten. Organisiert von Ann-Kathrin von triathlove zusammen mit dem Tourismusverband zillertal.at - somit ist dieser Teil des Artikels Werbung, denn wir sechs Mädels waren für ein langes Wochenende ins Hotel Theresa im Zillertal eingeladen. Der Rest des Textes wird auch Werbung enthalten, und zwar für Sport und tolle Frauen.
Mir steht also ein Wochenende in den Bergen gemeinsam mit fünf anderen Frauen bevor, von denen die erste schon bei Triathlons rund um die Welt gestartet ist, die zweite sich gerade auf eine Langdistanz vorbereitet, die dritte im letzten Jahr bei der 70.3 WM dabei war, die vierte erst kürzlich bei einem Bergrennen auf dem Podium gelandet ist und die fünfte seit Jahren so richtig diszipliniert im Verein trainiert. Und halt ich. Noch nie nen Trainingsplan gesehen, seit bestimmt einem halben Jahr nicht mehr geschwommen, zurzeit kaum Radkilometer in den Beinen und vom Laufen wollen wir gar nicht erst anfangen. Andere Sachen sind momentan wichtiger, mir fehlen daher die Ziele und der Ehrgeiz. Das kann ja was geben.
Auch wenn ich mich zurzeit mit Triathlon nicht wirklich identifiziere und das Gefühl habe, dieses Kapitel habe ich vor zwei Jahren mit der Mitteldistanz abgeschlossen - ich gehöre irgendwie trotzdem zu dieser Gruppe. Uns vereint die Einstellung, dass alle okay sind. Dass jede dabei sein darf. Egal, was sie antreibt, wie die Voraussetzungen und Möglichkeiten sind. Für mich ist es spannend zu sehen, dass große Ziele und intensive, disziplinierte Vorbereitung nicht zwangsläufig mit Verbissenheit oder gar Besessenheit einhergehen müssen. Es ist trotzdem noch Platz für Spaß, auch wenige Wochen vor dem großen Tag. Andere wiederum zeigen, dass Spaß für sie ein größerer Antrieb sein kann als schnelle Zeiten. Und trotzdem muss sich keiner verstecken.
Warum schreibe ich das hier alles auf? Weil ich glaube, dass es sich immer lohnt, über den Tellerrand zu schauen. Herauszufinden, wie andere ticken. Was sie antreibt. Was man davon für sich selbst mitnehmen kann. Und was man anderen von sich selbst mitgeben kann. Denn eines haben wir auf jeden Fall alle mit nach Hause genommen: Eine gehörige Portion Motivation und die Erkenntnis, dass Triathlon wirklich für jeden ist.
Fotos: Liz Ke
Schaut vorbei:
Ann-Kathrin @triathlove
Nine @tri2gether
Eva @evaslaufliebe
Nadin @eiswuerfelimschuh
Liz @lizkefotografie
Mir steht also ein Wochenende in den Bergen gemeinsam mit fünf anderen Frauen bevor, von denen die erste schon bei Triathlons rund um die Welt gestartet ist, die zweite sich gerade auf eine Langdistanz vorbereitet, die dritte im letzten Jahr bei der 70.3 WM dabei war, die vierte erst kürzlich bei einem Bergrennen auf dem Podium gelandet ist und die fünfte seit Jahren so richtig diszipliniert im Verein trainiert. Und halt ich. Noch nie nen Trainingsplan gesehen, seit bestimmt einem halben Jahr nicht mehr geschwommen, zurzeit kaum Radkilometer in den Beinen und vom Laufen wollen wir gar nicht erst anfangen. Andere Sachen sind momentan wichtiger, mir fehlen daher die Ziele und der Ehrgeiz. Das kann ja was geben.
Es hat was gegeben, und zwar ein wunderbares Wochenende. Eines, bei dem wir alle festgestellt haben, dass der Sport uns verbindet, so unterschiedlich wir auch sind. Wir sind groß, klein, dick, dünn, laut, leise, ehrgeizig, faul, schnell, langsam. Wir haben neueste Rennräder, 13 Jahre alte Schätzchen und alles dazwischen. Wir haben High-Tech-GPS-Uhren oder schleppen unser Handy beim Laufen in der Oberarmtasche mit herum. Wir können Butterfly schwimmen oder noch nicht richtig kraulen. Wir sind Studenten oder berufstätig oder beides. Wir haben große Ziele oder wissen gar nicht, wo wir hin wollen. Wir haben einen strukturierten Trainingsplan oder bewegen uns, wenn wir Zeit und Lust haben.
Auch wenn ich mich zurzeit mit Triathlon nicht wirklich identifiziere und das Gefühl habe, dieses Kapitel habe ich vor zwei Jahren mit der Mitteldistanz abgeschlossen - ich gehöre irgendwie trotzdem zu dieser Gruppe. Uns vereint die Einstellung, dass alle okay sind. Dass jede dabei sein darf. Egal, was sie antreibt, wie die Voraussetzungen und Möglichkeiten sind. Für mich ist es spannend zu sehen, dass große Ziele und intensive, disziplinierte Vorbereitung nicht zwangsläufig mit Verbissenheit oder gar Besessenheit einhergehen müssen. Es ist trotzdem noch Platz für Spaß, auch wenige Wochen vor dem großen Tag. Andere wiederum zeigen, dass Spaß für sie ein größerer Antrieb sein kann als schnelle Zeiten. Und trotzdem muss sich keiner verstecken.
Warum schreibe ich das hier alles auf? Weil ich glaube, dass es sich immer lohnt, über den Tellerrand zu schauen. Herauszufinden, wie andere ticken. Was sie antreibt. Was man davon für sich selbst mitnehmen kann. Und was man anderen von sich selbst mitgeben kann. Denn eines haben wir auf jeden Fall alle mit nach Hause genommen: Eine gehörige Portion Motivation und die Erkenntnis, dass Triathlon wirklich für jeden ist.
Fotos: Liz Ke
Schaut vorbei:
Ann-Kathrin @triathlove
Nine @tri2gether
Eva @evaslaufliebe
Nadin @eiswuerfelimschuh
Liz @lizkefotografie
Donnerstag, 4. April 2019
Rennradfrauen: Wir sind viele!
Vor ein paar Wochen habe ich auf Instagram die Frage gestellt, wieso die Frauenquote bei Jedermann-Radrennen so niedrig ist - bei Rund um Köln beispielsweise knapp um die 10 Prozent insgesamt. Ich dachte, vielleicht würde eine Handvoll Leute reagieren, wenn überhaupt. Tatsächlich hat mich die Flut der Reaktionen ziemlich umgehauen, denn mir haben unheimlich viele Frauen und auch einige Männer geschrieben. Auf Insta als direkte Antwort auf die Frage, als private Nachricht oder extra per E-Mail. Das Thema scheint auf jeden Fall zu bewegen und daher möchte ich die häufigsten Antworten noch einmal mit euch teilen und weiterhin Ideen sammeln, wie wir das ändern könnten. Dieser Artikel ist eingebettet in die Aktion "Frauen im Sport", die Hannah von den Ausdauercoaches ins Leben gerufen hat. Meinen Steckbrief für das Projekt findet ihr hier. Ich freue mich, einen kleinen Teil beitragen zu können!
Nicht alles, was folgt, ist meine Meinung. All das haben mir Frauen als Gründe geschrieben, weshalb sie selbst nicht an Radrennen teilnehmen oder was sie glauben, weshalb die Frauenquote bei Rennen so gering ist:

- Mit Abstand häufigste Antwort: "ich bin zu untrainiert", "ich bin nicht fit genug"
- Zweithäufigste Antwort: "ich habe Angst, zu langsam zu sein"
- "ich glaube, viele trauen sich nicht"
- Mehr Männer als Frauen fahren Rennrad
- Angst vor Klickpedalen und der Geschwindigkeit
- Angst vor dem Fahren in der Gruppe
- Angst vor Stürzen im Getümmel
- "ich habe noch nie darüber nachgedacht"
- "ich habe keine "Buddies" zum Biken und möchte nicht alleine bei Events fahren"
- gemeinsamer Start mit den Männern
- Frauen denken, Männer würden rabiat fahren
- Frauen sind gescheiter und wissen, wie gefährlich das ist
- mangelnde Wertschätzung gegenüber Radfahrerinnen
- keine Lust
- Frauen genießen den Sport und wollen sich nicht miteinander messen
Puh, das hat mich teilweise, vor allem bei der Häufung der immer wieder gleichen Antworten, ganz schön ins Grübeln gebracht. Keine Lust - kein Ding! Keiner sollte sich zu irgendetwas gezwungen fühlen, nur weil es gerade scheinbar alle machen. Wenn aber strukturelle Gründe dazu führen, dass bestimmte Gruppen sich etwas nicht zutrauen, dann beschäftigt mich das. Und zwar so sehr, dass ich mir den Kopf darüber zerbreche, wie sich das verändern lässt. Deshalb habe ich auch euch gefragt, was Veranstalter und Radfahrer/innen ändern müssten. Heraus kam dabei das:
- Frauentouren organisieren
- sich gegenseitig motivieren
- respektvoll miteinander umgehen, besonders die schnelleren mit den langsameren Frauen
- Ehrungen für Frauen (auch bei kleinen Veranstaltungen mit wenigen Starterinnen)
- getrennte Starts für Männer und Frauen
- Vorbilder sichtbar machen

Vor allem der letzte Punkt motiviert mich immer wieder, mit dem Blog und auf Social Media weiterzumachen. Weiterhin Geschichten zu erzählen, zu zeigen was möglich ist, mit Ideen und "einfach mal machen" anzustecken. Hin und wieder bekomme ich Mails, in denen steht: "Du hast mir Mut gemacht, deshalb habe ich mich für XYZ angemeldet". Das freut mich unglaublich! Macht euch gegenseitig weiterhin Mut! Ich möchte nicht akzeptieren, dass es anscheinend häufig ein weibliches Problem ist, sich selbst zu unterschätzen. Die in den meisten Rennen auf den kurzen Strecken geforderte Mindestdurchschnittsgeschwindigkeit liegt um die 25 km/h. Wer da im Training bei ähnlichem Höhenprofil auch nur halbwegs dran kommt, wird bei gesperrten Straßen, mit Windschatten und Adrenalin keine Probleme haben. Niemand muss also absurd schnell sein, um ein Rennen zu fahren. Man muss sich nur trauen! Bei Läufen oder Triathlons tritt man ja auch ohne Probleme als Breitensportler an. Ich habe jedenfalls noch keinen 10-Kilometer-Läufer gehört: "Ich bin zu langsam, ich habe sowieso keine Chance, vorne mitzulaufen, also lasse ich es lieber."
Thema Vorbilder: Bei vielen der großen Jedermann-Rennen gibt es auch ein Profirennen, spontan fallen mir beispielsweise Rund um Köln, Eschborn-Frankfurt und Hamburg ein. Müsste es nicht konsequenterweise auch Frauenprofirennen im gleichen Kontext geben?
Seit dieser Umfrage sprüht mein Kopf vor Ideen, manche davon sind Hirngespinste und andere werden gerade Realität. Das werden sie aber nur, wenn man nicht nur davon redet, sondern auch Sachen macht: Heute Abend findet deshalb in Köln bei einem Bierchen die erste "Rund um Köln | Frauenrunde" statt. Ich habe mir gedacht, wenn Unsicherheit anscheinend bei vielen ein großes Thema ist, dann hilft es vielleicht, Frauen zusammen zu bringen. Ein Streckentest mit der Frauenrunde folgt Ende des Monats. Danach kann auf jeden Fall keine mehr sagen, sie kenne keine, mit der sie bei Events fahren könne ;-)
Ich würde die Diskussion gerne weiter anstoßen und freue mich auf eure Kommentare auf Facebook, Instagram oder Twitter: Was müsste passieren, damit mehr Frauen an den Startlinien stehen?
Fotos: Neil Baynes für Rund um Köln
Werbung: Wahrscheinlich ist dieser Artikel genau wie das Engagement in Köln Werbung. Die Frauenrunden sind in Absprache mit dem Rund um Köln Škoda Velodom Orgateam entstanden, jedoch auf meine Initiative hin und ohne Gegenleistung. Ich werbe dafür, sich den Sprung ins kalte Wasser zu trauen und mal bei Events teilzunehmen. Ich werbe auch für gegenseitige Bestärkung, für Mut und für das Bilden von Rudeln.
Thema Vorbilder: Bei vielen der großen Jedermann-Rennen gibt es auch ein Profirennen, spontan fallen mir beispielsweise Rund um Köln, Eschborn-Frankfurt und Hamburg ein. Müsste es nicht konsequenterweise auch Frauenprofirennen im gleichen Kontext geben?
Seit dieser Umfrage sprüht mein Kopf vor Ideen, manche davon sind Hirngespinste und andere werden gerade Realität. Das werden sie aber nur, wenn man nicht nur davon redet, sondern auch Sachen macht: Heute Abend findet deshalb in Köln bei einem Bierchen die erste "Rund um Köln | Frauenrunde" statt. Ich habe mir gedacht, wenn Unsicherheit anscheinend bei vielen ein großes Thema ist, dann hilft es vielleicht, Frauen zusammen zu bringen. Ein Streckentest mit der Frauenrunde folgt Ende des Monats. Danach kann auf jeden Fall keine mehr sagen, sie kenne keine, mit der sie bei Events fahren könne ;-)
Ich würde die Diskussion gerne weiter anstoßen und freue mich auf eure Kommentare auf Facebook, Instagram oder Twitter: Was müsste passieren, damit mehr Frauen an den Startlinien stehen?

Fotos: Neil Baynes für Rund um Köln
Werbung: Wahrscheinlich ist dieser Artikel genau wie das Engagement in Köln Werbung. Die Frauenrunden sind in Absprache mit dem Rund um Köln Škoda Velodom Orgateam entstanden, jedoch auf meine Initiative hin und ohne Gegenleistung. Ich werbe dafür, sich den Sprung ins kalte Wasser zu trauen und mal bei Events teilzunehmen. Ich werbe auch für gegenseitige Bestärkung, für Mut und für das Bilden von Rudeln.
Montag, 31. Dezember 2018
Rückblick 2018: Slow down
Wenn ich 2018 mit den letzten Sport-Jahren vergleiche, ist dieses vielleicht das Jahr der Entschleunigung. 2017 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen, habe die erste Triathlon Mitteldistanz gefinisht, bin das erste Cyclocross-Rennen gefahren, das erste Mountainbike-Rennen und das erste Kriterium auf der Straße (nochmal lesen? Hier entlang: 2017 - schneller, weiter, dreckiger). Ziemlich viel für ein Jahr. Wenn es um 2018 geht, muss ich erst Mal überlegen: Habe ich überhaupt etwas zum ersten Mal gemacht? Was habe ich ausprobiert und was habe ich dabei erlebt?
Ich bin mit dem Rennrad von Essen nach Ostfriesland gefahren. Meine längste Rennradtour war bis dahin 120 Kilometer lang. 333 sind anders. Ich habe sie geliebt und gehasst, oft beides zugleich. Am Ende überwiegt die Liebe, wenn du schon längst das Gefühl für Zeit und Raum verloren hast und auf einmal mit dem Rad zum Strand abbiegst. 300 sind schwer zu begreifen und noch schwerer zu erklären. Ich kann sie nur empfehlen, genau wie die Organisation und Begleitung der wunderbaren Menschen von der ERG 1900 e.V.
Zum ersten Mal bin ich bei einem 24-Stunden-Rennen gestartet und ich hätte mir kein besseres dafür aussuchen können als Rad am Ring. Auch kein besseres Team und keine bessere Strecke. Der Nürburgring ist besonders und er hat mir gehörigen Respekt eingeflößt. Auch noch Monate später hüpft das Herz, wenn ich daran denke, wie ich zum ersten Mal auf die Nordschleife abgebogen bin, auf diese wunderbar breite Rennstrecke, die sich durch die hügelige Eifel schlängelt. Wie ich zum ersten Mal die Fuchsröhre runter und die Hohe Acht hoch geradelt bin, wie das bei Tageslicht war, wie mitten in der Nacht. Wie sich über 80 km/h auf dem Rennrad anfühlen. Wie ich zum ersten Mal Ersthelfer geworden bin, wie perfekt mich das Team aufgefangen hat und wie viel Herzblut einfach alle in dieses eine Wochenende gesteckt haben.
Marathon unter zwei Stunden? Kein Problem mit Inlineskates statt Laufschuhen. Beim Berlin-Marathon Inlineskating habe ich mein Debüt auf Rollen gegeben und dabei festgestellt, dass mir das Skaten der Marathon-Distanz ziemlich viel Spaß macht. Leider scheint der Sport nicht mehr so populär zu sein, denn es gibt kaum noch große Marathons. Ist mir ein Rätsel, weil man für ein solides Finish viel weniger Aufwand als beim Laufen betreiben muss und außerdem eine schonende Ausgleichssportart hat. Aktuell sind meine Inlineskates in der Winterpause, aber ich werde sie 2019 definitiv wieder ausfahren.
Ich bin dieses Jahr nur bei einem einzigen Triathlon gestartet - und zwar zum ersten Mal beim 333 in Willich. Nicht etwa, weil mir die Zahl seit der Nordsee-Tour besonders gut gefällt (das auch!), sondern weil die Distanzen wie für mich gemacht sind: 300 Meter schwimmen, 33 Kilometer Radfahren, 3 Kilometer laufen. Das Schwimmen hab ich verflucht, aber ansonsten liefs prima und hat Spaß gemacht. Das Wichtigste bei kleinen Veranstaltungen im Dorf nebenan: die Freunde, die ebenfalls am Start sind und der Kuchen im Anschluss!
Auch wenn es mir hier nicht so sehr auf die Zeit ankommt, kann ich der Vollständigkeit halber vermelden, dass der Rotterdam Marathon für mich drei Minuten früher zu Ende war als der in Düsseldorf im Vorjahr - und zwar nach 4:35:14. Drei Minuten sind bei der Distanz und der Zeit ungefähr gar nichts und mir auch relativ schnuppe, aber was an diesem Wochenende in Rotterdam und in den Monaten vorher mit dieser Trainingsgruppe passiert ist, freut mich immer noch unheimlich. Das war sehr schön!
Eine große Sache steht nach langer Überlegung aber trotzdem schon fest: der Berlinmarathon. Durch das Finish beim Inlinemarathon habe ich mir den Startplatz gesichert. Seit ich das erste Mal zugeschaut hab, hat Berlin mich fasziniert, einmal muss es also sein. Günstiger wirds nicht ... Und obwohl 2019 bei mir für einen Herbstmarathon wirklich alles andere als perfekt ist, möchte ich ihn laufen.
Nächstes Jahr erfülle ich mir noch einen anderen kleineren Traum und starte zum ersten Mal bei einer Marathon-Staffel. Wie könnte es anders sein als zuhause beim Metro Marathon in Düsseldorf und in der Mädels-Variante der Raketenstaffel? Wir werden nicht ansatzweise so schnell sein wie die Jungs, aber ich freue mich riesig drauf! Die Strecke meines ersten Marathons nochmal im Team zu erleben - das wird wunderbar.
Dazu wird sich noch der eine oder andere Halbmarathon gesellen. Was sich rad- und triathlonmäßig so ergibt, wird sich zeigen. Komischerweise plane ich bisher nur Läufe - vielleicht mit dem Ziel im Herbst nicht die schlechteste Idee ...
Ich muss nicht unbedingt wieder ein Fernsehteam in meinem Wohnzimmer stehen haben, aber ich werde auch nächstes Jahr nicht müde werden, Jedermänner und vor allem -frauen fürs Radeln zu begeistern. Sei es durch die Erfahrungsberichte hier im Blog und auf Social Media oder als Speaker bei Veranstaltungen. Da hab ich echt Bock drauf!
Danke an alle, die irgendwie daran beteiligt waren, dass dieses Jahr so fantastisch geworden ist. An alle Leser und Zuhörer, Freunde, Familie, Trainingpartner, Windschattenspender, Team-Mitglieder, Gästezimmer-Anbieter, Kuhglocken-Schwinger, Fotografen, Kooperationspartner, Medien und Kollegen. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht!
Erste Male 2018
333 Kilometer ans Meer
Ich bin mit dem Rennrad von Essen nach Ostfriesland gefahren. Meine längste Rennradtour war bis dahin 120 Kilometer lang. 333 sind anders. Ich habe sie geliebt und gehasst, oft beides zugleich. Am Ende überwiegt die Liebe, wenn du schon längst das Gefühl für Zeit und Raum verloren hast und auf einmal mit dem Rad zum Strand abbiegst. 300 sind schwer zu begreifen und noch schwerer zu erklären. Ich kann sie nur empfehlen, genau wie die Organisation und Begleitung der wunderbaren Menschen von der ERG 1900 e.V.
Rad am Ring
Zum ersten Mal bin ich bei einem 24-Stunden-Rennen gestartet und ich hätte mir kein besseres dafür aussuchen können als Rad am Ring. Auch kein besseres Team und keine bessere Strecke. Der Nürburgring ist besonders und er hat mir gehörigen Respekt eingeflößt. Auch noch Monate später hüpft das Herz, wenn ich daran denke, wie ich zum ersten Mal auf die Nordschleife abgebogen bin, auf diese wunderbar breite Rennstrecke, die sich durch die hügelige Eifel schlängelt. Wie ich zum ersten Mal die Fuchsröhre runter und die Hohe Acht hoch geradelt bin, wie das bei Tageslicht war, wie mitten in der Nacht. Wie sich über 80 km/h auf dem Rennrad anfühlen. Wie ich zum ersten Mal Ersthelfer geworden bin, wie perfekt mich das Team aufgefangen hat und wie viel Herzblut einfach alle in dieses eine Wochenende gesteckt haben.
Inline-Marathon
Marathon unter zwei Stunden? Kein Problem mit Inlineskates statt Laufschuhen. Beim Berlin-Marathon Inlineskating habe ich mein Debüt auf Rollen gegeben und dabei festgestellt, dass mir das Skaten der Marathon-Distanz ziemlich viel Spaß macht. Leider scheint der Sport nicht mehr so populär zu sein, denn es gibt kaum noch große Marathons. Ist mir ein Rätsel, weil man für ein solides Finish viel weniger Aufwand als beim Laufen betreiben muss und außerdem eine schonende Ausgleichssportart hat. Aktuell sind meine Inlineskates in der Winterpause, aber ich werde sie 2019 definitiv wieder ausfahren.
Bikepacking

Schon länger geisterte die Idee einer Radreise in meinem Kopf herum, dieses Jahr habe ich sie dann halbwegs spontan endlich umgesetzt. Meine erste Bikepacking Tour führte vom Niederrhein nach Holland und zurück nach Düsseldorf, gut 325 Kilometer an drei Tagen. Ganz alleine, komplett in meinem Tempo und durch wirklich wunderschöne Gegenden (Veluwezoom!). Vielleicht die beste Auszeit des Jahres.
Auf der Bühne

Noch etwas Neues für mich: auf der Bühne stehen und reden. Hab ich dieses Jahr gleich mehrfach gemacht, obwohl ich nicht die leiseste Ahnung hatte, ob ich das überhaupt kann. Ich wusste nur, dass mir das Thema am Herzen liegt und dass ich es unbedingt will, egal ob ich gut darin bin. Immerhin war die Aufgabe denkbar einfach: Stell dich hin und erzähl etwas über dich, wie du als Frau zum Radsport gekommen bist. Klar - die Geschichte kenn ich. Und obwohl ich so viel lieber schreibe als spreche, haben mir die insgesamt vier Vorträge auf der Draussen in Bremen und der VELOBerlin unheimlich viel Spaß gemacht! Mein Lampenfieber: riesig. Die direkten Reaktionen des Publikums: unbezahlbar.
Im Vergleich zu den anderen großen Jedermannrennen hat Rund um Köln mindestens ein Ass im Ärmel: einen Pressesprecher, der keine halben Sachen macht. Stefan Schwenke habe ich es zu verdanken, dass ich mich auf einmal zwischen all den wichtigen Organisatoren-Herren als einzige Dame auf der Rund um Köln-Pressekonferenz wiedergefunden habe. Eigentlich dachte ich, ich halte nur die Fahne für die Frauenquote hoch, erzähle ein bisschen was über meine Teilnahme am Jedermannrennen und grinse in die Kamera. Dem WDR war das nicht genug, so dass mich zuerst ein Kamerateam zuhause besucht und anschließend während des Renntages begleitet hat. Hab ich schon erwähnt, dass ich nicht gerne rede? Und schon gar nicht vor Kameras?
Das Ergebnis gibts ab Minute 26:40 hier zu sehen: WDR Beitrag zu Rund um Köln.
Vor der Kamera
Im Vergleich zu den anderen großen Jedermannrennen hat Rund um Köln mindestens ein Ass im Ärmel: einen Pressesprecher, der keine halben Sachen macht. Stefan Schwenke habe ich es zu verdanken, dass ich mich auf einmal zwischen all den wichtigen Organisatoren-Herren als einzige Dame auf der Rund um Köln-Pressekonferenz wiedergefunden habe. Eigentlich dachte ich, ich halte nur die Fahne für die Frauenquote hoch, erzähle ein bisschen was über meine Teilnahme am Jedermannrennen und grinse in die Kamera. Dem WDR war das nicht genug, so dass mich zuerst ein Kamerateam zuhause besucht und anschließend während des Renntages begleitet hat. Hab ich schon erwähnt, dass ich nicht gerne rede? Und schon gar nicht vor Kameras?
Das Ergebnis gibts ab Minute 26:40 hier zu sehen: WDR Beitrag zu Rund um Köln.
Sa Calobra

Ich war schon mehrfach auf Mallorca radfahren, aber noch nie die legendäre Strecke nach Sa Calobra. Ich habe bergauf schon oft und viel geflucht, aber ich habe es noch nie geliebt. Dieses Jahr war das anders. Ich bin mit Freudentränen am Cap Formentor angekommen, weil es einfach so wunderschön war. Und ich bin Sa Calobra sowohl heil runter als auch wieder hoch gekommen, was ich vorher beides bezweifelt hatte. Vor allem die 10 Kilometer hoch haben mir mehr Spaß gemacht, als ich jemals für möglich gehalten hätte. Vielleicht wirds doch noch was, mit mir und den Bergen. Irgendwann.
Triathlon
Ich bin dieses Jahr nur bei einem einzigen Triathlon gestartet - und zwar zum ersten Mal beim 333 in Willich. Nicht etwa, weil mir die Zahl seit der Nordsee-Tour besonders gut gefällt (das auch!), sondern weil die Distanzen wie für mich gemacht sind: 300 Meter schwimmen, 33 Kilometer Radfahren, 3 Kilometer laufen. Das Schwimmen hab ich verflucht, aber ansonsten liefs prima und hat Spaß gemacht. Das Wichtigste bei kleinen Veranstaltungen im Dorf nebenan: die Freunde, die ebenfalls am Start sind und der Kuchen im Anschluss!
Strongmanrun
Erinnert sich irgendjemand? 2014 hatte ich mit dem Laufen nur deshalb angefangen, weil ich einmal an einem Hindernislauf teilnehmen wollte. Dieser Plan lag vor lauter Triathlon und Radeln und Laufen tatsächlich so lange auf Eis, bis die Anfrage von Strongmanrun kam, ob ich nicht mit ein paar Freunden beim Event in Köln teilnehmen möchte. Da musste ich mich nicht lange bitten lassen! Zwar haben mir die wirklich schweren Hindernisse gefehlt, aber wir hatten einen lustigen Tag und ich kann an die Sache mit den Hindernissen vorerst einen Haken machen. Die Geschichte mit dem Matsch kann ja noch kommen ;-)
Bestzeiten 2018
Ich habe dieses Jahr weniger trainiert und ganze zehn Wettkämpfe weniger bestritten als im Rekordjahr 2017. Und das hat mir gut getan. Wie immer war ich ohne Trainingsplan und ohne strenge Regeln unterwegs.Halbmarathon
Nachdem ich 2016 und 2017 drei Halbmarathons jeweils knapp über zwei Stunden gelaufen bin, hat sich das Fallen der magischen Grenze angedeutet. Ziemlich spontan hat es im März geklappt, als ich aus dem Marathon-Training heraus kurzfristig einen Halben gelaufen bin: 1:57:21 ist seitdem die neue Marke. Im Juni und Oktober ist noch jeweils eine 1:58 dazu gekommen - beide Male bei quasi nicht vorhandener Vorbereitung. Diese 21 Kilometer könnten meine liebste Distanz werden ...10 Kilometer
Seit ich 2016 einmal eine 52:44 auf 10 Kilometern gelaufen bin, habe ich es nie wieder unter die 53 Minuten geschafft. Bis zum April diesen Jahres - seitdem heißt die neue Bestzeit 51:49. Einen Mini-Pokal für die gewonnene Altersklasse gabs auch gleich noch dazu.
Marathon
Auch wenn es mir hier nicht so sehr auf die Zeit ankommt, kann ich der Vollständigkeit halber vermelden, dass der Rotterdam Marathon für mich drei Minuten früher zu Ende war als der in Düsseldorf im Vorjahr - und zwar nach 4:35:14. Drei Minuten sind bei der Distanz und der Zeit ungefähr gar nichts und mir auch relativ schnuppe, aber was an diesem Wochenende in Rotterdam und in den Monaten vorher mit dieser Trainingsgruppe passiert ist, freut mich immer noch unheimlich. Das war sehr schön!
Cross-Cup

Neu beim Bombtrack NRW Cross-Cup in diesem Jahr: Cup-Wertung auch für Hobbyfahrer! Yay! Wie so ein Crossrennen Spaß machen kann, obwohl man die ganze Zeit Blut schmeckt, hatte ich hier schon einmal aufgeschrieben. Daran hat sich nichts geändert. Die ersten beiden Rennen in Dorsten und Radevormwald sind für mich mit einem zweiten und einem dritten Platz sehr gut gelaufen. Danach hat die Gesundheit nicht mehr so richtig mitgespielt und ich bin in Kendenich und Pulheim mehr schlecht als recht irgendwie ins Ziel gerollt, Kreuzweingarten musste ich leider komplett sausen lassen. In der Gesamtwertung hat's trotzdem für Platz 4 gereicht. Nur 15 Hobby-Damen bei insgesamt sechs Rennen ist aber durchaus noch ausbaufähig!
Saisonplanung 2019?
Was kommt nächstes Jahr? Die ehrliche Antwort ist: So ganz genau weiß ich es noch nicht. Was ich weiß, ist, dass mein Studium nächstes Jahr noch mehr Zeit benötigen wird als jetzt. Deshalb fallen mir große Pläne mit viel Trainingsaufwand zurzeit schwer.Eine große Sache steht nach langer Überlegung aber trotzdem schon fest: der Berlinmarathon. Durch das Finish beim Inlinemarathon habe ich mir den Startplatz gesichert. Seit ich das erste Mal zugeschaut hab, hat Berlin mich fasziniert, einmal muss es also sein. Günstiger wirds nicht ... Und obwohl 2019 bei mir für einen Herbstmarathon wirklich alles andere als perfekt ist, möchte ich ihn laufen.
Nächstes Jahr erfülle ich mir noch einen anderen kleineren Traum und starte zum ersten Mal bei einer Marathon-Staffel. Wie könnte es anders sein als zuhause beim Metro Marathon in Düsseldorf und in der Mädels-Variante der Raketenstaffel? Wir werden nicht ansatzweise so schnell sein wie die Jungs, aber ich freue mich riesig drauf! Die Strecke meines ersten Marathons nochmal im Team zu erleben - das wird wunderbar.
Dazu wird sich noch der eine oder andere Halbmarathon gesellen. Was sich rad- und triathlonmäßig so ergibt, wird sich zeigen. Komischerweise plane ich bisher nur Läufe - vielleicht mit dem Ziel im Herbst nicht die schlechteste Idee ...
Ich muss nicht unbedingt wieder ein Fernsehteam in meinem Wohnzimmer stehen haben, aber ich werde auch nächstes Jahr nicht müde werden, Jedermänner und vor allem -frauen fürs Radeln zu begeistern. Sei es durch die Erfahrungsberichte hier im Blog und auf Social Media oder als Speaker bei Veranstaltungen. Da hab ich echt Bock drauf!

Danke an alle, die irgendwie daran beteiligt waren, dass dieses Jahr so fantastisch geworden ist. An alle Leser und Zuhörer, Freunde, Familie, Trainingpartner, Windschattenspender, Team-Mitglieder, Gästezimmer-Anbieter, Kuhglocken-Schwinger, Fotografen, Kooperationspartner, Medien und Kollegen. Das hat ziemlich viel Spaß gemacht!
Montag, 20. August 2018
Triathlon, Marathon, Ultra? - Gar nichts muss ich!
Mein Leben hat keine Bucket List. Marathon laufen? Einmal im Leben einen Ironman finishen? Steht und stand nie auf irgendeiner Liste. Marathon bin ich trotzdem gelaufen, inzwischen zweimal. Und wenn ich mich aktuell in meinem Umfeld online und offline so umschaue, könnte mich ziemlich leicht der Gedanke beschleichen, dass ich damit eigentlich ziemlich öde bin. Mehr ein Jogger als ein Läufer. Inzwischen scheint es nämlich dazu zu gehören, Ultra zu laufen. Mindestens 50 Kilometer dürfen es schon sein, gerne mehr. Entweder flach auf einer winzigen Runde im Kreis oder am besten mit möglichst vielen Höhenmetern. Achso, jeder Waldlauf ist übrigens auch ein Trailrun, aber bitte weit und bergig. Was, du läufst nur große Wettkämpfe auf der Straße? Total Mainstream.
Das ist die Läufer-Bubble. Meine normalen Freunde differenzieren nicht zwischen bekloppt und #allebekloppt. Vor einer Weile habe ich mit einer sehr guten Freundin, einer Gelegenheitsjoggerin, gesprochen. Sie habe das Gefühl, jeder sei auf einmal Triathlet. Als gäbe es einen gesellschaftlichen Druck, einmal an einem Triathlon teilzunehmen. Die vielen Jedermänner bei den Veranstaltungen, egal ob Marathon oder Triathlon, suggerierten den Zuschauern, das könne jeder. Und wenn es schon jeder kann, wenn also selbst diejenigen, die in ihrem ganzen Leben noch nie Sport gemacht haben, sich auf einmal vom Sprint zur Olympischen Distanz vorarbeiten und so weiter - dann bekäme man als eigentlich gar nicht so unsportlicher Zuschauer schon fast ein schlechtes Gewissen.
Ist das jetzt gut, weil jemand denkt: "Oh stark, wenn der das kann, dann kann ich das auch!" oder ist es schlecht, wenn man einen Druck verspürt, an Events teilzunehmen und den Haken auf der Bucket List zu machen? Kann man eigentlich mit einem Marathon noch irgendwen beeindrucken? Muss es nicht eher ein Ultra sein oder eben eine Triathlon-Langdistanz - oder ist die nicht inzwischen auch fast schon Standard und nur noch etwas Besonderes, wenn die Bedingungen so richtig menschenfeindlich sind?
Der zweite Gedanke geht so: Warum zur Hölle wollen wir eigentlich irgendwen beeindrucken und vor allem wen? Wenn es bei den Sportlern und den Nicht-Sportlern mit der Anerkennung eigentlich so einfach ist, wer bleibt übrig?
Du. Dein eigenes Ego. Und das ist erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen zufrieden. Schau dich doch nur mal um! So viele sind schneller als du, legen weitere Distanzen zurück, nehmen an mehr Rennen teil, haben mehr Spaß dabei, erleben die cooleren Sachen, wuppen den Spagat aus Arbeit, Familie, Freunde, Haushalt und Sport so viel müheloser.
Ich habe mir an die eigene Nase gefasst und überlegt, aus welchen Motiven heraus ich welche sportliche Herausforderung eigentlich angegangen bin. Der erste 5-Kilometer-Lauf? Ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Hindernislauf. Der erste Volkstriathlon? Eine Schnapsidee aus Neugierde, ob ich das schaffen kann. Aber dann, die ersten zehn Kilometer, die erste Olympische Distanz, der erste Halbmarathon. Ich glaube nicht, dass all das nur aus mir selbst entstanden ist, dass ich das nur für mich gewollt habe. Vielmehr spielt eine Selbstverständlichkeit da rein, dass es eben so weiter geht. Wenn du fünf Kilometer laufen kannst, dann auch zehn. Wenn du einen Sprint schaffst, warum nicht auch eine Olympische Distanz? Wenn die Olympische klappt, beginnst du automatisch, über die Mitteldistanz nachzudenken. Weil es der nächste Schritt ist. Wenn du 42 Kilometer laufen kannst, wieso dann nicht auch 50? Wenn du 50 ...
Begeisterung überschwappen zu lassen und andere anzustecken, ist etwas Großartiges. Es ist so schön, neue Dinge auszuprobieren, auf die man alleine nie gekommen wäre. Aber kann das auch schaden? Erzeugen die super-sportlichen Freunde unbewusst einen Druck, selbst auch immer mehr erreichen zu wollen? Steigern wir uns zu schnell in sportliche Herausforderungen hinein? Das kann mit Sicherheit passieren. Aber es liegt an uns, ob wir das Wettrennen um höher, schneller, weiter mitmachen.
Ich bin ziemlich sicher, dass ich ohne meine Freunde keine Mitteldistanz angegangen wäre. Zu viert zusammen etwas so großes zum ersten Mal machen - das ist eine ziemlich schöne einmalige Sache. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, auch und gerade weil ich das alleine nicht gemacht hätte. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, sich nicht immer nur von der Euphorie leiten zu lassen und so andauernd in Dinge hinein zu rutschen, für die man (noch) nicht bereit ist, die aber alle machen. Von denen man glaubt, man müsste sie auch machen.
Hier auf dem Blog gibt es keine Kommentarfunktion mehr. Schreib mir deine Gedanken zum Thema gerne unter den Beitrag auf Facebook, Instagram oder Twitter. Bist du auch zwiegespalten, was das Anstecken unter Freunden, Bekannten und der eigenen Timeline angeht? Glaubst du, es gibt einen gewissen Druck, bestimmte Dinge einmal im Leben zu erleben?
Fotos: Christian Siedler

Das ist die Läufer-Bubble. Meine normalen Freunde differenzieren nicht zwischen bekloppt und #allebekloppt. Vor einer Weile habe ich mit einer sehr guten Freundin, einer Gelegenheitsjoggerin, gesprochen. Sie habe das Gefühl, jeder sei auf einmal Triathlet. Als gäbe es einen gesellschaftlichen Druck, einmal an einem Triathlon teilzunehmen. Die vielen Jedermänner bei den Veranstaltungen, egal ob Marathon oder Triathlon, suggerierten den Zuschauern, das könne jeder. Und wenn es schon jeder kann, wenn also selbst diejenigen, die in ihrem ganzen Leben noch nie Sport gemacht haben, sich auf einmal vom Sprint zur Olympischen Distanz vorarbeiten und so weiter - dann bekäme man als eigentlich gar nicht so unsportlicher Zuschauer schon fast ein schlechtes Gewissen.
Ist das jetzt gut, weil jemand denkt: "Oh stark, wenn der das kann, dann kann ich das auch!" oder ist es schlecht, wenn man einen Druck verspürt, an Events teilzunehmen und den Haken auf der Bucket List zu machen? Kann man eigentlich mit einem Marathon noch irgendwen beeindrucken? Muss es nicht eher ein Ultra sein oder eben eine Triathlon-Langdistanz - oder ist die nicht inzwischen auch fast schon Standard und nur noch etwas Besonderes, wenn die Bedingungen so richtig menschenfeindlich sind?
Wem willst du's eigentlich zeigen?
Bleiben wir mal beim Thema Eindruck schinden. Mir schwirren dazu viele Gedanken durch den Kopf. Einer geht so: Jede sportliche Leistung kann für jemanden persönlich herausragend sein. Besonders, unvorstellbar, beeindruckend. Das können die ersten fünf Kilometer am Stück nach jahrelanger Sport-Abstinenz sein, das kann der erste Triathlon sein, der erste (Halb-)Marathon, 70 oder 100 Kilometer, eine Langdistanz, drei Langdistanzen hintereinander, ein vor dem Besenwagen gefinishtes Rennen, ein mehrwöchiges Radrennen quer über einen kompletten Kontinent. Ich habe Respekt vor allen diesen Leistungen und ich erlebe das gleiche aus meinem sportlichen Umfeld. Sportler kannst du also relativ leicht beeindrucken, weil sie - wenn sie nicht bei schwierigen Downhills mehrfach auf den Kopf gefallen sind - wissen, wie sich das anfühlt, was du geleistet hast. Wenn sie es nicht aus eigener Erfahrung wissen, können sie es erahnen. Sie wissen, wie unerreichbar weit weg ein Ziel erscheinen kann. Sie wissen, wie sich durchhalten anfühlt. Die Nicht-Sportler beeindruckst du noch leichter - denn wer keine 10 Kilometer laufen kann, findet 42 genauso unvorstellbar wie 50. 80 hören sich dann natürlich nochmal krasser an, sind aber genauso weit weg im #allebekloppt-Universum.Der zweite Gedanke geht so: Warum zur Hölle wollen wir eigentlich irgendwen beeindrucken und vor allem wen? Wenn es bei den Sportlern und den Nicht-Sportlern mit der Anerkennung eigentlich so einfach ist, wer bleibt übrig?
Du. Dein eigenes Ego. Und das ist erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen zufrieden. Schau dich doch nur mal um! So viele sind schneller als du, legen weitere Distanzen zurück, nehmen an mehr Rennen teil, haben mehr Spaß dabei, erleben die cooleren Sachen, wuppen den Spagat aus Arbeit, Familie, Freunde, Haushalt und Sport so viel müheloser.

Ich habe mir an die eigene Nase gefasst und überlegt, aus welchen Motiven heraus ich welche sportliche Herausforderung eigentlich angegangen bin. Der erste 5-Kilometer-Lauf? Ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Hindernislauf. Der erste Volkstriathlon? Eine Schnapsidee aus Neugierde, ob ich das schaffen kann. Aber dann, die ersten zehn Kilometer, die erste Olympische Distanz, der erste Halbmarathon. Ich glaube nicht, dass all das nur aus mir selbst entstanden ist, dass ich das nur für mich gewollt habe. Vielmehr spielt eine Selbstverständlichkeit da rein, dass es eben so weiter geht. Wenn du fünf Kilometer laufen kannst, dann auch zehn. Wenn du einen Sprint schaffst, warum nicht auch eine Olympische Distanz? Wenn die Olympische klappt, beginnst du automatisch, über die Mitteldistanz nachzudenken. Weil es der nächste Schritt ist. Wenn du 42 Kilometer laufen kannst, wieso dann nicht auch 50? Wenn du 50 ...
Zwei Herzen
Natürlich spielt unser Umfeld eine entscheidende Rolle. Bin ich der einzige in meinem Bekanntenkreis, der Sport treibt und an Wettkämpfen teilnimmt? Oder habe ich lauter Freunde um mich herum, die gemeinsam mit mir Pläne schmieden, die sich ebenfalls steigern oder schon drei Schritte weiter sind? An dieser Stelle schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Einerseits finde ich es toll, sich anstecken zu lassen. Unbedarft an Dinge heranzugehen, die auf einmal erreichbar erscheinen, weil sie in einem bestimmten Umfeld normal wirken - für dich selbst aber vielleicht etwas ganz großes sind, was du dich allein nicht getraut hättest. Es ist toll, zusammen Schnapsideen auszuhecken, und ich liebe es, andere mit Ideen anzufixen. Deshalb schreibe ich diesen Blog. Ich freue mich wie Bolle, wenn mir wieder jemand schreibt: Danke, du hast mich motiviert, ich kaufe mir jetzt ein Rennrad. Oder ich fahre mein erstes Rennen. Starte beim Triathlon.Begeisterung überschwappen zu lassen und andere anzustecken, ist etwas Großartiges. Es ist so schön, neue Dinge auszuprobieren, auf die man alleine nie gekommen wäre. Aber kann das auch schaden? Erzeugen die super-sportlichen Freunde unbewusst einen Druck, selbst auch immer mehr erreichen zu wollen? Steigern wir uns zu schnell in sportliche Herausforderungen hinein? Das kann mit Sicherheit passieren. Aber es liegt an uns, ob wir das Wettrennen um höher, schneller, weiter mitmachen.

Ich bin ziemlich sicher, dass ich ohne meine Freunde keine Mitteldistanz angegangen wäre. Zu viert zusammen etwas so großes zum ersten Mal machen - das ist eine ziemlich schöne einmalige Sache. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, auch und gerade weil ich das alleine nicht gemacht hätte. Trotzdem denke ich, dass es wichtig ist, sich nicht immer nur von der Euphorie leiten zu lassen und so andauernd in Dinge hinein zu rutschen, für die man (noch) nicht bereit ist, die aber alle machen. Von denen man glaubt, man müsste sie auch machen.
Du musst gar nichts. Nur Apfelmus.
Wenn ich eines in den letzten vier Jahren Ausdauer-Sport gelernt habe, dann ist es, auf meinen Körper zu hören. Ruhetage einzuhalten. Mich zu erholen. Nicht unendlich weiter zu machen, "weil es so viel Spaß macht" und dann ja nicht schaden kann. Oder weil es alle machen. Zum Glück bewahrt mich meine Faulheit vor Übertraining. Wenn ich mir irgendwann trotzdem zutraue, eine absurde Anzahl von Kilometern und Höhenmetern durch die Gegend zu rennen oder mit dem Rad mehrere Länder zu durchqueren, dann würde ich mir keine Sorgen darum machen, dass es zu viel sein könnte. Weil ich immer im Hinterkopf habe, wie außergewöhnlich derartige Vorhaben sind, wie wenig normal. Wir müssen nämlich gar nichts. Niemand muss Marathon laufen, oder Ultra oder auch nur einen Kilometer. Wir müssen gar nichts. Aber wir könnten.Hier auf dem Blog gibt es keine Kommentarfunktion mehr. Schreib mir deine Gedanken zum Thema gerne unter den Beitrag auf Facebook, Instagram oder Twitter. Bist du auch zwiegespalten, was das Anstecken unter Freunden, Bekannten und der eigenen Timeline angeht? Glaubst du, es gibt einen gewissen Druck, bestimmte Dinge einmal im Leben zu erleben?
Fotos: Christian Siedler
Samstag, 9. Juni 2018
333 km ans Meer: ERG2Nordsee - Vitamin Sea
Du kannst dir diesen Artikel auch als Podcast anhören, zum Beispiel hier auf Spotify.
Von Essen an die Nordsee. 333 Kilometer. Mit dem Rennrad. Im Januar halte ich das für eine prima Idee und melde mich ohne Zögern an. Bis April ist erst einmal der Rotterdam Marathon wichtiger, so dass ich mehr laufe als radele. Im Mai gibt Kati, eine der Organisatorinnen von der ERG, Tipps, wo man eine 200-Kilometer-RTF fahren könnte. Als Training. Zum Equipment-Check. Ups. Ich habe bisher nicht in Erwägung gezogen, dass es Sinn ergeben könnte, vorher mal 200 Kilometer zu fahren, wenn man sich 300 vorgenommen hat. Eigentlich stelle ich mir die ganze Geschichte ziemlich easy vor: Um Beine und Kondition mache ich mir keine Sorgen. Die einzige Unsicherheit ist, ob ich 300 Kilometer lang auf dem Sattel sitzen kann oder mir nach 150 Kilometern einen Wolf fahre und in den Lenker beißen will.
Treffpunkt ist um 3 Uhr nachts in Essen, Abfahrt um 4. Am Vortag beschleicht mich die leise Vorahnung, es wäre vielleicht doch nicht blöd gewesen, längere Strecken zu trainieren und mal zu testen, wie lange der Akku vom Garmin und der Akku von Maren eigentlich halten. Stattdessen lade ich die Powerbank und kaufe Schokoriegel, weil mir Julia erzählt hat, dass sie so eine Tour auch schon einmal gemacht hat und nach drölfzig Powerriegeln und Gels einfach nur noch ein Snickers herbei gesehnt hat. Ich decke mich also mit Mars in rauen Mengen ein. Spoiler: Ich werde keines während der Tour essen, sondern die Hälfte davor und den Rest danach.
Ich bin nicht nur unterirdisch vorbereitet, sondern auch genauso mies bei der Zeitplanung. Am Vorabend arbeite ich bis 22 Uhr, packe in letzter Minute meine Sachen und falle um kurz vor eins ins Bett, nur um eine Stunde später wieder aufzustehen. Ich weiß nicht, ob eine Stunde oder gar nicht schlafen besser ist - am besten wäre wohl so viel wie möglich. Egal: Es ist, wie es ist.
Kilometer 0: Knapp 40 Teilnehmer und 4 Guides treten den Ritt an die Nordsee an. Aufgeteilt in zwei Gruppen rollen wir in die Nacht.
Kilometer 1: Keine Spur von Müdigkeit. Die frische Luft, die Dunkelheit und die volle Konzentration, die beim Fahren in der Gruppe vor allem nachts gefordert ist, schärfen die Sinne. Ich bin hellwach und fühle mich, als würden wir zu einem Eroberungszug ausrücken. Sea you soon, Nordsee!
Kilometer 23: Endlich raus aus dem Pott. Weg von den Städten, den Ampeln, dem Stop & Go nachts um 5. Es dämmert und ich wünsche mir nichts mehr, als in den Sonnenaufgang hinein zu radeln. Und dann mit der Sonne ans Meer. Wie schön wäre das?
Kilometer 30: Es ist so was wie hell, aber grau in grau.
Kilometer 50: Erste große Pause. Ich finde es übertrieben, nach einer so kurzen Strecke schon eine Pause zu machen, aber als ich die Leckereien auf dem Tapeziertisch entdecke, der uns noch den ganzen Tag verfolgen wird, ändere ich meine Meinung. Her mit den Keksen in Fahrradform! Wir sind am Schloss Raesfeld (nie gehört bisher) - definitiv eine schicke Kulisse für den ersten Stopp. Ein Fahrradverleih ist ausgeschildert und wirbt mit: "Mieten Sie ein E-Bike!" Ganz bestimmt nicht.
Irgendwo im Nirgendwo: Pipipause. Es gibt Männer-Pipipausen (jeder Straßenrand eignet sich) und Frauen-Pipipausen (richtige Toiletten kommen ins Spiel). Dies ist eine Männer-Pipipause, was aber keine der Frauen aus unserer Gruppe davon abhält, sich in den Wald zu hocken. Ich bin kein Fan vom Gruppenpinkeln, gehe noch um 23 andere Bäume und schäle mich schließlich aus Windjacke und Trikot. Wie nervig, dass man sich dank Bibshorts immer gleich obenrum auch komplett ausziehen muss, wenn man sich eigentlich nur kurz in den Wald hocken will.
Kilometer 60: Borken. Ich habe wieder eine grobe Idee, wo wir sind. Es ist weitläufig, alles ist grün, rechts uns links Felder, manchmal Bäume. In anderen Worten: Langweilig.
Irgendwo im Nirgendwo: Es beginnt zu regnen. Und zwar nicht zu knapp. Kurzer Stopp, um die Regenjacken anzuziehen.
Kilometer 90: Bäume, Felder, Felder, Bäume, Grün. Nass.
Kilometer 110: Wie groß ist eigentlich dieser verdammte Kreis Borken??
Kilometer 113: Zweite große Pause. Gronau. rock’n’popmuseum. Der Regen lässt nach. Wieder habe ich eigentlich gar keinen Hunger, stelle aber dann fest, dass es andere leckere Sachen als eben gibt und schiebe Bananenbrot in mich hinein.
Kilometer 120: Ab jetzt ist die Strecke länger als ich jemals zuvor am Stück geradelt bin. Als ich das beiläufig erwähne, fallen meinem Nebenmann fast die Augen aus dem Kopf.
Kilometer 145: Nordhorn. Endlich ein neuer Kreis, tschüss du blödes Borken! Haken: Hier wohnen anscheinend die beschissensten Autofahrer. Ein Kleinwagen in Elefantenschuhgröße meint, sofort nach dem Überholen beim Einscheren einen so scharfen Schlenker machen zu müssen, dass die erste Reihe ausweichen muss. Ich verbringe die nächsten Kilometer damit, innerlich das Kennzeichen aufzusagen, falls irgendjemand den Fahrer anzeigen möchte. Immerhin eine Beschäftigung.
Irgendwo im Nirgendwo: Es regnet wieder.
Immernoch irgendwo im Nirgendwo: Felder, Bäume, Felder, Bäume. Regen. Der untere Rücken tut weh, mir ist schlecht und ich fürchte, ich brauche gleich mal eine Frauen-Pipipause (und zwar nicht zum Pinkeln). Die Müdigkeit wird immer stärker.
Kilometer 160: Ich weiß nicht, ob es anstrengender ist, die Augen offen zu halten oder die Rückenschmerzen auszuhalten.
Kilometer 170: Ich wünsche mir das E-Bike von Kilometer 50.
Irgendwo im Nirgendwo: Es regnet immer noch.
Immernoch irgendwo im Nirgendwo: Männer-Pipipause. Ich freue mich über das Anhalten und nutze die Zeit zum Essen. Bei der letzten Verpflegung habe ich einen selbstgebackenen Müsliriegel eingepackt. Er schmeckt gigantisch und ich lecke jede einzelne Haferflocke aus der Alufolie.
Immernoch irgendwo im Nirgendwo: Rechts und links ist es immer noch grün und die Straßen führen endlos geradeaus. Ich zähle die Kilometer bis zur nächsten Pause rückwärts und habe nicht die geringste Ahnung, wie ich danach noch weitere 130 Kilometer auf dem Rad verbringen soll. Mit diesem Rücken. Kurz vor dem Einschlafen.
Ist ja auch scheißegal, wo: Hatte ich bereits erwähnt, dass es regnet?
Kilometer 203: Dritte große Pause. Niederlangen, dieses Mal keine Sehenswürdigkeit in der Nähe. Mir ist alles egal, ich freue mich nur wahnsinnig über die Pause. Ich will alles essen, aber habe Angst, dass mir wieder schlecht wird. Die Entscheidung fällt auf Kartoffel- und Couscoussalat. Und Kuchen. Kuchen ist wichtig. Cola auch. Weil die zweite Gruppe Probleme mit der Navigation hatte, haben wir einen zu großen Vorsprung herausgefahren. Gut für uns, denn so dauert unsere Pause länger. Nach einer guten halben Stunde werden wir wieder auf die Strecke geschickt: "Wir sehen uns in 70 Kilometern bei der nächsten Pause!"
Kilometer 204: Ich weiß nicht, was die Salate, der Kuchen oder die Cola mit mir gemacht haben, aber ich habe nicht nur keine so starken Schmerzen mehr, sondern vor allem wieder Bock. Die Selbstverständlichkeit, dass wir jetzt mal eben 70 weitere Kilometer radeln und dann zur vierten und letzten Pause anhalten, schwappt auf mich über. Okay, dann machen wir das mal.
Irgendwo im Nirgendwo: Mittlerweile ist es mir scheißegal, ob ich hinter meinem eigenen Baum hocke oder neben vier anderen Frauen auf einer Wiese aufgereiht. Pipipausen werden da gemacht, wo angehalten wird.
Kilometer 226: Wir überqueren die Ems und direkt darauf den Dortmund-Ems-Kanal.
Kilometer 236: Papenburg. Temperaturhöhepunkt mit 20°. Ich ziehe alles aus, was geht (also nur die Windjacke).
Kilometer 240: Aus irgendeinem Grund kommen die ersten Reihen auf die Idee, das Tempo anzuziehen. Ich würde mir eher die Zunge abbeißen, bevor ich "Kürzer!" rufe, aber ich komme nicht drum herum, zur Fahrweise etwas zu sagen. Es nervt unglaublich, wenn die vorderen Reihen nicht ruhig an Hindernissen vorbeifahren oder nach dem Anfahren an Ampeln so lange langsam rollen, bis die gesamte Gruppe wieder in Bewegung ist. Wenn Reihe eins nach jeder Ampel sofort kräftig reintritt, steht Reihe zehn noch an der Haltelinie und kann danach erst mal eine riesige Lücke zusprinten. Nach jeder Kurve, jeder Ampel, jedem Hindernis. Das kostet natürlich Kraft - vollkommen unnötig ausgerechnet bei einer Tour über 333 Kilometer. Leider wird meine Kritik ein bisschen falsch verstanden: "Ja, wir machen gleich mal was langsamer." Ich will nicht langsamer! Ich will nur nicht ständig Lücken schließen müssen. Es hilft auch nicht, weiter vorne zu fahren, außer man ist die allererste Reihe und bestimmt das Tempo. Ich versuche, mich nicht zu sehr aufzuregen. Immerhin lerne ich so meine disziplinierten Gruppen zuhause zu schätzen, mit deren ruhiger Fahrweise sich ein 30er Schnitt locker wie ein 25er anfühlt - egal an welcher Position du in der Gruppe bist. Geht nämlich auch.
Kilometer 260: Wie schön ist Leer eigentlich?
Kilometer 272: Vierte große Pause. Veenhusen. Es gibt Kuchen. Ich atme ein Stück Kuchen ein und entdecke dann die Tüte Chips. Geil! Nach all dem süßen Zeug endlich mal was Salziges. Wie großartig sind Chips bitte?!
Irgendwo im Nirgendwo: Ich bin mir sicher, dass wir über die allererste Straße fahren, die jemals in Ostfriesland gebaut wurde. Selbst der Mittelstreifen ist gepflastert.
Irgendwo im Nirgendwo vor 1000 Jahren: Immernoch Kopfsteinpflaster. Ein Hoch auf Gel-Lenkerband.
Kilometer 300: Aurich. So langsam nimmt das hier absurde Ausmaße an. Ich weiß exakt, wo wir sind und wie weit es noch ist - 25 Jahre Nordsee-Urlaub haben ihre Spuren hinterlassen.
Kilometer 315: Ich kenne jede Straße und finde es komplett absurd, dass wir heute morgen noch in Essen waren und jetzt hier. Und dazwischen nur Rad gefahren sind.
Kilometer 326: Ich überlege, ob die Holzmöwe auf dem Ortsschild von Westerbur ("Urlaub pur in Westerbur") aus Holz oder echt ist. Ich weiß, dass sie aus Holz ist, aber ich überlege trotzdem.
Kilometer 327: Wir biegen auf die Straße direkt am Deich ab und mir geht das Herz auf. Geht es schöner, als die letzten Kilometer direkt neben dem Deich zu radeln? Mit über 300 Kilometern in den Beinen, seit über 15 Stunden unterwegs und jetzt mit dem Wissen, dass wir direkt am Meer sind. Fast am Ziel. Die Endorphine schrauben das Tempo wieder ein bisschen höher. Fühlt sich gut an.
Kilometer 333: Hafeneinfahrt Bensersiel. Wie perfekt das auf den Kilometer genau aufgeht. Und wie wunderbar der Ort passt: An diesem Strand habe ich schon als 5-Jährige im Sand gespielt und Wattwanderungen unternommen. Zuletzt war ich Anfang des Jahres da und bin zusammen mit meiner Schwester auf das Klettergerüst geklettert, das früher irgendwie viel höher war. Und jetzt bin ich wieder hier. Mit dem Rad. Aus eigener Kraft. Einfach hingeradelt. An einem Tag. Vollkommen bescheuert. Auf jeden Fall bekloppt genug, um die Freudentränen in die Augen zu treiben und für Welt-umarmen-wollen-Stimmung zu sorgen. Wie geil ist das bitte?!
Der Empfang ist fantastisch: Es gibt bunte Luftballons, Bier und freudige Gesichter. Nur das Meer ist nicht da. Ich kriege das Grinsen trotzdem nicht mehr aus dem Gesicht und mache mich stattdessen auf die Suche nach dem Strandkorb mit der Nummer 333.
Kilometer 334: Das letzte, was ich möchte, ist sitzen. Weil wir nicht am Strand schlafen (schade eigentlich!), setze ich mich trotzdem nochmal aufs Rad (autsch). Diese letzten Handvoll Kilometer sind die schmerzhaftesten des Tages - aber das ist völlig egal. Es hat sich so sehr gelohnt. Was für ein Ritt! Danke, liebes ERG-Team. Was ihr hier auf die Beine gestellt habt, ist absolut fantastisch. Jede Sekunde war euch das Herzblut anzumerken, das in dieser Geschichte steckt. Darauf erstmal ne Portion Apfelmus mit Vanillesauce! Sea you soon!
Wen die Langstrecke jetzt reizt, dem möchte ich den zauberhaften Artikel von VeloQ ans Herz legen: 300 Kilometer sind nur 150 pro Bein.
"Ich habe es vorher nie verstanden, denn Dreihundert sind anders. Es ist kein gewonnener Sprint, kein KOM auf der Liste, kein PR für die Bücher. Dreihundert ist kein Wettbewerb gegen andere. Es ist ein Wettbewerb gegen sich selbst. Ein Wettbewerb, den man alleine austrägt, dessen Bedeutung man nicht suchen sondern nur finden kann. Aber nicht auf der Straße, nicht auf Asphalt, Kopfsteinpflaster, Strava oder Garmin. Dreihundert sind der ultimative Beweis an sich selbst. Es ist der Sieg über sich selbst. Man ist so weit weg, wie noch nie zuvor. Und man ist so weit weg, wie andere es nie sein werden."
Zahlen:
333,9 Kilometer
Fahrtzeit: 12:22 Stunden
Schnitt: 27 km/h
Gesamtzeit: 16:21 Stunden
Gruppenbild: ERG 1900 e.V.
Von Essen an die Nordsee. 333 Kilometer. Mit dem Rennrad. Im Januar halte ich das für eine prima Idee und melde mich ohne Zögern an. Bis April ist erst einmal der Rotterdam Marathon wichtiger, so dass ich mehr laufe als radele. Im Mai gibt Kati, eine der Organisatorinnen von der ERG, Tipps, wo man eine 200-Kilometer-RTF fahren könnte. Als Training. Zum Equipment-Check. Ups. Ich habe bisher nicht in Erwägung gezogen, dass es Sinn ergeben könnte, vorher mal 200 Kilometer zu fahren, wenn man sich 300 vorgenommen hat. Eigentlich stelle ich mir die ganze Geschichte ziemlich easy vor: Um Beine und Kondition mache ich mir keine Sorgen. Die einzige Unsicherheit ist, ob ich 300 Kilometer lang auf dem Sattel sitzen kann oder mir nach 150 Kilometern einen Wolf fahre und in den Lenker beißen will.

Treffpunkt ist um 3 Uhr nachts in Essen, Abfahrt um 4. Am Vortag beschleicht mich die leise Vorahnung, es wäre vielleicht doch nicht blöd gewesen, längere Strecken zu trainieren und mal zu testen, wie lange der Akku vom Garmin und der Akku von Maren eigentlich halten. Stattdessen lade ich die Powerbank und kaufe Schokoriegel, weil mir Julia erzählt hat, dass sie so eine Tour auch schon einmal gemacht hat und nach drölfzig Powerriegeln und Gels einfach nur noch ein Snickers herbei gesehnt hat. Ich decke mich also mit Mars in rauen Mengen ein. Spoiler: Ich werde keines während der Tour essen, sondern die Hälfte davor und den Rest danach.
Ich bin nicht nur unterirdisch vorbereitet, sondern auch genauso mies bei der Zeitplanung. Am Vorabend arbeite ich bis 22 Uhr, packe in letzter Minute meine Sachen und falle um kurz vor eins ins Bett, nur um eine Stunde später wieder aufzustehen. Ich weiß nicht, ob eine Stunde oder gar nicht schlafen besser ist - am besten wäre wohl so viel wie möglich. Egal: Es ist, wie es ist.
Kilometer 0: Knapp 40 Teilnehmer und 4 Guides treten den Ritt an die Nordsee an. Aufgeteilt in zwei Gruppen rollen wir in die Nacht.
Kilometer 1: Keine Spur von Müdigkeit. Die frische Luft, die Dunkelheit und die volle Konzentration, die beim Fahren in der Gruppe vor allem nachts gefordert ist, schärfen die Sinne. Ich bin hellwach und fühle mich, als würden wir zu einem Eroberungszug ausrücken. Sea you soon, Nordsee!
Kilometer 23: Endlich raus aus dem Pott. Weg von den Städten, den Ampeln, dem Stop & Go nachts um 5. Es dämmert und ich wünsche mir nichts mehr, als in den Sonnenaufgang hinein zu radeln. Und dann mit der Sonne ans Meer. Wie schön wäre das?
Kilometer 30: Es ist so was wie hell, aber grau in grau.
Kilometer 50: Erste große Pause. Ich finde es übertrieben, nach einer so kurzen Strecke schon eine Pause zu machen, aber als ich die Leckereien auf dem Tapeziertisch entdecke, der uns noch den ganzen Tag verfolgen wird, ändere ich meine Meinung. Her mit den Keksen in Fahrradform! Wir sind am Schloss Raesfeld (nie gehört bisher) - definitiv eine schicke Kulisse für den ersten Stopp. Ein Fahrradverleih ist ausgeschildert und wirbt mit: "Mieten Sie ein E-Bike!" Ganz bestimmt nicht.

Irgendwo im Nirgendwo: Pipipause. Es gibt Männer-Pipipausen (jeder Straßenrand eignet sich) und Frauen-Pipipausen (richtige Toiletten kommen ins Spiel). Dies ist eine Männer-Pipipause, was aber keine der Frauen aus unserer Gruppe davon abhält, sich in den Wald zu hocken. Ich bin kein Fan vom Gruppenpinkeln, gehe noch um 23 andere Bäume und schäle mich schließlich aus Windjacke und Trikot. Wie nervig, dass man sich dank Bibshorts immer gleich obenrum auch komplett ausziehen muss, wenn man sich eigentlich nur kurz in den Wald hocken will.
Kilometer 60: Borken. Ich habe wieder eine grobe Idee, wo wir sind. Es ist weitläufig, alles ist grün, rechts uns links Felder, manchmal Bäume. In anderen Worten: Langweilig.
Irgendwo im Nirgendwo: Es beginnt zu regnen. Und zwar nicht zu knapp. Kurzer Stopp, um die Regenjacken anzuziehen.
Kilometer 90: Bäume, Felder, Felder, Bäume, Grün. Nass.

Kilometer 110: Wie groß ist eigentlich dieser verdammte Kreis Borken??
Kilometer 113: Zweite große Pause. Gronau. rock’n’popmuseum. Der Regen lässt nach. Wieder habe ich eigentlich gar keinen Hunger, stelle aber dann fest, dass es andere leckere Sachen als eben gibt und schiebe Bananenbrot in mich hinein.
Kilometer 120: Ab jetzt ist die Strecke länger als ich jemals zuvor am Stück geradelt bin. Als ich das beiläufig erwähne, fallen meinem Nebenmann fast die Augen aus dem Kopf.
Kilometer 145: Nordhorn. Endlich ein neuer Kreis, tschüss du blödes Borken! Haken: Hier wohnen anscheinend die beschissensten Autofahrer. Ein Kleinwagen in Elefantenschuhgröße meint, sofort nach dem Überholen beim Einscheren einen so scharfen Schlenker machen zu müssen, dass die erste Reihe ausweichen muss. Ich verbringe die nächsten Kilometer damit, innerlich das Kennzeichen aufzusagen, falls irgendjemand den Fahrer anzeigen möchte. Immerhin eine Beschäftigung.
Irgendwo im Nirgendwo: Es regnet wieder.
Immernoch irgendwo im Nirgendwo: Felder, Bäume, Felder, Bäume. Regen. Der untere Rücken tut weh, mir ist schlecht und ich fürchte, ich brauche gleich mal eine Frauen-Pipipause (und zwar nicht zum Pinkeln). Die Müdigkeit wird immer stärker.
Kilometer 160: Ich weiß nicht, ob es anstrengender ist, die Augen offen zu halten oder die Rückenschmerzen auszuhalten.
Kilometer 170: Ich wünsche mir das E-Bike von Kilometer 50.

Irgendwo im Nirgendwo: Es regnet immer noch.
Immernoch irgendwo im Nirgendwo: Männer-Pipipause. Ich freue mich über das Anhalten und nutze die Zeit zum Essen. Bei der letzten Verpflegung habe ich einen selbstgebackenen Müsliriegel eingepackt. Er schmeckt gigantisch und ich lecke jede einzelne Haferflocke aus der Alufolie.
Immernoch irgendwo im Nirgendwo: Rechts und links ist es immer noch grün und die Straßen führen endlos geradeaus. Ich zähle die Kilometer bis zur nächsten Pause rückwärts und habe nicht die geringste Ahnung, wie ich danach noch weitere 130 Kilometer auf dem Rad verbringen soll. Mit diesem Rücken. Kurz vor dem Einschlafen.
Ist ja auch scheißegal, wo: Hatte ich bereits erwähnt, dass es regnet?
Kilometer 203: Dritte große Pause. Niederlangen, dieses Mal keine Sehenswürdigkeit in der Nähe. Mir ist alles egal, ich freue mich nur wahnsinnig über die Pause. Ich will alles essen, aber habe Angst, dass mir wieder schlecht wird. Die Entscheidung fällt auf Kartoffel- und Couscoussalat. Und Kuchen. Kuchen ist wichtig. Cola auch. Weil die zweite Gruppe Probleme mit der Navigation hatte, haben wir einen zu großen Vorsprung herausgefahren. Gut für uns, denn so dauert unsere Pause länger. Nach einer guten halben Stunde werden wir wieder auf die Strecke geschickt: "Wir sehen uns in 70 Kilometern bei der nächsten Pause!"

Kilometer 204: Ich weiß nicht, was die Salate, der Kuchen oder die Cola mit mir gemacht haben, aber ich habe nicht nur keine so starken Schmerzen mehr, sondern vor allem wieder Bock. Die Selbstverständlichkeit, dass wir jetzt mal eben 70 weitere Kilometer radeln und dann zur vierten und letzten Pause anhalten, schwappt auf mich über. Okay, dann machen wir das mal.

Irgendwo im Nirgendwo: Mittlerweile ist es mir scheißegal, ob ich hinter meinem eigenen Baum hocke oder neben vier anderen Frauen auf einer Wiese aufgereiht. Pipipausen werden da gemacht, wo angehalten wird.
Kilometer 226: Wir überqueren die Ems und direkt darauf den Dortmund-Ems-Kanal.
Kilometer 236: Papenburg. Temperaturhöhepunkt mit 20°. Ich ziehe alles aus, was geht (also nur die Windjacke).
Kilometer 240: Aus irgendeinem Grund kommen die ersten Reihen auf die Idee, das Tempo anzuziehen. Ich würde mir eher die Zunge abbeißen, bevor ich "Kürzer!" rufe, aber ich komme nicht drum herum, zur Fahrweise etwas zu sagen. Es nervt unglaublich, wenn die vorderen Reihen nicht ruhig an Hindernissen vorbeifahren oder nach dem Anfahren an Ampeln so lange langsam rollen, bis die gesamte Gruppe wieder in Bewegung ist. Wenn Reihe eins nach jeder Ampel sofort kräftig reintritt, steht Reihe zehn noch an der Haltelinie und kann danach erst mal eine riesige Lücke zusprinten. Nach jeder Kurve, jeder Ampel, jedem Hindernis. Das kostet natürlich Kraft - vollkommen unnötig ausgerechnet bei einer Tour über 333 Kilometer. Leider wird meine Kritik ein bisschen falsch verstanden: "Ja, wir machen gleich mal was langsamer." Ich will nicht langsamer! Ich will nur nicht ständig Lücken schließen müssen. Es hilft auch nicht, weiter vorne zu fahren, außer man ist die allererste Reihe und bestimmt das Tempo. Ich versuche, mich nicht zu sehr aufzuregen. Immerhin lerne ich so meine disziplinierten Gruppen zuhause zu schätzen, mit deren ruhiger Fahrweise sich ein 30er Schnitt locker wie ein 25er anfühlt - egal an welcher Position du in der Gruppe bist. Geht nämlich auch.
Kilometer 260: Wie schön ist Leer eigentlich?
Kilometer 272: Vierte große Pause. Veenhusen. Es gibt Kuchen. Ich atme ein Stück Kuchen ein und entdecke dann die Tüte Chips. Geil! Nach all dem süßen Zeug endlich mal was Salziges. Wie großartig sind Chips bitte?!

Irgendwo im Nirgendwo: Ich bin mir sicher, dass wir über die allererste Straße fahren, die jemals in Ostfriesland gebaut wurde. Selbst der Mittelstreifen ist gepflastert.
Irgendwo im Nirgendwo vor 1000 Jahren: Immernoch Kopfsteinpflaster. Ein Hoch auf Gel-Lenkerband.
Kilometer 300: Aurich. So langsam nimmt das hier absurde Ausmaße an. Ich weiß exakt, wo wir sind und wie weit es noch ist - 25 Jahre Nordsee-Urlaub haben ihre Spuren hinterlassen.
Kilometer 315: Ich kenne jede Straße und finde es komplett absurd, dass wir heute morgen noch in Essen waren und jetzt hier. Und dazwischen nur Rad gefahren sind.
Kilometer 326: Ich überlege, ob die Holzmöwe auf dem Ortsschild von Westerbur ("Urlaub pur in Westerbur") aus Holz oder echt ist. Ich weiß, dass sie aus Holz ist, aber ich überlege trotzdem.
Kilometer 327: Wir biegen auf die Straße direkt am Deich ab und mir geht das Herz auf. Geht es schöner, als die letzten Kilometer direkt neben dem Deich zu radeln? Mit über 300 Kilometern in den Beinen, seit über 15 Stunden unterwegs und jetzt mit dem Wissen, dass wir direkt am Meer sind. Fast am Ziel. Die Endorphine schrauben das Tempo wieder ein bisschen höher. Fühlt sich gut an.
Kilometer 333: Hafeneinfahrt Bensersiel. Wie perfekt das auf den Kilometer genau aufgeht. Und wie wunderbar der Ort passt: An diesem Strand habe ich schon als 5-Jährige im Sand gespielt und Wattwanderungen unternommen. Zuletzt war ich Anfang des Jahres da und bin zusammen mit meiner Schwester auf das Klettergerüst geklettert, das früher irgendwie viel höher war. Und jetzt bin ich wieder hier. Mit dem Rad. Aus eigener Kraft. Einfach hingeradelt. An einem Tag. Vollkommen bescheuert. Auf jeden Fall bekloppt genug, um die Freudentränen in die Augen zu treiben und für Welt-umarmen-wollen-Stimmung zu sorgen. Wie geil ist das bitte?!

Der Empfang ist fantastisch: Es gibt bunte Luftballons, Bier und freudige Gesichter. Nur das Meer ist nicht da. Ich kriege das Grinsen trotzdem nicht mehr aus dem Gesicht und mache mich stattdessen auf die Suche nach dem Strandkorb mit der Nummer 333.

Kilometer 334: Das letzte, was ich möchte, ist sitzen. Weil wir nicht am Strand schlafen (schade eigentlich!), setze ich mich trotzdem nochmal aufs Rad (autsch). Diese letzten Handvoll Kilometer sind die schmerzhaftesten des Tages - aber das ist völlig egal. Es hat sich so sehr gelohnt. Was für ein Ritt! Danke, liebes ERG-Team. Was ihr hier auf die Beine gestellt habt, ist absolut fantastisch. Jede Sekunde war euch das Herzblut anzumerken, das in dieser Geschichte steckt. Darauf erstmal ne Portion Apfelmus mit Vanillesauce! Sea you soon!

Wen die Langstrecke jetzt reizt, dem möchte ich den zauberhaften Artikel von VeloQ ans Herz legen: 300 Kilometer sind nur 150 pro Bein.
"Ich habe es vorher nie verstanden, denn Dreihundert sind anders. Es ist kein gewonnener Sprint, kein KOM auf der Liste, kein PR für die Bücher. Dreihundert ist kein Wettbewerb gegen andere. Es ist ein Wettbewerb gegen sich selbst. Ein Wettbewerb, den man alleine austrägt, dessen Bedeutung man nicht suchen sondern nur finden kann. Aber nicht auf der Straße, nicht auf Asphalt, Kopfsteinpflaster, Strava oder Garmin. Dreihundert sind der ultimative Beweis an sich selbst. Es ist der Sieg über sich selbst. Man ist so weit weg, wie noch nie zuvor. Und man ist so weit weg, wie andere es nie sein werden."
Zahlen:
333,9 Kilometer
Fahrtzeit: 12:22 Stunden
Schnitt: 27 km/h
Gesamtzeit: 16:21 Stunden
Gruppenbild: ERG 1900 e.V.
Mittwoch, 23. Mai 2018
Plan für die Saison: Bergangst besiegen
Wir müssen reden. Über Berge. Ich hasse sie. Und ich liebe sie. Irgendwie.
Von vorne: Meine Radfahrer-Karriere begann 2014 mit einer spontanen Anmeldung zum Triathlon. Während ich bis zu diesem Zeitpunkt nur gemütlich im Fitnessstudio auf dem Spinning-Bike gesessen hatte, musste ich plötzlich erfahren, was es heißt, nicht nur ein bisschen Widerstand rein zu drehen, sondern wirklich bergauf zu fahren. Den Anstieg zu sehen. Die brennenden Beine zu spüren. Nach Luft zu schnappen. Langsamer zu werden. So langsam, dass Umfallen droht. Nach vorne zu schauen und festzustellen, dass oben immer noch ganz schön weit weg ist.
Diese Triathlon-Radstrecke ist ein bisschen hügelig und meine größte Sorge war es, dass ich diesen einen, fiesen Berg zweimal erklimmen musste. Der Anstieg - ein Kilometer mit durchschnittlich 3 %, kurz vor Ende um die 9 % - ist eigentlich ein Witz. Er war für mich damals der Endgegner, und es war mir egal, ob das ein kleiner popeliger Hügel in Ratingen Eggerscheidt war oder die Alpen. Natürlich bin dort oben angekommen, aber Spaß hat es nicht gemacht. Ich habe mich genauso gefühlt wie beim Laufeinstieg: langsam und schlechter als alle anderen.
Meine Einstellung zu Bergen beim Radeln hat sich in den nächsten Jahren nicht großartig verändert. Ich könnte mit dem Rennrad auch wunderbar nur flach und schnell fahren. Ich mag es nicht, wenn es langsamer wird - und das lässt sich bergauf ja nun mal schwer vermeiden, wenn man nicht gerade Nairo Quintana heißt. Bei mir wirds langsam. Bei den Jungs, mit denen ich in der Ebene mithalten kann, nicht. Toll. Ich mag das Gefühl nicht, dass der ganze Körper sich gegen den Berg sträubt: die Beine, die Lunge, der Kopf. Das Schlimmste: absteigen und schieben müssen. Das ist mir ein paar Mal passiert. Zuhause, als meine Beine, die Übersetzung und der Anstieg irgendwie nicht so recht zusammen passten. Auf Mallorca, als ich 2015 das erste Mal am Cap Formentor war und fast den kompletten Rückweg zu Fuß zurückgelegt habe, weil einfach gar nichts mehr ging.
2016 war ich wieder am Cap Formentor, musste dieses Mal nicht wandern, aber hatte auch nicht sonderlich viel mehr Spaß als beim ersten Mal. Natürlich ist die Strecke gigantisch, die Aussicht unschlagbar, aber ich habe auch sehr gelitten und hatte wenig Zeit zum Genießen. Dieses Jahr war es endlich anders, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Während ich zuhause wegen des Marathontrainings kaum auf dem Rad saß und nur flache Runden gedreht habe, habe ich mich auf Mallorca von Anfang an auf die Berge gefreut. Habe an den ersten Tagen bei den welligen Runden im Inneren der Insel auf die Gebirgskette geschielt und von nichts anderem geredet, als dass es mich dort hin zieht. Eine bittersüße Mischung aus Vorfreude und Angst, es könnte wieder scheiße laufen, keinen Spaß machen, zu hart werden. Und doch voller Vorfreude.
Zum ersten Mal hat die Freude überwogen. Der Spaß. Am bergauf Fahren. Dass ich das mal sagen würde! Wie immer liegt der Hund irgendwo da begraben, wo man sich keinen Stress macht. Wo negative Gedanken keinen Platz haben und wo es nur zählt, das eigene Tempo zu fahren, bei dem man sich gut fühlt. Und dann entsteht da auf einmal dieses Gefühl, dass du spürst: Das ist anstrengend, aber du kannst es aushalten, es schaffen, ohne dass es dir dabei so richtig, richtig schlecht geht - das ist fantastisch. Wenn sich die Steigung in den Beinen auf einmal nicht brennend und furchtbar anfühlt, sondern wohlig warm. Wenn du noch eine Frequenz treten kannst, die Sinn ergibt, die nicht sagt: "Was machst du hier eigentlich, steig doch besser ab, du wärst zu Fuß schneller!" Wenn du 10, 11, 12 % Steigung aushalten kannst, wenn sich 7-8 % richtig gut anfühlen und 4-5 % schon fast flach sind. In dieser verkehrten Welt bin ich so glücklich wie noch nie bergauf gefahren. Der Moment, als ich realisiert habe, dass die Anstrengung mir gerade tatsächlich Spaß macht, war genau in der schönsten Kurve der Welt: Cap Formentor, letzter Anstieg, rechts das Meer (und der Abgrund), links eröffnet sich zum ersten Mal der Blick auf den Leuchtturm. Gigantisch. Mit Freudentränchen in den Augen und einem Herz voller Glück bin ich dem Leuchtturm entgegen gerollt und wollte die ganze verdammte Welt umarmen.
Sich aus eigener Kraft mit dem Rad irgendwo rauf kämpfen, macht stolz. Oben zu sein und zu sehen, was man geschafft hat, wie weit man über den Meer ist oder über anderen, kleineren Bergen, ist unheimlich schön. So langsam kann ich das genießen. Es ist nicht mehr nur: "Oh scheiße, endlich bin ich oben, ich wäre fast gestorben!" sondern es ist: "Geil, das war hart, aber hat Spaß gemacht!" Sa Calobra zum Beispiel. 10 Kilometer mit 7 %, die man erst runter eiert, um sie dann wieder hoch zu fahren - vollkommen bekloppt, aber so schrecklich schön. Und was für ein glückseliges Grinsen einem so ein erfolgreich passiertes Col-de-Weißderkuckuck-Schild ins Gesicht tackert ...
Und weil dieses Gefühl, diese Herausforderung, zum Radfahren anscheinend irgendwie dazu gehört, fahren Menschen Rennen mit sehr vielen Höhenmetern. Ich nicht. Aber ich traue mich immerhin mal an dezent hügelige Geschichten heran: Nach dem Škoda Velodom bei Rund um Köln kommt das 24h-Rennen bei Rad am Ring im 4er Team. Ich bin sehr gespannt, wie mich mit der Nordschleife anfreunden werde. Nur eine Woche später geht's in die Rhön, wo man anscheinend dringend Radfahren sollte - ich werde mir das mal angucken. Bei der RHÖN300 kann man 300 km mit 5200 hm fahren. Das ist mir dieses Jahr definitiv viel zu krass. Ich werde mich mit 110 km und 2300 hm begnügen - nicht als Rennen, sondern im RTF-Format. Trotzdem eine Herausforderung und ich freue mich drauf, mal eine andere Ecke von Deutschland auf dem Rad zu sehen als das Rheinland. Wer Lust auf die RHÖN300 bekommen hat und bei der Anmeldung 20 % sparen möchte, gibt einfach diesen Code ein: P_VYFPY6. Der Startplatz sowie der Rabattcode wurden mir vom Veranstalter zur Verfügung gestellt.
Bilder: Jan Peifer (umsturzvegan.de | Coffee & Chainrings), Julia Jachmann, ich.
Von vorne: Meine Radfahrer-Karriere begann 2014 mit einer spontanen Anmeldung zum Triathlon. Während ich bis zu diesem Zeitpunkt nur gemütlich im Fitnessstudio auf dem Spinning-Bike gesessen hatte, musste ich plötzlich erfahren, was es heißt, nicht nur ein bisschen Widerstand rein zu drehen, sondern wirklich bergauf zu fahren. Den Anstieg zu sehen. Die brennenden Beine zu spüren. Nach Luft zu schnappen. Langsamer zu werden. So langsam, dass Umfallen droht. Nach vorne zu schauen und festzustellen, dass oben immer noch ganz schön weit weg ist.

Diese Triathlon-Radstrecke ist ein bisschen hügelig und meine größte Sorge war es, dass ich diesen einen, fiesen Berg zweimal erklimmen musste. Der Anstieg - ein Kilometer mit durchschnittlich 3 %, kurz vor Ende um die 9 % - ist eigentlich ein Witz. Er war für mich damals der Endgegner, und es war mir egal, ob das ein kleiner popeliger Hügel in Ratingen Eggerscheidt war oder die Alpen. Natürlich bin dort oben angekommen, aber Spaß hat es nicht gemacht. Ich habe mich genauso gefühlt wie beim Laufeinstieg: langsam und schlechter als alle anderen.
Meine Einstellung zu Bergen beim Radeln hat sich in den nächsten Jahren nicht großartig verändert. Ich könnte mit dem Rennrad auch wunderbar nur flach und schnell fahren. Ich mag es nicht, wenn es langsamer wird - und das lässt sich bergauf ja nun mal schwer vermeiden, wenn man nicht gerade Nairo Quintana heißt. Bei mir wirds langsam. Bei den Jungs, mit denen ich in der Ebene mithalten kann, nicht. Toll. Ich mag das Gefühl nicht, dass der ganze Körper sich gegen den Berg sträubt: die Beine, die Lunge, der Kopf. Das Schlimmste: absteigen und schieben müssen. Das ist mir ein paar Mal passiert. Zuhause, als meine Beine, die Übersetzung und der Anstieg irgendwie nicht so recht zusammen passten. Auf Mallorca, als ich 2015 das erste Mal am Cap Formentor war und fast den kompletten Rückweg zu Fuß zurückgelegt habe, weil einfach gar nichts mehr ging.

2016 war ich wieder am Cap Formentor, musste dieses Mal nicht wandern, aber hatte auch nicht sonderlich viel mehr Spaß als beim ersten Mal. Natürlich ist die Strecke gigantisch, die Aussicht unschlagbar, aber ich habe auch sehr gelitten und hatte wenig Zeit zum Genießen. Dieses Jahr war es endlich anders, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Während ich zuhause wegen des Marathontrainings kaum auf dem Rad saß und nur flache Runden gedreht habe, habe ich mich auf Mallorca von Anfang an auf die Berge gefreut. Habe an den ersten Tagen bei den welligen Runden im Inneren der Insel auf die Gebirgskette geschielt und von nichts anderem geredet, als dass es mich dort hin zieht. Eine bittersüße Mischung aus Vorfreude und Angst, es könnte wieder scheiße laufen, keinen Spaß machen, zu hart werden. Und doch voller Vorfreude.

Zum ersten Mal hat die Freude überwogen. Der Spaß. Am bergauf Fahren. Dass ich das mal sagen würde! Wie immer liegt der Hund irgendwo da begraben, wo man sich keinen Stress macht. Wo negative Gedanken keinen Platz haben und wo es nur zählt, das eigene Tempo zu fahren, bei dem man sich gut fühlt. Und dann entsteht da auf einmal dieses Gefühl, dass du spürst: Das ist anstrengend, aber du kannst es aushalten, es schaffen, ohne dass es dir dabei so richtig, richtig schlecht geht - das ist fantastisch. Wenn sich die Steigung in den Beinen auf einmal nicht brennend und furchtbar anfühlt, sondern wohlig warm. Wenn du noch eine Frequenz treten kannst, die Sinn ergibt, die nicht sagt: "Was machst du hier eigentlich, steig doch besser ab, du wärst zu Fuß schneller!" Wenn du 10, 11, 12 % Steigung aushalten kannst, wenn sich 7-8 % richtig gut anfühlen und 4-5 % schon fast flach sind. In dieser verkehrten Welt bin ich so glücklich wie noch nie bergauf gefahren. Der Moment, als ich realisiert habe, dass die Anstrengung mir gerade tatsächlich Spaß macht, war genau in der schönsten Kurve der Welt: Cap Formentor, letzter Anstieg, rechts das Meer (und der Abgrund), links eröffnet sich zum ersten Mal der Blick auf den Leuchtturm. Gigantisch. Mit Freudentränchen in den Augen und einem Herz voller Glück bin ich dem Leuchtturm entgegen gerollt und wollte die ganze verdammte Welt umarmen.

Sich aus eigener Kraft mit dem Rad irgendwo rauf kämpfen, macht stolz. Oben zu sein und zu sehen, was man geschafft hat, wie weit man über den Meer ist oder über anderen, kleineren Bergen, ist unheimlich schön. So langsam kann ich das genießen. Es ist nicht mehr nur: "Oh scheiße, endlich bin ich oben, ich wäre fast gestorben!" sondern es ist: "Geil, das war hart, aber hat Spaß gemacht!" Sa Calobra zum Beispiel. 10 Kilometer mit 7 %, die man erst runter eiert, um sie dann wieder hoch zu fahren - vollkommen bekloppt, aber so schrecklich schön. Und was für ein glückseliges Grinsen einem so ein erfolgreich passiertes Col-de-Weißderkuckuck-Schild ins Gesicht tackert ...


Und weil dieses Gefühl, diese Herausforderung, zum Radfahren anscheinend irgendwie dazu gehört, fahren Menschen Rennen mit sehr vielen Höhenmetern. Ich nicht. Aber ich traue mich immerhin mal an dezent hügelige Geschichten heran: Nach dem Škoda Velodom bei Rund um Köln kommt das 24h-Rennen bei Rad am Ring im 4er Team. Ich bin sehr gespannt, wie mich mit der Nordschleife anfreunden werde. Nur eine Woche später geht's in die Rhön, wo man anscheinend dringend Radfahren sollte - ich werde mir das mal angucken. Bei der RHÖN300 kann man 300 km mit 5200 hm fahren. Das ist mir dieses Jahr definitiv viel zu krass. Ich werde mich mit 110 km und 2300 hm begnügen - nicht als Rennen, sondern im RTF-Format. Trotzdem eine Herausforderung und ich freue mich drauf, mal eine andere Ecke von Deutschland auf dem Rad zu sehen als das Rheinland. Wer Lust auf die RHÖN300 bekommen hat und bei der Anmeldung 20 % sparen möchte, gibt einfach diesen Code ein: P_VYFPY6. Der Startplatz sowie der Rabattcode wurden mir vom Veranstalter zur Verfügung gestellt.
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Samstag, 31. März 2018
Laufen - ewige Hassliebe
Wer unter dem Motto "ich hasse laufen" schreibt und dennoch für den zweiten Marathon trainiert, muss sich mitunter die Frage gefallen lassen, ob das denn überhaupt noch stimmt mit dem Hass. Und wenn ja, ob es nicht besser wäre, es dann einfach zu lassen. Gute Fragen. Besonders die zweite beschäftigt mich mit schöner Regelmäßigkeit. Warum sollte jemand etwas tun, das er blöd findet?
Beim Radeln ist es ganz einfach: Ich setze mich aufs Rennrad und fühle mich zuhause. Ich liebe es, mich aus eigener Kraft schnell fortzubewegen. Mich fasziniert es, dass das noch schneller geht, wenn sich eine Gruppe findet, zu der jeder einzelne etwas beisteuern muss, damit am Ende alle schneller sind als allein. Ich liebe den Wind um die Nase, das Pedalieren, das Geräusch vom Freilauf (meiner klingt übrigens sehr schön). Wenn ich beschissene Laune habe, was zugegeben nicht so wahnsinnig oft vorkommt, und dann zwei, drei Stunden radeln war, sieht die Welt hinterher besser aus. Immer.
Manchmal laufe ich mit Freunden, dann bin ich abgelenkt. Freue mich, denjenigen mal wieder zu treffen und dieses oder jenes zu diskutieren. Dabei geht mir allerdings selten durch den Kopf: "Wie schön, dass wir das jetzt ausgerechnet beim Laufen besprechen!" Wir könnten uns auch einfach auf einen Kaffee treffen. Oder auf dem Rad, noch besser. Manchmal stresst mich Begleitung beim Laufen auch. Wenn der andere schneller ist und partout das Tempo nicht anpassen will, immer wieder davon zieht - da kann ich besser alleine laufen. Mache ich auch meistens und freue mich dann, dass ich mich nach niemandem richten muss und nur mich selbst aushalten muss.
In solchen Momenten macht mir das Laufen Spaß. Aber leider läuft nicht immer alles prima, leider bin ich nicht ständig am Meer und leider hab ich auch nicht mehrfach die Woche Zeit, drölf Stunden ohne Ziel durch die Gegend zu juckeln. Wenn ich also weiterhin laufen will - was ich nicht mache, wenn ich nicht für irgendetwas angemeldet bin - dann muss ich den Spaß irgendwo anders her kriegen. Wenn mich also nicht das Laufen selbst glücklich macht, dann ziehe ich meine Freude daran eben nicht aus der Tätigkeit an sich, sondern aus dem, was am Ende dabei rauskommt.
Dankbarkeit, so leistungsfähig zu sein. Körperlich und mental. Zufrieden und stolz auf das, was ich kann und vorher nicht für möglich gehalten hätte. Das war zu Anfang gar nicht mal so leicht - denn wenn der größte Kritiker zwischen den eigenen Ohren sitzt, gibt es immer etwas auszusetzen. Das hat sich inzwischen geändert. Und es ist eine schöne Erkenntnis, dass mir etwas so positive Gefühle verschafft, dass von der Sache an sich gar nicht so mein Ding ist. Ist es so dann nämlich irgendwie doch. Natürlich hängt das Herz am Rad. Aber ich bin auch eine Läuferin. Was bist du?
Danke für die Bilder an Jan.

Beim Radeln ist es ganz einfach: Ich setze mich aufs Rennrad und fühle mich zuhause. Ich liebe es, mich aus eigener Kraft schnell fortzubewegen. Mich fasziniert es, dass das noch schneller geht, wenn sich eine Gruppe findet, zu der jeder einzelne etwas beisteuern muss, damit am Ende alle schneller sind als allein. Ich liebe den Wind um die Nase, das Pedalieren, das Geräusch vom Freilauf (meiner klingt übrigens sehr schön). Wenn ich beschissene Laune habe, was zugegeben nicht so wahnsinnig oft vorkommt, und dann zwei, drei Stunden radeln war, sieht die Welt hinterher besser aus. Immer.
Automatisches Glück? Nicht beim Laufen
Beim Laufen habe ich diese Glücksgefühle auf Knopfdruck nicht. Ich laufe nicht los und denke: "Ach ist das schön, dass du gerade läufst." Das passiert nicht. Nie. Natürlich ist da nicht mehr diese starke Abwehrhaltung wie ganz zu Beginn, ich bin nicht mehr nach 100 Metern vollkommen aus der Puste und frage mich nicht permanent, was zur Hölle ich eigentlich hier mache. Das nicht. Trotzdem sind die ersten Meter selten unbeschwert und toll, sondern eher eine Pflichtübung. Manchmal ist auch ein ganzer Lauf Pflichtprogramm. Selten Kür.
Manchmal laufe ich mit Freunden, dann bin ich abgelenkt. Freue mich, denjenigen mal wieder zu treffen und dieses oder jenes zu diskutieren. Dabei geht mir allerdings selten durch den Kopf: "Wie schön, dass wir das jetzt ausgerechnet beim Laufen besprechen!" Wir könnten uns auch einfach auf einen Kaffee treffen. Oder auf dem Rad, noch besser. Manchmal stresst mich Begleitung beim Laufen auch. Wenn der andere schneller ist und partout das Tempo nicht anpassen will, immer wieder davon zieht - da kann ich besser alleine laufen. Mache ich auch meistens und freue mich dann, dass ich mich nach niemandem richten muss und nur mich selbst aushalten muss.
Macht das denn wirklich nie Spaß?
Klar, es gibt auch wunderschöne Läufe. Ich kann mich an eine Handvoll erinnern - bei den meisten davon gibt es irgendeinen besonderen Faktor: eine weitere Strecke als normalerweise, eine abenteuerliche Routenplanung oder eine traumhafte Umgebung. Meine letzten beiden 30er, bei denen einfach alles passte und nichts schwer fiel, sind Beispiele dafür. Oder die Entdeckungstour, bei der aus "lass mal für ein Stündchen in den Wald" spontan ein Halbmarathon querfeldein wurde. Der Lauf mit einem Kollegen am Meer: Dünen rauf, Dünen runter, tiefer Sand, fester Sand, Sonnenuntergang und Meeresrauschen.
In solchen Momenten macht mir das Laufen Spaß. Aber leider läuft nicht immer alles prima, leider bin ich nicht ständig am Meer und leider hab ich auch nicht mehrfach die Woche Zeit, drölf Stunden ohne Ziel durch die Gegend zu juckeln. Wenn ich also weiterhin laufen will - was ich nicht mache, wenn ich nicht für irgendetwas angemeldet bin - dann muss ich den Spaß irgendwo anders her kriegen. Wenn mich also nicht das Laufen selbst glücklich macht, dann ziehe ich meine Freude daran eben nicht aus der Tätigkeit an sich, sondern aus dem, was am Ende dabei rauskommt.
Was macht dich glücklich?
Das kann das Gefühl sein, etwas geschafft zu haben. Im Kleinen: sich aufgerafft zu haben. Im Größeren: eine bestimmte Strecke gelaufen zu sein, die vielleicht für längere Zeit undenkbar war. Das kann eine Zeit in der Ergebnisliste sein. Das kann auch unabhängig von Zeiten das Gefühl sein, alles gegeben zu haben. Womit mich das Laufen am Ende belohnt, und zwar natürlich nicht unbedingt nach jeder langweiligen 10-Kilometer-Brückenrunde, aber inzwischen oft genug nach Zieleinläufen, ist ein hübscher Emotionscocktail aus Zufriedenheit, Dankbarkeit und Stolz.
Dankbarkeit, so leistungsfähig zu sein. Körperlich und mental. Zufrieden und stolz auf das, was ich kann und vorher nicht für möglich gehalten hätte. Das war zu Anfang gar nicht mal so leicht - denn wenn der größte Kritiker zwischen den eigenen Ohren sitzt, gibt es immer etwas auszusetzen. Das hat sich inzwischen geändert. Und es ist eine schöne Erkenntnis, dass mir etwas so positive Gefühle verschafft, dass von der Sache an sich gar nicht so mein Ding ist. Ist es so dann nämlich irgendwie doch. Natürlich hängt das Herz am Rad. Aber ich bin auch eine Läuferin. Was bist du?

Danke für die Bilder an Jan.
Freitag, 22. Dezember 2017
2017 - Schneller, weiter, dreckiger
Ich habe mir angewöhnt, am Ende des Jahres einmal zurück zu blicken - nicht, um damit zu prahlen, was ich alles Supertolles erreicht habe, sondern um mir vor Augen zu führen, wo die Entwicklung in den letzten zwölf Monaten hin gegangen ist. Was war Anfang des Jahres anders als jetzt? Was habe ich zum ersten Mal gemacht? Was lief gut, wo ist Luft nach oben? Was hat am meisten Spaß gemacht und was möchte ich fürs nächste Jahr mitnehmen? Zuerst ein paar Zahlen zu meiner Saison 2017:
Zahlen, Daten, Fakten 2017
Anzahl der Startlinien, an denen ich in diesem Jahr gestanden habe: 25
Davon im Wasser: 4
Davon auf dem Rad: 13
Bleiben für Laufschuhe übrig: 8
Distanzen:
Kürzestes Rennen (Strecke): Rad Race Battle in Hamburg, 190 Meter
Längstes Rennen (Strecke): am gleichen Wochenende wie das Rad Race: Cyclassics Hamburg, 120 km
Zeiten:
Kürzestes Rennen (Zeit): keine Zeitmessung beim Rad Race Battle, daher Neusser Erftlauf über 5 km in 24:33 Minuten
Längstes Rennen (Zeit): Mitteldistanz beim Wasserstadt Triathlon Hannover, 06:28:03 Stunden
Härtestes Rennen: Es steht 1:1 zwischen der Mitteldistanz in Hannover und dem MTB-Halbmarathon in Daun. Das Lachen täuscht.
Größte Schnapsidee: Erst bei der Duisburger Winterlaufserie Halbmarathon laufen und nur eine Stunde später zum ersten Mal Cyclocross-Rennen in Düsseldorf fahren. Nicht klug, aber geil.
Magischster Rennmoment: Mit Kettcars "48 Stunden" im Ohr und Tränen in den Augen bei den Cyclassics realisieren, was Erfolg für mich bedeutet.
Schönster Lauf: Halbmarathon beim Rhein City Run. Sich nach einer Nacht ohne Schlaf mit Null Erwartungen selbst überraschen: unbezahlbar.
Schönstes Finish: Hannover. Weil so eine Mitteldistanz eine verdammt verrückte Geschichte für mich ist und einfach alles stimmte. Triathlon-Familie vor Ort, perfekte Mischung aus vollkommen erschöpft und vollkommen glücklich und dazu unglaubliche Dankbarkeit für großartige, während des Rennens kennengelernte Menschen, die mich nicht mehr allein gelassen und kurz vor der Wunsch-Zeit über die Ziellinie geschoben haben.
Trainingskilometer 2017:
Laufen: 882 km - minimalistisch, aber ausreichend!
Rad: 4707 km; 21.391 hm - das ist für einen Radfahrer nicht viel, für mich aber einfach mal 2.000 km mehr als 2016.
Schwimmen: Geschwommen bin ich auch schon mal.
Trainingsstunden 2017:
Laufen: 90 Stunden 19 Minuten
Rad: 194 Stunden, 48 Minuten
Schwimmen: Ob sich der Aufwand fürs Schwimmen in Stunden messen lässt, ist fraglich.
Erste Male 2017
Klar, hier stehen dieses Jahr einige größere Sachen in der Liste. Aber es sind auch die kleineren, die das Herz hüpfen lassen.
Erster Marathon:
Ich bin im April meinen ersten Marathon gelaufen. Zuhause in Düsseldorf, halbwegs heimlich und mit allerbester Unterstützung von Freunden und Familie. Ich kann mir kein schöneres Debüt vorstellen! Auch wenn einige Kilometer sehr hart waren, habe ich beim Finish gewusst, dass das nicht alles sein kann. Ich werde das nochmal machen!
Hier geht's zu den Artikeln:
Heimliche Marathon-Vorbereitung Teil 1
Heimliche Marathon-Vorbereitung Teil 2
Mein erster Marathon: Metro Marathon Düsseldorf 2017
Erste Triathlon Mitteldistanz:
Im Juni stand die erste Triathlon Mitteldistanz im Kalender. Mein Respekt vor einem Wettkampf, der voraussichtlich nochmal zwei Stunden länger als der Marathon dauert, war auf jeden Fall gigantisch - und ist es auch immer noch. Das ist das Faszinierende an der Mitteldistanz: Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Ich bin unheimlich froh und stolz, dass ich es geschafft habe, aber die ganze Sache flößt mir immer noch einen Heidenrespekt ein. Dieser Zustand fern ab von Zeit und Raum, während der Kopf sich ausschaltet (meistens!) und den Körper funktionieren lässt, ist absurd und zugleich spannend. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich drei Stunden komplett alleine auf dem Rad rumgekriegt habe. Ich weiß auch nicht, wieso ich überhaupt noch auf die Laufstrecke gegangen bin, wieso ich eine zweite Runde gelaufen bin. Nichts davon habe ich in diesen Momenten bewusst entschieden, sondern einfach gemacht. Ich bin sehr dankbar für drei wunderbare Begegnungen auf der Laufstrecke, dir mir den Arsch und vielleicht sogar das Finish gerettet haben. Aber: Ich weiß nicht, ob ich mir das nochmal antun muss.
Wasserstadt Triathlon Hannover - Mitteldistanz 2017
Erstes Cyclocross-Rennen:
Schnapsidee galore: Erst seit ein paar Tagen einen Crosser besitzen, Null Erfahrungen im Gelände haben, einfach mal ein Rennen fahren und unmittelbar vorher noch Halbmarathon laufen. Hört sich maximal bescheuert an, hat aber funktioniert. Ich habe mein Herz auf Anhieb ans Crossen verloren. Und wie.
Erstes Crossrennen: Cyclingworld Cyclocross Challenge
NRW Cross Cup 2017 inklusive hochgradig philosophischer Erklärung, was an Crossrennen so wunderbar ist
Erstes Rennrad Kriterium:
Meine bisherigen Rennrad-Rennen waren groß und mit vielen gesperrten Straßen: Berlin, Hamburg, Münster. Kriterien sind ein kleines bisschen spezieller, werden von Vereinen organisiert und finden auf kleinen Rundkursen statt, auf denen mehrere Runden gefahren werden. Das Teilnehmerfeld ist deutlich überschaubarer. Der Anspruch ist ein bisschen höher als bei den großen Rennen, weil man sehr viele Kurven fahren und somit sehr oft antreten muss - trotzdem ist es nicht so, als seien nur Profis am Start. Es gibt auch Hobby-Kriterien und es tut gar nicht weh, da mitzumachen. Direkt beim ersten Start durfte ich allerdings erfahren, wie das so läuft mit den Frauen im Radsport - extra Wertung? Siegerehrung? Fehlanzeige.
Erstes Kriterium: Rund um Bockum
Preis von Bochum Wiemelhausen - hoppla, irgendwie bin ich Bochumer Stadtmeisterin geworden.
Erstes Mountainbike Rennen:
Irgendwie bin ich da in etwas hinein geraten. Mountainbike fand ich nie spannend. Wenn man mit den Coffee & Chainrings Boys rumhängt, lässt es sich allerdings nicht vermeiden, dass die Begeisterung für die breiten Reifen über schwappt. Da ich mit dem Crosser ja schon erste Erfahrungen im Gelände sammeln konnte, wollte ich dann auch wissen, wie sich eigentlich so ein MTB unterm Hintern anfühlt. Die Antwort ist: zuerst ungewohnt, mittlerweile aber ziemlich gut. Inzwischen weiß ich sowohl die Federung als auch die Übersetzung zu schätzen. Während meines ersten Rennens habe ich das etwas anders gesehen: 65 km, 1300 hm bei Regen quer durch die Eifel. Ich bin vorher noch nie im Regen durch den Wald gefahren und hatte nicht die leiseste Ahnung, wie sich 1300 Höhenmeter anfühlen würden. Sie fühlen sich scheiße an. Überlebt habe ich trotzdem irgendwie - Ansgar sei Dank.
Vulkanbike MTB Halbmarathon
Und sonst so?
2017 war das Jahr der Tour de France in Düsseldorf. Was für ein Spektakel! Was für Emotionen. Ich war gleich dreifach involviert:
Im April bin ich unter anderem mit André Greipel, John Degenkolb und einigen anderen Radprofis ein Stück der Tour-Etappe testweise gefahren. Ja, mit dem Rad! Kreisch!
Schließlich dann im Juli: Grand Départ in Düsseldorf. Ein Erlebnis der Kategorie once in a lifetime.
Tissot hatte zu Inside Tour de France eingeladen: Ich war zwei Tage in Frankreich und durfte hinter die Kulissen der Tour schauen, auf der gesperrten Strecke radeln, mit dem Helikopter über das Rennen fliegen und lauter verrückte Sachen machen. Danke dafür!
Seit 2017 bin ich außerdem ein Teil von Coffee & Chainrings. Hinter dieser wunderbaren Truppe steckt ein kleiner, aber feiner Haufen Fahrrad-Enthusiasten, von denen einige online sehr aktiv sind und andere kaum. Alle vereint, dass sie das Herz am rechten Fleck haben und verdammt gute Typen sind. Auch wenn wir uns nicht immer einig sind, schätze ich den Austausch, das Anfixen mit bekloppten Ideen und den Teamgeist. An der Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Ansgar, ohne den ich meine MTB-Erfahrung in der Eifel wahrscheinlich ein Stück weit traumatischer in Erinnerung hätte, und an Markus für einfach alles.
Triathlon: Nach der Mitteldistanz reizt mich zurzeit kein neues Ziel. Ich habe meine Triathlon-Saison schon im Juli beendet - nach den Sprints in Düsseldorf und Hamburg. Besonders an Hamburg denke ich gerne zurück, weil einfach alles gepasst hat. Ein schöner Abschluss - und bisher stehen keine neuen Pläne im Kalender.
Ich bin 2017 das eine oder andere Mal mehr ins kalte Wasser gesprungen, habe Dinge geübt, die ich nicht gut kann, die mir trotzdem Spaß machen und andere Dinge zu den Akten gelegt, die mir weniger viel Spaß machen - schwimmen zum Beispiel. Ich habe viele großartige Menschen kennengelernt. Ich habe Grenzen verschoben, viel Neues ausprobiert und versucht, mich weiterhin in Gelassenheit zu üben. Das klappt nicht immer - fragt mal alle, die in der Woche vor dem Marathon mit mir zu tun hatten! Ich bin dankbar für ein Jahr, in dem ich ohne nennenswerte Verletzungspausen ausprobieren konnte, was möglich ist, was ich kann, was ich möchte und was ich noch viel besser können möchte.
2018 gehört übrigens nicht nur sämtlichen Arten von Fahrrädern, sondern auch weiterhin den Laufschuhen. Und zwar nicht nur kurz und schnell, sondern auch nochmal lange und langsam. Beim Radfahren warten auch unterschiedliche Herausforderungen: Von sehr weit bis rund um die Uhr bis kurz und intensiv wird alles dabei sein. Ich freu mich drauf und danke euch, dass ihr dabei seid! Kommt gut ins neue Jahr!

Zahlen, Daten, Fakten 2017
Anzahl der Startlinien, an denen ich in diesem Jahr gestanden habe: 25
Davon im Wasser: 4
Davon auf dem Rad: 13
Bleiben für Laufschuhe übrig: 8
Distanzen:
Kürzestes Rennen (Strecke): Rad Race Battle in Hamburg, 190 Meter
Längstes Rennen (Strecke): am gleichen Wochenende wie das Rad Race: Cyclassics Hamburg, 120 km
Zeiten:
Kürzestes Rennen (Zeit): keine Zeitmessung beim Rad Race Battle, daher Neusser Erftlauf über 5 km in 24:33 Minuten
Längstes Rennen (Zeit): Mitteldistanz beim Wasserstadt Triathlon Hannover, 06:28:03 Stunden
Härtestes Rennen: Es steht 1:1 zwischen der Mitteldistanz in Hannover und dem MTB-Halbmarathon in Daun. Das Lachen täuscht.

Größte Schnapsidee: Erst bei der Duisburger Winterlaufserie Halbmarathon laufen und nur eine Stunde später zum ersten Mal Cyclocross-Rennen in Düsseldorf fahren. Nicht klug, aber geil.
Magischster Rennmoment: Mit Kettcars "48 Stunden" im Ohr und Tränen in den Augen bei den Cyclassics realisieren, was Erfolg für mich bedeutet.
Schönster Lauf: Halbmarathon beim Rhein City Run. Sich nach einer Nacht ohne Schlaf mit Null Erwartungen selbst überraschen: unbezahlbar.
Schönstes Finish: Hannover. Weil so eine Mitteldistanz eine verdammt verrückte Geschichte für mich ist und einfach alles stimmte. Triathlon-Familie vor Ort, perfekte Mischung aus vollkommen erschöpft und vollkommen glücklich und dazu unglaubliche Dankbarkeit für großartige, während des Rennens kennengelernte Menschen, die mich nicht mehr allein gelassen und kurz vor der Wunsch-Zeit über die Ziellinie geschoben haben.

Trainingskilometer 2017:
Laufen: 882 km - minimalistisch, aber ausreichend!
Rad: 4707 km; 21.391 hm - das ist für einen Radfahrer nicht viel, für mich aber einfach mal 2.000 km mehr als 2016.
Schwimmen: Geschwommen bin ich auch schon mal.
Trainingsstunden 2017:
Laufen: 90 Stunden 19 Minuten
Rad: 194 Stunden, 48 Minuten
Schwimmen: Ob sich der Aufwand fürs Schwimmen in Stunden messen lässt, ist fraglich.
Erste Male 2017
Klar, hier stehen dieses Jahr einige größere Sachen in der Liste. Aber es sind auch die kleineren, die das Herz hüpfen lassen.
Erster Marathon:
Ich bin im April meinen ersten Marathon gelaufen. Zuhause in Düsseldorf, halbwegs heimlich und mit allerbester Unterstützung von Freunden und Familie. Ich kann mir kein schöneres Debüt vorstellen! Auch wenn einige Kilometer sehr hart waren, habe ich beim Finish gewusst, dass das nicht alles sein kann. Ich werde das nochmal machen!
Hier geht's zu den Artikeln:
Heimliche Marathon-Vorbereitung Teil 1
Heimliche Marathon-Vorbereitung Teil 2
Mein erster Marathon: Metro Marathon Düsseldorf 2017

Erste Triathlon Mitteldistanz:
Im Juni stand die erste Triathlon Mitteldistanz im Kalender. Mein Respekt vor einem Wettkampf, der voraussichtlich nochmal zwei Stunden länger als der Marathon dauert, war auf jeden Fall gigantisch - und ist es auch immer noch. Das ist das Faszinierende an der Mitteldistanz: Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Ich bin unheimlich froh und stolz, dass ich es geschafft habe, aber die ganze Sache flößt mir immer noch einen Heidenrespekt ein. Dieser Zustand fern ab von Zeit und Raum, während der Kopf sich ausschaltet (meistens!) und den Körper funktionieren lässt, ist absurd und zugleich spannend. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich drei Stunden komplett alleine auf dem Rad rumgekriegt habe. Ich weiß auch nicht, wieso ich überhaupt noch auf die Laufstrecke gegangen bin, wieso ich eine zweite Runde gelaufen bin. Nichts davon habe ich in diesen Momenten bewusst entschieden, sondern einfach gemacht. Ich bin sehr dankbar für drei wunderbare Begegnungen auf der Laufstrecke, dir mir den Arsch und vielleicht sogar das Finish gerettet haben. Aber: Ich weiß nicht, ob ich mir das nochmal antun muss.
Wasserstadt Triathlon Hannover - Mitteldistanz 2017

Erstes Cyclocross-Rennen:
Schnapsidee galore: Erst seit ein paar Tagen einen Crosser besitzen, Null Erfahrungen im Gelände haben, einfach mal ein Rennen fahren und unmittelbar vorher noch Halbmarathon laufen. Hört sich maximal bescheuert an, hat aber funktioniert. Ich habe mein Herz auf Anhieb ans Crossen verloren. Und wie.
Erstes Crossrennen: Cyclingworld Cyclocross Challenge
NRW Cross Cup 2017 inklusive hochgradig philosophischer Erklärung, was an Crossrennen so wunderbar ist

Meine bisherigen Rennrad-Rennen waren groß und mit vielen gesperrten Straßen: Berlin, Hamburg, Münster. Kriterien sind ein kleines bisschen spezieller, werden von Vereinen organisiert und finden auf kleinen Rundkursen statt, auf denen mehrere Runden gefahren werden. Das Teilnehmerfeld ist deutlich überschaubarer. Der Anspruch ist ein bisschen höher als bei den großen Rennen, weil man sehr viele Kurven fahren und somit sehr oft antreten muss - trotzdem ist es nicht so, als seien nur Profis am Start. Es gibt auch Hobby-Kriterien und es tut gar nicht weh, da mitzumachen. Direkt beim ersten Start durfte ich allerdings erfahren, wie das so läuft mit den Frauen im Radsport - extra Wertung? Siegerehrung? Fehlanzeige.
Erstes Kriterium: Rund um Bockum
Preis von Bochum Wiemelhausen - hoppla, irgendwie bin ich Bochumer Stadtmeisterin geworden.

Erstes Mountainbike Rennen:
Irgendwie bin ich da in etwas hinein geraten. Mountainbike fand ich nie spannend. Wenn man mit den Coffee & Chainrings Boys rumhängt, lässt es sich allerdings nicht vermeiden, dass die Begeisterung für die breiten Reifen über schwappt. Da ich mit dem Crosser ja schon erste Erfahrungen im Gelände sammeln konnte, wollte ich dann auch wissen, wie sich eigentlich so ein MTB unterm Hintern anfühlt. Die Antwort ist: zuerst ungewohnt, mittlerweile aber ziemlich gut. Inzwischen weiß ich sowohl die Federung als auch die Übersetzung zu schätzen. Während meines ersten Rennens habe ich das etwas anders gesehen: 65 km, 1300 hm bei Regen quer durch die Eifel. Ich bin vorher noch nie im Regen durch den Wald gefahren und hatte nicht die leiseste Ahnung, wie sich 1300 Höhenmeter anfühlen würden. Sie fühlen sich scheiße an. Überlebt habe ich trotzdem irgendwie - Ansgar sei Dank.
Vulkanbike MTB Halbmarathon

Und sonst so?
2017 war das Jahr der Tour de France in Düsseldorf. Was für ein Spektakel! Was für Emotionen. Ich war gleich dreifach involviert:
Im April bin ich unter anderem mit André Greipel, John Degenkolb und einigen anderen Radprofis ein Stück der Tour-Etappe testweise gefahren. Ja, mit dem Rad! Kreisch!
Schließlich dann im Juli: Grand Départ in Düsseldorf. Ein Erlebnis der Kategorie once in a lifetime.
Tissot hatte zu Inside Tour de France eingeladen: Ich war zwei Tage in Frankreich und durfte hinter die Kulissen der Tour schauen, auf der gesperrten Strecke radeln, mit dem Helikopter über das Rennen fliegen und lauter verrückte Sachen machen. Danke dafür!

Seit 2017 bin ich außerdem ein Teil von Coffee & Chainrings. Hinter dieser wunderbaren Truppe steckt ein kleiner, aber feiner Haufen Fahrrad-Enthusiasten, von denen einige online sehr aktiv sind und andere kaum. Alle vereint, dass sie das Herz am rechten Fleck haben und verdammt gute Typen sind. Auch wenn wir uns nicht immer einig sind, schätze ich den Austausch, das Anfixen mit bekloppten Ideen und den Teamgeist. An der Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Ansgar, ohne den ich meine MTB-Erfahrung in der Eifel wahrscheinlich ein Stück weit traumatischer in Erinnerung hätte, und an Markus für einfach alles.

Triathlon: Nach der Mitteldistanz reizt mich zurzeit kein neues Ziel. Ich habe meine Triathlon-Saison schon im Juli beendet - nach den Sprints in Düsseldorf und Hamburg. Besonders an Hamburg denke ich gerne zurück, weil einfach alles gepasst hat. Ein schöner Abschluss - und bisher stehen keine neuen Pläne im Kalender.
Scheiß Wetter: Kann mir gar nix mehr. Ich erinnere mich noch sehr oft an Braver Than The Elements im März - 90 km radeln bei 8° und Dauerregen. Wenn man das einmal hinter sich hat, ist irgendwie auch alles egal. Zum Beispiel der erste Triathlon der Saison in Gladbeck, Olympische Distanz bei Gewitter. Aber nicht nur auf dem Rennrad war es 2017 nass, sondern auch im Gelände: Dass mein erstes MTB-Rennen so ins Wasser fallen könnte, hatte ich vorher nicht in Betracht gezogen - schön blöd. Beim Cyclocross rechnet man ja schon eher mit Dreck und Matsch - und irgendwie ist von Mal zu Mal weniger von meinem Gesicht zu erkennen.

Mach immer, was dein Herz dir sagt: Es ist das pure Glück, etwas zu unternehmen und im selben Moment zu wissen, dass man gerade nichts auf der Welt lieber tun würde. Um minus 1000 Uhr den ersten Sonnenstrahlen entgegen fahren, raus aus Hamburg, die Köhlbrandbrücke rauf. Die Cyclassics waren für mich sehr emotional und erkenntnisreich - manche studieren Philosophie, ich fahre halt Rad ... Aber auch beim Laufen habe ich eine sinnvolle Erkenntnis gewonnen: Du bist immer dann am besten, wenn's dir eigentlich egal ist. So wie beim Rhein City Run von Düsseldorf nach Duisburg.

Ich bin 2017 das eine oder andere Mal mehr ins kalte Wasser gesprungen, habe Dinge geübt, die ich nicht gut kann, die mir trotzdem Spaß machen und andere Dinge zu den Akten gelegt, die mir weniger viel Spaß machen - schwimmen zum Beispiel. Ich habe viele großartige Menschen kennengelernt. Ich habe Grenzen verschoben, viel Neues ausprobiert und versucht, mich weiterhin in Gelassenheit zu üben. Das klappt nicht immer - fragt mal alle, die in der Woche vor dem Marathon mit mir zu tun hatten! Ich bin dankbar für ein Jahr, in dem ich ohne nennenswerte Verletzungspausen ausprobieren konnte, was möglich ist, was ich kann, was ich möchte und was ich noch viel besser können möchte.
2018 gehört übrigens nicht nur sämtlichen Arten von Fahrrädern, sondern auch weiterhin den Laufschuhen. Und zwar nicht nur kurz und schnell, sondern auch nochmal lange und langsam. Beim Radfahren warten auch unterschiedliche Herausforderungen: Von sehr weit bis rund um die Uhr bis kurz und intensiv wird alles dabei sein. Ich freu mich drauf und danke euch, dass ihr dabei seid! Kommt gut ins neue Jahr!
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